E-Book, Deutsch, 258 Seiten
Weisse Meine Dramen
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-3967-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 258 Seiten
ISBN: 978-3-8496-3967-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Christian Felix Weiße war ein deutscher Schriftsteller und Pädagoge. Weiße zählt zu den bedeutenden Vertretern der Aufklärung und gilt als Begründer der deutschen Kinder- und Jugendliteratur. In dieser Edition finden sich seine beiden bekanntesten Dramen, 'Atreus und Thyest' und 'Die Jagd'.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Vierter Aufzug
Erster Auftritt
ATREUS alleine.
So soll es sein! – Er dank' es seinem Glücke,
Daß ihn die Rache nicht zu langer Qual
Noch aufbewahrt! daß seiner nicht mein Spott
Noch in dem Tode lacht, wann dieser nun
Das Herz ihm bricht, und jeden Zug die Angst
Im Angesicht mit bleichen Farben malt! –
Dies Schauspiel raubt mir bloß des Priesters List!
Ah! Rach und Tod auf des Verräters Kopf!
Er soll mir büßen! ja! beim Zeus! er soll
Die Schrecken, die ich feierlich ihm schwur,
Die soll er fühlen! spät sei's oder früh!
Ich lehr' ihn zittern, noch im Reich der Schatten.
Vor Schrecken soll das Rad, das neben ihm
Ixion wälzt, auf einmal stillestehn,
Und dann im Herzen seines Tityus,
Der Geier seinen Fraß vergessen. Ja,
Die Hölle zittern, daß des Atreus Wut
Mehr Qualen noch erdacht, als sie gekannt ....
Es kömmt mein Weib! – sie muß mir ihre Kunst
Zur Mordtat leihn. – Es wankt Aegisth! ...
Das weibliche Geschwätz zerschmelzet leicht
Sein Herz ... Was bringst du mir?
Zweiter Auftritt
Atreus, Pelopia.
PELOPIA.
Mein König, hast
Du vor dem Schloß den Auflauf schon gesehn?
ATREUS.
Ich sah ihn wohl. Und weißt du, was das Volk
Begehrt?
PELOPIA.
Ich horchte still, was sein Gespräch,
Sein Auflauf sei; die Lüfte säuselten
Thyest, Thyest mir zu. –
ATREUS.
Wie ich gefürchtet! –
Ha! wir sind in Gefahr! der Aufruhr stürmt:
Noch atmet er, und bald, lass' ich ihm Zeit,
Bläst er im Sturm, reißt mir das Diadem
Vom Haupt, stürzt mich vom Thron und dich zugleich!
Dich, meine Königin! – Ich zittre nicht
Für mich – für dich! ... Entsetzen! wann Thyest
Uns auf den Nacken tritt, von deinem Sohne
Das blut'ge Eingeweid' uns ins Gesichte
Mit grimm'gem Hohne schlägt ...
PELOPIA.
Was sagst du, Herr?
ATREUS.
Was unausbleiblich ist, wenn nicht die Wolke
Ein jäher Blitz zerreißt und schnell herab
Auf die Verräter fällt, die sie getürmt.
PELOPIA.
Wer sind sie?
ATREUS.
Wer? der Priester und Thyest!
PELOPIA.
Thyest! der ohnmachtsvoll im Kerker liegt?
ATREUS.
In seinen Namen hüllt das Mordgespenst
Sich ein; der Priester wirft ihm vom Altar
Die heil'gen Kleider um, und gibt ihm keck
Zu dem Panier den feilen Götterspruch,
Den er darauf mit blut'gen Lettern schreibt.
Schon fasset es die Säulen meines Throns –
Er bebt, schlag es zurück, sonst fällt er! fällt
Auf dich und deinen Sohn!
PELOPIA.
Die Phantasei
Täuscht dich vielleicht mit falschen Schrecken!
ATREUS.
Ah!
Hab' ich sie nicht, den Priester und Thyesten
Hier selbst belauscht, mit eignem Ohr gehört?
Ich soll vom Thron herabgeworfen sein!
Man will ihn erst hin in der Götter Schutz,
In Tempel ziehn, wo stolz der Priester herrscht. –
Ein Augenblick entscheidet unser Los;
Ist der entflohn ...
PELOPIA.
Und was ist dein Entschluß?
Mir sagt' Aegisth bloß im Vorübergehn,
Daß du dich dem Thyest versöhnen willst.
ATREUS.
Ein Vorwand, einen Punkt der Zeit für uns
Noch zu gewinnen! sieh den Plan und rette
Dich, mich und deinen Sohn, uns und das Reich!
PELOPIA.
Was soll geschehn? Dein Will' ist mein Gesetz!
ATREUS.
Der Priester stillt den Sturm des Volks anitzt:
Du siehst! es ist Betrug, damit er mir
Nur den Thyest entriß: – Er kömmt und holt
Mich dann in Tempel ab, wo ich, um nicht
Gleich in der ersten Flut ersäuft zu sein,
Mit dem Thyest, Versöhnung öffentlich
Ihm angelobt. Aegisth soll, glaubt der Tor,
Thyesten hin begleiten, dann will er
(Dies horcht' ich ihnen ab) zum König ihn
Vor allem Volk ernennen (denn er weiß
Den Wankelmut des Volks, das seiner Schwären,
Die Pest und Hunger schlägt, wünscht los zu sein),
Dann ... o das Schreckliche! dann ... soll ich dir
Es sagen, was für uns erfolgen wird? –
PELOPIA.
Wie beugt man ihnen vor?
ATREUS.
Thyest darf nie
Zum Tempel kommen, nie die freie Luft
Mehr atmen, sonst – sonst ist's um uns geschehn!
PELOPIA.
Das heißt, er soll ...
ATREUS.
Ja, er soll sterben!
PELOPIA.
Ah!
ATREUS.
Wie? Du erschrickst?
PELOPIA.
Verzeih! ein weiblich Herz
Entsetzet sich zu leicht beim Klang des Todes!
ATREUS.
Verbann itzt diese Furcht! Bewaffne dich
Mit männergleichem Mut! – Es muß Aegisth
Den Todesstreich vollziehn!
PELOPIA.
Aegisth? mein Sohn?
ATREUS.
Aegisth! Dein Sohn und mein Sohn! ja, er muß!
Bereit ihn vor! es möcht' ihn meine Wut,
Wenn sie des Jünglings Herz unfolgsam fände,
Zermalmen. – Schon war er mir widerspenstig!
Um deinetwillen hab' ich ihm verziehn.
Der Mutter Sanftmut streicht oft Honigseim
Auf ein Gebot, das in der Väter Ernst
Gehüllt, der Weichlichkeit zu bitter scheint.
Entschließe dich! es bringt der Augenblick
Vielleicht den Priester uns zurück: dann ist's
Um uns geschehn! Qual, Angst und Tod,
Grab und Verwesung liegt bei Kron' und Reiche
Vor dir: was wählest du für dich, für mich,
Für den Aegisth?
PELOPIA.
Was die Vernunft gebeut ....
Doch, König, Herr! kann nicht ein anderer ...
ATREUS.
Nein, sag' ich, nein: warum nicht er? wer soll
Gehorsamer für meinen Willen sein
Als er? wem soll ich traun? – Verrätern?
PELOPIA.
Herr!
Ich fürchte nur ...
ATREUS.
Was? fürchtest du ihn mehr
Als mich! so fürchte stracks für ihn! Mein Arm
Hat Kraft genug, den Ungehorsam selbst
In ihm zu züchtigen. Der Donner brennt!
Im Augenblick ist er von dem Thyest
Auf den Aegisth gelenkt: das Blut, das nicht
Den Bruder schützt, schützt wahrlich nicht den Sohn;
Und ich ... ich schwöre dir beim Styx ...
PELOPIA.
Halt ein!
Was soll er tun?
ATREUS.
Gehorchen.
PELOPIA.
Wie? und wann?
ATREUS.
Im Augenblick. Sobald der Priester mich
Von hinnen führt .... (O Mord durch mein Gebein,
Daß ich nicht des Triumphs in meiner Rache selbst
Genießen soll! G'nug Ruhm für den Aegisth,
Daß er von meiner Rach' ein Werkzeug wird!) –
Im Augenblick, sobald der Priester...




