Westphal | Bulle bleibt Bulle | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 336 Seiten

Reihe: Gerd Sehling

Westphal Bulle bleibt Bulle

Kriminalroman
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98707-350-2
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 2, 336 Seiten

Reihe: Gerd Sehling

ISBN: 978-3-98707-350-2
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Bulle bleibt Bulle - Fesselnde Ermittlungen im Drogenmilieu von Hamburg bis Barcelona Der pensionierte Rauschgiftfahnder Gerd Sehling lässt sich von seiner Frau zu einem Kurztrip nach Barcelona überreden. Doch schon am Flughafen läuft ihm ein Dealer aus einem alten Fall über den Weg, und es ist vorbei mit der geplanten Auszeit. Eine Lieferung Kokain rollt Richtung Hamburg, und Gerd gerät mitten hinein in ein internationales Netzwerk aus Dealern, Kurieren und skrupellosen Hintermännern. Was als Urlaub beginnt, wird zu einem der gefährlichsten Einsätze seines Lebens. Kenntnisreich, glaubwürdig und hochspannend schildert Bestsellerautor Ben Westphal in Bulle bleibt Bulle die Ermittlungen im Drogenmilieu, hautnah an echten Fällen orientiert. Von der Rauschgiftfahndung in Hamburg bis in die Unterwelt Barcelonas spinnt sich ein dichtes Netz aus Drogengeschäften, Gewalt und Betrug, in dem auch Gerd Sehling um sein Leben fürchten muss. Ein packender Kriminalroman über die Arbeit der Drogenfahnder - so realistisch und authentisch, wie nur ein Insider schreiben kann. »Hautnah den echten Fällen des Rauschgiftfahnders Ben Westphal nachempfunden.« HAMBURGER WOCHENBLATT über »Der Bulle von Hamburg«

Ben Westphal, 1981 in Hamburg geboren, machte nach dem Abitur eine Ausbildung als Kriminalbeamter. 2006 wechselte er ins Rauschgiftdezernat. Einige Jahre später begann er, Rauschgift-Krimis mit Hamburg-Bezug zu schreiben - und was als einmaliges Pensionsgeschenk für einen Kollegen begann, wurde zu einer Leidenschaft fürs Schreiben. www.BenWestphal.de
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2


Mit einem gellenden Piepen schließen sich hinter Tim Dombrowski die Türen der silber-orangenen Hamburger U-Bahn. In Fahrtrichtung geht er direkt auf die lange Rolltreppe zu, deren Ende man selbst am Sockel kaum erkennen kann. Die U-Bahn nimmt währenddessen Fahrt auf und zieht einen kühlen Fahrtwind hinter sich her, der Dombrowskis braune Haare aufwehen lässt.

Er stellt sich auf die unterste Stufe und blickt hinauf zum Ende der Treppe, das gemächlich auf ihn zukommt.

Er ist nicht in Eile, denn er ist pünktlich mit der verkehrsunabhängigen Hochbahn zu dem kurzfristig vereinbarten Termin losgefahren. Viel lieber würde er jetzt im Dienstwagen sitzen und seinen alten Kollegen Gerd zum Hamburger Flughafen bringen. Obwohl sie sich immer gut verstanden haben, sehen sie sich in letzter Zeit seltener. Gerd hält offenbar absichtlich Distanz zu seinem alten Leben oder wird vielleicht von Dörte ferngehalten. Und die Arbeit hält Dombrowski selbst auch stets in Atem. Kaum ein Arbeitstag, an dem mal ein wenig Luft zum Verschnaufen bleibt. Der Tag müsste einfach mehr Stunden zur Verfügung haben oder die Woche ein paar mehr freie Tage.

Doch die Rauschgiftfahndung, bei der Dombrowski seit vielen Jahren arbeitet, kennt oft kein Wochenende oder einen Feierabend. Stattdessen orientiert man sich an seinen »Kunden«. Warten, bis sie in den frühen Nachmittagsstunden aus ihrer Lethargie erwachen, und dann eng dranbleiben, wenn sie ihrem illegalen Handel nachgehen.

Der Vormittag ist vollgestopft mit langatmigen Besprechungen, dem Anhören von aufgezeichneten Telefongesprächen und der ausführlichen Berichterstattung für die Staatsanwaltschaft, um Durchsuchungsbeschlüsse für Wohnungen oder Haftbefehle für die verfolgten Drogenhändler zu erlangen.

Und dann noch solch ein leidiger Termin, wie er ihm jetzt bevorsteht. Langsam senkt sich sein Blick, und er schaut auf das Ende der Rolltreppe. Er macht einen großen Schritt und geht mit gemäßigtem Tempo in Richtung des Sievekingplatzes, von dem auch die Holstenglacis abgeht.

Direkt am prachtvollen Strafjustizgebäude befinden sich auch die in die Jahre gekommenen, vergitterten grauen Trakte der Untersuchungshaftanstalt. Hier tummeln sich in ihren Einzelzellen die Straftäter, die wegen Flucht- oder Verdunkelungsgefahr im Gefängnis auf ihr Strafverfahren warten. Aber auch Kleinstkriminelle, die Ersatzfreiheitsstrafen verbüßen müssen, weil sie die erlassenen Geldstrafen nicht bezahlen können und per Haftbefehl in die Anstalt gebracht werden.

Dombrowski geht am Gebäude entlang, bis er zu einem grauen Metallzaun gelangt, durch dessen geöffnete Tür er hindurchgeht.

Nach mehreren Stufen bleibt er vor einer schweren Metalltür mit einem schlichten weißen Klingelknopf stehen. Er klingelt und wartet dort wie vor einem verruchten Nachtclub. Das surrende Brummen erklingt, während sich die Stahltür ermüdend langsam nach innen öffnet. Dombrowski tritt in den Vorraum. Dort bleibt er vor einer Glastür stehen. Er atmet dabei den Geruch abgestandener Luft ein. Langsam schwingt die Metalltür wieder zu. Sie verschließt sich hinter ihm. Er zieht aus der Jackentasche seinen Dienstausweis, den er gegen die Scheibe der Glastür hält. Die Justizbeamten, die hinter der Tür in einem sicheren Glaskasten sitzen, nicken ihm freundlich zu. Sie öffnen die Tür per Knopfdruck, nachdem die schwere Eingangstür wieder komplett verschlossen ist. Dombrowski geht an dem Glaskasten vorbei durch eine weitere Tür, die ihm mit einem dumpfen Brummen geöffnet wird, um in den Glaskasten der Justizbeamten zu gelangen. Dort verschließt er sein Handy und die Dienstwaffe in einem kleinen Holzfach. Er legt im Anschluss den Dienstausweis vor, damit er in die Gästeliste eingetragen werden kann. »Ich bin hier für Faruk Simsek.«

Während der Justizbeamte mühevoll mittels Einfinger-Suchsystem den Nachnamen in den Computer eingibt, blickt Dombrowski durch die grau gestrichenen Gänge des Traktes. Sie lassen den Besuch für die Verwandten und Bekannten der Insassen sicherlich noch trostloser und entmutigender wirken.

»Gut, Herr Dombrowski. Viel Spaß. Sie werden bereits sehnlichst erwartet«, teilt der Justizbeamte mit und reicht Dombrowski den Dienstausweis zurück.

»Das habe ich befürchtet«, erwidert Dombrowski. »Bis nachher.«

Dombrowski geht über eine kurze Steintreppe in den Warteraum des Besucherzentrums. Die Gummisohlen seiner Turnschuhe quietschen auf dem frisch gewischten Boden. Mehrere Stuhlreihen sind im Wartebereich aufgebaut. Vereinzelt sitzen dort Frauen, zum Teil voll verschleiert, zum Teil aufgedonnert, als würden sie direkt im Anschluss feiern gehen und dabei der Männerwelt den Kopf verdrehen wollen.

In der hintersten Ecke sitzt die junge Frau, die unbedingt noch heute einen Besuchstermin haben wollte, weil sie dann ins Krankenhaus muss. Vorher wollte sie dringend noch einmal ihren Geliebten sehen. Sie konnte nicht sagen, wann sie wieder dazu in der Lage sein würde.

Mitgefühl hat sich bei ihrem Anruf in Dombrowski breitgemacht und ließ ihn erweichen. Wer weiß, welch ein Leiden sie plagt? So ist er ihr entgegengekommen und hat widerwillig für heute diesen Besuchstermin vereinbart.

Sie trägt ein knappes Shirt mit Spaghettiträgern und eine weite dunkle Jogginghose. Dazwischen drücken sich Bauch und Taille wulstig heraus. In den Ohrläppchen hängen bierdeckelgroße goldene Ringe, die auf ihren schmalen Schultern aufliegen. Ihre ausgetretenen Turnschuhe hat sie nicht richtig zugebunden, und so zieht sie die offenen Schnürsenkel mit jedem Schritt über den Boden, während sie auf Dombrowski zugeht.

»Moin moin, Frau Schulze, dann wollen wir mal. Sie kennen ja die Regeln. Keine Gespräche über das Verfahren. Keine Berührung, ansonsten muss ich leider direkt wieder abbrechen«, erklärt Dombrowski freundlich, aber bestimmt gegenüber der unschuldig dreinschauenden jungen Frau.

Er versucht, sich den Groll nicht anmerken zu lassen, den er hegt, seitdem sie ihre Aussage gegen Cemal Sarikaya zurückgezogen hat. Dabei war diese ausschlaggebend, um ihn als Kopf der vor einigen Monaten festgenommenen Bande hinter Gitter bringen zu können. Inzwischen ist er gegen eine ansehnliche Kaution wieder auf freiem Fuß. Sein Anwalt hat dem gnädigen Haftrichter aufgezeigt, dass sich sein Mandant von der Betäubungsmittelszene abgewandt habe und ein gut laufendes Café in Harburg betreiben würde. Die als unglaubwürdig einzuschätzende Zeugin ließe zudem Zweifel am dringenden Tatverdacht aufkommen, und bevor Dombrowski davon Wind bekam, war der Haftbefehl gegen Cemal bereits aufgehoben.

Charleen Schulze ist jedoch nicht wegen Cemal hierhergekommen, sondern wegen ihrer großen Liebe Faruk. Er sitzt auch weiterhin in Untersuchungshaft, nachdem er im letzten Frühjahr in einem Auto voller Marihuana und Kokain festgenommen wurde. Da hat es ihm auch nicht geholfen, dass er inzwischen bei seiner Freundin amtlich gemeldet ist und sie ihm somit zu einem festen Wohnsitz verholfen hat.

Dombrowski und Charleen kommen an der Holztür zur Besucherzelle an. Sie wird ihnen durch einen dickbäuchigen Schließer mit langem Vollbart und Nickelbrille geöffnet.

Es ist ein kleiner, fensterloser Raum, dessen Wände weiß sind, jedoch lange nicht mehr gestrichen wurden. Je tiefer man an den Wänden herabschaut, desto mehr Verschmutzungen erkennt man.

Im Raum steht ein Tisch, der im Fußraum mit Holzplatten und auf der Tischfläche durch Plexiglasscheiben in der Mitte getrennt ist. Auf der gegenüberliegenden Seite sitzt Faruk Simsek. Seine langen, pomadigen Haare hängen ihm bis auf die Schultern. Der lange Bart ist grob gekämmt und an der Spitze verzwirbelt. Faruk sitzt breitbeinig in einem dunkelblauen Jogginganzug auf dem harten Holzstuhl und blickt geradezu durch Dombrowski hindurch zur Tür.

Dombrowski belehrt Faruk über die Regeln und lässt sich mit den letzten Worten auf einen Bürostuhl neben der Plexiglasscheibe am Kopf des Tisches fallen. Er verschränkt die Hände ineinander und blickt ein erstes Mal auf die Wanduhr, deren Sekundenzeiger quälend langsam vorwärts springt.

»Schaaatz, oh Schatz«, ruft Charleen hysterisch zur Begrüßung und läuft an den Tisch heran, als würde sie durch die Scheibe hindurchspringen wollen. »Schatz, ich vermisse dich so. Was machst du, wie geht es dir?«, fragt sie sichtlich besorgt, wobei ihr erste Tränen in die dunkel geschminkten Augen treten. Sie rollen kurz darauf über die falschen Wimpern und fallen auf ihre mit Rouge verzierten Wangen.

»Baby, was soll ich sagen? Knast halt. Viel wichtiger: Hast du mir Geld hier rein überwiesen? Morgen ist Einkauf. Dann erst wieder nächste Woche.« Faruk lehnt sich auf seinem Stuhl zurück. Er betrachtet seine Freundin mit gleichgültigem Gesichtsausdruck. Ein Kaugummi kaut er hektisch und lässt es immer wieder zwischen seinen Zähnen aufblitzen.

»Ja, Schatz. Ich habe gerade gestern Geld vom Amt bekommen. Eigentlich sollten hundert Euro auf deinem Konto eingegangen sein. Ich habe das nicht richtig verstanden, aber dein Anwalt ist voll korrekt. Der hat das für mich gemacht. Kriegst du sonst nichts zu essen hier?«, antwortet...


Westphal, Ben
Ben Westphal, 1981 in Hamburg geboren, machte nach dem Abitur eine Ausbildung als Kriminalbeamter. 2006 wechselte er ins Rauschgiftdezernat. Einige Jahre später begann er, Rauschgift-Krimis mit Hamburg-Bezug zu schreiben – und was als einmaliges Pensionsgeschenk für einen Kollegen begann, wurde zu einer Leidenschaft fürs Schreiben.
www.BenWestphal.de

Ben Westphal, 1981 in Hamburg geboren, machte nach dem Abitur eine Ausbildung als Kriminalbeamter. 2006 wechselte er ins Rauschgiftdezernat. Einige Jahre später begann er, Rauschgift-Krimis mit Hamburg-Bezug zu schreiben – und was als einmaliges Pensionsgeschenk für einen Kollegen begann, wurde zu einer Leidenschaft fürs Schreiben.
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