E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Baccara
WhiteFeather Liebe - bei Tag und bei Nacht
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-6596-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Baccara
ISBN: 978-3-7337-6596-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Hallo Lea!' Michaels erotische Stimme lässt Lea erschauern. Doch warum kommt ihr mitternächtlicher Lover plötzlich am helllichten Tag vorbei? Will er Sex? Oder will er ihre Affäre beenden, weil er schließlich hinter ihr wohlbehütetes Geheimnis gekommen ist ....
Sheri WhiteFeather hat schon viele Berufe ausprobiert: Sie war Verkaufsleiterin, Visagistin und Kunsthandwerkerin. All das gibt ihr für ihre Romances Anregungen, aber am meisten wird sie von ihrem Ehemann inspiriert. Er stammt von den Muskogee-Creek-Indianern ab und ist Silberschmied. Er ist sehr tierlieb, so dass in ihrem Haushalt eine ganze Menagerie untergebracht ist. Sheri und ihr Mann haben einen Sohn im Teenageralter, der Kalifornien, fast food und sein Skateboard liebt. In ihrer Freizeit besucht Sheri am liebsten indianische Powwows und Kunstgalerien, stöbert gern in Antiquitätengeschäften und geht in kleinen, ursprünglichen Restaurants essen. Die Helden in ihren Romances sind meistens moderne Krieger - wortkarg, aufrichtig, athletisch und sehr leidenschaftlich. Oft suchen sie nach ihren eigenen Ursprüngen, nach den Wurzeln ihrer Herkunft, und so verwundert es nicht, dass Sheri beabsichtigt, auch in der Zukunft über ihr Lieblingsthema, indianische Stammesgeschichte, so viel wie möglich zu schreiben. Sheri hält den Beruf der Romance-Autorin für den schönsten Job der Welt. Am Besten gefällt ihr daran, dass sie arbeiten kann, wann immer es ihr passt. Einzige Voraussetzung ist, dass ihre englische Bulldogge auf ihren Füßen liegt und zufrieden vor sich hin schnarcht.
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1. KAPITEL
Es war Samstagnachmittag. Lea öffnete die Tür und starrte den Mann an, der davor stand.
Michael besuchte sie sonst nie um diese Uhrzeit. Er kam nur abends, nicht tagsüber, wenn die Sonne Savannah in gleißendes Licht tauchte.
Er sah unglaublich aus mit seinen dunklen Haaren und den dunklen Augen, dem energischen Kinn und hohen Wangenknochen. Die Hemdsärmel hatte er lässig hochgekrempelt, seine Hose war perfekt gebügelt. Michael Whittaker, der Geschäftsführer von Whittaker and Associates, strahlte einen widersprüchlichen Charme aus: ruppig und doch geschliffen, bis hin zu der gedehnten Sprechweise der Südstaatler.
Eine Stimme, die einen Schauer über ihren Rücken schickte.
Nervös glättete sie ihre Bluse und fragte sich, was ihn veranlasst hatte, sie jetzt zu besuchen. Wollte er Sex? Würde er sie ins Schlafzimmer tragen? Würde er sie mit seinen erfahrenen Händen verwöhnen?
„Hallo“, sagte er.
„Hallo.“ Sie blickte an ihm vorbei und sah einen glänzenden schwarzen Mercedes. War das sein Wagen?
Seit einem Monat schlief Lea mit Michael, und trotzdem wusste sie nicht, was für einen Wagen er fuhr. Irgendwie fühlte sie sich deswegen billig, wie ein Animiermädchen in Vietnam.
Würde er sie aus seinem Gedächtnis streichen, wenn ihre heimliche Affäre vorbei war? Vergessen, dass sie existierte?
Sie sah von dem Wagen zu dem Mann und spielte mit dem Gedanken, ihn zu berühren und die Haare zurückzustreichen, die ihm in die Stirn gefallen waren. Das Sonnenlicht ließ die dunklen Strähnen kastanienbraun schimmern, etwas, das sie bisher nicht bemerkt hatte.
Wie sollte sie auch? Dies war das erste Mal, dass sie ihn in der Sonne stehen sah.
„Willst du mich nicht ins Haus bitten?“, fragte er.
Sie blinzelte und nickte. Er war kein Vampir, auch wenn er bisher immer nur nachts erschienen war. Er war ihre mitternächtliche Fantasie, ihr verbotener Lover, der große, dunkle Schatten, der ihr den Atem raubte.
Am Abend der Fundraising-Party waren Michael und sie im Bett gelandet, hatten sich berührt und geküsst und leidenschaftlich geliebt. Zu ihrer Überraschung war er am nächsten Abend wiedergekommen, und auch am übernächsten, bis schließlich ein Monat voller wilder, aufregender Nächte verstrichen war.
Und jetzt stand er im hellen Tageslicht vor ihr …
„Lea?“
„Was? Ach, ja.“ Sie trat zurück, als ihr bewusst wurde, dass sie den Eingang blockierte.
Er trat in die Mitte ihres Wohnzimmers, die Hände in den Hosentaschen. Sie konnte seine Körpersprache nicht lesen. Michael war nicht der Typ Mann, der für eine Frau leicht auszumachen war.
Sollte sie ihm einen Drink anbieten? Lea wusste wirklich nicht, wie sie auf seine Anwesenheit reagieren sollte. Wenn er nachts kam, dann spielte sich alles ab wie ein sündiger Traum. Sie öffnete die Tür, und er übernahm die Führung. Ohne Worte und ohne Vortäuschung falscher Tatsachen entführte er sie in das Reich der Sinne.
Manchmal trug er sie ins Schlafzimmer. Manchmal riss er ihr aber auch schon dort die Kleidung vom Körper, wo sie gerade stand, und ging vor ihr auf die Knie.
„Lea?“ Er wiederholte ihren Namen, und sie bekam heiße Wangen.
Wurde sie rot?
„Alles in Ordnung?“, fragte er mit dieser erotischen Stimme.
„Ja, alles okay.“
„Ich habe das Ergebnis des Vaterschaftstests gesehen.“
Er begegnete ihrem Blick, und ihr Herz überschlug sich. Sie sollte keine Affäre mit dem Bodyguard ihres Vaters haben, mit dem Sicherheitsberater, der eigens engagiert war, um ihn vor der unbekannten Stalkerin zu beschützen. „Dann steht jetzt fest, dass Abraham Danforth mein Vater ist.“
Er neigte den Kopf. „Ja.“
„Bist du deshalb hier? Um mich zu überreden, mit ihm zu sprechen?“ Nach der Fundraising-Party hatte sie dem Vaterschaftstest zugestimmt, auf den Danforths Anwälte bestanden hatten. Allerdings weigerte sie sich, Kontakt mit dem ehemaligen Navy SEAL zu haben, der sich nun tatsächlich als ihr Vater herausgestellt hatte. Warum, durfte sie nicht erklären, vor allem Michael nicht.
„Ich bin nicht wegen Danforth hier.“ Er griff nach der großen Muschel auf dem Glastisch, betrachtete sie und stellte sie zurück. Als Nächstes warf er einen Blick auf die Zeichnungen, die sie sammelte, die Skizzen von Straßenmalern in der River Street. Sie hatte ihr Apartment mit Möbeln eingerichtet, die die hiesige Kultur widerspiegelten, ohne Andenken an ihre Heimat, ohne schmerzliche Erinnerungen an Vietnam.
„Willst du bei mir wohnen, Lea?“
Ihr Pulsschlag beschleunigte sich. „Bei dir wohnen?“
„Für ein paar Wochen. In meinem Haus.“
„Warum?“ war alles, was ihr dazu einfiel. „Warum lädst du mich in dein Haus ein?“
„Damit wir uns besser kennenlernen.“ Er trat etwas näher, berührte sie aber nicht. „Damit wir mehr Zeit miteinander verbringen können.“
Es war ein verlockendes Angebot. Rätselhaft. Aufregend. Aber eins, das sie ablehnen sollte. Sie spielte mit der Spange, die ihr Haar zusammenhielt. „Leider muss ich arbeiten. Ich bin nicht im Urlaub.“
„Ich auch nicht. Aber deshalb könnten wir einige Klubs besuchen, essen gehen, an der Küste entlangspazieren. Freunde werden.“
Sie schwankte. Sie wollte Michaels Respekt und seine Freundschaft. Aber hatte sie sie auch wirklich verdient?
„Was meinst du?“ Ein Lächeln umspielte seine Lippen und zauberte kleine Fältchen um seine Augen.
„Ja“, erwiderte sie schließlich. Sie wollte in seiner Nähe sein. „Ich werde für ein paar Wochen bei dir wohnen.“
„Gut.“ Er lächelte wieder. Dann gab er ihr seine Adresse und bat sie, um fünf Uhr dort zu sein.
Als er sich umdrehte und zur Tür ging, blieb sie wie betäubt stehen.
Sie sah ihn zu seinem schwarzen Mercedes gehen, beobachtete, wie er die Zentralverriegelung mit der Fernbedienung öffnete, sich hinter das Lenkrad setzte und losfuhr.
Jetzt weiß ich zumindest, welchen Wagen er fährt, dachte sie, als sie ihren Kleiderschrank durchwühlte und überlegte, was sie einpacken sollte.
Michael ließ Leas Haus hinter sich und fuhr nach Crofthaven, dem eindrucksvollen Anwesen ihres Vaters.
Er bog in die Toreinfahrt ein und fuhr die Allee mit den prachtvollen, mit Spanischem Moos bewachsenen alten Eichen entlang. Südstaatenschönheit vom Feinsten, dachte er und fluchte in sich hinein.
Er hinterging Lea, und jetzt würde er auch noch Danforth hintergehen.
Aber hatte er eine andere Wahl?
Michael erreichte das Herrenhaus mit den großen, weißen Säulen. Es war ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude aus dem vorherigen Jahrhundert. Crofthaven strahlte Prestige und Charme aus und hatte sogar einen Geist vorzuweisen.
Eine Hausangestellte führte ihn in die elegante Eingangshalle, wo er auf seinen prominenten Auftraggeber wartete.
Einen Moment später kam Abraham Danforth das geschwungene Treppenhaus herunter. Er war neu in der Politik, doch er besaß das Charisma eines Saubermanns. So sehr, dass er in der Presse als Honest Abe II angepriesen wurde, in Anspielung auf Abraham Lincoln.
Danforth beschloss, das Treffen im Garten durchzuführen, einem Ort, der viel Privatsphäre bot. Sie setzten sich auf eine Bank aus Marmor. Um sie herum blühten Sommerblumen. Hinter dem Garten lag eine Pfirsichplantage und verströmte ihren süßen Duft. Doch die friedvolle Umgebung beruhigte weder Michaels Nerven, noch machte sie das Treffen weniger stressig für ihn.
„Wo drückt der Schuh?“, fragte Danforth. Trotz der sommerlichen Temperatur wirkte er kühl und elegant in seiner hellgrauen Hose und dem kurzärmeligen Designerpullover.
Michael ging es nicht ganz so gut. Kleine Schweißperlen liefen ihm über den Rücken. Der heiße Augusttag würde in einer heißen Augustnacht enden. Und heiße Nächte waren seine Obsession geworden. Und sein Verderben.
Wegen Lea.
„Ich muss Ihnen etwas erklären.“ Er fühlte sich wie ein Verräter, als er dem älteren Mann ins Gesicht blickte. Egal, wie sehr er sein Verhalten zu rechtfertigen versuchte, mit Danforths Tochter ins Bett zu gehen, war nicht gentlemanlike. „Lea und ich …“
„Was ist mit Ihnen und Lea?“
„Wir haben …“
„Was haben Sie?“
„Wir haben ein Verhältnis“, erwiderte Michael ehrlich. „Und sie wird für ein paar Wochen bei mir wohnen. Deshalb werde ich meine Arbeitszeiten etwas reduzieren. Mein Sicherheitsteam wird zu Ihrem Schutz da sein, aber ich voraussichtlich nicht.“
Danforth blinzelte gegen die Sonne. „Seit wann?“
„Es ist am ersten Abend passiert. Ich wollte es nicht. Aber wir haben uns zueinander hingezogen gefühlt und …“ Er sprach nicht weiter. Er würde nicht zugeben, dass Lea und ihn nur der Sex verband.
Einen ganzen Monat lang hatten sie kaum miteinander gesprochen, kaum anders kommuniziert als auf rein körperlicher Ebene.
„An jenem ersten Abend?“ Danforth starrte ihn an. „Ich habe Sie gebeten, sie nach Hause zu bringen, und Sie haben mit ihr geschlafen? Ich habe sie Ihnen anvertraut.“
„Ich weiß. Es tut mir leid.“ Er sprach nicht weiter, hielt seine Emotionen in Schach, das Grummeln in seinem Bauch, die Verwirrung, die Lea in ihm auslöste. „Aber sie brauchte mich. Und ich brauchte sie. Manchmal passieren diese Dinge einfach.“
„Ja, Sie haben recht“, antwortete Danforth ruhig.
...



