Williams | Das Immunsystem der Seele | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 230 Seiten

Williams Das Immunsystem der Seele

Grundlagen und Methoden zum Aufbau der psychischen Widerstandskraft
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-3816-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Grundlagen und Methoden zum Aufbau der psychischen Widerstandskraft

E-Book, Deutsch, 230 Seiten

ISBN: 978-3-8192-3816-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kennen Sie Ihr zweites Immunsystem? Genau wie das körperliche Immunsystem kann auch das seelische gestärkt und trainiert werden. Diese Kraft unterstützt Sie dabei, Rückschläge, Enttäuschungen sowie herausfordernde Zeiten zu bewältigen. Fühlt man sich den Umständen zunehmend gewachsen, entsteht oft der Wunsch, das eigene Leben neu zu ordnen und selbstbestimmter zu leben. Beginnt man damit, Körper, Geist und Seele als Einheit zu fördern, erwächst daraus eine innere Kraft, die zu mehr Stabilität, Ausgeglichenheit und emotionaler Gesundheit führt und zudem ermöglicht, das Leben nach den eigenen Wünschen zu gestalten. Damit das gelingt, erfahren Sie in diesem Buch, wie Sie: - ungesunde Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster erkennen und verändern. - bestimmte Charaktereigenschaften entwickeln, um Ihre Resilienz langfristig aufzubauen, um mehr mentale und seelische Stärke zu erlangen. - nützliche Übungen und Methoden in den Alltag integrieren können. - Ihr Stresslevel senken und ausgeglichener werden (inkl. Selbsttest). - mit schwierigen Situationen, Manipulation und Kritik umgehen. - den Sinn und die versteckte Botschaft von Krisen erkennen und verstehen. Die Methoden in diesem Buch sind so konzipiert, dass sie sich sowohl an den Anfänger als auch an den fortgeschrittenen Leser richten. Durch die praxisnahe und verständliche Beschreibung werden Sie durch die Prozesse geführt, die dabei helfen, das Wissen im privaten und auch im beruflichen Umfeld erfolgreich anzuwenden.

Daniel Williams ist Mentaltrainer und Coach für Persönlichkeitsentwicklung. Durch seine berufliche Neuorientierung im Bereich der Psychologie hat er den Wert von tiefgreifenden Veränderungen erkannt. Aus diesen Erfahrungen verbindet er dabei verschiedenste Lösungsansätze, wie z. B. Elemente aus der Tiefenpsychologie sowie fernöstliche und spirituelle Methoden, bei denen neben dem theoretischen Wissen vor allem die praktische Umsetzung im Vordergrund steht. Sein verständlicher und pragmatischer Stil soll deshalb auch Menschen aus unterschiedlichen Branchen ansprechen.
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Kapitel 2


Resilienz – unser zweites Immunsystem


Eine vorläufige Definition


Als Resilienz bezeichnet man die psychische Widerstandskraft eines Menschen, die dabei hilft, schwierige und belastende Lebenssituationen wie z. B. Krisen, Schicksalsschläge und Niederlagen zu bewältigen.

Es gibt mehrere Definitionen, aber diese hier bringt es kurz auf den Punkt.

Der Begriff Resilienz stammt vom lateinischen Wort »resilire« ab, was in etwa »zurückspringen« oder »abprallen« heißt. An diesem Wort ist erkennbar, dass es sich hierbei um eine Belastung von außen handelt, die auf ein bestimmtes Objekt einwirkt. Es sind aber nicht nur die äußeren Faktoren, die einen Einfluss ausüben, sondern auch innere. Ein Mensch kann einen ruhigen Spaziergang durch den Wald machen, aber sich gleichzeitig über viele Sachen Sorgen machen. Er kann in der absoluten Stille leben, aber sich dennoch viele Gedanken machen, die ihn innerlich belasten und in ihm das Gefühl von Stress entstehen lassen. Ich las vor einigen Jahren einen Artikel, in dem Resilienz als die »Unverwundbarkeit« eines Menschen definiert wurde. Daneben war ein Bild von einem großen Felsbrocken abgebildet, der hart und sehr massiv aussah – geradezu unerschütterlich. Das ist aber nicht die Art von Resilienz, um die es hier gehen soll. Hier liegt nämlich eine große Verwechslung vor. Ein Mensch sollte weder hart wie ein Felsen sein, noch sollte er glauben, unverwundbar sein zu müssen, denn manchmal muss man verwundbar werden, um das »Wunderbare« wieder erleben zu können. Das Ziel besteht vielmehr darin, die innere Kraft so zu nutzen, um mit Belastungen und krisenhaften Situationen besser fertigzuwerden, ohne dauerhaften Schaden zu nehmen. Es ist die innere Kraft, die uns hilft, schneller wieder auf die Beine zu kommen und uns auch von Rückschlägen schneller erholen zu können. Da wir uns nicht in einer Höhle verstecken wollen, müssen wir am Leben teilnehmen. Wir machen viele Erfahrungen, die nicht immer angenehm sind – manche tun sogar verdammt weh. Es ist nicht der Sinn des Lebens, sich zu verkriechen, um allen Gefahren und Schmerzen auszuweichen. Das würde jemanden zu einem passiven Beobachter machen, wo alles, was er ist und sein könnte, im Untergrund versinkt. Resilienz muss gefördert und entwickelt werden. Wer sich zu sehr schont, Konflikten aus dem Weg geht und meint, im Leben müsse immer alles leicht laufen, verpasst die Chance, seine innere Widerstandskraft aufzubauen. Wir sollten in die Arena des Lebens springen und auch riskieren, dass Dinge schiefgehen könnten. Es kann mit Recht gesagt werden, dass es sich bei der Resilienz um das Immunsystem der Seele handelt, das für die Gesundheit von großer Bedeutung ist.

Zunächst wollen wir uns einmal anschauen, welche einzelnen Faktoren bei der psychischen Widerstandskraft am Werk sind. Dazu ist es notwendig, den Menschen genauer zu betrachten. Wie würde sich ein Mangel an Widerstandskraft zeigen? Nehmen wir als Beispiel einen Menschen, den man im Allgemeinen nicht als resilient bezeichnen würde. Diese Person würde sich sehr schnell entmutigen lassen, wenn die Dinge nicht auf Anhieb so laufen, wie geplant. Eine unzureichende Resilienz kann sich in Ambitionen zeigen, die immer sabotiert werden, in vielversprechenden Ideen, die nicht umgesetzt werden, in chronischen Ängsten und Depressionen sowie einer generellen Überforderung im Leben. Stress und Burnout sind in vielen Fällen auch Begleiterscheinungen einer unzureichenden Widerstandskraft. Hierbei kann es zum Zerbrechen angesichts eines Schicksalsschlages kommen, den ein gesünderes Immunsystem bewältigen würde. Eigenschaften wie Geduld, Zähigkeit und Willenskraft sind hier deutlich geschwächt und die Motivation, weiterzumachen, nimmt kontinuierlich ab. Generell ist zu sehen, dass so eine Person deutlich schneller aufgibt als eine resiliente Person. Man könnte auch hier den Begriff »Zähigkeit« verwenden. Im Englischen bezeichnet man jemanden, der sehr zäh und nicht kleinzukriegen ist, ebenfalls als resilient.

Wir sehen also, dass die oben genannten Dinge häufig vorkommen, jedoch ist auch hier zu erwähnen, dass auch eine gesunde Person vor solchen Erfahrungen nicht komplett geschützt ist, da niemand unverwundbar ist. Der wesentliche Unterschied ist hierbei, dass belastende und einschneidende Erfahrungen bei resilienten Menschen nicht so einen großen Schaden verursachen. Wir können nicht immer vermeiden, Konflikten ausgesetzt zu sein, aber wir haben immer die Wahl, wie wir mit der Situation umgehen.

Erinnern Sie sich noch an die Definition der WHO für Gesundheit? Psychisch ist in diesem Kontext gleichbedeutend mit seelisch. Diese Definition stammt aus dem Jahre 1948. Damals war aber der Begriff Resilienz noch nicht bekannt geworden. Die Wissenschaft entdeckte diese Fähigkeit in den 1950er Jahren. Damals startete die amerikanische Psychologin Emmy Werner eine Studie, bei der sie 686 Kinder auf einer hawaiianischen Insel begleitete. Sie begleitete die Kinder bis ins Erwachsenenalter und stellte dabei fest, dass arme und vernachlässigte Kinder nicht zum Scheitern verurteilt sind. Ein Drittel der Kinder führte später ein erfülltes Leben, auch wenn ihnen die frühkindliche Zuwendung fehlte. Aus dieser Studie lässt sich schließen, dass es auch von bestimmten genetischen Faktoren abhängt, wie resilient eine Person ist. Andere Studien sind der Meinung, dass Resilienz nicht angeboren ist, sondern sich aus Erfahrungen entwickelt, die das Kind mit der Umwelt macht. Diese Aussage wirkt aber etwas widersprüchlich. Wenn etwas potentiell nicht angeboren ist, wie kann es dann entwickelt werden? Wenn etwas nicht angeboren ist, könnte man meinen, dass es nicht existiert. Was nicht existiert, kann nicht eingesetzt werden.

Das Konzept der Resilienz ist nicht neu. Schon im antiken Griechenland gab es die sogenannten »Stoiker«. Es war eine Philosophie, die um 300 v. Chr. gegründet wurde und vor allem bei den Römern sehr beliebt war. Berühmte Stoiker waren Seneca, Epiktet und der Kaiser Marcus Aurelius. In dieser Lehre spielte die Gelassenheit eine zentrale Rolle. Die wichtigste Methode, um diese »stoische Gelassenheit« zu erreichen, bestand darin, genau zu unterscheiden, welche Dinge man kontrollieren und beeinflussen kann und welche nicht. Stoische Gelassenheit wird sich dann einstellen, wenn wir die Dinge, die außerhalb unseres Einflussbereiches liegen, als naturgegeben akzeptieren und die Dinge innerhalb unseres Einflussbereiches, so gut wir können, ausgestalten. Weisheit besteht ihrer Ansicht nach darin, den Platz zu akzeptieren, der einem im Universum zugewiesen ist, und in Harmonie mit der Natur zu leben, indem man sich durch die Ausübung von Tugend um Körper und Seele kümmert.

Nehmen wir doch die Analogie des körperlichen Immunsystems zur Hand, das jedem bekannt ist. Würde hier ein Mensch sagen, dass er kein Immunsystem hat? Wenn die Allgemeinheit von diesem Begriff spricht, ist das in fast allen Fällen auf das körperliche Immunsystem zurückzuführen und kein Arzt auf der Welt würde das leugnen. Wenn es aber um das Seelische geht, sehen die Meinungen wieder ganz anders aus. Ich bin der Meinung, dass ein Mensch alles in sich trägt, was er für sein Leben braucht – das heißt aber nicht, dass es nichts mehr zu tun gibt.

Unsere Vorfahren lebten in einer Zeit, in der es noch sehr gefährlich war, überhaupt die Höhle zu verlassen. Um ihre Nahrung zu bekommen, mussten sie aus ihrer Höhle in die wilde Natur hinaus, wo viele Gefahren lauerten. Sie waren permanent einer potentiellen Gefahr ausgesetzt und mussten um ihr Überleben kämpfen. Es gab keinen Supermarkt um die Ecke, wo sie sich alles besorgen konnten, was sie zum Leben brauchten. Wurde ein Mitglied vom Stamm ausgeschlossen, bedeutete dies in vielen Fällen das Todesurteil. Der Höhlenmensch musste auch schon durch sehr harte Zeiten gehen – harte Zeiten, die ohne eine angeborene Resilienz wohl kaum möglich gewesen wären. Zu dieser Zeit gab es noch keine Bücher oder Wissenschaftler, von denen man lernen konnte, außer vielleicht ein paar Medizinmänner oder einen Schamanen.

Auch ein Tier ist von Natur aus so ausgestattet, dass es sich sehr gut an seine Umgebung anpassen kann. Warum soll ein Mensch, der eine Psyche besitzt, die auch nebenbei sehr verletzlich sein kann, nicht auch mit einer angeborenen Resilienz ausgestattet sein? Dies mag eine Hypothese sein, aber aus einem rein evolutionären Standpunkt heraus macht es für das eigene Überleben und die Erhaltung der Art durchaus Sinn.

Gehen wir hier also davon aus, dass Resilienz in jedem Menschen angelegt und trainierbar ist, und zwar vom Kindesalter bis in das fortgeschrittene Leben, unabhängig von Nation oder Wohnort, da es im Inneren stattfindet. Es gibt Menschen, die sich schlecht ernähren und trotzdem nicht krank werden. Es gibt aber auch Menschen, die sehr penibel auf vieles verzichten, viel Sport treiben und trotzdem mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Wie kommt das? Hier spielen viele Faktoren eine Rolle. Immer alle Antworten zu haben, ist nicht möglich. Es ist aber möglich, sich gewisse Fähigkeiten anzutrainieren und Schritte in...



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