E-Book, Deutsch, Band 17, 108 Seiten
Reihe: Terra-Utopia
Winter Mondnacht
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-96127-419-2
Verlag: vss-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Terra Utopia - Band 17
E-Book, Deutsch, Band 17, 108 Seiten
Reihe: Terra-Utopia
ISBN: 978-3-96127-419-2
Verlag: vss-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Drei erfolgreiche Kolonien haben die Menschen auf dem Erdtrabanten errichtet. Während er auf der Erde durch die zunehmende Umweltzerstörung zu immer größeren Problemen kommt, verläuft auf dem Mond das Leben ruhig und beschaulich.
Dann erreichen fremdartige Funksignale die Kolonien, die aus einem weit entfernten Krater gesendet werden. Wer sind die Absender? Menschen können rs nicht sein. Eine Expedition bricht auf, um das Geheimnis zu ergründen. Doch das Unternehmem endet in einem Desaster.
Dann bricht der Kontakt zur Erde ab, und das ist der Anfang vom Ende für die Mondkolonie.
Wird es die Menschheit schaffen, dem Untergang zu entgehen?
Ein deutscher SF-Klassiker in Neuauflage.
Autoren/Hrsg.
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Wenn Leister in der Lage gewesen wäre, die Situation, in der er sich befand, bewusst mitzuerleben und einzuschätzen, hätte ihn vermutlich das Grauen gepackt. Sein Schädel war glattrasiert; von der schulterlangen Haarpracht, die seit jeher sein größter Stolz gewesen war, hatte man nicht den kleinsten Flaum übriggelassen. An verschiedenen Punkten der Glatze waren Kontakte befestigt worden. Sonden, deren größte Durchmesser nicht mehr als den Bruchteil eines Millimeters betrugen, hatten sich durch die Schädeldecke hindurch in die Gehirnmasse gebohrt; ihre mit empfindlichen Sensoren versehenen Spitzen berührten jene Sektoren, die für die Speicherung des Unbewussten zuständig waren. Fingerdicke Kabel führten von den Kontakten zu jenem Gerät, das die von den Sonden auf gefangenen Eindrücke verarbeiten und auf einem Bildschirm sichtbar machen würde. Weitere Apparaturen zeigten laufend Puls, Blutdruck und Atmungsfrequenz an.
Derjenige, auf den sich all diese Bemühungen konzentrierten, ruhte auf dem Behandlungstisch. Leisters Augen starrten auf einen imaginären Punkt, der zwar in Richtung der Decke, jedoch unschätzbar weit entfernt zu liegen schien. Es war der Blick eines Mannes, welcher der Umwelt den Rücken gekehrt hatte und allein die eigene Person als Bezugspunkt zu erkennen vermochte. Was in der Umgebung vor sich ging, nahm er nicht bewusst wahr, nur sein Inneres war ihm begreiflich und in gewisser Weise gegenständlich.
„Sind Sie so weit, Doc?“ Mart Hawkins, der Kommandant der Mondkolonie, sah sich in dem kleinen Experimentierraum um. Er glaubte, die drückende Atmosphäre, die über dem Geschehen lastete, fast körperlich zu spüren. Jeder war sich der Verantwortung bewusst, die er auf sich lud, indem er an dem Versuch teilnahm und auf diese Weise vielleicht dazu beitrug, dass Leister den Verstand vollständig verlor.
Der Angesprochene blickte von den Messinstrumenten auf. „Wir können beginnen.“
Mart nickte ihm auffordernd zu, und der Arzt begann an den Schaltern des Gehirndetektors zu hantieren. Einer seiner Mitarbeiter behielt ständig den Kranken und die Kontrollgeräte im Auge. Jede Unregelmäßigkeit in Leisters Lebensfunktionen würde er sofort melden. Vorerst ergab sich dazu jedoch keine Veranlassung.
„Was ist?“, erkundigte sich Hunter McCarthey, der Stellvertreter des Kommandanten, ungeduldig, nachdem mehrere Minuten verstrichen waren, ohne dass auf dem Monitor ein Bild erschien. „Funktioniert es nicht?“
Dr. Dolan fuhr herum. Sein Gesicht war Zorn gerötet. „Wenn Sie einem Experiment beiwohnen, von dessen Ablauf Sie keine Ahnung haben, dann halten Sie sich mit Kommentaren gefälligst zurück! Glauben Sie, man könnte ein krankes Bewusstsein von einer Sekunde zur anderen anzapfen?“
Hunter murmelte betroffen eine Entschuldigung. Er sah ein, dass der Arzt hochgradig erregt war. Schließlich leitete er hier einen Versuch ein, der gegen seine innere Überzeugung verstieß und gegen dessen Ausführung er sich bis zuletzt gewehrt hatte.
„Atmungsfrequenz nimmt zu“, meldete der Assistenzarzt, der den Patienten betreute und die Messgeräte nicht aus den Augen ließ.
„Das ist normal“, bestätigte Dolan, ohne sich in der Bedienung des Detektors weiter stören zu lassen.
Mart wagte kaum zu atmen, und seinen Kollegen ging es vermutlich ebenso. Obwohl er versuchte, das Geschehen mit wissenschaftlicher Sachlichkeit zu betrachten, spürte er deutlich, wie ihm angesichts der Ungeheuerlichkeit des Experiments kalte Schauer über den Rücken liefen. Zum hundertsten Mal fragte er sich, ob es wirklich richtig und notwendig gewesen war, den Einsatz des Gehirndetektors gegen den entschiedenen Widerstand der Ärzte anzuordnen. Wahrscheinlich hätte Leister in wenigen Tagen ohnehin zu sich gefunden.
„Da!“
Hunters Aufschrei riss den Kommandanten aus seinen Grübeleien. Auf der Bildscheibe des Monitors waren farbige Muster entstanden, die zunächst keinen Sinn zu ergeben schienen. Wirre Linien, Kreise und Designs wirbelten durcheinander, überlagerten sich und bildeten fort während neue Kompositionen. Sprachlos starrte Mart auf den Schirm. Sollten das die sichtbar gemachten Hirnströme des Unbewussten sein?
„Das Bild ist noch nicht stabilisiert“, verkündete Dolan und beantwortete damit die unausgesprochene Frage. „Aber ich werde es gleich haben!“ In seiner Stimme schwang trotz aller Ablehnung etwas Begeisterung über das gelungene Experiment mit. Die Freude des Wissenschaftlers war in diesen Sekunden größer als der Abscheu des Arztes. Das neu entwickelte, an Menschen kaum erprobte Gerät schien die Erwartungen zu erfüllen, die die Konstrukteure in es gesetzt hatten.
Nach wenigen Minuten gelang es Dolan schließlich, das Farbengewirr zu stabilisieren. Der Bildschirm zeigte einen blauen Kreis auf orangefarbenem Hintergrund.
„Was bedeutet das?“, fragte Mart.
„Atmungsfrequenz stabilisiert sich“, meldete der Assistenzarzt.
Dolan sah sich triumphierend in der Runde um. Es war ihm anzusehen, dass er den Sinn des wiedergegebenen Bildes verstand. Es bereitete ihm Genugtuung, seine Überlegenheit auszukosten. „Sein Unterbewusstsein ist nicht aktiviert“, erklärte er endlich, „sofern ich den Zustand, in dem es sich befindet, einmal so nennen darf. Um brauchbare Bilder zu bekommen, muss ein elektrischer Impuls gegeben werden. Ich kann jedoch nicht dafür garantieren, dass wir gerade das zu sehen bekommen, was für uns von Interesse ist.“
„Sie wissen ebenso gut wie ich“, erwiderte Mart scharf, „dass es relativ einfach ist, aus der Fülle der Informationen, die im Unterbewusstsein verankert sind, jene zu lokalisieren, die für uns Wichtigkeit besitzen. Es ist nur eine Frage der Zeit.“
„Aber je länger dieses Experiment dauert, desto größer ist die Gefahr, dass der Patient zum Vollidioten wird!“, entgegnete der Arzt heftig.
„Darüber wurde ausführlich diskutiert, und meine Einstellung zu dem Problem hat sich nicht geändert. Arbeiten Sie also bitte weiter!“
Grollend fügte sich Dolan der Anweisung. Längst hatte er den Versuch aufgegeben, den Kommandanten von der Gefährlichkeit des Gehirndetektors zu überzeugen. Trotzdem gelang es ihm nicht, seine ablehnende Haltung zu unterdrücken. Als er jetzt einen kurzen elektrischen Impuls in Leisters Gehirn sandte, tat er es mit größtem Widerwillen.
Der Erfolg zeigte sich augenblicklich. Der blaue Kreis begann zu zittern, dehnte sich langsam aus und zerplatzte schließlich in unzählige farbige Körnchen, die wahllos umherwirbelten und vielfältige Muster formten.
„Atmungsfrequenz steigt wieder.“
Ein weiterer Impuls.
Die Körnchen vergrößerten sich, und jedes Mal, wenn zwei oder mehrere sich berührten, verschmolzen sie miteinander. Bald war das Orange des Hintergrunds vollständig verdeckt. Ein erkennbares Bild stabilisierte sich jedoch erst, nachdem Dolan einen dritten Impuls gesendet hatte.
„Patient atmet sehr schnell; Puls und Herzschlag steigen bedenklich“, meldete der Assistenzarzt.
Dolan kümmerte sich nicht darum, sondern deutete auf den Monitor. Sein Blick war eine einzige Anklage. „Sie haben Glück gehabt! Sie sehen genau das, worauf Sie gewartet haben: den Krater Petavius. An der Bewegung können Sie erkennen, dass sich das Geschehen chronologisch genau abspielt. Sie brauchen nur zu warten.“
Er hatte recht. Deutlich war auf dem Monitor das Innere des gewaltigen Kraters zu erkennen, wie es sich Leister dargeboten haben musste, als er, zusammen mit seinem Freund Bob, sich der südlichen Kraterwand näherte.
Gespanntes Schweigen breitete sich aus, nur Leisters heftiges Atmen durchbrach impulsartig die Stille. Gefesselt starrten Mart und seine Mitarbeiter auf den Monitor. Lautlos wiederholte sich auf dem kleinen Bildschirm die Tragödie, die sich beim Krater Petavius ereignet hatte…
2.
Mit einem gewaltigen Aufwand an technischen und finanziellen Mitteln waren in den letzten Jahrzehnten drei Kolonien auf dem Erdtrabanten entstanden. Jede von ihnen beherbergte etwa sechshunderttausend Menschen; Frauen, Männer und Kinder. Es war nicht immer leicht gewesen, sich den veränderten Umweltbedingungen anzupassen, aber mit der Zeit hatte sich eine eigenständige Zivilisation entwickelt, die durchaus in der Lage war, unabhängig von der Erde zu existieren.
Die Besiedlung des Mondes hatte sich als dringend notwendig erwiesen, nachdem trotz anderslautender Prognosen die Geburtenrate gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts sprunghaft angestiegen war und innerhalb kürzester Zeit Werte erreicht hatte, die eine totale Übervölkerung in weniger als hundertfünfzig Jahren bedeuteten. Hinzu kam, dass Umweltverschmutzung und die Verseuchung der Atmosphäre immer bedenklichere Ausmaße annahmen und selbst durch prophylaktische Gesetzesmaßnahmen verschiedener Regierungen nicht mehr wirksam gebremst werden konnten. Sogar eingefleischte Optimisten unter den Zukunftsforschern hüteten sich angesichts dieser Fakten, eine rosige Fortentwicklung der Menschheit vorherzusagen. Es deutete im Gegenteil vieles darauf hin, dass nach langen Jahren permanenten Fortschritts und steigenden Wohlstands nun der Punkt erreicht war, an dem die Entwicklung stagnierte und neue Errungenschaften bestenfalls den Status quo zu erhalten in der Lage waren.
In dieser Situation bot sich die Besiedlung des Mondes förmlich an. Von einem Jahr zum anderen rückte der Erdtrabant, in letzter Zeit wenig beachtet, wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Obgleich sich die Lebenshaltungskosten auf etwa fünfzig Millionen Dollar pro Person und Jahr belaufen würden - zumindest so lange, bis die selbstständige Versorgung der Kolonien gesichert war -, nahm man das gigantische Projekt in Angriff. An drei Stellen gleichzeitig wurde seitdem auf dem Mond gearbeitet. Unter der Oberfläche und im Innern der zahlreichen Gebirge schuf man riesige Hohlräume; über den oberirdisch angelegten Teilen der Städte erhoben sich gewaltige Kuppeln. Es entstanden Wassergewinnungsanlagen, in denen Mineralien durch starkes Erhitzen extrahiert wurden; aus dem so gewonnenen Wasser konnte man Wasserstoff und Sauerstoff herstellen. Die Versorgung mit pflanzlichen Nahrungsmitteln wurde durch die Anlage hydroponischer Kulturen sichergestellt. Auch die Ansiedlung von Tieren - zum Teil in Gehegen, zum Teil in speziell dafür errichteten Wildparks und Naturzonen, in denen ein künstliches biologisches Gleichgewicht erzeugt werden sollte - erwies sich als erfolgreich. Einen Mangel an Frischfleisch brauchte man also nicht zu befürchten. Die solcherart erreichte versorgungsmäßige Unabhängigkeit der Kolonien bedeutete ein Sinken der Lebenshaltungskosten auf ein erträgliches Minimum.
Nachdem die umfangreichen Vorarbeiten abgeschlossen waren und sich mehrere Testgruppen zunächst probeweise und mit großem Erfolg angesiedelt hatten, wurde der Startschuss für die endgültige Kolonisation gegeben. Tausende von Menschen kamen, um auf dem Mond eine neue Heimat zu finden, in der Hoffnung, sich den immer katastrophaler werdenden Zuständen auf der Erde zu entziehen. Die Auswahl der Bewerber erfolgte durch das Los, wobei auf die Zusammengehörigkeit von Familienmitgliedern natürlich Rücksicht genommen wurde. Es war eine der seltenen Gelegenheiten, bei der nicht die Finanzkraft des Einzelnen ausschlaggebend war; arm oder reich machten bei der Umsiedlung keinen Unterschied. So entstand in jeder der drei Mondstädte eine willkürlich zusammengewürfelte Gesellschaft auf demokratischer Basis, deren Ordnung durch eine eigene Verfassung sichergestellt werden sollte.
Jeder Kolonie wurde überdies ein Militärkommando zugeteilt. Zwar hatte man keinen Anlass, zu argwöhnen, dass irgendwer feindliche Absichten gegen die Mondbevölkerung hegte, doch da Konstruktion, Bau und Besiedlung ausschließlich von den Vereinigten Staaten von Amerika ausgegangen waren, durfte man die Möglichkeit nicht außer Acht lassen, dass andere Nationen oder Interessengruppen sich aus diesem oder jenem Grund ebenfalls für die Kolonien interessierten. Die Militärs hatten in den Mondstationen als letzte Instanz absolute Entscheidungsbefugnis. Kritiker des Systems sahen darin die vollendete Form einer verschleierten Diktatur, womit sie gewiss nicht völlig im Unrecht waren. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass von der ungeheuren Machtfülle bisher noch kein negativ zu wertender Gebrauch gemacht worden war.
So pendelte sich das Leben, nach anfänglichen Schwierigkeiten hauptsächlich gesundheitlicher Natur, mit den Jahren auf ein Gleichgewicht ein, das allen Beteiligten nur Vorteile brachte. Innerhalb der arbeitenden Zivilbevölkerung gab es kaum Spannungen; man war froh, den vielfältigen Problemen auf der Erde entkommen zu sein. Die militärisch-wissenschaftlichen Kommandos nutzten die Zeit für Forschungen, ständigen Erkundigungen und Vermessungen des Erdtrabanten.
Bis zu dem Tag, an dem die Kolonie Maclaurin ungewöhnlich starke Funksignale empfing, die weder gedeutet noch entziffert werden konnten. Von da an war es mit der Ruhe vorbei.
*
Die Zivilbevölkerung erfuhr zunächst nichts von den merkwürdigen Signalen, die auch nach intensiver Auswertung keinen Sinn erkennen ließen. Von der Erde erhielt man die Anordnung, eine Expedition auszurüsten und in jene Richtung loszuschicken, in der man den Ursprung der funktechnischen Aktivität vermutete. Um eine Panik unter der Bevölkerung zu vermeiden, sollte auch dieses Unternehmen geheim gehalten werden.
Die zwei Mann starke Expedition setzte sich daraufhin von der Kolonie Maclaurin, die dem Ursprungsort der Signale am nächsten lag, in Bewegung. Die Funkverbindung funktionierte einwandfrei. Sie wurde mithilfe von vier Satelliten aufrechterhalten, die den Mond in so genau berechneten Bahnen umkreisten, dass jederzeit eine Verbindung aller drei Kolonien untereinander hergestellt werden konnte. Über einen dieser künstlichen Trabanten waren auch die Signale empfangen worden, die solches Aufsehen erregten.
Den Ursprungsort, von dem der bislang unentzifferbare Funkspruch ausgegangen war, vermutete man nach eingehenden Berechnungen, die auf den Messungen aller drei Kolonien und den Aufzeichnungen des Empfängersatelliten basierten, im Krater Petavius, der knapp 750 Kilometer in südlicher Richtung von Maclaurin entfernt war. Da die beiden Mitglieder der Expedition sich beim Schlafen abwechselten, konnte die Fahrt des Mondautos ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. Bei einer Spitzengeschwindigkeit von fast 25 km/h bedeutete das, dass man den unbekannten Sender in etwa dreißig Stunden erreichen würde.
Während der Fahrt machten die Männer keine ungewöhnlichen Beobachtungen. Nichts deutete auf Besonderheiten hin. Mit einem Mal jedoch wurden die Funksignale der beiden von einem starken Störsender überlagert, und von diesem Zeitpunkt an empfing man auch die Impulse von Petavius nicht mehr, die bislang laufend wiederholt worden waren. Sofort wurden Theorien entworfen, warum der Kontakt so plötzlich abgebrochen sei, wer die Störsignale ausstrahlte und ob die zwei Mitglieder der Expedition vielleicht in Gefahr schwebten.
Je länger der Funkausfall anhielt, desto nervöser wurde man in den Mondstationen. Unsicherheit und Angst breiteten sich aus. Man durfte froh sein, die Zivilbevölkerung nicht eingeweiht zu haben; niemand vermochte zu sagen, wie die Menschen in den Kolonien reagiert hätten, wenn ihnen bekannt geworden wäre, dass etwas Geheimnisvolles und Unbekanntes sich bemerkbar gemacht und wahrscheinlich zwei Menschen ins Verderben gerissen hatte.
Schließlich, als die ersten ernsthaften Meinungsverschiedenheiten zwischen den militärischen Führungsgremien der Kolonien ausbrachen, erschien völlig unerwartet das Mondauto auf den Bildschirmen von Maclaurin. Die Situation, an die man kaum noch geglaubt hatte, war eingetreten: Die Kameraden und Freunde kehrten heim! Die Erleichterung der Verantwortlichen war unbeschreiblich.
Doch die Euphorie schlug in lähmendes Entsetzen um, als man feststellen musste, dass nur einer der Expeditionsteilnehmer zurückkehrte, der überdies nicht ansprechbar war. Auf irgendeine erschütternde Weise hatte Leister seinen Kameraden verloren, und dieses Ereignis hatte ihm den größten Teil seines klaren Denkvermögens geraubt.
Die Frage, wie es Leister gelungen war, trotz seines Zustands den Weg nach Maclaurin zu finden, wurde zur Unwichtigkeit degradiert gegenüber der Ungewissheit, welche Ereignisse sich bei Petavius zugetragen haben mochten. Was war das Geheimnisvolle, das sich dort draußen in der Eintönigkeit der Mondlandschaft bemerkbar gemacht hatte? Der Mann, der hierüber Auskunft hätte geben können, ließ sich zu keiner Äußerung bewegen; sein Geist war verwirrt, und die Ärzte bezeichneten es als fraglich, ob er den Verstand jemals wieder vollständig zurückerhalten würde.
In dieser Situation verfügte Hawkins, der Kommandant der Kolonie Maclaurin, mit ausdrücklicher Zustimmung der Verantwortlichen auf der Erde und gegen den entschiedenen Widerstand seiner Mitarbeiter und der Ärzte, den Einsatz des neuartigen Gehirndetektors, eines wenig erprobten Geräts, das in der Lage war, unbewusste Hirnströme aufzunehmen und in plastische Bilder umzusetzen. Es war ihm bewusst, dass Leisters Verstand damit möglicherweise endgültig zerstört wurde, doch er war bereit, das Risiko einzugehen. Er musste Klarheit über die Vorfälle bei Petavius erhalten, nicht zuletzt um zu wissen, was sie in nächster Zukunft erwartete, ob sie mit einem Angriff oder einer Bedrohung zu rechnen hatten; und dies rechtfertigte seiner Ansicht nach die Anwendung des Detektors.
So kam es, dass knapp zwei Tage nach Leisters Rückkehr die militärische und wissenschaftliche Führungsspitze einschließlich des Chefarztes und mehrerer seiner Assistenten vor dem Monitor des Detektors saßen und gebannt den Geschehnissen folgten, die auf der Bildfläche abliefen…




