Womack | TERRAPLANE - DRYCO-ZYKLUS 2 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 323 Seiten

Reihe: Dryco-Zyklus

Womack TERRAPLANE - DRYCO-ZYKLUS 2

Ein Cyberpunk-Roman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7438-6295-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Cyberpunk-Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 323 Seiten

Reihe: Dryco-Zyklus

ISBN: 978-3-7438-6295-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die amerikanischen Agenten Robert Luther Biggenstaff und sein Leibwächter und Nahkampfspezialist Jake sind in Moskau, um an die Erfindung eines genialen russischen Wissenschaftlers zu kommen: eine Zeitmaschine. Durch einen Doppelagenten verraten, werden sie in die Enge getrieben, aber es gelingt ihnen, mit dem Gerät in die Vergangenheit zu fliehen. Doch im New York des Jahres 1939, in dem sie landen, ist einiges anders, als sie es aus den Geschichtsbüchern kennen: Die Sklaverei wurde in den USA erst 1907 abgeschafft, der Rassismus der Polizei trägt abstoßende Züge; Roosevelt und Churchill sind längst tot, eine verheerende Virusseuche grassiert und hat u. a. Charlie Chaplin, Claude Debussy und Amadeo Modigliani hingerafft, bevor sie den Höhepunkt ihres künstlerischen Schaffens erreichen konnten. Als die Polizei ihre Zeitmaschine findet, werden die Agenten für Spione gehalten und von den Bundesbehörden mit aller Brutalität verfolgt. Bei einem farbigen Arzt finden sie Unterschlupf, aber ihre Lage ist hoffnungslos, wenn sie nicht rasch Mittel und Wege finden, in ihre Welt des 21. Jahrhunderts zurückzukehren... 'Womack spielt genial mit Geschichte und Wissenschaft, um eine Katzenwiege von einer Erzählung zu schaffen, die uns rasch in einen phantastischen Hyperraum entführt.' - PUBLISHERS' WEEKLY Mit der Dystopie TERRAPLANE veröffentlichte der US-amerikanische Autor Jack Womack im Jahr 1988 einen Roman, der wie sein Vorgänger AMBIENT zum Klassiker der Cyberpunk-Literatur avancierte. Der Apex-Verlag veröffentlicht sämtliche Romane des DRYCO-Zyklus als z.T. neu übersetzte Neu-Ausgaben sowie den abschließenden Band GOING GOING GONE als deutsche Erstausgabe.

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  2.
      Jake schlief und sah nicht gefährlicher als eine junge Kobra aus. In dieser Nacht wartete ich, bis er im Bett lag, bevor ich Fernsehmonitor und Telefon anschloss. Durch die Anweisung zur Unterdrückung von Fremdsendern leuchtete der Bildschirm fahlweiß, eine Erleichterung, für die ich dankbar war. Die Medienanschlüsse unseres Zimmers waren wie in allen russischen Hotels, in amerikanischem Besitz oder nicht, fest eingestellt und konnten normalerweise weder ausgeschaltet noch in der Lautstärke verändert werden, so dass die Fernsehwerbung zumindest unterschwellig in das müde Unterbewusstsein des schlafenden Reisenden eindringen konnte. Dass das Telefon angezapft war, machte keinen Unterschied. Ich setzte Kopfhörer auf, hakte das Zerhacker-Gerät an meinen Kragen, gab die Codenummern ein, und bekam Verbindung mit Alice, dem Computer meiner Firma in New York. Unverfälschte Info war das Gebot, und wenn Alice sie nicht hatte, hatte sie niemand. »Alice«, sagte ich. »QL 789851ATM, Sicherheitsklausel. Nur geschlossener Kanal.« Ozeanblau überspülte das Weiß auf dem Bildschirm. »Alles gesichert«, kam ihre Kunststimme über den Äther. »Ich war im Zweifel, ob Sie senden könnten, Luther. Haben Sie entschieden, wie ich von Nutzen sein könnte?« »Ich brauche Info über Oktobrjana Ossipowa. Wohnort ist die Stadt Dubna. Gegenwärtiger Aufenthalt unbekannt. Möglicherweise Novy Marina Roschja, Straße unbekannt. Krasnaja-Akte 932.000.5441...« »Moment bitte.« Ich hörte ein unerwartetes Knarren, drückte mich gegen die Stuhllehne und hielt den Atem an. Jake lag totenstill, die Ohrknöpfe seines Taschenrecorders eingesteckt, und ließ sich von den alten Klängen, die er schätzte, das schlafende Hirn massieren. Aus den Kopfhörern drangen keine anderen Liedtexte als diejenigen Robert Johnsons, des Bluessängers aus dem vorigen Jahrhundert. Ich bildete mir ein, seine Worte als winziges Gewisper zu vernehmen:   »I sent for my baby - and she don't come...«   Das Knarren wiederholte sich nicht. Geräusche des alternden Gebäudes, befand ich, obwohl die Wandrisse nicht tiefer aussahen. Das Schnurren von Kameras, die unsere Untätigkeit aufzeichneten, wurde einem so vertraut wie das Schnurren einer Katze, solange man sich aus dem Aufnahmebereich heraushielt. »Luther«, sagte Alice nach fünfminütiger Abwesenheit. »Krasnajas Datenspeicher sind nur durch örtliche Abrufcodes zugänglich. Das erklärt meine Verzögerung.« »Hatten sie übermäßige Hindernisse eingebaut?« »Falsche Überschriften, Standard-Codes, die üblichen Schikanen. Auch hatten sie ihre Akte ziemlich tief vergraben.« »Was geht daraus hervor?« »Oktobrjana Dimitrijewna Ossipowa erhielt Unterricht in einer besonderen Studiengruppe an der Fakultät für Physik und Mathematik. Während sie dort an der Moskauer Staatsuniversität studierte, belegte sie außerdem Kurse am Lumumba-Institut und studierte den Einsatz der Wissenschaftstheorie zu politischen Zwecken. Ein fruchtbares Feld, wie wir wissen.« »Keine Leitartikel, Alice.« »Ihre Doktorarbeit über Lyssenko wurde nie veröffentlicht, da sie zwar annehmbar, für Krasnajas Zwecke jedoch völlig ungeeignet war. Kopien werden bis heute unter Pseudonym durch das Samisdat-Netzwerk vertrieben. Nach der Graduierung wurde sie dem Leningrader Förderprogramm für ausgewählte Dienste zugeteilt und erwarb dort Doktortitel in theoretischer Physik, technischem Umweltschutz und neurologischer Bioanpassung.« »Bio«, wiederholte ich. »Ist das, wie man erreicht, dass Schweine im Dunkeln leuchten?« »Was ihre Doktorarbeit auf diesem Gebiet betrifft, so erzeugte sie das rekombinante Genplasma, das Neurofibromatose eliminiert. Ihre Doktorarbeit in Physik ist eine Studie der militärischen Anwendungsmöglichkeiten von Tesla-Transformatoren, die unveröffentlicht bleibt.« »Was ist ein Tesla-Transformator?« »Ein Luftkern-Transformator mit Primär- und Sekundärwicklung, die ein Resonanzsystem bilden«, sagte sie. »Er wandelt Niedrigfrequenz-Wechselströme in hochfrequente Wechselströme um.« »Bitte verständlicher, Alice.« »Der Tesla-Transformator erzeugt hochfrequente Wechselströme hoher Spannung. Kleine Transformatoren dieses Typs sind heute weithin gebräuchlich, obwohl das Prinzip seit mehr als hundert Jahren bekannt ist. Der Erfinder, Nikola Tesla, war ein brillanter Wissenschaftler, der jedoch dazu neigte, Theorien zu entwickeln, die der praktischen Anwendung um Jahre voraus waren. Eine seiner Ideen betraf den Einsatz von Wicklungen enormer Ausmaße, die von hohen Türmen getragen werden und durch Resonanz elektrische Energie nicht nur aus der Luft, sondern aus der Erde selbst ziehen sollten, um so eine immerwährende Energiequelle zu schaffen. In der Theorie ließe sich daraus aber auch ein potentielles Instrument von enormer nichtnuklearer Zerstörungskraft machen. Ich folgere aus alledem, dass sie besonders an diesem Konzept arbeitete.« »Was gibt es noch?« »Sie ist ausgebildete Flugzeugpilotin mit sechstausend Stunden Flugpraxis, eine begabte Künstlerin mit einem feinen Blick für Perspektive, treibt seit ihrer Jugend Gymnastik. In allen Schulen, die sie besuchte, bekam sie in sämtlichen Fächern Bestnoten. Eine einzigartige Leistung, wie es scheint.« »Bitte ihr Bild, wenn vorhanden.« Im Blau des Bildschirms entstand ein Bild. Oktobrjana Ossipowa stand auf dem Roten Platz. Es war Sommer, nach ihrer leichten Bekleidung zu urteilen; sie war als eine sehr junge Frau dargestellt. Ihr dunkles Haar war hinten kurz, vorne lang geschnitten. Das Gymnastiktraining war an ihren überentwickelten Schultern, den muskulösen Schenkeln und den hohen, runden Pobacken abzulesen. Es war schwierig, ihre Größe zu taxieren, doch schätzte ich sie auf nicht mehr als einsfünfzig. »Gibt es keine aktuelleren Aufnahmen?« »Dieses Bild ist beinahe neu«, sagte Alice. »Es wurde vor zwei Jahren aufgenommen, als sie einundzwanzig war. Abhängig vom jeweiligen Testdatum, lässt sich ihr IQ zwischen 253 und 280 einordnen, ohne daraus automatisch die Folgerung zu ziehen, dass solche Ergebnisse Anzeiger empirischer Intelligenz sind.« »Warum ist sie mit diesen Fähigkeiten nicht ganz oben, in der Akademie der Wissenschaften und so weiter?« »Vorurteile«, sagte Alice. »Sie ist eine Frau - und obendrein Georgierin. Aber maßgebend für ihre gegenwärtige Situation ist eher, dass ihre politischen Ansichten auf mehreren Gebieten entschieden von der Linie Krasnajas abweichen, wenn auch nicht so sehr, dass Verbannung oder andere drastische Maßnahmen gerechtfertigt wären. Im Anschluss an einen nicht näher bekannten Zwischenfall wurde sie vor zwei Jahren nach Dubna geschickt und erhielt eine Stelle als Assistentin von Professor Aljechin. Ich vermute, dass man mit diesem gütlichen Vergleich die bestehenden Differenzen zu entschärfen suchte.« »Was gibt es an Unterlagen über Experimente?« »Nichts.« »Es muss welche geben.« »Es gab welche.« »Was soll das heißen?«, fragte ich. »Unterlagen, die auf Experimente während der zwei letzten vergangenen Jahre haben, wurden so eingespeichert, dass nicht einmal Krasnaja die darin enthaltene Information aufdecken konnte.« »Unmöglich.« »Offensichtlich nicht. Mittels unbekannter Methoden wurden geheime Eintragungen gespeichert und durch ein bemerkenswert komplexes Verschlüsselungsprogramm gesichert. Der verwendete Code veränderte sich, wenn von außen Entschlüsselungsversuche unternommen wurden. Ich knackte das System in einer Minute und einunddreißig Sekunden, und während dieser Zeit veränderte sich der Code einhundertachtmal, um ein Eindringen zu blockieren. Als ich schließlich durchkam, löschten sich alle gespeicherten Eintragungen selbst in Übereinstimmung mit Programmanweisungen.« »Alle verloren?« »Alle«, sagte Alice. »Noch eine Frage: Ist die Traummannschaft über unsere Anweisungen informiert?« »Selbstverständlich. Wir machen weiter wie bisher. Die Traummannschaft ist die unfähigste von allen geheimen Überwachungs- und Korrektiveinheiten.« »Das wär's für heute, Alice.« »Vorsicht ist geboten. Zwar bleiben Worte ungehört, aber sie wissen, dass gesendet wird. Wiederaufnahme der Verbindung am besten erst vom Flugzeug aus.« »Gute Nacht.« Das Blau verlor sich aus dem weißen Bildschirm; sie war fort. In der Erinnerung hörte sich die Stimme meiner Exfrau beinahe wie Alices Kunststimme an und die Entsprechung würde erfordert haben, dass sie wie Alice Geist hätte. Vielleicht irrte ich; möglich, dass das, was höchst unerwartet vertraut schien, mit der Zeit zum Empfänger aller lange gebundenen Schmerzen würde. Es war der am wenigsten anziehende und am häufigsten vorkommende Gedanke dieser Stunde, und wie an jedem Abend bat ich ihn, meinen Geist zu verlassen. Sobald die Verbindung unterbrochen war, verspürte ich die gewohnte Traurigkeit wie nach jedem Abschied von Alice, und ich legte mich nicht sofort schlafen. Ich saß und starrte in die milchige Leere des Bildschirms, bemüht, die Radioklänge von Gayaneh im ständigen Gurgeldiglurb der Toiletten zu hören. Als genug Ruhe eingekehrt war, mir das Einschlafen zu erlauben, legte ich mich nieder und sank bald in unruhigen Schlummer. Augen überwachten meine Träume, wachsame, flinke Kleinmädchenaugen, doch vom Schmerz getrübt. Von der blutig roten Sanddüne, auf der ich keuchend stand, außer Atem, das Donnern der Brecher in den Ohren, erhob sich Johnson und zog mich in seine Tiefen, wohin ich sicherlich gehörte....



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