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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 1200 Seiten
Zöbeli Liebe in Wales
20001. Auflage 2020
ISBN: 978-3-95818-585-2
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Drei Romane in einem Bundle
E-Book, Deutsch, 1200 Seiten
ISBN: 978-3-95818-585-2
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Alexandra Zöbeli lebt gemeinsam mit ihrem Mann im Zürcher Oberland in der Schweiz. Sie bekennt sich selbst als Britoholikerin - verrückt nach allem, was von der Insel kommt. Für Alex gibt es kaum etwas Schöneres, als die verschiedenen Ecken Großbritanniens zu entdecken und sich dabei vorzustellen, welche Geschichte sich an Ort und Stelle gerade abspielen könnte. Seit sie das Schreiben für sich entdeckt hat, leidet zwar der Haushalt, aber zumindest hat ihr Kopfkino endlich ein Ventil erhalten. Unter der Aufsicht ihres Katers Noah, der mit Vorliebe neben Alex' Laptop schläft, sind bisher sieben Romane entstanden.
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1. Kapitel
Die Wolken hingen tief über dem Golden Valley, das heute seinem Namen alles andere als gerecht wurde. Es schien, als hätte sich der Himmel den Trauernden auf dem Friedhof in Michaelchurch Escley angepasst. Die Worte des Priesters gingen beinahe unter im stetigen Prasseln des Regens auf den zahlreichen Regenschirmen. Doch die Menschen hatten sich vom Wetter nicht abhalten lassen, einer von ihnen die letzte Ehre zu erweisen. Emma war erstaunt, wie viele Leute ihre Tante gekannt haben musste. Bereits in der Kirche war jeder Platz besetzt gewesen, und die Trauer, die sie in den Gesichtern gesehen hatte, war echt gewesen und nicht gespielt wie jene, die sie im Gesicht ihres Freundes Richard sah, der an ihrer Seite stand. Richard hatte ihre Tante noch nicht mal gekannt, aber er war Schauspieler von Beruf, und es lag ihm wohl einfach im Blut, sich der Situation anzupassen. Vermutlich war er in Gedanken bereits wieder in London, bei einem seiner nächsten Auftritte im Queens Theatre, wo er eine der Hauptrollen in einem Musical besetzte. Nur ungern hatte er sie zu der Beerdigung begleitet. Die Reise an die Grenze Englands zu Wales dauerte von London immerhin gute drei Stunden, die er zum Schlafen hätte nutzen können, nachdem er erst gestern noch einen Auftritt gehabt hatte. Emma hatte all ihre weiblichen Waffen einsetzen müssen, damit er sie nicht hatte allein fahren lassen. Der Notar, der sie vor wenigen Tagen angerufen hatte, um sie über den Tod ihrer Tante zu informieren, meinte, sie wäre die letzte Verwandte von Milly. Kein Wunder, dass sie sich da bereits allein mit dem Priester vor Millys Grab hatte stehen sehen. Doch wenn sie jetzt in die Runde blickte, war klar, dass diese Furcht unbegründet gewesen war. Milly schien sehr beliebt gewesen zu sein im Dorf. Das tröstete Emma ein wenig, denn seit sie von dem Tod ihrer Tante erfahren hatte, machte sie sich große Vorwürfe, nicht früher den Kontakt gesucht zu haben. Es sollte niemand allein und einsam sterben müssen. Emma verdankte Milly ihre schönsten Kindheitserinnerungen. Als ihre Eltern noch nicht getrennt gewesen waren, hatte die kleine Emma ihre Ferien immer auf Millys Farm verbringen dürfen. Das war mittlerweile über dreißig Jahre her, aber sie erinnerte sich noch an die Zeit, als wäre es erst gestern gewesen. Sie musste sich eine Träne aus den Augenwinkeln wegwischen, als sie sich daran erinnerte, wie Milly sie eines Nachts geweckt hatte, um sie in das Wunder des Lebens einzuweihen. Sie hatte sie mit in den Stall genommen, wo gerade ein Lämmchen zur Welt gekommen war. Staunend hatte sie sein noch feuchtes Fell gestreichelt und zugeschaut, wie es zum ersten Mal versucht hatte, auf seinen dünnen, wackligen Beinchen zu stehen. Milly war mit ihr auf die Hügel der Black Mountains gewandert und hatte ihr die Schönheit dieser Gegend gezeigt. Aber ihre Tante ließ sie auch auf der Farm mitarbeiten, was Emma mit Stolz erfüllt hatte. Sie war dafür verantwortlich gewesen, dass die Hühner gefüttert waren, dass ihr Stall sauber war und die Eier in der Küche landeten. Einmal war Emma gestolpert, dabei waren ihr einige Eier aus dem Körbchen und auf den Boden gefallen. Sie hatte bereits ein Donnerwetter befürchtet, aber Milly hatte nur gelacht und ihr geholfen, den Küchenboden wieder sauber zu wischen. Emma hatte Milly geliebt, und sie hatte gedacht, ihre Tante hätte diese Liebe erwidert. Der Bruch kam, als Emmas Eltern sich im Streit getrennt hatten. Warum genau, das hatte ihre Mutter ihr nie verraten. Aber als ihr Vater die Wohnung verlassen hatte, kehrte er nie wieder zurück. Er sei ein Herumtreiber und ein Nichtsnutz, hatte ihre Mutter danach immer behauptet, aber darunter konnte sich Emma damals noch nichts vorstellen. Nach der Trennung war noch kein Jahr vergangen, als ihr Vater in Mexiko tot aufgefunden worden war. Milly war die Schwester von Emmas Vater gewesen, und sie hatte seine Frau für den Tod ihres Bruders verantwortlich gemacht. Ihre Tante wolle mit ihnen nichts mehr zu tun haben, hatte ihre Mutter erklärt, als Emma gequengelt hatte, um wieder die Ferien bei Milly verbringen zu dürfen. Für das damals zehnjährige Mädchen war eine Welt eingestürzt. Nicht nur hatte sie ihren Vater verloren, sondern auch noch ihre geliebte Tante. Mit der Zeit waren die Erinnerungen an Milly verblasst. Das Leben war weiter gerollt, hatte ihre Aufmerksamkeit auf anderes gelenkt: Die Schule, die erste große Liebe, ihre Ausbildung zur Bankkauffrau, die erste eigene Wohnung und später dann die schlimme Krankheit ihrer Mutter, die mit nur zweiundfünfzig Jahren den Kampf gegen den Krebs verlor.
Erst als der Notar Emma angerufen hatte, wurden alle Erinnerungen an die schönen Zeiten mit ihrer Tante in den Black Mountains wieder wachgerüttelt. Sie seufzte und blickte traurig auf das Grab vor ihr. Warum nur hatte sie ihre Mutter nie nach der Adresse ihrer Tante gefragt, um den Kontakt wiederherzustellen? Jetzt war es zu spät, und Emma war endgültig allein auf dieser Welt. Sie fröstelte und rückte etwas näher an Richard heran. Doch der verstand nicht, dass sie etwas mehr gebraucht hätte als nur seine Hand, die nach ihrer griff. Sie hätte sich gewünscht, er würde den Arm um sie legen, ihr Sicherheit und Halt geben. Erneut scannten ihre Augen die Gesichter der anderen Trauernden, in der Hoffnung, jemanden wiederzuerkennen. Wie hatte der Name des Jungen gleich noch mal gelautet, mit dem sie damals immer herumgerannt war? Gabriel … nein, Gavin? Gareth. Ja, Gareth war es gewesen. Doch würde sie ihn wiedererkennen? Wohl eher nicht, dreißig Jahre waren eine lange Zeit, in der man sich mehr als nur ein bisschen veränderte. Bestimmt war der kleine, freche Junge mit den leuchtend blauen Augen, der damals mit ihr barfuß durch die Bäche gewatet war, inzwischen auch weggezogen. Gareth hatte ihr gezeigt, wie man Fische fing, sie ausnahm und dann über dem Feuer knusprig briet. Ihr hatten die Fische immer leidgetan, aber wenn sie dann über dem Feuer hingen und ihr Geruch Emmas Nase erreichte, dann konnte sie der Versuchung doch nicht widerstehen. Nie hatte sie besseren Fisch gegessen als jenen damals am Ufer des Baches.
Der Priester hatte das Grab gesegnet, und nun zogen die Trauergäste einzeln daran vorbei und warfen je eine weiße Rose auf den Sarg. Als Emma an der Reihe war, gab sie ein Küsschen auf ihre Rose und bat die Tante still um Verzeihung, dass sie sich nicht mehr bemüht hatte, den Kontakt wiederherzustellen.
»So, das hätten wir«, sagte Richard hörbar erleichtert neben ihr, als sie den Friedhof verließen. »Und was machen wir nun bis morgen in diesem Kaff?«
»Emma?«, hörte sie plötzlich eine männliche Stimme hinter sich. Sie drehte sich um und blickte in ein ihr unbekanntes Gesicht. »Du bist doch Emma, oder?«, fragte der Typ mit der Schirmmütze nach.
»Ja, aber …« In dem Moment lächelte der Mann, und Emma erkannte dieses schiefe Grinsen sofort wieder. »Gareth!« Freudig umarmte sie ihn.
»Du hast uns also nicht ganz vergessen«, stellte er lächelnd fest und erwiderte die Umarmung. »Das hätte Milly gefreut.« Emma wartete darauf, dass ein Vorwurf folgen würde, aber der kam nicht. Vielmehr meinte Gareth, dass sie alle gleich ins Pub gehen würden, um auf das Leben von Milly anzustoßen. »Ihr kommt doch auch, oder?«
»Wir wollen nicht stören …«, begann Emma, doch Gareth wischte ihre Bedenken einfach weg. »Nun benimm dich nicht wie eine Städterin, und komm einfach mit.« Er stellte ihr seine Frau Lynn und seine drei Kinder vor und begleitete sie dann zum . Es war dasselbe Pub, in dem Emma und Richard ein Zimmer für die Nacht gemietet hatten, weil sie am folgenden Tag nach Hay-on-Wye mussten, wo der Notar Millys Testament verlesen würde.
Im Pub spielte bereits eine Band, und es wurde für die Erwachsenen Whisky, Cider und Bier ausgeschenkt, während die Kinder Limonade bekamen. Ganz anders als bei der Trauerfeier, die Emma für ihre Mutter ausgerichtet hatte, ging es hier fröhlich und laut zu. Es wurde gelacht, und lustige Anekdoten von Milly wurden ausgetauscht. Emma war beruhigt zu erfahren, dass sie ein gutes Leben geführt hatte. Sie war sehr beliebt gewesen im Dorf, hatte bei jedem Fest mitgewirkt, war da gewesen, wenn jemand sie gebraucht hatte, aber auch dann, wenn sie vielleicht mal nicht erwünscht gewesen war. Wie zum Beispiel damals, als Gareth seine erste Freundin gehabt hatte. Er war gerade mit ihr in Millys Scheune zu Gange gewesen, als Milly einen Eimer kaltes Wasser über sie gegossen hatte. »Du solltest dich schämen, Gareth Baker!«, hatte sie ihm nachgerufen, als er mit der Hose unter dem Arm davongerannt war. Geschämt hatte er sich tatsächlich, aber nicht wegen dem, was er mit seiner Freundin gemacht hatte, sondern weil Milly ihn nackt gesehen hatte. »Ich habe mich bestimmt vier Monate lang nicht getraut ihr in die Augen zu schauen, wenn ich ihr begegnet bin«, erzählte Gareth lachend. »Aber Milly hat dichtgehalten und mich nicht bei meinen Eltern verpetzt.«
»Und was ist aus deiner ersten Freundin geworden?«, fragte Emma schmunzelnd.
»Meine erste und einzige Frau.« Gareth beugte sich zu Lynn und gab ihr einen Kuss, was seinem Jungen, Sam, der neben ihm saß, ein lautes »Iiiih« entlockte, während der...




