E-Book, Deutsch, Band 2, 299 Seiten
Reihe: Neil Hockaday
Adcock Im Labyrinth
Neuveröffentlichung
ISBN: 978-3-945684-15-3
Verlag: spraybooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Neil Hockaday-Roman
E-Book, Deutsch, Band 2, 299 Seiten
Reihe: Neil Hockaday
ISBN: 978-3-945684-15-3
Verlag: spraybooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wer Hell’s Kitchen, diese raueste Ecke von New York mit all seinen gescheiterten Existenzen und verschrobenen Typen, kennt, den wirft ein sonderbares Gespräch auf einer Parkbank nicht aus der Bahn.
Das glaubt auch Neil „Hock“ Hockaday in Thomas Adcocks zweitem Roman rund um den New Yorker Detective. Doch irgendetwas an den diffusen Racheankündigungen des schrägen Vogels, der sich „Picasso“ nennt, lässt Hocks feinen detektivischen Sinn vibrieren. Nur wenige Stunden später wird die Rachevision dann ausgerechnet in Hocks Lieblingsbar mörderische Realität. Schnell ist klar, dass die zufällige Begegnung im Park der Auftakt eines mörderischen Katz- und Mausspiels ist, das der durchgeknallte Picasso einzig für Hock, den Detective, inszeniert. Von Picassos mörderisch-prophetische Kunstwerken geleitet, folgt Hock dem blutigen Pinselstrich durch Manhattan bis nach Coney Island, dessen Jahrmarkt seinen wunderlichen Bewohnern ein letztes Biotop bietet. In dem Dickicht aus Erinnerungen an eine schillernde Vergangenheit und den skrupellosen Zukunftsvisionen von Geschäftsleuten muss Hock nicht nur erkennen, wieviel ihn mit Picasso und Coney Island verbindet, sondern auch den Mörder dingfest machen.
Doch immer scheinen ihm die wahnsinnigen Kunstwerke Picassos einen Schritt voraus zu sein.
Adcocks Figuren sind nie am Reißbrett entworfen. Sie atmen die New Yorker Luft und entführen den Leser in diese Stadt, die ihren Tribut von jedem fordert.
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PROLOG
Breite Tore, einst voller hölzerner Rampen und erfüllt von Schreien besinnungsloser Angst, waren nun mit Zement und Hohlblocksteinen versiegelt; alles in allem zehn massige Etagen, die Fenster mit Blech verschlossen; und hoch oben an den alten Ziegelwänden große Terrakottabüsten von Schweinen, Lämmern und Stieren mit Nasenringen. Und alles eingehüllt in eine graue Dreckschicht von den ständig aufsteigenden Abgasen des Verkehrs im Lincoln Tunnel.
Vor dem Kalksteinsockel der rückwärtigen Wand stand eine stählerne Mülltonne. An ihr schob ich mich vorbei, um den Eingang zu finden, einen kleinen, dreieckigen Spalt, in die morsche Ziegelwand gebrochen. Ich beugte mich vor, richtete den Taschenlampenstrahl hinein und schreckte eine Ratte auf. Dann zog ich die Schultern hoch, atmete aus und zwängte mich in das schwarze Innere.
In tiefer Dunkelheit wartete ich darauf, daß sich meine Augen - und Ohren - anpaßten.
Jetzt hörte ich verhallende Echos. Und verstohlenes Scharren von den Innenwänden, auf denen Ungeziefer wimmelte. Ich zog meine große Kanone aus dem Schulterhalfter, die .44er Charter Arms Bulldog. Ich hielt sie in der rechten Hand. Mit der linken ließ ich den Lichtstrahl über meine unmittelbare Umgebung streichen.
Ich hatte einen breiten Korridor unter einer Eisentreppe betreten. Hinter der Treppe, weiter den Korridor hinunter, befand sich eine Reihe hoher, hohler Räume, jeder von der Größe einer breiten Tür. Vor Jahren mußten dort einmal Fahrstühle gewesen sein.
Entlang des Treppengeländers richtete ich die Taschenlampe nach oben und scheuchte Fledermäuse auf, die sich mit den Köpfen nach unten an ein asbestverkleidetes Rohr klammerten. In irren Schleifen und Spiralen stürzten sich die Tiere durch die unangenehm feuchte Luft. Ich schützte meinen Kopf und bewegte mich weiter und die Treppe hinauf.
Kurz vor dem ersten Absatz gab eine verrostete Stufe nach. Mein Bein versank in einem Loch, und Schmerz durchzuckte mein Knie. Von nun an prüfte ich sorgfältig jeden Tritt, bevor ich mein volles Gewicht aufsetzte. Und ich hielt mich am äußersten Rand der Stufen, dicht an der Wand, die Art, wie sich ein Einbrecher durch einen unbekannten Raum schleicht.
Im dritten Stock roch es intensiv nach Katzen - nach Katern, die ihr Territorium mit Urin markiert hatten. Jeder, der hier lebte, wußte, daß er sich Katzen halten mußte, um die Zahl der Nager zu begrenzen.
Ich stieg eine weitere Etage nach oben, dorthin, wo der Katzengeruch am intensivsten war. Dann bewegte ich mich weiter zur Nordseite des Gebäudes einen Gang hinunter, an dem vermutlich einmal Büros gewesen waren, in denen Menschen ihrer Arbeit nachgingen. Jetzt war es hier nur noch leer und still; alle Türen fehlten, bis auf eine.
Die einzige noch vorhandene Tür war geschlossen. Darauf stand:
Zuhause ist dort
wo der Hass ist
Ich klopfte an. Keine Reaktion. Ich trat gegen die Tür, und sie schwang träge auf.
In dem großen Raum hinter der Tür waren mindestens ein Dutzend Katzen - die Rücken gekrümmt, die gelbgrünen Augen weit aufgerissen, die Zähne gefletscht, kehlig fauchend und knurrend.
Dann bohrte sich etwas Kaltes und Hartes in meinen Nacken.
Und ein raues Flüstern: »Halt deinen Rosenkranz fest und verabschiede dich!«




