E-Book, Deutsch, Band 1, 448 Seiten
Reihe: Tigers
Aiken Tiger Soul
22001. Auflage 2022
ISBN: 978-3-492-60091-0
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman | Knisternde Gestaltwandler-Fantasy: actiongeladen, humorvoll und prickelnd!
E-Book, Deutsch, Band 1, 448 Seiten
Reihe: Tigers
ISBN: 978-3-492-60091-0
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
G. A. Aiken ist New-York-Times-Bestsellerautorin. Sie lebt an der Westküste der USA und genießt dort das sonnige Wetter, das gute Essen und die Aussicht auf attraktive Strandbesucher. Ihre erfolgreichen Erotic-Fantasy-Reihen um die Drachenwandler, »Lions«, »Tigers«, »Honey Badgers«, »Wolf Diaries«, »Call of Crows« und die »Blacksmith Queen« erscheinen alle im Piper Verlag.
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Prolog
»He. He, Kleine.«
Wieder ruckte der Sitz nach vorn, und Mads Galendotter tat, was sie während der letzten zehn Minuten getan hatte: Sie konzentrierte sich auf den weiß-rot-blauen Basketball in ihren Händen.
Dies war ihr erster Tag an der Junior High. Später stand noch ein Probespiel für die Basketballmannschaft der Schule an. Sie wusste, dass sie gut genug war, um in die Mannschaft zu kommen, aber zwischen jetzt und dem Probespiel direkt nach der Schule durfte nichts passieren. Sie hatte nicht vor, es zu vermasseln, indem sie sich auf irgendeinen Mist einließ. Auch wenn das genau das war, was ihre Cousinen sich von ihr erhofften.
Sie wussten wirklich, wie sie sie ärgern konnten.
Sie waren zwei Jahre älter als Mads und schon in der neunten Klasse. Von Rechts wegen sollten sie im Bus ganz hinten bei den Neuntklässlern sitzen und die Nerds tyrannisieren wie alle anderen. Aber ihre Cousinen hassten sie ebenso sehr, wie Mads sie hasste. Also hatten sie sich auf den Sitz direkt hinter ihr fallen lassen, und dann war diese arme Kleine auf die Idee gekommen, sich direkt neben Mads zu setzen. Jetzt schikanierten ihre Cousinen anstelle von Mads die Kleine. Denn sie wussten, dass das Mads mehr stören würde, als wenn sie sie direkt in die Mangel nahmen. Verdammt, sie war es gewöhnt, dass sie sie schikanierten, schließlich war sie von Geburt an von ihnen gepiesackt worden. Es ging das Gerücht, dass die beiden, als Mads noch ein Baby war, versucht hatten, sie mithilfe einer streunenden Katze zu ersticken. Wenn ihre Urgroßmutter nicht hereingekommen wäre und sie dabei erwischt hätte, wie sie Mads das kreischende Tier aufs Gesicht drückten …
Also ja, sie war innerlich darauf gefasst, dass ihre Cousinen ihr das gesamte Schuljahr zur Hölle machen würden, bis sie endlich auf die Highschool einige Blocks entfernt wechselten. Aber jetzt hatten sie ein neues Opfer gefunden, das sie quälen konnten. Die arme Kleine neben ihr. Sie war ein süßes Ding – Asiatin, mit Zöpfen und einer richtigen Brotdose. Ihre Eltern hatten ihr kein Mittagessen in einer braunen Papiertüte gegeben wie die anderen Eltern der Junior-High-Schüler. Oder Geld fürs Mittagessen. Schlimmer noch, auf ihrer Brotdose prangte Barbie. Barbie! Sie hätte ebenso gut eine Zielscheibe auf dem Rücken haben können.
»He, Kleine!« Mads’ Cousinen, die Zwillinge waren, stießen noch einmal gegen den Sitz, bevor sie gegen die Rückenlehne traten.
Sowohl Mads als auch die Kleine wurden nach vorn geschleudert.
Mads holte tief Luft. Sie konnte solche Sachen eine Ewigkeit aushalten. Den ganzen Weg bis zum Schultor. Aber wenn sie der Kleinen ins Gesicht sah, würde sie jetzt wahrscheinlich Tränen in ihren Augen aufsteigen sehen. Verdammt, inzwischen konnten der armen Kleinen diese Tränen durchaus bereits lautlos über die Wangen laufen.
Sie sah sich im Bus um. Die anderen waren damit beschäftigt, sich zu unterhalten, die Nerds zu piesacken oder einfach zu beten, dass niemand sie bemerkte. Sie hatten keine Ahnung, was direkt vor ihnen geschah. Zumindest noch nicht. Zumal Mads sich diesen Platz ziemlich weit vorn im Bus ausgesucht hatte in der Hoffnung, dass ihre Cousinen hinten bei den anderen sitzen wollten.
Doch sie waren nicht vollkommen allein.
Nah bei ihnen saßen zwei Mädchen auf der anderen Seite des Mittelgangs. Eine las in einem Buch über Zeitmanagement. Die andere, ebenfalls Asiatin, die viel zu alt schien, um noch in der Junior High zu sein, schaute aus dem Fenster. Auf dem Platz vor ihnen hatte sich ein drittes Mädchen mit langem braunem Haar niedergelassen. Sie saß allein dort, sodass sie sich mit dem Rücken ans Fenster lehnen und die Füße auf den Sitz legen konnte. Sie blätterte in einer Ausgabe der Vanity Fair.
Und es hatte definitiv keinen Sinn, mit der Busfahrerin zu reden. Nicht den geringsten. Mads würde sich gar nicht erst die Mühe machen.
Was bedeutete, dass niemand ihre Cousinen davon abhalten würde, die arme Kleine, die neben ihr saß, zu peinigen, und bis zur Schule war es noch ein ganzes Stück. Ihren Cousinen blieb mehr als genug Zeit, um diesem bedauernswerten Mädchen jahrelangen Therapiebedarf in der Zukunft zu verschaffen.
Wieder ruckte der Sitz nach vorn.
»He, Kleine. Wie heißt du? Sag uns wenigstens das.«
»Ja, genau. Komm schon. Wir wollen einfach nur nett zu dir sein.«
Außerstande, es noch länger zu ertragen – denn ihre Cousinen waren nie »einfach nur nett« –, sah Mads die Zwillinge schließlich über ihre Schulter an und sagte mit so viel Gelassenheit, wie sie aufbringen konnte: »Lasst sie in Ruhe.«
Vier kalte braune Augen richteten sich auf Mads.
»Hast du etwas gesagt, Cousine?« Das kam von Tilda. Sie redete mehr als Gella. Sie redete und Gella schlug zu, eine Partnerschaft, die für beide gut funktionierte.
Es hatte jetzt keinen Sinn mehr, einen Rückzieher zu machen. Zeichen von Schwäche bedeuteten nur, dass sie ihr umso mehr zusetzen würden. Ihre Cousinen knöpften sich immer die Schwächsten vor. Sie konnten nicht anders. Es war eine Instinktsache.
»Ich habe gesagt, ihr sollt sie in Ruhe lassen.«
Gella kicherte und Tilda fragte: »Oder was?«
»Oder ich reiße euch das Gesicht herunter.« Auch diese Antwort war Instinktsache. Jedenfalls für Mads.
Gella bewegte sich ruckartig nach vorn, bereit, sich auf Mads zu stürzen, und Mads war schon fast auf den Füßen, als das Mädchen neben ihr herumwirbelte, sich auf ihren Sitz kniete und Tilda und Gella lieb anlächelte. Sie legte ihre Barbie-Brotdose oben auf die Rückenlehne ihres Sitzes.
Es war eine derart seltsame Entwicklung der Situation, dass Mads sofort aufhörte, sich zu bewegen, und Tilda ihre Zwillingsschwester Gella mit dem Arm zurückhielt.
»Hallo!«, sagte die Kleine mit dem lieben Lächeln. »Ich bin Max.«
Mads’ Cousinen glotzten sie nur an, vollkommen verwirrt von dem, was gerade geschah.
Die ganze Sache war so merkwürdig, dass selbst die drei Mädchen auf der anderen Seite des Mittelgangs sie jetzt beobachteten.
»Wenn ich Geld fürs Mittagessen mithätte, würde ich es euch geben«, fuhr Max fort, »doch ich bin arm. Aber ich kann euch mein Mittagessen geben.«
»Aus deiner kleinen Barbie-Lunchbox da?«, neckte Gella sie grausam.
»Es ist wirklich gut. Es ist mein allerliebstes Lieblingsessen auf der ganzen Welt.«
Gott, dieses arme Kind! Sie war so unschuldig. Ein perfektes Opfer. Mads wusste, dass ihre Cousinen sich nicht mit dem Thunfisch-Sandwich und dem Snickers-Riegel der Kleinen zufriedengeben würden. Die wollten Blut sehen. Aber während Mads der Unterhaltung zwischen ihren Cousinen und dem Mädchen lauschte, sprang ihr »anderes Gehör« an. Es war das Gehör, welches ihre Urgroßmutter ihr »echtes« Gehör nannte. »Das Gehör, das dich all den kleinen vollmenschlichen Bastarden, die du täglich von früh bis spät um dich hast, überlegen macht«, wie sie zu sagen pflegte. Mads nahm ein Geräusch wahr. Ein Geräusch, das aus der Barbie-Brotdose der Kleinen kam. Etwas kratzte gegen das Metall dessen, wovon Mads jetzt klar wurde, dass es eine alte metallene Brotdose war. Eine haltbarere Brotdose als die Dinger aus Plastik, die heutzutage hergestellt wurden.
»Meine Mom gibt mir immer die besten Sachen mit«, versprach die Kleine Mads’ fiesen Cousinen.
Max öffnete die Brotdose und schob die Hand hinein. Mads sah sich erneut im Bus um. Die Einzigen, die sie beachteten, waren die drei Mädchen von der anderen Gangseite.
Als Mads den Blick endlich wieder auf die Kleine richtete, zog diese die Hand heraus. Sie hatte etwas in ihrer geschlossenen Faust, und als Tilda sich mit offenem Mund vorbeugte, um zu sehen, was die Kleine herausgeholt hatte, schob diese Tilda etwas Bräunliches, das sich bewegte, zwischen die Lippen.
Sie versuchte zu schreien, aber die Kleine legte die Hand auf Tildas Gesicht und hielt ihr den Mund zu.
Tildas Augen weiteten sich vor Panik, und sie kratzte und schlug nach der Hand, die sich weiter auf ihr Gesicht presste. Gella gab ein erschrockenes Kichern von sich, während sie versuchte, den Arm des Kindes wegzustoßen, aber die »unschuldige« Kleine ließ sich nicht beirren.
Mads griff sich die Brotdose und öffnete sie. Darin befanden...




