E-Book, Deutsch, Band 0311, 144 Seiten
Reihe: Historical MyLady
Alexander Herz in Gefahr
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95446-026-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0311, 144 Seiten
Reihe: Historical MyLady
ISBN: 978-3-95446-026-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wenig erfreulich war bisher das Leben der jungen Waise Judith Aveton, die bei ihrer lieblosen Stiefmutter ein ärmliches Dasein fristet. Überraschend ändert sich alles: Judith macht unverhofft eine große Erbschaft. Plötzlich wird sie von der Stiefmutter umsorgt wie noch nie - auch um einen Bewerber um Judiths Hand kümmert sie sich sofort. Das sie mit dem skrupellosen Reverend Charles Truscott unter einer Decke steckt, um an die Erbschaft zu kommen, ahnt Judith nicht. Sie ist sogar dankbar, dass sich ein so vermeintlich ehrenwerter Mann um sie bemüht. Als Dan Ashburn, der Adoptivsohn einer befreundeten Familie, Nachforschungen über den Reverend anstellt, offenbart sich Böses. Niemals wird er zulassen, dass seine einzige Liebe Judith einem Betrüger in die Hände fällt...
Ihr Roman 'Süße Versuchung' ist bei CORA in der Reihe Historical Lords & Ladies erschienen. Doch Meg Alexander fing schon früh an zu schreiben: bereits in ihrer Kindheit begeisterte sie mit kleinen Bühnenstücken, die ihre Brüder, Schwestern und Cousins zur Familienunterhaltung an Weihnachten aufführten. Mit 19 Jahren heiratete sie und bekam einen Sohn. Während er noch klein war, arbeitete sie nebenbei als freie Journalistin und schrieb über unterschiedlichste Themen wie Psychologie, Gärtnerei, Reise und Kochen. Mit 38 Jahren musste sie aufgrund der Scheidung von ihrem Mann ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Die kommenden 20 Jahre waren geprägt von verschiedenen Jobs, die mit dem Schreiben nicht viel zu tun hatten. Als Meg schließlich in Rente ging, war auch der Zeitpunkt gekommen, um wieder zu schreiben. Sie begann, historische Romane zu schreiben - ermuntert durch den Gewinn des ersten Platzes in einem Schreibwettbewerb. Eine Jurorin war von Harlequin Mills & Boon Ltd und bat Meg, ob ein komplettes Buch einreichen könne. Doch trotz mehrere Anläufe klappte es weder mit dem ersten Entwurf noch mit dem Zweiten... erst beim dritten Anlauf war sie erfolgreich. Ihr erster Roman, The Last Enchantment, ein Regency Roman, wurde 1995 erstmals auf Englisch veröffentlicht.
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1. KAPITEL
Elizabeth Wentworth schnappte entsetzt nach Luft. “Judith, das kann unmöglich dein Ernst sein! Willst du uns damit sagen, dass du eingewilligt hast, Truscott zu heiraten? Ich fasse es nicht!”
Ein leises Hüsteln der dritten Dame im Salon des Hauses in der Mount Street unterband für den Augenblick einen weiteren Ausbruch. Elizabeth sah ihre Schwägerin Hilfe suchend an, aber Lady Wentworth schenkte ihr keine Beachtung.
In den zwölf Jahren ihrer Ehe hatte Prudence gelernt, ihr Temperament zu zügeln. Unüberlegt gesprochene Worte konnten nie wieder zurückgenommen werden, so sehr man sie später auch bereuen mochte. Sie war bereits im vorgerückten Stadium ihrer Schwangerschaft und versuchte mühsam, aufrechter auf dem Sofa zu sitzen.
“Das ist wirklich eine große Überraschung, Judith. Wir ahnten nicht …” Ihre Stimme klang sanft, und ihr Blick ruhte voller Zuneigung auf ihrer Freundin.
Aber Elizabeth ließ sich nicht beschwichtigen und sprang erregt auf. “Warum hast du ihn erhört?”, rief sie bedrückt. “Oh Judith, er wird dich nicht glücklich machen. Der Mann ist ein entsetzlicher Scharlatan! Ich weiß, er ist zurzeit sehr in Mode wegen seiner feurigen Predigten, aber er glaubt selbst kein einziges Wort von dem, was er sagt. Trotz all seines Geredes von Höllenfeuer und Verdammnis hat er nichts Besseres zu tun, als sich mit genau jener Gesellschaft abzugeben, die er vorgibt, zu verachten.”
“Elizabeth, du gehst zu weit!”, sagte Prudence streng. “Bitte erlaube Judith wenigstens, sich zu äußern. Du könntest ihr zugestehen, dass sie ihre eigene Meinung zu dem Thema hat.”
Elizabeth sah aus, als wolle sie widersprechen, hielt jedoch den Mund und ließ sich in einen Sessel fallen.
“Prudence, schimpf nicht”, sagte Judith leise. “Ich wusste, dass es ein Schock für euch sein würde. Immerhin hat Reverend Truscott mir niemals Anlass gegeben zu glauben, er hätte mich je beachtet … das heißt, bis vor wenigen Wochen.”
Elizabeth presste die Lippen zusammen, als ein Blick von Prudence sie traf. Beide dachten dasselbe. Vor weniger als einem Monat hatte Judith von einer ansehnlichen Erbschaft erfahren, die ihr der Bruder ihrer Mutter hatte zukommen lassen. Der verschrobene alte Mann hatte die vornehme Welt damit überrascht, dass er sein beachtliches Vermögen seiner einzigen Nichte vermachte.
“Ich war selbst erstaunt”, fuhr Judith in ihrer sanften Art fort und lächelte ihre Zuhörerinnen an. “Ich bin keine Schönheit und glänze auch sonst nicht in Gesellschaft. Es fällt mir schwer, mit Leuten zu plaudern, die ich nicht kenne, und meinen Witz …” Sie verzog das Gesicht zu einer hilflosen Grimasse, als sie an ihre Mängel dachte.
“Liebste Judith, du unterschätzt dich”, rief Elizabeth voller Wärme aus. “Gib es zu! Du hast einen wunderbaren Sinn für Humor. Wie oft haben wir uns nicht gekrümmt vor Lachen, wenn du eine deiner Geschichten erzähltest!”
“Weil ich euch gut kenne und mich in eurer Gegenwart wohlfühle. Eure Familie war immer so gut zu mir … Die Dowager Countess fehlt mir entsetzlich.”
“Sie war auch sehr von dir eingenommen”, gab Elizabeth zurück. “Was hätte sie wohl gesagt, wenn sie von deiner Entscheidung erfahren hätte?”
“Sie wollte immer, dass ich heirate”, sagte Judith ruhig. “Es machte sie so glücklich, als ihre Söhne dich und Prudence zur Frau wählten. Und sie hoffte, dass ich das gleiche Glück erleben würde.”
“Das ist etwas ganz anderes!”, sagte Elizabeth fest. “Willst du mir etwa sagen, Judith, dass du ein Tendre für diesen Mann hast?”
Judith errötete. “Nicht jede Frau kann hoffen, so glücklich zu sein wie ihr und den Menschen zu finden, für den sie ihr Leben geben würde.”
“Dann warte noch!” Elizabeth konnte ihre Verzweiflung nicht verbergen. “Du bist jung. Es muss doch ein Dutzend Männer geben, die passender wären als Truscott. Nur sehr wenige können jedenfalls unpassender sein. Du musst dir eine Chance geben!”
“Ich bin fünfundzwanzig, und ich hatte mehrere Saisons. Wie viele Männer haben um mich angehalten? Nein, gib dir nicht die Mühe zu antworten. Du weißt, dass ich nie ein Erfolg war.”
“Nur weil du so still bist! Du gibst niemandem die Chance, dich kennenzulernen. Ach, wir alle lieben dich von Herzen, Judith. Einmal hatten wir gehofft, du und Dan …”
“Elizabeth, das reicht jetzt!” Bei der Erwähnung ihres Adoptivsohns hielt Prudence es für klüger, Elizabeths unbedachten Bemerkungen ein Ende zu setzen.
Vor sechs Jahren hatte sie auch gehofft, dass Judith und Dan zueinander finden würden. Sie hatte erfreut die wachsende Freundschaft zwischen den beiden beobachtet, die so ganz anders als ihre eigene feurige Beziehung zu Sebastian oder Elizabeths und Perrys stürmische Werbung war.
Judith und Dan saßen stundenlang zusammen und wechselten oft nur wenige Worte, waren aber offensichtlich zufrieden in der Gesellschaft des anderen. Dan zeichnete seine Verbesserungsvorschläge für die Kriegsschiffe der britischen Flotte, und Judith brachte ihre Gedanken aufs Papier.
Nur unter Freunden konnte sie dazu überredet werden, diese Worte laut vorzulesen, aber es lohnte sich jedes Mal, darauf zu warten. Ihre scharfsinnigen kleinen Skizzen menschlicher Schwächen brachten ihre Zuhörerschaft dazu, Tränen zu lachen.
Als Judith jetzt Dans Namen hörte, wandte sie betroffen das Gesicht ab. Doch gleich darauf hatte sie sich gefangen. “Wie geht es Dan?”, fragte sie mit ruhiger Stimme. Ihre Freunde durften nicht wissen, wie bitter sie bereute, vor sechs Jahren den Mann, den sie liebte, abgewiesen zu haben.
“Er ist endlich heimgekehrt”, sagte Elizabeth. “Er hat sich natürlich verändert. Jetzt ist er so hochgewachsen und kräftig, dass er wie ein Mann von Welt aussieht. Aber im Grunde ist er noch der gleiche alte Dan.”
Judith spürte einen Anflug von Panik. Eine Begegnung mit Dan wäre eine unerträgliche Qual. Sie stand auf, um sich zu verabschieden.
“Bitte, bleib!” bettelte Elizabeth. “Die Männer werden bald kommen. Perry und Sebastian wären traurig, dich verpasst zu haben, und du hast Dan seit Jahren nicht gesehen.”
“Judith hat vielleicht andere Verpflichtungen, Elizabeth”, warf Prudence ein. Sie wusste sehr wohl, was vor sechs Jahren geschehen war. Hatte sie nicht monatelang einem untröstlichen Dan ihr mitfühlendes Ohr geliehen? Sie hatte versucht, ihn durch unzählige Zerstreuungen abzulenken, aber nichts hatte ihm Trost gebracht. Schließlich hatte Sebastian eine Lösung vorgeschlagen, und bald darauf hatte sich Dan einer Expedition zu den Antipoden-Inseln als Kartograf angeschlossen.
Judith ließ sich nicht umstimmen. Sie zog ihre Handschuhe mit einer Eile an, die, wie sie hoffte, nicht allzu deutlich auffiel.
“Meine Lieben, ihr braucht euch keine Sorgen um mich zu machen. Ich bin überzeugt, dass es das Beste ist. Ich werde mein eigenes Heim haben und hoffentlich eine Familie. Das muss genügen.” Ihr Lächeln zitterte kaum merklich.
Judiths Gesichtsausdruck traf Elizabeth mitten ins Herz. Sie umarmte sie impulsiv. “Versprich nur eins!”, sagte sie. “Setz noch keinen Termin fest. Lass dir noch ein wenig Zeit zum Nachdenken.”
“Ich habe nachgedacht”, erwiderte Judith. “Wir werden in vier Wochen heiraten.”
“Oh nein!” Was immer Elizabeth diesem ungehörigen Ausruf hatte hinzufügen wollen, wurde verhindert, da in diesem Augenblick die Tür zum Salon geöffnet wurde und drei Gentlemen den Raum betraten.
Es war offensichtlich, dass zwei von ihnen Brüder waren. Die Familienähnlichkeit zwischen Lord Sebastian Wentworth und dem jüngeren Peregrine war sehr stark. Beide Männer waren hochgewachsen und kräftig gebaut, doch Peregrine überragte seinen Bruder noch um einige Zentimeter. Sie besaßen die gleichen dunklen Augen und markanten Gesichter und das gleiche gebieterische Auftreten. Ein gewisser unbeugsamer Zug um ihren Mund ermutigte wenig dazu, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.
In diesem Moment jedoch lächelten beide Männer, während sie ihren Begleiter zu Judith führten.
“Hier ist ein alter Freund, der dich begrüßen will”, verkündete Peregrine. “Er ist so gewachsen, dass es mich nicht wundern würde, wenn du ihn gar nicht erkennst.”
Judith war gezwungen, ihm zitternd die Hand zu reichen, aber sie konnte Dans Blick nicht standhalten. Dann beugte er den vertrauten Kopf mit den rotblonden Locken über ihre Fingerspitzen. Die Geste war genau so, wie sie die Höflichkeit vorschrieb, aber bereits die leichte Berührung genügte, um Judith bis ins Innerste erbeben zu lassen.
Sie entzog ihm ihre Hand, als ob sie gestochen worden wäre, aber Dan schien ihre seltsame Reaktion nicht zu bemerken.
“Ich hoffe, Sie befinden sich wohl, Miss Aveton”, sagte er kühl.
Elizabeth sah ihn verblüfft an. “Gütiger Himmel, Dan, was soll das? Das ist doch unsere liebe Judith! Erinnerst du dich nicht?”
“Ich erinnere mich sehr wohl.” Er legte keine besondere Betonung auf seine Worte, aber Judith begriff, was er sagen wollte. Die Wunde war zu tief gegangen. Er würde ihr keine Gelegenheit geben, ihm etwas zu erklären, und vielleicht war es auch besser, es gar nicht erst zu versuchen. Sie mussten jeder seiner Wege gehen, wenn auch der Gedanke an ihre Zukunft Judith mit Verzweiflung erfüllte.
Später konnte sie sich nicht erinnern, wie sie den Salon verlassen hatte und in ihre Kutsche gestiegen war. In ihrem Kopf drehte sich alles, und sie brachte es nur mit größter Anstrengung fertig, sich zu verabschieden, ohne sich ihre Verwirrung anmerken zu lassen.
Als die Tür sich hinter ihr schloss, sah Peregrine...




