Angelowski | Der Werwolf von Köln | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Reihe: emons: mystery

Angelowski Der Werwolf von Köln


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-86358-372-9
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Reihe: emons: mystery

ISBN: 978-3-86358-372-9
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Köln 2010. Nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie kommt Amandas Leben gerade wieder ins Gleichgewicht. Als sie aber glaubt, nachts auf nebliger Landstraße einen Mann überfahren zu haben, kommen ihr Zweifel, denn von diesem Zeitpunkt an geschehen mysteriöse Dinge. Was ist wahrhaftig, was Einbildung? Parallel verübt ein Serientäter bestialische Morde, ohne Spuren zu hinterlassen. Die Bluttaten weisen Ähnlichkeiten zu einem Werwolffall auf, der sich vor über vierhundert Jahren ereignet hat. Doch was hat Amanda mit diesen abscheulichen Verbrechen zu tun? Allmählich erkennt sie die Zuammenhänge, begreift jedoch zu spät, dass es die Bestie auch auf sie abgesehen hat ...

Myriane Angelowski ist 1963 in Köln geboren und zum Teil im Bergischen Land aufgewachsen. Nach einem Jahr Auslandsaufenthalt in Israel schloss sich ein Studium der Sozialarbeit an und nach mehreren Jahren Arbeit als Referentin für Gewaltfragen 2001 eine selbstständigen Tätigkeit als Coach. Myriane Angelowski lebt und arbeitet in Köln. Im Emons Verlag erschienen 'Gegen die Zeit' und 'Tödliches Irrlicht'.
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KÖLN, KÖNIGSFORST, IM JANUAR

Ramón spürte den Nervenkitzel wie jeden Donnerstagabend, wenn er das Auto auf dem Parkplatz abstellte. Er sah auf die Uhr im Armaturenbrett. Kurz nach acht. Sein Liebhaber ließ ihn warten. Das irritierte Ramón, denn eigentlich zeichnete Pünktlichkeit seinen Lover aus. Pünktlichkeit und vieles mehr.

Er stieg aus dem Wagen und streckte sich. Der Parkplatz war menschenleer. Kälte und Dunkelheit hatten auch Vorteile: Im Frühjahr wimmelte es hier von Hundebesitzern und Joggern. Auch Familien mit Kindern überrannten dann förmlich das kleine Waldstück nahe der A 3, denn das Gehege mit Rehen, Hirschen und Wildschweinen war von hier mit einem kurzen Fußmarsch gut zu erreichen. Ramón atmete tief durch. In ein paar Wochen würden sie sich einen anderen Platz für ihre heimlichen Rendezvous suchen müssen. Er schloss den Reißverschluss seiner Lederjacke und lehnte sich gegen den Toyota.

Eigentlich hätte er zu Hause sein sollen. Sein Lebensgefährte renovierte das Wohnzimmer und konnte jede Hilfe gebrauchen. Er kam sich schäbig vor, wenn er daran dachte, dass Phil die Tapeten allein anbringen musste. Vor allem weil er sich in solchen Dingen ziemlich ungeschickt anstellte.

Ramón versuchte, nicht weiter an Phil zu denken. Die Sehnsucht nach Andy hatte gesiegt.

Andy. Der Name seines neuen Geliebten gefiel ihm nicht. Vielleicht weil er wusste, dass er ihn nur für seine amourösen Abenteuer benutzte. Seine wahre Identität behielt er für sich. Ein zusätzliches Geheimnis, das ihn umwitterte.

Normalerweise interessierte sich Ramón nicht für das Leben seiner Affären, doch bei Andy lagen die Dinge anders. Leider. Ramón gab es nicht gerne zu, aber er hatte seine Gefühle schon lange nicht mehr unter Kontrolle.

Andy war für ihn mehr als nur eine flüchtige Geschichte.

Insgeheim sehnte er sich nach einem Leben an seiner Seite, träumte davon, neben ihm einzuschlafen und aufzuwachen. Längst waren ihm die Zeitfenster zu klein geworden, die Andy ermöglichte. Gleichzeitig spürte Ramón deutlich, dass Andy sein intensives Bedürfnis nach Nähe nicht teilte. Seine Zugeständnisse waren begrenzt, auf Ansprüche reagierte er gereizt, und alle Versuche, ihm mehr Verbindlichkeit abzuringen, blockte er ab.

Ramón verzweifelte zunehmend an der Situation. Mittlerweile litt sogar seine Arbeit. Als Komponist und Musiker benötigte er neben Inspiration auch eine gewisse Kontinuität. Nur wenn sein Seelenleben im Gleichgewicht war, konnte er kreativ sein. Das ausschweifende Leben, das anderen Künstlern wahre Schaffensperioden bescherte, führte bei ihm zu Chaos und schließlich zum Stillstand. Deshalb schützte sich Ramón normalerweise vor gefühls- mäßigen Achterbahnfahrten, verliebte sich nicht in seine Affären und sprang ab, wenn die Geschichte emotional wurde.

Bei Andy hatte er diesen Zeitpunkt verpasst. Dabei war ein gemeinsames Leben mit ihm völlig ausgeschlossen, daran ließ Andy keinen Zweifel. Ramón wusste die Gründe zwar nicht, aber er spürte genau, dass er sich keine Illusionen zu machen brauchte.

Außerhalb ihrer heimlichen Affäre führte Andy anscheinend ein sehr bürgerliches Leben. Vielleicht war er sogar verheiratet, eventuell geschieden, höchstwahrscheinlich war er Vater. Der Kindersitz auf dem Rücksitz seines Wagens deutete darauf hin. Fragen dazu beantwortete Andy nicht. Also hakte Ramón nicht weiter nach. Er wollte seinen Lover nicht in die Flucht schlagen.

Ramón setzte auf Geduld.

Früher oder später würde Andy ihm aus der Hand fressen, so weit vertraute Ramón seinen Qualitäten, und bis dahin wollte er die Stunden mit ihm genießen.

Vereinzelte Schneeflocken schwebten zu Boden. Ramón sah in den Abendhimmel empor, atmete tief und gleichmäßig.

Aus den Augenwinkeln sah er einen Wagen kommen. Andy. Endlich.

Er fuhr mit Schwung auf den Parkplatz. Schotter wirbelte hoch.

Ramón lief ihm entgegen, riss die Autotür auf, zerrte ihn vom Sitz und bedeckte sein Gesicht mit Küssen.

»Warum kommst du so spät?«, flüsterte er dicht an seinem Ohr, zog ihm den Schal vom Hals und begann, sein Hemd aufzuknöpfen. »Jede Minute ohne dich ist wie eine Ewigkeit.«

»Jetzt bin ich ja da«, erwiderte Andy. »Allerdings habe ich nicht viel Zeit. Zwei Stunden maximal, ich muss heute noch arbeiten.«

»Sei still!« Ramón umfasste Andys Handgelenke und sah ihn an. »Ich hab dich schrecklich vermisst.«

Sie küssten sich. Gierig. Leidenschaftlich.

Ramón nahm Andy bei der Hand. »Lass uns zu unserer Bank gehen!«

»Es ist ziemlich kalt.«

»Warmduscher! Es sind nicht mal Minusgrade.«

»Trotzdem.« Andy schloss fröstelnd die Knöpfe seines Hemdes.

Ramón lachte. »Dann treiben wir es eben in deinem Auto.«

Er öffnete die Beifahrertür, sah den Kindersitz auf der Rückbank und stockte. Kindersitze törnten ihn ab.

»Was ist los?«, fragte Andy.

»Es geht nicht«, antwortete Ramón. »Nicht in deiner Karre.«

»Dein Auto ist aber zu klein.« Andy schien genervt. »Dann also doch die Bank. Auch wenn ich erfriere.«

»Ich werde dir ordentlich einheizen«, versprach Ramón und zog Andy mit sich.

Der Pfad, der zur Bank führte, war von ihnen getrampelt worden.

Elf Wochen Heimlichkeit hinterließen Spuren.

Sie rannten und hielten sich dabei an den Händen. Ramón fühlte sich wie ein Schuljunge. Auf einmal roch der Winter nach Abenteuer, und er sog diesen Duft in jede Pore seines Körpers ein.

An einer Stelle wurde der Pfad schmal und war von dichtem Dornengestrüpp gesäumt. Ramón ließ Andys Hand los und ging vor. Er konnte die Bank bereits sehen. Nur Minuten später bebte der Körper seines Liebhabers unter ihm.

»Wir werden uns den Tod holen«, stöhnte Andy.

»Dann wäre es eine himmlische Art zu sterben.«

Sie liebten sich, immer wieder. Vergaßen die Zeit, bis Andy hochschreckte.

»Hast du das gehört?«

»Was?«

Ramón setzte sich ebenfalls auf und lauschte. Nichts. Es war absolut still.

»Da war etwas«, beharrte Andy.

»Was denn?«

»Keine Ahnung. Es hörte sich an wie ein tiefer Seufzer.«

Ramón lehnte sich zurück. »Ich hab nur dich gehört.«

Andy sah auf seine Armbanduhr. »Verdammt! Schon nach zehn. Ich muss los.«

Andy zog die Anzughose hoch und knöpfte sein Hemd zu. Es spannte im Bauchbereich. Ramón konnte den Blick nicht abwenden. Auch wenn Andy keine Schönheit war, er hatte das gewisse Etwas. Hochgewachsen, graue Schläfen, eine fein geschwungene Nase.

Ramón zerrte ihn auf die Bank zurück. »Komm her.«

»Ich muss wirklich los …«

Ramón riss mit der einen Hand Andys Hemd erneut auf und öffnete mit der anderen in Sekundenschnelle den Reißverschluss seiner Hose. Andy gab nach. Zu Ramóns Freude sehr bereitwillig.

Es war fast elf Uhr, als sich beide anzogen.

»Ich bleibe noch einen Augenblick hier sitzen«, sagte Ramón, als Andy zum Aufbruch drängte. »Ich kann jetzt nicht sofort nach Hause fahren. Bleib doch bitte auch noch einen Moment«, bettelte er. »Ich will nicht, dass du gehst.«

»Mach es mir nicht so schwer«, sagte Andy.

Ramón drückte sich an ihn, aber Andy löste sich aus seiner Umarmung.

»Ich wollte sowieso noch mit dir reden«, sagte er.

»Worüber?«

»Du bist … du hältst dich nicht an unsere Vereinbarungen. Nach unserem letzten Treffen bist du mir schon wieder gefolgt, und dann diese vielen SMS! Außerdem haben wir abgemacht, dass wir uns nicht gegenseitig anrufen. Ich hatte dich gebeten, das zu unterlassen, und es ist mir sehr ernst damit.«

»Ich wollte deine Stimme hören, wollte dir nah sein.«

»Das geht aber nicht.« Andy nahm Ramóns Hand. »Ich will dich nicht verletzen, aber vielleicht ist es besser, wenn wir die Affäre beenden, bevor du …«

»Das kann doch wohl nicht wahr sein?« Ramón sprang auf. »Du willst mich jetzt abservieren, nachdem du mich gerade noch gevögelt hast? Einfach so?«

»Von ›einfach so‹ kann keine Rede sein. Ich glaube nur, dass es das Beste für uns beide ist.«

»Ach so, das entscheidest du!«

»Natürlich nicht. Aber ich …«

Ramón trat heftig gegen den Stamm einer Buche. »Und das wusstest du noch nicht, als du mir die Hose aufgemacht hast?«

»Ramón!«

»Ach, verpiss dich!«

Andy knöpfte seine Jacke zu. »Ich muss jetzt wirklich los, ich kann nicht länger …« Er machte einen Schritt auf Ramón zu.

»Fass mich nicht an!«

Andy blieb einen Moment unschlüssig stehen. »Es tut mir leid. Ich wollte nicht, dass die Situation so abläuft. Wir reden noch mal darüber, aber jetzt muss ich wirklich los.«

Ramón rührte sich nicht.

»Ich rufe dich an«, versprach Andy und ging davon.

Ramón sah ihm nicht nach. Fassungslos blieb er zurück. Er konnte nicht glauben, dass Andy ihre Geschichte beenden wollte, nur weil er einmal die Regeln gebrochen hatte. Gut, genau genommen ignorierte er ständig ihre Absprachen, rief Andy mehrmals am Tag auf dem Handy an oder verfolgte ihn regelmäßig nach ihren Rendezvous, wenn auch mit wenig Erfolg. Andys Adresse kannte er bisher nicht. Aber eine Trennung? Nein, das kam für Ramón überhaupt nicht in Frage.

In Gedanken durchlebte er noch einmal die Liebkosungen, die nicht einmal eine halbe Stunde her waren, spürte Andys Küsse und dachte vor allem an die Augenblicke, in denen sein Liebhaber leidenschaftlich und fordernd gewesen war. Unmöglich, ein Ende der Affäre konnte nicht Andys Wunsch sein. Wahrscheinlich bekam er Angst, weil auch er zu viel empfand, und schlug...


Myriane Angelowski ist 1963 in Köln geboren und zum Teil im Bergischen Land aufgewachsen. Nach einem Jahr Auslandsaufenthalt in Israel schloss sich ein Studium der Sozialarbeit an und nach mehreren Jahren Arbeit als Referentin für Gewaltfragen 2001 eine selbstständigen Tätigkeit als Coach. Myriane Angelowski lebt und arbeitet in Köln. Im Emons Verlag erschienen "Gegen die Zeit" und "Tödliches Irrlicht".



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