Angelsen | Verführerisches Spiel | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 114 Seiten

Reihe: Die Geheimnisse von Engeløya

Angelsen Verführerisches Spiel

Der große Erfolg aus Skandinavien
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98585-284-0
Verlag: Adrian & Wimmelbuch DIG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der große Erfolg aus Skandinavien

E-Book, Deutsch, Band 3, 114 Seiten

Reihe: Die Geheimnisse von Engeløya

ISBN: 978-3-98585-284-0
Verlag: Adrian & Wimmelbuch DIG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Norwegen | Insel Engeløya - Haus Breidablikk: Im Doktorhaus stehen große Veränderungen an: Truls geht auf den Lofoten angeln, während sowohl Bera als auch Dina sich auf ihre Konfirmation vorbereiten. Agnete setzt währenddessen alle daran, ihre Rivalin Marie aus dem Rennen um Gabriels Herz zu drängen, bevor dieser merkt, was vor sich geht. Bera gefällt jedoch überhaupt nicht, wie sich die Tochter des Amtsmannes im Haus des Arztes breitmacht. Ein Muss für alle Fans von Skandinavien, Familiensagas und großen Gefühlen.

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1


Bera ging zum Fenster und blickte in den Garten hinunter, drehte sich um und nahm den Weg durch den Salon ins Büro. Von dort hatte sie einen Blick auf die Vorderseite des Hauses und konnte sehen, wenn Gabriel zurückkam. Sie rückte einige Bücher zurecht, wippte ein wenig mit dem Stuhl und ließ ihn mit einem Knall zurückfallen. Da kam er!

Im Nu war sie im Flur und empfing ihn.

»Wie ist es gelaufen?«, erkundigte sie sich.

Er antwortete ihr zunächst nicht, sondern hängte seine Überbekleidung auf und eilte ins Büro. Dort begann er, in einem Regal nach einem Buch zu suchen. Aber Bera bemerkte, dass er nervös wirkte. Sein Blick folgte nicht den Bewegungen seiner Hände.

»Wie ist es gelaufen?«, wiederholte sie.

»Bera, ich möchte gerne eine Weile allein sein«, sagte er bestimmt und ließ das Regal in Ruhe. Einen Moment lang sah er sich um, als suche er nach einem Fluchtweg oder nach etwas zu tun.

»Ich werde gehen, sobald du es mir gesagt hast. Nicht früher.«

Er drehte sich zu ihr um, starrte mit einer tiefen Falte zwischen den Augenbrauen. Dann sank er hinter dem Schreibtisch auf seinen Stuhl und strich sich müde übers Gesicht. »Ich habe die Verlobung mit Marie gelöst.« Er schwieg einen Moment, holte Luft und sah sie wieder an. »Du erinnerst dich, dass du, als du die Patientenakten für mich ins Reine geschrieben hast, auch eine Schweigepflicht unterschrieben hast?«

Sie nickte.

»Ich vertraue darauf, dass du auch nicht über andere Angelegenheiten hier im Haus sprichst.«

»Ich verbreite keinen Klatsch«, antwortete sie gekränkt.

»Nein, ich weiß. Das hier wird mit der Zeit herauskommen, aber es soll nicht von uns ausgehen. Marie ist krank, aber ich sah keine Anzeichen von Diphtherie. Also hoffen wir, es geht vorübergeht, ohne dass es sich zu anderen Leiden entwickelt.«

»Die Arme.« Bera wandte sich ab, als ihre Augen sich mit Tränen füllten. Eine Weile stand sie zum Fenster gewandt, bis sie ihre Stimme wieder unter Kontrolle hatte. Vielleicht war alles in letzter Zeit zu viel gewesen; und sie deshalb Maries Krankheit so schwer nahm. Die meisten wurden ja wieder gesund, und wie Gabriel meinte, war es weder Diphtherie noch etwas anderes Ernstes. »Glaubst du, sie wird wieder gesund?«, fragte sie. Sie wusste, dass die Frage töricht war, denn wer konnte das schon wissen? Niemand hatte die Fähigkeit, in die Zukunft zu sehen. »Vergiss meine Frage«, sagte sie schnell. »Du sollst allein sein.« Sie hatte noch etwas sagen wollen, ließ es aber sein.

Stattdessen verließ sie das Büro und schloss leise die Tür hinter sich. Wenn Gabriel sie brauchte, würde er Bescheid geben, sie musste sich nicht aufdrängen. Er hatte es damals auch nicht getan, als sie nach Breidablikk kam, sondern ihr all die Zeit gegeben, die sie brauchte. Dass es möglich war, einen solchen Schmerz über den Kummer eines anderen Menschen zu empfinden, hätte sie nicht geglaubt, aber es tat weh bis tief in ihre Brust hinein. Wäre es möglich gewesen, hätte sie gerne für eine Weile seinen Platz eingenommen. Sie hätte gut den Weg zum Pfarrhaus auf sich nehmen und es Marie erzählen können, aber das hätte man ihr nicht erlaubt. Es hätte sich auch nicht geziemt. Dies war Aufgabe, und sicher eine der schwersten, die er je hatte erledigen müssen, glaubte sie.

Einmal wollte sie von ihm wissen, wie es ist, wenn seine Patienten starben. Wenn er nichts mehr tun konnte, um ihnen zu helfen. Es musste ihm doch sowohl den Nachtschlaf als auch mehr rauben. Sie hatte gefragt, ohne es mit dem zu vergleichen, was sie selbst mit ihren Eltern erlebt hatte. Das war etwas ganz anderes.

Gabriel hatte lange nachgedacht, bevor er schließlich sprach. »Ich kann nicht mehr tun als mein Allerbestes, Bera.

»Ich bin kein Gott, nur ein ganz gewöhnlicher Mensch.«

»Aber die Leute denken wohl anders«, protestierte Bera. »Die, die zurückbleiben. Du hast ja viele Jahre die Schule besucht und so viel gelernt. Sie können kaum ihren Namen schreiben, und manche nicht einmal das.«

»Das stimmt, und nicht alle verstehen das. Aber ich muss mit mir selbst im Reinen sein, dass ich das Richtige getan habe und alles, wozu ich imstande bin. Mehr ist unmöglich. Stell dir vor, du versuchst jemandem zu helfen, der ertrinkt. Du kannst durchaus eine gute Schwimmerin sein, aber das reicht nicht immer. Ab und zu müssen wir Menschen aufgeben, egal was wir gelernt haben.«

Sie hatte viel darüber nachgedacht, es mit anderen, viel kleineren Ereignissen verglichen. Man wünschte sich ja oft, alles in Ordnung zu bringen, aber es reichte nicht aus. Jetzt verstand sie besser warum es sich so verhielt. Von früher wusste sie, dass nur die Zeit den Kummer und den Schmerz erträglich machen konnte. Nicht gut, aber auszuhalten. Nun war es an ihr, ihm zu helfen.

Sie lief direkt in die Küche und stellte sich mittendrin hin. Truls stapelte Holz in den Kasten neben dem Ofen, Dina und Elen kochten. Aber alle drei hielten inne und sahen sie an, als sie einfach stehen blieb.

»Ihr habt früher die Nachricht über die Hochzeit erhalten, die zwischen Gabriel und Fräulein Marie stattfinden sollte. Sie ist nun abgesagt!«

»Abgesagt?« Elen war die erste, die ihre Sprache wiederfand. »Aber meine Güte … Sie können doch nicht einfach nicht heiraten. Ich habe ja schon eine ganze Menge geplant. Ja, ich bin tatsächlich dabei, das Menü zu schreiben, und …«

»Er wird stattdessen Agnete heiraten.«

»?« Elen sah aus, als würde sie jeden Moment zusammenbrechen. Sie griff nach einer Stuhllehne und legte die andere Hand auf ihre Brust. »Du meine Güte. Was ist nur in Gabriel gefahren? Ich muss mit ihm reden, das geht nicht.«

»Nein«, erwiderte Bera und versperrte ihr den Weg. »Ich bin gekommen, um Bescheid zu geben, dass er Ruhe braucht. Alles soll über mich laufen, bis ihr andere Anweisungen bekommt.«

»Ich muss mich setzen«, stöhnte Elen und ließ sich auf den Stuhl fallen.

»Gibt es noch Fragen?«, wollte Bera wissen und fing die Blicke von Dina und Truls auf. Beide schüttelten den Kopf, aber Bera sah, dass Truls voller Fragen war. Er kannte sie gut genug, um zu wissen, dass sie viel mehr wusste, als sie erzählte. Er würde sicher daran teilhaben wollen, vor allem weil er ihr bester Freund war. Derjenige, dem man meist alles erzählte. Nur, dass sie es in diesem Fall nicht konnte.

»Ich bin in der Nähe, falls etwas ist«, sagte sie und ging hinaus. Die Tür wurde leise, aber bestimmt hinter ihr geschlossen. Dann hörte man nur noch die harten Absätze über den Boden, bevor eine weitere Tür geschlossen wurde.

Den Rest des Tages hielt sich Bera von Truls fern. Sie habe gerade keine Zeit für ihn, erklärte sie, als er ihr nachkam. Sie war auf dem Weg zu einem Besorgung, hielt aber inne, als er sie am Arm fasste.

»Warum meidest du mich?«, fragte er. »Du benimmst dich, als wäre ich aussätzig.«

Als sie antwortete, dass sie keine Zeit für ihn habe, trat er einen kleinen Schritt zurück. »Wenn ich so lästig bin, werde ich dich nicht belästigen.«

»Warte«, bat sie, aber er ging weiter. Trotzdem holte sie ihn schnell wieder ein. »Ich meinte nichts Böses damit.«

»Ach nein?« Er blieb kaum stehen, aber sie sah ihm an, dass er es eilig hatte, weiterzukommen.

»Aber versuche doch zu verstehen. Gabriel braucht mich jetzt.«

»Gabriel? Das kann ich nicht glauben. Hier stimmt etwas nicht, Bera. Er ist dein Vater und schickt dich doch nicht in die Küche mit solchen Nachrichten. Was geht hier vor?« Er verengte die Augen und fuhr fort: »Da drin ist es jetzt wie in einem Hühnerstall. Du glaubst nicht, wie Elen und Dina gackern! Ich glaube, ich werde verrückt.«

Plötzlich fühlte sie sich so viel älter als er. »Gabriel hat mich nicht dorthin geschickt, ich tat es ohne sein Wissen. Weil er jetzt leidet. Kannst du versuchen, dir vorzustellen, wie es sein muss, die Verlobung mit Marie zu lösen, um zu heiraten? Ich will ihm nur Zeit geben, Kraft zu sammeln, dann kann er selbst übernehmen.«

Er sah weg, kaute ein wenig auf ihren Worten, bevor er ihrem Blick wieder begegnete. »Entschuldige. Ich war ein Dummkopf, der nicht verstand.«

»Worauf hast du mehr vertraut, auf mich oder deine lebhafte Fantasie?«, fragte sie ruhig.

Er blieb die Antwort schuldig, und Bera hatte keine Zeit darauf zu warten. Sie verabschiedete sich kurz und eilte weiter. Vielleicht war sie hart zu ihm, aber wenn man in dieser Welt zurechtkommen wollte, musste man es manchmal sein. Ihr junges Leben hatte ihr eine solche Lehre erteilt.

Später spürte sie die Unruhe wie Ameisen unter der Haut. Gabriel hielt sich allein in seinem Büro auf. Manchmal hörte sie ihn auch im guten Zimmer nebenan. Dazwischen war es völlig still.

Elen kam in das Esszimmer, als Bera dort war.

»Er wird doch wohl essen müssen?«

»Mach ein Tablett fertig, dann bringe ich es ihm hinein.«

Elen war nicht lange fort, bevor sie mit dem Essen zurück war. Die kleine, rundliche Frau wirkte besorgt.

»Ich kann nicht begreifen, warum er mit Fräulein Marie gebrochen hat, zugunsten der Tochter des Polizisten.« Sie schüttelte den Kopf und starrte in den Raum, als suche sie die Antwort in den Tapeten. »Es kann nicht leichten Herzens gewesen sein, denn sonst hätte er sich ja nicht auf diese Weise eingeschlossen. Und gerade Gabriel, der doch immer so besonnen und stark war.« Sie stemmte die eine Faust in die Hüfte....



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