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E-Book, Deutsch, Band 28, 206 Seiten

Reihe: Kult (Schätze der Unterhaltungsliteratur)

Anonym Terroristen

SÂR DUBNOTAL Nr. 9
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-68984-340-3
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

SÂR DUBNOTAL Nr. 9

E-Book, Deutsch, Band 28, 206 Seiten

Reihe: Kult (Schätze der Unterhaltungsliteratur)

ISBN: 978-3-68984-340-3
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



SÂR DUBNOTAL Nr. 9 enthält zwei Geschichten: Ein Terroristenkomplott Ein Attentat auf den Polizeidirektor von St. Petersburg kann in letzter Minute verhindert werden. Wer steckt dahinter? In der Hölle Sibiriens Der frühere Chef der St. Petersburger Ochrana ist in Ungnade gefallen und zur Bergwerksarbeit in Sibirien verdammt worden. Sâr Dubnotal versucht, den Unglücklichen zu befreien.

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Tschergins Galanterie wird verständlich


Tschergin und die verschleierte Dame erreichten sehr schnell den Dwotsory-Kai und begaben sich dann unverzüglich – entlang des Ufers der Newa – zur Alexanderbrücke.

Während des ganzen Weges hatten die beiden kein einziges Wort miteinander gewechselt, aber in dem Augenblick, als sich die Unbekannte von ihrem Beschützer verabschieden sollte, weil der Schlitten angehalten hatte, ergriff sie Tschergins Hand.

„Mein Herr“, sagte sie bewegt. „Ich verdanke Ihnen mein Leben und – was ganz besonders zählt – meine Ehre. Das werde ich nie vergessen.“

„Ich habe nur meine Pflicht getan“, entgegnete der Nihilist einfach. „Sie sind mir keinen Dank schuldig, gnädige Frau. Und über das, was Sie wissen, will ich nichts hören. Aber wenn Sie zu mir Vertrauen haben, dann bitte ich Sie, mir jetzt – da Sie sich nicht mehr in Gefahr befinden – zu bestätigen, dass dieser Brief nicht von der Polizei kommt und dass Sie ihn uns tatsächlich nur aus Interesse an der Sache überbracht haben.“

„Das schwöre ich Ihnen, mein Herr“, antwortete die verschleierte Dame und ihr Ton klang absolut ehrlich. „Und ich gehe noch weiter, wenn Sie mir versprechen, dass Sie mein Geheimnis nicht verraten. Auch wäre es gut, wenn es jemanden im Komitee gäbe, der die Richtigkeit der in dem Brief mitgeteilten Fakten, den ich Ihren Freunden gab, nicht bezweifelte. Er sollte darauf achten, dass sie ihn ganz besonders wichtig nehmen, wenn sie nicht wollen, dass sie alle in kürzester Zeit verloren sind.“

„Gnädige Frau“, sagte Tschergin, „ich will dieser Jemand sein, wenn Sie wollen. Sie können mir vertrauen und bei meiner Ehre schwöre ich Ihnen meinerseits, dass Sie es nicht bereuen werden, denn ich werde Ihr Geheimnis treu bewahren.“

„Sind Sie gezwungen, zu Michail Nagudljekow zurückzukehren, mein Herr?“

„Nicht, wenn Sie reden müssen. Doch, wenn das nicht der Fall ist. Denn das Wenige, das Sie mir gesagt haben, hat lebhaft mein Interesse erregt und zwingt mich, schnellstmöglich an der Beratung der Mitglieder des Komitees teilzunehmen.“

„Aber werden Ihre Kollegen, wenn sich Ihre Abwesenheit in die Länge zieht, das nicht als verdächtig interpretieren?“

„Ich werde schon eine Entschuldigung finden, gnädige Frau. Wir sind zu Listen gezwungen und müssen viele Umwege machen, damit wir die Polizei in die Irre führen können. Sehen Sie“, fügte Tschergin hinzu und zeigte auf die Alexanderbrücke. „Wenn man vom Teufel spricht ...“ Von dort näherte sich ein Trupp Kosaken.

„Mein Gott!“, stammelte die Frau. „Schnell, mein Herr! Springen Sie auf meine Troika und lassen Sie uns losfahren! Ich werde Ihnen während der Fahrt alles erklären. Um nichts in der Welt sollten wir die Aufmerksamkeit dieser Leute erregen.“

Tschergin und sein Schützling kletterten in den Schlitten und Iwanowitsch lenkte das Gefährt in die Richtung des Newski-Prospekts. Der Schnee dämpfte das Trabgeräusch der Pferde, zudem waren die Glöckchen aus Vorsicht weggenommen worden.

Als die Kosaken die Troika bemerkten, waren sie bereits weit entfernt. Die Unbekannte, die sich inzwischen wieder beruhigt hatte, begann nun, ihre Geschichte zu erzählen.

Tschergin hörte ihr mit größer Aufmerksamkeit zu, war jedoch nicht sonderlich überrascht. Er bemühte sich dabei, sie nicht zu unterbrechen. Erst als sie fertig war, sagte er: „Jetzt verstehe ich alles, gnädige Frau. Das Motiv, dem Sie gehorcht haben und das dieses Vorgehen ausgelöst hat, findet nicht gerade meine Billigung. Dennoch werde ich meinen Eid bezüglich Ihrer Enthüllungen halten. So außergewöhnlich und unglaubwürdig sie auch sind, so hatte ich selbst schon einen entsprechenden Verdacht gegen die beiden verräterischen Brüder, von denen in dem Brief die Rede ist, den Sie dem Komitee überbracht haben. Es ist wirklich wichtig, dass das Komitee gar nichts verändert; ich werde hierfür mein Bestes tun. Ich danke Ihnen, gnädige Frau, und versichere Ihnen ein letztes Mal meine absolute Diskretion.“

Mit diesen Worten verabschiedete sich Tschergin von der verschleierten Dame, deren Schlitten an der Ecke einer einsamen Straße angehalten hatte. Nach einem kräftigen Hieb mit der Peitsche entfernte sich das Gefährt schnell.

Tschergin machte kehrt in die Richtung des Newski-Prospekts, nicht ohne sich vorher vergewissert zu haben, dass er von niemandem beobachtet wurde.

Einige Minuten später klopfte er an die Tür einer kleinen Villa in dieser berühmten Straße. Die Tür wurde geöffnet und er stand einem jungen Mann gegenüber, in dem die Leser unserer vorausgegangenen Geschichten zweifellos sofort Rudolf, den Lieblingsschüler Sâr Dubnotals, erkennen dürften.

„Sie sind es, Meister? Schon?“, fragte er überrascht.

„Nenn mich nicht so!“, rief Sâr Dubnotal lebhaft – denn er war es wirklich – und schloss die Tür. „Du weißt, dass ich hier in St. Petersburg Herr Petropowski bin, ein reicher polnischer Industrieller aus Warschau, der zu Besuch in der Hauptstadt ist und dessen Neffe du bist.“

„Oh!“, lächelte Rudolf. „Wir sind allein und haben nichts zu befürchten.“

„Zweifellos“, entgegnete Sâr Dubnotal, „aber es ist mir zur Gewohnheit geworden. Wenn es bei dir nicht so ist, wirst du noch einmal von Fremden abgestochen. Wir wollen vorsichtig sein, lieber Neffe, sogar doppelt vorsichtig. Denn hier bin ich Petropowski, heiße aber anderswo Tschergin. Es wäre sehr bedauerlich, wenn du die beiden Namen durcheinanderbringen würdest.“

Nach diesem Hinweis begab sich Sâr Dubnotal alias Tschergin alias Petropowski in seine Privatappartements. Dabei erzählte er Rudolf, der ihm folgte, in wenigen Worten die Ereignisse des Abends.

„So haben Sie sich jetzt vollständig auf jenen Mann konzentriert, den Sie versprochen haben, zu entlarven?“

„Vollständig ist zu viel gesagt“, erwiderte der Psychagoge. „Dieser Mann ist, wie du weißt, übrigens nicht der erste Ankömmling. Seine Fähigkeiten grenzen ans Wunderbare; seine schamlose Frechheit und sein außergewöhnliches Glück finden nirgendwo ihresgleichen. Ich wäre überhaupt nicht erstaunt, wenn er gekommen wäre, um sich vor seinen Gefährten trotz allem zu entschuldigen und alles auf einen anderen der gegen ihn erhobenen Anklagepunkte abzuwälzen.“

„Das ist gut möglich nach alldem. Azzef ist ein Meister in der Kunst der Täuschung seiner Mitmenschen. Aber sind Sie sich wirklich sicher, dass Trobjenski und Azzef ein und dieselbe Person sind?“

„In dieser Hinsicht habe ich keinerlei Zweifel, lieber Neffe. Erinnerst du dich noch daran, als ich im letzten Frühling Fräulein Olga Polukina befreit habe, die Tochter des Direktors der Politischen Polizei Russlands?“

„Ich weiß es noch genau, lieber Onkel. Es war in London. Das junge Mädchen ist damals auf geheimnisvolle Weise verschwunden und die übrigens berechtigten Befürchtungen der Eltern waren ebenso groß als verzweifelt, dass sie in die Hände von Anarchisten gefallen sein könnte. Alle Detektive von Scotland Yard wurden mobilisiert, zusätzlich schaltete Polukin den berühmten Moskauer Polizisten Raskin ein. Vergebliche Mühe! Die Nachforschungen Raskins sowie Scotland Yards scheiterten kläglich.“

„Der entscheidende Grund war, dass Raskin und ein Teil der Nihilisten, die ihn unter dem Namen Trobjenski, aber auch unter seinem wahren Namen Azzef kannten, gemeinsame Sache machten, wie du weißt. Er war es nämlich vor allem, der den Entführungsplan entworfen und ausgeführt hatte. Und er hatte nicht vor, Olga ohne Weiteres ihrem unglücklichen Vater zurückzugeben, bevor dieser nicht selbst erschiene. Kurz gesagt, ich konnte die Spur der Entführten entdecken und Olga wieder zu ihren Eltern zurückbringen.“

„Unglücklicherweise hat Polukin, dem Sie Azzef als Verräter bezeichnet haben, Ihnen nicht glauben wollen. Und Azzef alias Raskin konnte weiter Untaten begehen.“

„Er wird sie nicht ewig weiter begehen“, stieß Sâr Dubnotal entschlossen hervor. „Ich wenigstens werde ihn daran hindern, selbst wenn ich die unvorstellbarsten Tricks anwenden müsste. Schließlich habe ich mich erfolgreich unter dem Decknamen Tschergin in nihilistischen Kreisen eingeschlichen und dort einen nicht unerheblichen Einfluss gewonnen. Von daher bin ich fest entschlossen, die Schurkereien dieses doppelten Verräters durch einen äußerst gefährlichen Hypnotiseur zu beenden.“

„Befürchten Sie nicht, dass er Sie erkennen könnte?“, fragte Rudolf, nicht ganz ohne Angst. „In Paris hatten Sie ja schon Schwierigkeiten mit ihm. Als wir ihn auf Ihre Anordnung hin festgenommen und an einem sicheren Ort eingesperrt hatten, habe ich den unverzeihlichen Fehler begangen, ihn entfliehen zu lassen. Und Sie hatten den komischen Einfall, verkleidet zu einem geheimen Treffen der Anarchisten zu gehen. Alles hätte geklappt, wenn nicht Azzef unerwartet aufgetaucht wäre und sich zu erkennen gegeben hätte. Die Anarchisten verurteilten Sie als Spitzel unverzüglich zum Tode. Sie wurden gefesselt und an eine Bank gebunden. Eine Bombe, die man neben Ihnen platzierte, sollte zu einem bestimmten Zeitpunkt explodieren und Sie zerfetzen. Die Bombe explodierte tatsächlich und ich frage mich bis heute, wie Sie es geschafft haben, der Katastrophe zu entgehen.“

„Ich habe dir doch schon...



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