Aram | Familie Dungs | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 193 Seiten

Aram Familie Dungs


1. Auflage 2017
ISBN: 978-80-272-2528-6
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 193 Seiten

ISBN: 978-80-272-2528-6
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Familie Dungs' ist ein fesselnder Roman, der Leser aller Generationen ansprechen wird. Mit seinem eindringlichen Schreibstil und seiner lebendigen Darstellung der Figuren bietet das Buch einen Einblick in das Leben einer Familie, die mit Konflikten und Herausforderungen konfrontiert ist. Leser, die an psychologischen Romanen interessiert sind und sich für das komplexe Gefüge menschlicher Beziehungen interessieren, werden von 'Familie Dungs' begeistert sein und es als ein Muss in ihrer Leseliste betrachten.

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2. Kapitel


Die Aerzte hatten zwar auf das energischste abgeraten und, da sie Frau Anton Dungs senior lächeln sahen und dies Lächeln kannten, jede Verantwortung abgelehnt, wenn Frau Dungs trotzdem auf ihrem Willen bestände, aber Frau Dungs hatte auf ihrem Willen bestanden, war aufgestanden, trotzdem sie sich kaum aufrecht halten konnte, und ließ sich nun in ihren geliebten Wintergarten fahren. Die Orchideen und Rhododendren standen in voller Blüte.

Frau Anton Dungs schickte den Diener fort, sie wollte allein sein, und nur, wenn ihr Sohn käme, solle man ihn hierher führen.

Nun saß sie zwischen ihren Blumen und Palmen. Sie ließ, da sie sich allein wußte, den Kopf hintenüber sinken und atmete schwer. Der Körper, der ihr bisher immer gehorcht hatte, parierte nicht mehr, und das war ihr das sicherste Zeichen dafür, daß es nun wirklich zu Ende ging.

Frau Anton Dungs lächelte mit geschlossenen Augen. Ihr war es recht, sie hatte ihr Teil auf Erden getan, so gut es nur irgend ging, und es war wahrhaftig nicht immer leicht gewesen, denn ihr Mann war kein geringerer Dickkopf gewesen, als es ihr einziger Sohn war. Machten die sich und anderen ganz unnütz das Leben schwer! Wenn wenigstens in ihrem Sohn ein Tropfen Blut von ihrer Art wäre. Aber nein, er war ganz der Vater, in jeder Beziehung. Immer nur arbeiten, arbeiten; und da man in der Arbeit seinen Mann stand und es zu etwas brachte, betrachtete man das ganze Leben nur unter dem Gesichtspunkt der Leistung und Gegenleistung, als sei es ein Kontobuch, in dem sich aus Plus und Minus ohne weitere Schwierigkeiten und rein mit dem Kopf die Bilanz ziehen läßt. Aber das Leben ist nun einmal komplizierter und stellt auch noch andere Anforderungen als rechnerische und kann nicht nur mit dem Kopf beherrscht und gelöst werden.

Frau Anton Dungs atmete leichter, aber sie hielt die Augen immer noch geschlossen. Der Körper war müde und matt, so frisch und lebendig sich auch der Geist noch fühlte.

Anton Dungs senior war mit seiner Art immerhin noch besser gefahren als der Sohn. Früher waren ja nicht nur die Geschäfte, sondern auch das Leben einfacher gewesen. Sie wußte das am besten. Als sie immer weniger von ihrem Manne hatte, weil die Geschäfte ihn immer ausschließlicher in Anspruch nahmen, hatte sie sich rechtzeitig damit abgefunden und ihre Liebhabereien gepflegt. Da waren vor allem die Blumen, die sie, über alles liebte.

Frau Anton Dungs senior richtete sich in ihrem Fahrstuhl ein wenig auf und blickte guter Dinge um sich. Die Orchideen, die Rhododendren, die Palmen, ja sie gediehen unter ihrer Pflege und erwiesen sich stets dankbar dafür. Mit den Blumen hatte man keinen Aerger, nur Freude. Und auch mit der Kunst war es ähnlich, wenn man sie von den Künstlern zu trennen wußte. Das aber hatte sie mit der Zeit gelernt. Sie dachte an ihr Hausquartett. Wie viel schöne Stunden reinen Genusses verdankte sie der Musik. Sie blickte voll dankbarer Andacht auf die Büsten Mozarts und Beethovens, die sie hier in ihrem Wintergarten hatte aufstellen lassen, denn von allen Künsten paßte die Musik noch am besten zu ihren Blumen. Frau Anton Dungs senior saß jetzt gerade in ihrem Fahrstuhl und spürte in diesem Augenblicke fast gar nichts mehr von der Mattigkeit und Schwäche ihrer Glieder, und nun lachte sie leise und herzlich. Wirklich, das Theater war ihr zu einer wahren Leidenschaft geworden. Fast wie bei der alten Frau Goethe. Aber das Theater konnte sie nicht von seinen Künstlern, den Schauspielern trennen, und deshalb lachte sie so herzlich. Mit was für gewaltigen Worten schütteten diese Künstler ihre kleinen Sorgen, die ihnen so ungeheuer vorkamen, aus in das Herz der alten Frau Dungs. Wie leicht war diesen Sorgen meist abzuhelfen, und mit wie gewaltigen Worten zeigten sie dann der alten Frau Dungs ihren Dank. Unwillkürlich stellte sich Frau Dungs jetzt die geliebten Komödianten bei ihrem Begräbnis vor. O, gewiß würde keiner fehlen, und Tränen würden rollen, die sonoren Stimmen würden sehr schön tremolieren, und die ausdrucksvollen Gesichter all dieser lieben großen Kinder würden in tragischen Falten liegen, als sei ihnen mindestens ein Shakespeare gestorben.

Frau Anton Dungs senior legte schnell die Hand vor den Mund, denn sonst hätte die Heiterkeit sie von neuem überwältigt, und was sollten ihre Leute wohl denken, wenn sie schon wieder ihr Lachen hörten? Ach Gott, eine würdige Greisin, wie man sich das vorstellt, war sie wirklich nicht.

Ihr Gesicht wurde ernster, denn sie dachte nun wieder an ihren Sohn. Wenn sie nicht mehr da war, würde wohl niemand mehr Einfluß auf ihn haben, und immer einseitiger, eigensinniger und tyrannischer würde er werden. Dabei litt er immer noch unter dem Verlust seiner Frau, die ihm eines Tages einfach davongegangen war, weil sie sich gar zu sehr vernachlässigt fühlte. Ach ja, die schöne Adele konnte sich nicht wie Frau Anton Dungs senior mit Blumen und Kunst begnügen. Ihre Liebhaberei war es nun einmal, sich bewundern zu lassen. Dazu brauchte sie Geselligkeit, dazu gehörten Männer. Als sie das in ihrem Hause nicht mehr fand, verließ sie es und suchte sich die Gesellschaft, die ihrer Liebhaberei entsprach. Die schöne Adele! Die Greisin schüttelte wehmütig den Kopf, wo sie nun ihrer gedachte. Außer dem A in ihrem Vornamen paßte wirklich nichts in ihrer Art zu den Dungs. Sie hatte es ja kommen sehen, es mußte ja so kommen. Sie kannte doch ihren Sohn. Aber er war nun einmal auf die Adele versessen, er hatte es sich in den Kopf gesetzt, sie zu heiraten und nicht eher geruht, als bis es ihm gelungen war. Und dann? Die Greisin lächelte wieder wehmütig. Ihr Sohn und die Frauen! Sein Vater hatte schon nichts von ihnen verstanden, und nun erst dieser Sohn, der seinem Vater in allem und jedem glich, nur daß er in einer Zeit lebte, die weniger einfach und so viel freier und rücksichtsloser war, in einer Zeit, wo sogar die Frauen Forderungen stellten und in der Oeffentlichkeit mittaten. Ja, ja, die schöne Adele! Lange hatte die Greisin nichts mehr von ihr gehört. Ob sie nun wohl zufrieden war, so zufrieden wie Frau Anton Dungs senior inmitten ihrer Blumen? Ob sie ihre Kinder gar nicht vermißte und entbehrte? Mein Gott, sie war ja nun schon so lange daran gewöhnt, nichts mehr von den Kindern zu haben. Sie hatte sie wohl gar längst vergessen. Die Greisin traute es ihr wohl zu, verachtete sie um deswillen aber keineswegs. Für die schöne Adele war es doch nur ein Glück, wenn sie vergessen konnte, daß sie Mutter war. Anton hätte es ja nie zugegeben, daß sie sich um die Kinder kümmerte. Und nun seufzte Frau Dungs senior, denn sie gedachte ihrer Enkel. Der älteste, der Anton, war nichts weiter als der getreue Gehilfe seines Vaters. Daß er so gar keine eigenen Wünsche besaß! Nur einen selbständigen Wunsch hatte er einmal laut werden lassen: nicht heiraten! Der Junge war wirklich gar zu verständig und nüchtern. Der Adam, der jüngste, war insofern aus der Art geschlagen, als er sich für Bücher und Wissenschaften interessierte, ein ganz neuer, völlig fremder Zug im Bilde der Familie Dungs. Aber immerhin würde sich seine Liebhaberei für das Geschäft nutzbar machen lassen. Er studierte Chemie und Physik, womit der Vater glücklicherweise einverstanden war, da diese Wissenschaften für die Praxis, für Kohle und Stahl, von großem Wert sein konnten.

Und nun gedachte Frau Anton Dungs senior des zweiten Enkels, des Alfred, mit dem sein Vater so gar nichts anzufangen wußte. Er hatte etwas von der schönen Adele, seiner Mutter, und er hatte auch viel von seiner Großmutter. Und nun wollte er heiraten. Aber nicht, wie es sich für einen Dungs gehörte, ein reiches, junges Mädchen von hier, etwa die Helene Momm, auf die es Anton, wie sie ihren Sohn kannte, sicher ganz besonders abgesehen hatte, sondern eine Norddeutsche und eine Adlige noch dazu. Würde Anton Dungs junior Augen machen! Harte Kämpfe würde das geben! Denn, was den Dickkopf anlangte, da war auch Alfred ein echter Dungs.

Die Greisin horchte auf. Dieser eilige, geschäftige Schritt, das war Anton, kein Zweifel, und schon trat Anton Dungs junior auch ein. »Aber Mutter!« sagte er vorwurfsvoll.

Frau Anton Dungs senior lächelte. »Ich weiß, Anton, ich soll im Bett bleiben. Aber ich wollte noch einmal zu meinen Blumen.«

»Ganz erhitzt siehst Du aus. Soll ich Dich nicht lieber in Dein Schlafzimmer fahren?«

»Gönne mir noch für eine Stunde die Blumen hier, Anton. Es dauert sowieso nicht mehr lange. Aber nicht wahr, dann sorgst Du dafür, daß die Blumen anständig gehalten werden, so lange sie noch leben. Ich habe sie verwöhnt, und ich möchte, daß sie es nicht zu sehr zu spüren bekommen, wenn ich fort bin.«

»Aber Mutter!« Er setzte sich neben sie, und man sah ihm an, wie ihn die Art der Mutter erregte und angriff.

»Wir müssen ja doch einmal davon reden, Anton, und mir wird dann leichter sein, denn Du weißt, darin war ich immer eine rechte Kaufmannsfrau, ich habe kein Geschäft auf die lange Bank geschoben, auch ein unangenehmes nicht, wenn es doch abgeschlossen werden mußte.«

»Du darfst nicht so reden, Mutter!«

»Im Liegen denke ich so viel schlechter, Anton, ist das nicht merkwürdig? Hier im Fahrstuhl, zwischen meinen Blumen, geht es viel besser als im Bett.«

»Soll ich nach dem Arzt schicken?« Anton Dungs junior war schon aufgesprungen. Aber seine Mutter bat ihn, sich wieder zu setzen und die Aerzte in Frieden zu lassen, die ihr ja doch nicht helfen könnten.

Er nahm ihre Rechte zwischen seine beiden Hände, und aus seinem Munde kam es leise und stockend: »Du darfst mich nicht allein lassen, Mutter!«

»Auf meinen Willen kommt es dabei ja nicht an, Anton.«

»Vielleicht doch, Mutter. Vielleicht mehr,...



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