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E-Book

E-Book, Deutsch, 229 Seiten

Aram Leda


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95676-805-7
Verlag: OTB eBook publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 229 Seiten

ISBN: 978-3-95676-805-7
Verlag: OTB eBook publishing
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Kurt Aram, Pseudonym für Hans Fischer (* 28. Januar 1869 in Lennep, † 10. Juli 1934 in Berlin) war ein deutscher Journalist und Schriftsteller, der unter diesem Namen schrieb. Bis zu seiner Amtsniederlegung 1900 war er unter seinem bürgerlichen Namen Pfarrer in Herborn. Er war Redakteur beim Berliner Tageblatt, Mitherausgeber der Literaturzeitschrift März und verfasste eine Reihe von Romanen, die allgemein zur Unterhaltungsliteratur gezählt werden. (Auszug aus Wikipedia)

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I.
Das »Herein« des Gastes, vor dem sich der Pikkolo sowieso schon ein wenig ängstigte, klang so laut und energisch, daß der Kleine fast ins Zimmer fiel. Der Pikkolo sprach kein Deutsch, was ihn erst recht verlegen machte. Er stammelte unter vielen Gesten: » Gospoda, avtomobil tuka!« » Dobré, dobré!« rief Friedrich Franz, zum Ausgehen bereit. Der Pikkolo verschwand. Friedrich Franz warf durchs Fenster noch einen Blick auf den klaren, hellblauen Himmel, der einen guten Jagdtag verhieß, griff zur Büchse und lächelte in sich hinein. Gestern abend nach dem Festessen hatte es ein gewaltiges Trinken gegeben. Die Mazedonier hatten dem Deutschen dadurch offenbar gefallen wollen. Infolge des Trinkens war es zu ungewöhnlichen Offenherzigkeiten gekommen. Peter Karakinow hatte ihn in eine Ecke gezogen und mit ein wenig schwerer Zunge zu erklären versucht, es sei doch noch nicht so ganz sicher, ob das Auto für den Jagdausflug heute zur Verfügung stehen würde. Es sei in der Nacht, so gegen Morgen, mit seiner Hilfe zuvor noch ein dringendes Geschäft zu erledigen, von dem man nicht voraussagen könne, wieviel Zeit es in Anspruch nähme. Auch handle es sich um eine nicht ganz einfache Arbeit, die den Chauffeur vielleicht etwas überanstrenge. Weitere Andeutungen, wenn sie auch mit einiger Zurückhaltung gemacht wurden, ließen Friedrich Franz vermuten, es handle sich darum, einen mazedonischen Feind noch in dieser Nacht zu beseitigen. Man wollte ihn vermutlich in dem Auto an irgendeinen entlegenen Ort bringen und den Mann dort stumm machen. Nun war das Auto doch zur Stelle. Vielleicht hatte man die Beseitigung des Menschen verschoben? Friedrich Franz gestand sich, daß ihm das recht sympathisch gewesen wäre, obwohl man sich ja auf dem Balkan an einiges gewöhnen mußte, und er von Afrika her schon an einiges gewöhnt war. Friedrich Franz von Kaufmann setzte seinen grünen Jagdhut auf und verließ das Zimmer. Peter Karakinow kam ihm schon auf der halben Treppe entgegen. Die beiden begrüßten sich wie alte Freunde, obwohl sie sich noch nicht lange kannten. Sieht dieser Karakinow wirklich noch bleicher aus als gewöhnlich, ober bilde ich mir das nur ein? ging es Friedrich Franz durch den Kopf. Sie traten zu dem geschlossenen Militärauto, dessen Wagenschlag der Chauffeur in der kleidsamen Tracht des bulgarischen Soldaten eilig aufriß. Friedrich Franz kam es vor, als sähe der Chauffeur geradezu grüngelb aus. Auch schien der stramme junge Kerl etwas wackelig auf den Beinen zu sein. »Er hat die Nacht durchgesoffen«, sagte Peter Karakinow ärgerlich. »Wir werden Geduld mit ihm haben müssen, bis er wieder ganz nüchtern ist.« Soso, durchgesoffen nennt man das, dachte Friedrich Franz. »Wir sind ja im allgemeinen wirklich ein nüchternes Volk«, meinte Peter Karakinow. »Um so schlimmer, wenn dann einer doch mal über die Stränge schlägt.« Wie eindringlich dieser Mazedonier mit seinen scharfen schwarzen Augen das Gesicht des Deutschen absuchte. »Ich bitte Sie, wir haben ja Zeit, das schadet doch nichts, er wird schon wieder nüchtern werden«, meinte Friedrich Franz, ohne eine Miene zu verziehen, und lehnte sich mit möglichst sichtbarem Behagen bequem zurück, obwohl es ihm schien, als befände sich gerade vor seinen Füßen ein Fleck, der sehr wohl von Blut herrühren konnte. Vielleicht hatte sich der Mann in der Nacht auf dem Transport in die Einsamkeit zur Wehr gesetzt, und man hatte sich genötigt gesehen, ihm die Fahrt ins Ungewisse durch einen kleinen Dolchstoß zu erleichtern, was ja nur selten ganz ohne Flecken abgeht, zumal in einem Auto, dessen Inneres erst kürzlich neu mit einem zarten grauen Stoff überzogen worden ist. »Schöner Tag!« sagte Peter Karakinow und breitete eine Decke über des Gastes und seine Füße. Der Fleck war jetzt nicht mehr zu sehen. Das Auto setzte sich in Bewegung, der Chauffeur riß es gleich zur höchsten Geschwindigkeit zusammen. Es fegte im Wettrenntempo über die Zar-Befreier-Straße am Ministerium des Äußeren, an der Sobranje vorbei dem Borispark zu. Es war noch früh am Tag, wenig Fuhrwerk, wenig Menschen auf der breiten Straße, der Prunkstraße Sofias. »Ich freue mich, daß Ihnen der gestrige Abend gut bekommen ist,« sagte Peter Karakinow, »bei mir hat er einen leichten Kopfschmerz hinterlassen.« »Da hätten wir den Ausflug vielleicht besser um einen Tag verschoben?« »Aber durchaus nicht,« wehrte der Mazedonier, »nicht der Rede wert?« »Mäßigen wir wenigstens das Tempo ein wenig. So eilig haben wir es wohl nicht.« Sofort rief Peter Karakinow durch das Sprachrohr dem Chauffeur etwas zu. Dieser riß die Übersetzung zurück, daß der Wagen wie ein Strangulierter zusammenzuckte und dann langsamer fuhr. »Es ist noch früh, ruhen wir noch ein wenig«, schlug Friedrich Franz vor. Worüber sollte man sich jetzt schon unterhalten? Peter Karakinow kam ihm plötzlich sehr fremd und fern vor. Die beiden Herren machten es sich in ihren Ecken möglichst bequem und blinzelten zwischen halb geschlossenen Augen ein wenig übernächtig durch die geöffneten Fenster. Die Luft war warm. Man befand sich zwar erst im März, aber es würde wohl ein recht heißer Tag werden. Die spärlichen Bäume zur Rechten schimmerten grün, auch das Ackerland zur Linken zeigte schon einen grünlichen Hauch. Peter Karakinow fielen vollends die Augen zu. Der Mann hat sicherlich die ganze Nacht nicht geschlafen, dachte Friedrich Franz und schloß ebenfalls die Augen. Nach einer Weile fuhr er auf. Er glaubte Schreie gehört zu haben. »Fehlt Ihnen etwas?« fragte der Mazedonier, ohne seine Stellung zu verändern, und blinzelte den Genossen der Fahrt träge aus halbgeschlossenen Augen an. »Ich habe geträumt, nichts weiter«, antwortete Friedrich Franz und sah eifrig zum Fenster hinaus. Die Fahrt ging zwischen halbzerfallenen Lehmhütten dahin, vor denen halbnackte Kinder spielten. »Gleich kommen wir ins Iskertal«, sagte Peter Karakinow und schloß die Augen wieder völlig. Es ging bergan. Wie ein schmales kreideweißes Band schob sich die Straße zwischen die kahlen, hohen, grauen Berge, zwischen denen nur noch für den Isker Platz war, der seine kalten, klaren, schäumenden Gewässer zu Tal führte. Über dem Wasser flatterten kleine Krähenschwärme, deren Krächzen trotz des Autos zu hören war. Hoch oben im Himmelsblau spähte ein Geier. Recht wild, recht romantisch, sehr einsam, dachte Friedrich Franz und suchte mit den Blicken das niedrige dornige Gestrüpp ab, das den Weg zur Rechten einfaßte. Wie eine Schlange begann das kreideweiße Band der Straße sich zwischen den Bergen nach rechts und links, auf und ab zu winden. Auf ihrem Rücken wand sich das Auto nach rechts und links, auf und ab. Es ächzte und stöhnte. Das Vorwärtskommen wurde ihm nicht leicht gemacht. Plötzlich hielt der Wagen. Der Chauffeur sah seinen Herrn an. Peter Karakinow, der bis jetzt mit geschlossenen Augen in seiner Ecke gelegen hatte, fuhr auf und spähte nach rechts und links. »Entschuldigen Sie mich einen Augenblick, wir sind gleich wieder da.« Schon war er aus dem Wagen gesprungen und mit dem Chauffeur in einem Dornendickicht zur Linken, das herab zum Isker führte, verschwunden. Hier irgendwo haben sie den Feind in der Nacht stumm gemacht, schoß es Friedrich Franz durch den Kopf. Aber er blieb ruhig sitzen und beugte sich auch nicht zum Fenster hinaus, den beiden nachzublicken. Der Mazedonier wünschte nicht, an seine Offenherzigkeit von gestern erinnert zu werden. Er bereute sie offenbar. Also stellte sich Friedrich Franz auch weiterhin dumm und uninteressiert. Schließlich ging ihn die Geschichte ja auch direkt nichts an. Er wollte heute eine Gemse schießen oder einem Bären auf die Spur kommen, schlimmsten Falls begnügte er sich auch mit einem Wolf. Der Isker rauschte, die Krähen krächzten. Sonst kein Laut ringsum. Um einen Feind beiseitezuschaffen, sicherlich ein recht geeigneter Ort. Und wenn man den Toten dann in den schnell dahinschießenden Isker warf, war alles geräuschlos und spurlos erledigt. Nach kurzer Zeit kam Peter Karakinow mit dem Chauffeur zurück. Beide nahmen ihre Plätze wieder ein. Das Auto fuhr langsam weiter. »Es war nichts,« sagte der Mazedonier, »Joseph ist immer noch nicht nüchtern, er behauptete steif und fest, zwei Serben seien durch die Büsche zum Isker geschlichen. Der Kerl halluziniert. Von Serben war keine Spur zu finden.« »Wie sollten die auch hierherkommen?« meinte Friedrich Franz. Der Mazedonier lächelte. »Bei uns herrscht leider noch nicht die Ordnung und Disziplin wie in Deutschland. Bei Ihnen kommt es kaum vor, daß Kriegsgefangene entwischen, bei uns schon etwas häufiger, überall hier in den Bergen sollen sich Serben in kleinen Trupps herumtreiben, namentlich im Rilogebirge. Sogar Waffen haben sie.« Friedrich Franz erwiderte nichts, dachte aber: von alledem glaube ich kein Wort. Die beiden haben nur nachsehen wollen, ob die Tat von gestern nacht nicht doch noch irgendeine Spur zurückgelassen hat. Immer wilder, immer zerklüfteter wurden die Berge, immer schmaler und gewundener der Weg. Zwei Autos hätten kaum noch ohne Gefahr aneinander vorbeifahren können. Für Räuber eine sehr angenehme Gegend. Nur wenige Stunden von der Hauptstadt entfernt. »Was macht man eigentlich, wenn ein Fuhrwerk entgegenkommt?« fragt Friedrich Franz interessiert. »Ist es ein Bauer, muß er zurück bis zur nächsten, etwas breiteren Stelle. Ist es ein...



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