Aram | Leda | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 223 Seiten

Aram Leda

Roman aus dem nahen Osten
1. Auflage 2017
ISBN: 978-80-272-2523-1
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman aus dem nahen Osten

E-Book, Deutsch, 223 Seiten

ISBN: 978-80-272-2523-1
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In Kurt Arams Roman 'Leda' taucht der Leser in eine Welt voller Intrigen, Leidenschaft und unerwarteter Wendungen ein. Die Geschichte folgt Leda, einer jungen Frau aus einfachen Verhältnissen, die in die Welt der Reichen und Mächtigen gezogen wird. Dabei wird sie mit Liebe, Verrat und Machtspielchen konfrontiert. Aram's literarischer Stil ist geprägt von einer detaillierten Beschreibung der Charaktere und ihrer Beweggründe, was dem Leser ermöglicht, tief in die Psyche der Protagonisten einzutauchen. Der Roman spielt mit moralischen Ambivalenzen und lässt den Leser über die Grenzen von Gut und Böse nachdenken. Kurt Aram, selbst ein Meister der psychologischen Literaturanalyse, hat mit 'Leda' ein Werk geschaffen, das sowohl Unterhaltung als auch tiefgründige Einblicke in die menschliche Natur bietet. Seine Erfahrung als Psychologe spiegelt sich in der Glaubwürdigkeit der Charaktere und ihrer Handlungen wider. Aram ist bekannt für seine Fähigkeit, komplexe Beziehungen und emotionale Tiefen in seinen Werken darzustellen, und 'Leda' ist keine Ausnahme. 'Leda' ist ein Buch für Leser, die sich von fesselnden Geschichten und rätselhaften Charakteren angezogen fühlen. Aram schafft es, die Spannung konstant aufrechtzuerhalten und den Leser bis zur letzten Seite gefesselt zu halten. Für Liebhaber psychologischer Romane ist 'Leda' ein absolutes Muss, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt.

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II.


Gospodin und Gospodscha Karakinow hatten wie jeden Donnerstag ihren Jour. Da Gospodscha Karakinow eine Rheinländerin war, die ihr Mann als junger Student der Medizin in Bonn kennengelernt hatte, wurde ihr Jour von den Deutschen besonders zahlreich besucht. Aber auch die österreichischen und ungarischen Herren, die nach Sofia abkommandiert waren, ließen es sich nicht nehmen, regelmäßig zu erscheinen, denn Peter Karakinows Haus war berühmt seiner vorzüglichen und reichhaltigen Küche wegen. Der Jour sollte zwar eigentlich nur in einem Tee mit Gebäck bestehen, aber meistens schloß sich noch ein Abendessen an; und der Tee war eigentlich nur für die Damen und die bulgarischen Herren da. Für die andern Gäste bildete er nur einen kurzen Übergang zu inhaltreicheren Getränken. Und gab es einmal kein warmes Abendessen, so stellten sich doch stets zahlreiche kalte Leckerbissen, wie geräucherter Bärenschinken aus dem Rilogebirge und eine umfangreiche, sehr zarte Lachsforelle aus dem Ochridasee ein. Die Mazedonier an der Front sorgten dafür, daß Peter Karakinow, der aus Ochrid stammte und ein führender Mann in den Freiheitsbewegungen gewesen war, immer zuerst das Beste erhielt, was in seiner alten Heimat zu haben war.

Am wenigsten zahlreich stellten sich im Hause dieses Mazedoniers altbulgarische Familien ein.

An diesem Donnerstag gegen fünf Uhr nachmittags rollten die deutschen und österreich-ungarischen Militärautos besonders zahlreich zu dem Hause in der 6. Septemberstraße, das von außen so unscheinbar und kleinbürgerlich aussah, in seinem Innern aber merkwürdig viele, große und nach neuestem Werkbundgeschmack eingerichtete Räume barg.

Als Friedrich Franz von Kaufmann dem Diener in Frack und weißen Handschuhen seinen Hut übergeben hatte, gelang es ihm nur mit Mühe, bis zur Hausfrau vorzubringen, um ihr die Hand zu küssen.

»Ist Ihnen die Heldentat von neulich gut bekommen?« fragte die Hausfrau leise und ein wenig forschend.

»Danke, vorzüglich, irgendwelche Schäden haben sich bis jetzt nicht bemerkbar gemacht, gnädige Frau.«

»Das freut mich sehr«, sagte die Hausfrau. Und auf einen fragenden Blick Friedrich Franzens fuhr sie noch leiser fort: »Es muß endlich doch auch einmal einen Mann geben, der sich an Leda Serafinow nicht das Herz verbrennt. Ich würde es vor allen ihr selbst wünschen, denn sie hat es bei ihrem auffallenden Äußeren nicht ganz leicht, ruhig durchs Leben zu kommen.«

»Mein Gott, ob das wirklich der Zweck des Lebens ist, gnädige Frau? ... Übrigens weiß man immer noch nichts Neues über die mutmaßlichen Räuber?«

»Nicht so ungeduldig, Herr von Kaufmann, hierzulande haben wir es nicht eilig in solchen Dingen. Mein Mann ist schon mit Eifer hinter der Sache her. Leda ist sein Patenkind, da weiß er sich besonders verpflichtet.« Die Hausfrau nickte ihm freundlich zu und wurde von andern Gästen in Anspruch genommen.

»Servus, Herr Baron, meine herzlichste Gratulation, das war fesch von Ihnen, meine Hochachtung!« wurde Friedrich Franz von einem Sekretär der österreichischen Gesandtschaft begrüßt. »Aber das Madel ist auch wert, daß man sich eine Hachsen um sie ausreißt.«

»Nein, was Sie ein Schwein haben! Rein zum Neidischwerden!« begrüßte ihn ein deutscher Leutnant.

»Das ist ja fürchterlich, so ein Nest!« wehrte Friedrich Franz heftig ab.

»Gehn's, reden's nit so daher, wir sin alle narrisch wor'n vor Eifersucht, wie wir davon g'hört ham.«

Friedrich Franz flüchtete zu einer Gruppe älterer bulgarischer Damen, wo man sich französisch über die Aussichten einer neuen deutschen Offensive im Westen unterhielt. Da Frauen höherer bulgarischer Stabsoffiziere sich in dieser Gruppe befanden, interessierte sich Friedrich Franz für das Gespräch, aus dem man mit ziemlicher Sicherheit heraushören konnte, wie die Männer darüber dachten, die sich in Gegenwart von Deutschen über das Thema entweder äußerst enthusiastisch oder sehr zurückhaltend und gewunden ausdrückten, um sich nicht nach irgendeiner Richtung hin festzulegen.

Alle Damen waren jedenfalls der Ansicht, daß die Offensive bald käme, und daß die Deutschen kraft ihrer Disziplin und Organisation Sieger bleiben würden.

Friedrich Franz wandte sich ein wenig mißmutig ab. Die Worte Disziplin und Organisation konnte er kaum noch hören. Wir erscheinen nachgerade der ganzen Welt nur noch wie eine besonders gutgeölte Maschine, dachte er ärgerlich. Disziplin und Organisation, das sind kalte, unpersönliche Begriffe, die man bestenfalls respektiert, noch mehr vielleicht fürchtet, aber sie erzeugen keine Wärme, keine Begeisterung, keinen Enthusiasmus, worauf es schließlich doch ankommt.

Die Gespräche ringsum verstummten plötzlich. Alles blickte auf einen alten Herrn, der nach rechts und links grüßend und Hände schüttelnd sich einen Weg zur Hausfrau bahnte, die ihm ein wenig entgegenkam. Ihre Wangen röteten sich, sie fühlte sich durch das Erscheinen dieses Gastes offenbar besonders geehrt. Auf eine Frage erfuhr Friedrich Franz, der alte Herr sei der Führer einer Abordnung aus der Dobrudscha, die gestern in besonderer Mission beim Ministerpräsidenten vorgesprochen habe wegen Angliederung der ganzen Dobrudscha an das Zarentum Bulgarien.

Ich wußte es ja, dachte Friedrich Franz, mit dem Essen wächst der Appetit. Mazedonien haben sie, nun kommt die Dobrudscha an die Reihe.

Peter Karakinow trat in die Mitte des einen Zimmers und hielt eine kleine Ansprache an den alten Herrn; und zwar französisch, damit ihn jedermann verstehen könne.

Eigentlich etwas naiv, dachte Friedrich Franz, wie Peter Karakinow, der Mazedonier, der seine Sache im Trockenen weiß, nun dem Dobrudschaner die Hilfe der Mazedonier verspricht, um die solange geknechteten Söhne der Dobrudscha ihrem wahren Vaterlande Bulgarien wieder zuzuführen.

Die kleine Rede rief große Begeisterung hervor. Es wurde heftig Beifall geklatscht.

Der alte Herr erwiderte sofort in einer längeren Rede. Er bewies haarscharf, daß die ganze Dobrudscha von jeher rein bulgarisches Land gewesen sei, sozusagen die Wiege Bulgariens, daß diese treusten Heldensöhne Bulgariens ein natürliches Recht darauf hätten, wieder mit dem alten Vaterland vereinigt zu werden, ein Recht, das sogar den feierlich proklamierten Grundsätzen der Entente und Wilsons entspräche, und daß von irgendeinem Annexionsgedanken dabei nicht die Rede sein könne.

Aus dem harmlosen Fünfuhrtee wurde so für eine halbe Stunde ein politischer Salon mit politischer Propaganda.

So etwas möchte ich mal in Deutschland erleben, wenn auch nur ein einziges Mal, dachte Friedrich Franz. Wenn alles, was einmal im Laufe der Geschichte deutsch war, wieder deutsch werden soll, mir ist es gewiß recht, aber was setzte das für Proteste in Deutschland selbst?

»Fesch seins, was, die Brüder?« Der österreichische Gesandtschaftssekretär schob lachend einen Arm unter den Friedrich Franzens. »Eine Mordhetz wird das wieder geb'n mit di Dobrudschaner, a Mordshetz ... Ganz recht haben's, die Brüder, schrein muß mer, sonst gibt's nix, garnixen!«

Ein Sekretär der deutschen Gesandtschaft trat herzu und murmelte etwas von der wirklich erstaunlichen Vitalität und dem echt orientalischen Länderappetit, der soeben laut geworden. Starr und wie aus den Wolken gefallen blickte das rechte Auge durch das Einglas, während sich um das linke Auge viele satirische Fältchen legten.

»Ge' mer ein Haus weiter«, schlug der Österreicher dem deutschen Kollegen vor. »Hier wird's jetzt fad mit dera Politik.«

Die beiden Herren schlängelten sich vorsichtig dem Ausgang zu, wurden aber verschiedentlich aufgehalten, weil man gerade ihre Ansichten über die beiden Reden und die Zukunft der Dobrudscha hören wollte, während sie es doch für ihre wesentlichste Aufgabe hielten, über derlei weder eine Ansicht zu haben noch eine solche zu äußern.

Peter Karakinow trat zu Friedrich Franz, um ihn zu fragen, ob er Lust und Zeit zu einem Bridge ober einem Poker habe. Im oberen Stockwerk sei schon alles dafür hergerichtet.

Aber Friedrich Franz lehnte dankend ab, während schon eine ganze Anzahl von Herren die Treppe in das obere Stockwerk hinaufgestiegen.

Musik ertönte. Die Damen und einige jüngere Herren schoben die Stühle an die Wände, damit es mehr Platz zum Tanzen gäbe.

Ein bulgarischer Leutnant trat in die Mitte und gab einige Nationaltänze zum besten. Sie glichen einander sehr, mochten sie nun aus Altbulgarien oder aus Mazedonien oder vom Morawagebiet stammen.

Eigentlich verwunderlich, dachte Friedrich Franz, daß die bulgarische Politik daraus noch kein Kapital geschlagen hat. Alles, was solche und ähnliche Tänze tanzt, gehört zum großen bulgarischen Brudervolk, das unter einen Hut kommen muß, wenn der ganze Weltkrieg überhaupt einen Sinn haben soll.

Friedrich Franz war schlechter Laune, ohne dafür einen sachlichen Grund angeben zu können.

Er hätte schon längst die jungen Mädchen begrüßen sollen, Maria Petrowa sah immer wieder fragend zu ihm hinüber, aber er verspürte nicht die geringste Lust dazu.

Die Musik spielte einen Walzer von Strauß. Die Paare drehten sich im Kreise. Friedrich Franz sah heimlich nach der Uhr. Es war sechs, neue Gäste kamen wohl kaum noch.

Friedrich Franz lauschte nach dem Gang, wo jemand begrüßt wurde. Die Musik brach mitten im Walzer ab und begann einen Tango zu spielen. Der bulgarische Leutnant, der die Nationaltänze zum besten gegeben, stürzte zum Gang und erschien schon im nächsten Augenblick mit Leda Serafinow am Arm. Alle klatschten Beifall und traten zurück, um dem Paar Platz zu machen.

Ihr Vater sitzt irgendwo bei serbischen...



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