Aubert | Tödliche Riviera | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 217 Seiten

Reihe: Marcel Blanc ermittelt

Aubert Tödliche Riviera

Kriminalroman - Marcel Blanc ermittelt, Band 1 | Hochspannung aus Südfrankreich
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-363-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman - Marcel Blanc ermittelt, Band 1 | Hochspannung aus Südfrankreich

E-Book, Deutsch, Band 1, 217 Seiten

Reihe: Marcel Blanc ermittelt

ISBN: 978-3-98690-363-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Abgründe hinter dem Urlaubsparadies: Der fesselnde Südfrankreich-Krimi »Tödliche Riviera« von Brigitte Aubert jetzt als eBook bei dotbooks. In dem kleinen Urlaubsort an der provenzalischen Küste schien die Welt bisher noch in Ordnung zu sein - auf den Verkehrspolizisten Marcel Blanc warteten Tag für Tag die gleichen kleinen Bagatelldelikte. Das ändert sich, als er in einer dunklen Gasse eine grausame Entdeckung macht: Auf den Torso einer Männerleiche wurde mit schwarzem Garn der Kopf einer Frau genäht! Obwohl Capitaine Jeanneaux sehr klar macht, dass Marcel sich aus den Ermittlungen heraushalten soll, lässt ihn der Fall nicht los - denn was wäre, wenn der Killer ihn gezielt ausgewählt hat, um sein grausames Kunstwerk zu finden? Aber das könnte bedeuten, dass seine Frau und seine Kinder in tödlicher Gefahr schweben und die nächsten Figuren im Spiel des Täters zu werden drohen ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der düstere Urlaubskrimi »Tödliche Riviera« von Brigitte Aubert ist der erste Band ihrer spannungsgeladenen Reihe um den ungewöhnlichen Ermittler Marcel Blanc. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Brigitte Aubert gehört zu Frankreichs profiliertesten Spannungsautorinnen. Neben Kriminalromanen und Thrillern schreibt sie Drehbücher und war Fernsehproduzentin der erfolgreichen »Série noire«. Heute lebt sie in Cannes und führt ein altes Kino, das sie von ihren Eltern übernommen hat. Bei dotbooks veröffentlichte Brigitte Aubert ihre Krimireihe um Marcel Blanc mit den Bänden »Tödliche Riviera« und »Mörderische Riviera« (auch als Sammelband erschienen). Außerdem ihre Reihe um Élise Andrioli mit den Bänden »Im Dunkel der Wälder« und »Tod im Schnee« sowie ihre Frankreich-Thriller »Die vier Söhne des Doktor March«, »Marthas Geheimnis«, »Sein anderes Gesicht«, »Schneewittchens Tod«.
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Kapitel 1


Der heiße Wind schob den dichten Regen in Wirbeln vor sich her. Die Menschen rannten in alle Richtungen, die leichte Sommerkleidung klebte ihnen am Körper. Der Himmel hatte sich urplötzlich verfinstert – tiefe, schwarze Wolken, fernes Donnerdröhnen. Kinder in phosphoreszierenden Plastiksandalen hüpften in das ehrwürdige Becken in der Mitte des Platzes. Der vom Gewitter überraschte Eisverkäufer räumte eilig sein Zubehör zusammen.

Es regnet, hat mit einem Schlag angefangen, das ist so angenehm wie eine kühle Hand auf dem Gesicht. Ich warte auf den Bus. Beide Füße fest auf dem Boden, verlagere ich mein Gewicht mal nach rechts, mal nach links; sie gehören mir, sie gehorchen. Meine Finger, fest um den Griff der Plastiktüte geschlossen, meine Finger, getreue Soldaten, lasst die Tüte lässig schwingen, und ihr, meine Lippen mit der fügsamen Doppelzüngigkeit, trällert munter das Marschlied der Fremdenlegion, während ihr, meine Raubtieraugen, auf den Idioten in Uniform geheftet bleibt, der mitten im Stau steht, gleichgültig gegen den Regen.

Der Polizeibeamte, Marcel Blanc, war müde. Erschöpft. Er sah die Autos kreisen wie ein endloses Karussell, sah kreischende Scharen von Fußgängern vorüberziehen, und immer wieder stieß er gedehnte Seufzer aus. Er hatte großen Durst, ihm war heiß, seine Füße brannten wie Feuer, er musste pinkeln. Er hatte Madeleine gesagt, dass er abends gegen acht Uhr nach Hause käme. Sie würde ihn schimpfend erwarten, die Kinder hätten sicher schon ihre Ohrfeigen eingesteckt, der Fernseher würde plärren … Noch drei Monate bis zur Scheidung, seufzte er im Stillen und strich über seinen Schnauzbart, der so rot war wie sein kurz geschnittenes Kraushaar.

Triefnass vom lauwarmen Sommerregen träumte der Polizeibeamte Marcel Blanc und nahm dabei doch unbewusst das Kommen und Gehen der Leute wahr – die kleine Buchhändlerin mit dem allzu schrillen Lachen, die gerade zwei junge gepiercte Deutsche in löchrigen Jeans bediente, der Besitzer des benachbarten Kinos im Gespräch mit der Geschäftsführerin des Dessous-Geschäfts – er träumte, dass er mit der hübschen Brünetten aus dem »Rois du Charolais« auf die Bahamas floh und sich auf den einsamen, sauberen Stränden mit ihr im lauwarmen Sand wälzte.

Endlich traf der Bus ein, blieb mitten in einer Pfütze stehen. Er spuckte seine Fahrgäste aus, die, mit Paketen beladen, davoneilten. Eine junge Frau mit üppigen braunen Locken, auf der Stirn eine blassblaue Tätowierung, stieg nun ihrerseits aus, an der Hand einen fünf- oder sechsjährigen Jungen mit Lockenkopf und schelmischem Lächeln. Sie trug einen schwarzen Rock und einen schwarzen Pullunder, dazu einen schweren, mit Nägeln besetzten Gürtel, der ihre Taille und ihre festen Brüste zur Geltung brachte.

Die schwarzen Augen der jungen Frau trafen zufällig auf die grauen von Marcel, bevor sie zu dem Jungen hinabsah. Marcels Blick folgte ihr unwillkürlich. Irgendetwas an ihren markanten und stolzen Zügen, an ihrem geschmeidigen Gang zog ihn an. Sein Blick streifte den kleinen Mann, der seine Plastiktüte hin und her schwenkte, ohne auf ihm zu verweilen. Die Frau faszinierte ihn allzu sehr. Er sah sie jeden Tag vorübergehen. Die blassblaue Tätowierung auf der Stirn ließ an Nordafrika denken, an den Wüstenwind … »Ja, aber die Mädchen der Wüste sind nichts für die kleinen Weißen«, würde Jean-Mi, der Kellner des »Claridge«, sagen.

Gezeter riss ihn aus seinen Tagträumen. Eine Frau im Chanel-Kostüm beschimpfte einen jungen Mann, der sie mit der Tür seines Kombis zu Fall gebracht hatte. Marcel sah sich gezwungen einzugreifen. Die Frau schüttelte ihren eindrucksvollen grauen Haarknoten, murmelte etwas von diesen »Jammerlappen von Polizisten«, entfernte sich und zog dabei mit der Spitze ihres Designerschirms eine Schramme in die Karosserie des Kombis.

Marcel seufzte. Noch ein Jahr, und er konnte sich für die Prüfung zum Lieutenant anmelden. Bis dahin würde er mangels Diplomen (»Diplome sind für die Nichtstuer«, pflegte sein Vater zwischen zwei Litern Rotwein zu lallen) täglich acht Stunden über die öffentliche Ordnung wachen, da in der Hochsaison nicht ausreichend Personal dafür verfügbar war.

Der kleine Mann zog etwas aus seiner Plastiktüte und hob es flüchtig an den Mund.

Marcel sah auf die Uhr und sagte sich, dass er bald vor Hunger sterben würde.

Der kleine Mann beobachtete Marcel, der ihn nicht wahrnahm. Er lächelte still vor sich hin und entblößte dabei seine hässlichen spitzen Zähne, gelb vom vielen Rauchen und seltenen Putzen. Er verabscheute den Kontakt mit Leitungswasser und die Vorstellung vom gebändigten Wasser der Dusche, von dem seifigen Geschmack der Zahnpasta und der cremigen Beschaffenheit der Seife, die den angenehmen Geruch der Haut überdeckte. Er konzentrierte sich auf den Bissen in seinem Mund.

Es ist gut für die Zähne, rohes Fleisch zu kauen. Kau nur kräftig, Kiefer. Entlocke ihm seinen Geschmack. Lass seinen Saft fließen. Zermalme seine köstlichen Fasern vor der Nase des armen alten Marcel!

Das Walkie-Talkie von Marcel fing plötzlich an zu knistern.

»Sofortiger Einsatz, ich wiederhole, sofortig, Impasse de la Pompe, an der Ecke Saint-Louis/Joffre.«

»Schon unterwegs!«

Mit kleinen athletischen Schritten bog der Polizeibeamte Marcel Blanc in die Sackgasse ein und überholte dabei die junge Frau mit der Tätowierung. Er sandte ihr – zwei Finger am Käppi – einen kleinen Gruß zu, ohne dabei das Tempo zu verlangsamen. Deshalb sah er auch den Laternenpfahl nicht, gegen den er mit voller Wucht stieß. Der Aufprall hallte bis in seine Hacken wider. Aber die Pflicht rief, und er eilte, die Nase verächtlich rümpfend, weiter, während sich auf seiner Stirn eine imposante Beule zu wölben begann.

Es war dunkel in der engen Gasse. Der Regen hatte so plötzlich aufgehört, wie er begonnen hatte. Durch die geöffneten Fenster hörte er die Fernseher laut plärren, sah, wie sich die Familien zu Tisch setzten. Ein Kind fing sich eine Ohrfeige ein, ein alter Mann holte eilig die Wäsche herein, ein Bettgestell quietschte in sportlichem Rhythmus. Marcel ließ den Blick über die mit Abfällen übersäte Straße wandern und blieb stehen. Am Ende der Sackgasse winselte ein kleiner Yorkshire-Terrier.

Die Hand am Revolver, ging Marcel langsam auf den Hund zu. Der hob den Kopf, schüttelte die rote Schleife, die ihn zierte, und winselte noch erbärmlicher. Marcel machte einen weiteren Schritt.

Der leblose Körper lag am Boden und steckte zur Hälfte in einer umgekippten Mülltonne. An der Mauer gegenüber stand eine Dame von gut sechzig Jahren, die Handtasche an die Brust gepresst, ein Taschentuch vor dem Mund, der ganze Körper von Schluchzern geschüttelt. Marcel rang nach Luft, trat auf sie zu und stellte fest, dass sie nach Erbrochenem stank. Er atmete lang aus und deutete auf den ausgestreckten Körper.

»Was ist passiert? Ist dem Herrn schlecht geworden?«

Der Geruch nach Blut, frischem Blut, stieg ihm plötzlich in die Nase. Die alte Dame schien nicht verletzt. Also … Bilder von Mafia-Abrechnungen und Dealer-Kriegen schossen ihm durch den Kopf.

Der Yorkshire-Terrier jaulte immer lauter. Marcel trat vorsichtig zu dem ausgestreckten, leblosen Körper, von dem nur die Beine aus dem Abfall herausschauten und vernahm das Heulen der näher kommenden Sirenen.

»Haben Sie gesehen, was passiert ist?«, fragte er und zögerte so den Augenblick hinaus, da er sich vorbeugen und sich selbst vergewissern musste.

Die Dame schluchzte nur, das Gesicht noch immer in ihrem Taschentuch vergraben.

Schockzustand, diagnostizierte Marcel, alte Damen haben schwache Nerven. Gut, dann also ran an den Feind. Er kniete neben dem Mann zwischen den Müllsäcken nieder, wollte ihm schon die Hand auf die Schulter legen, als er mit weit aufgerissenen Augen innehielt.

Zunächst, weil der betroffene Mann ohne jeden Zweifel tot war. Dann, weil es sich nicht wirklich um einen Mann handelte. Das Problem war, dass es sich auch nicht wirklich um eine Frau handelte. Denn obwohl der Körper in einer Hose steckte, deren geöffneter Schlitz keinen Zweifel an seiner männlichen Anatomie zuließ, war der halb unter Gemüseabfällen steckende Kopf der einer hübschen blauäugigen Blondine.

Diese anatomische Widersprüchlichkeit hatte weder mit Transvestitentum noch mit Hermaphrodismus zu tun, sondern schlicht und einfach mit dem Schneiderhandwerk. Denn der sauber abgetrennte Kopf der Frau war mit schwarzem Zwirn und großen Stichen am Hals des Mannes festgenäht worden. Man erkannte sie deutlich – eine Linie schwarzer Stiche auf der Höhe der Halsschlagader. Und außerdem, dachte Marcel, während er ausgiebig auf seine Schuhe kotzte, waren auch die Arme angenäht worden, alte faltige, fleckige Arme, und es fehlte, ja, es fehlte eine Hand, das Stück einer Hand, wie … abgebissen …

Er wurde von einem erneuten Brechreiz geschüttelt, den er nicht niederzukämpfen vermochte, während seine Kollegen in die Gasse strömten.

»Na, Blanc, das Kantinenessen bekommt dir wohl nicht?«

Capitaine Jeanneaux, Jean-Jean genannt, von der Kriminalpolizei maß den sich übergebenden Marcel mit einem ironischen Blick. Marcel richtete sich sogleich kerzengerade auf.

»’tschuldigung, Kommiss … mon Capitaine!«

Er konnte sich nicht an die neue Amtsbezeichnung gewöhnen und wusste nie, ob man »Capitaine« oder »mon Capitaine« sagen musste.

Unterdessen nahm Capitaine Jeanneaux die Leiche in Augenschein und wandte sich schließlich ab, ohne dass ein Muskel seines fein geschnittenen gebräunten Gesichts zuckte.

»Die Schweinereien, die man heutzutage zu sehen...



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