Auer / Kaess | Borderline-Persönlichkeitsstörung | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 31, 183 Seiten

Reihe: Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie

Auer / Kaess Borderline-Persönlichkeitsstörung


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-8444-2775-2
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 31, 183 Seiten

Reihe: Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie

ISBN: 978-3-8444-2775-2
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Behandlung von Jugendlichen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und deren Familien stellt oft eine Herausforderung für Therapeutinnen und Therapeuten dar. Der Band liefert wichtige Informationen zur Symptomatik und Diagnostik und beschreibt das Vorgehen in der Einzel- und Familienarbeit. Der Band ist damit eine wichtige Ergänzung des interaktiven Skillstrainings für Jugendliche, welches vor allem die Vermittlung von Skills beschreibt.
Als zentrales Behandlungsprogramm wird die Dialektisch-Behaviorale Therapie für Adoleszente (DBT-A) vorgestellt. Die DBT-A ist ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Konzept, das speziell für die Arbeit mit emotional-instabilen Jugendlichen und deren Familien konzipiert wurde. Neben dem kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansatz spielt als Basis für alle anderen Therapiebausteine eine dialektische Haltung, die die Pole Akzeptanz und Veränderung integriert und eine achtsame Haltung, die annehmend und möglichst nicht bewertend ist, eine große Rolle. Der Band erläutert die Struktur der DBT-A, die Grundhaltung, die zentralen Behandlungsstrategien sowie die Einbettung des Skillstrainings. Durch die Integration von Strategien der Compassion Focused Therapy (CFT) sollen die Patientinnen und Patienten lernen, Mitgefühl für sich und andere zu entwickeln. Der Einsatz von DBT-Familienskills, die von Alan Fruzzetti und Perry Hoffman entwickelt wurden, soll Eltern von emotional-instabilen Jugendlichen dabei helfen, sich selbst besser zu regulieren und die Interaktion innerhalb der Familie zu verbessern.

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Zielgruppe


Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut_innen, Kinder- und Jungendpsychiater_innen, Kinder- und Jugendmediziner_innen, (Sozial-) Pädagog_innen, Sozialarbeiter_innen, Ausbildungskandidat_innen.

Weitere Infos & Material


|21|2  Leitlinien


2.1  Leitlinien zur Diagnostik und Verlaufskontrolle


In der klinischen Praxis herrscht bei der Vergabe der Diagnose einer BPS nach wie vor bei vielen Kollegen Zurückhaltung. Dabei ist die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nach dem ICD-10 sogar vor der Pubertät möglich. Dazu muss die Mindestanzahl der geforderten Kriterien der betreffenden Persönlichkeitsstörung erfüllt sein und bestimmte Verhaltensmuster bereits zu diesem Zeitpunkt als überdauernd bezeichnet werden können. Auch sollte immer bedacht werden, dass sowohl ICD als auch DSM ausdrücklich darauf hinweisen, dass für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung der Ursprung dieser Störung immer in der Kindheit und Jugend liegen muss. Ist dies nicht der Fall, kann die Diagnose nicht gestellt werden. Dennoch herrscht bei vielen Klinikerinnen die Angst vor einer Stigmatisierung der Patientinnen durch die Diagnose einer Borderline-Störung oder einer anderen Persönlichkeitsstörung. Dieser Gedanke ist nachvollziehbar, oftmals kommt es in unserem Gesundheitssystem jedoch als Folge der Nichtstellung einer Diagnose zu keiner zielgerichteten Behandlung der Kernsymptome und maximal zu einer nicht störungsspezifischen Behandlung der Betroffenen. So ist also die richtige Diagnosestellung notwendig, um eine adäquate Hilfestellung für die Patientinnen zu gewährleisten. Nur so können die Patienten mit gezielten Techniken und Therapieverfahren, die beim Störungsbild der BPS erfolgreich sind, behandelt werden, damit einer langfristigen Chronifizierung oder Verschlechterung der Symptomatik entgegengewirkt wird (vgl. Kaess et al., 2014). Die folgenden Leitlinien sollen klare Handlungsanleitungen zum diagnostischen Vorgehen bei der BPS im Jugendalter geben, vom ersten Verdacht bis zur Verlaufskontrolle. Tabelle 2 fasst die Leitlinien zusammen und gibt einen Überblick über das strukturierte Vorgehen.

L1

Frühwarnzeichen erkennen

L2

Screening auf Merkmale einer BPS

L3

Klärung der Diagnose und Differenzialdiagnose

L4

Diagnostik eines erhöhten Risikos für die Entwicklung einer BPS

L5

Exploration von selbstschädigendem und riskantem Verhalten

L6

Diagnostik komorbider Erkrankungen

|22|L7

Exploration der Suizidalität

L8

Exploration von störungsassoziierten Faktoren

L9

Rückmeldung der Diagnose und Psychoedukation

L10

Verlaufskontrolle

2.1.1  Frühwarnzeichen erkennen

L1

Leitlinie 1: Frühwarnzeichen erkennen

  • Anamnese und psychopathologischer Befund. In der Erhebung von Anamnese und psychopathologischem Befund lassen sich oftmals Anzeichen für das mögliche Vorliegen einer BPS finden.

  • Warnzeichen. Warnzeichen für eine BPS sind:

    • repetitive Selbstverletzung oder Suizidversuche,

    • wiederholte impulsive, riskante Verhaltensweisen,

    • häufige aggressive Impulsdurchbrüche,

    • eine Mischung aus internalisierender und externalisierender Psychopathologie, oft einhergehend mit ausgeprägter Komorbidität,

    • schwerwiegende Beziehungsprobleme und Streitigkeiten,

    • besonders niedriges Selbstwertgefühl und Identitätsprobleme.

  • Spezifische Diagnostik. Beim Vorliegen solcher Warnzeichen sollte eine spezifische Diagnostik vorgenommen werden.

Die Diagnostik einer BPS gehört bis heute noch nicht zum Standard der kinder- und jugendpsychiatrischen oder -psychotherapeutischen Ausbildung. Zudem ist auch bei ausreichendem Ausbildungsstand eine in der Regel zeitlich aufwändige Diagnostik der BPS nicht bei allen Patienten notwendig. Wie bei vielen anderen Störungsbildern auch, kann sich der Verdacht auf eine BPS zunächst anhand spezifischer Warnzeichen, die sich in der Anamnese oder in der Erhebung des psychopathologischen Befundes zeigen, ergeben.

Die gängigsten und prominentesten Warnzeichen für die BPS stellen die oftmals sehr akut auftretenden riskanten, selbstschädigen und impulsiven Verhaltensweisen betroffener Jugendlicher dar (Kaess et al., 2014; Kaess, Ghinea, Fischer-Waldschmidt & Resch, 2017b). Diese werden häufig von Menschen im Umfeld der Betroffenen wahrgenommen (z.?B. Eltern, Freunde, Lehrkräfte). Das Erkennen dieser Anzeichen ist wenig von internen Reflexionsprozessen abhängig, die im Jugendalter und bei von BPS |23|Betroffenen teilweise eingeschränkt sind. Aus diesem Grund nutzen störungsspezifische Angebote im deutschsprachigen Raum, wie z.?B. die Ambulanz für Risikoverhalten und Selbstschädigung (AtR!Sk) in Heidelberg, diese Verhaltensweisen auch als Eintrittskriterien für eine störungsspezifische Abklärung der BPS (Kaess et al., 2017b). Wichtig hierbei ist allerdings, dass diese Warnzeichen zwar relativ sensitiv zu sein scheinen, die Spezifität allerdings sehr niedrig ist. Das bedeutet, dass viele der Jugendlichen, die dieses Verhalten zeigen, nach eingehender Diagnostik dann doch keine Diagnose oder auch keine entsprechende Risikokonstellation erfüllen.

Etwas spezifischer, aber dafür leichter zu übersehen, sind die Warnzeichen zur Psychopathologie sowie zu den Beziehungen und zur Identität. Diese Anzeichen betreffen im Prinzip die drei Kernbereiche der BPS, nämlich die Instabilität der Emotionen, der Beziehungen und des Selbst. Bei Erfüllen dieser Merkmale ist die Diagnose einer BPS wahrscheinlicher, sie können aber leicht übersehen werden.

2.1.2  Screening auf Merkmale einer BPS

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