E-Book, Deutsch, Band 2, 299 Seiten
Reihe: Chronos Academy
Bachmann Chronos Academy 2: Feuerpakt
21001. Auflage 2021
ISBN: 978-3-646-60623-2
Verlag: Carlsen Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gefühlvolle Romantasy für Fans von fesselnden Academy-Büchern
E-Book, Deutsch, Band 2, 299 Seiten
Reihe: Chronos Academy
ISBN: 978-3-646-60623-2
Verlag: Carlsen Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Verena Bachmann, geb. 1987 in Aschaffenburg, lebt mit Hund und Katzen in einem kleinen Dorf im schönen Spessart. Nach einem freiwilligen ökologischen Jahr absolvierte sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau und arbeitet heute in einem Unternehmen für Modeaccessoires. Die Liebe zu Büchern weckte im Grundschulalter Enid Blyton und inzwischen stapeln sich die vielseitigsten Romane in ihren Regalen. Doch trotz bunter Auswahl reichte lesen allein irgendwann nicht mehr aus und so beschloss sie ihre eigenen Gedanken ebenfalls einmal zu Papier zu bringen.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1: Die Kraft der Hoffnung
Ein scharfer Schmerz an meinem Ohr brachte mich dazu, die Augen zu öffnen. Mir entfuhr ein Schmerzenslaut und ich griff instinktiv an mein Ohr.
Dabei berührten meine Finger etwas Weiches, Flauschiges.
»Ihhh …«
Ich richtete mich ruckartig auf und wollte das, was auch immer ich in der Hand hielt, von mir schleudern, als mich ein panischer Ausruf innehalten ließ.
»Nein, nein, stopp! Nicht werfen!«
Ich atmete einige Male tief ein und aus, wartete, bis mein Blick sich geklärt hatte, und betrachtete dann den kleinen, mit Fell bedeckten Körper eines Hermelins in meiner Hand.
»Corvinius?«
Ich schloss die Augen, öffnete sie wieder und schloss sie erneut, während Erinnerungen in meinem Kopf durcheinanderwirbelten und ich versuchte alles wieder an seinen Platz zu rücken.
Ich war mit Cestian durch das Tor der Zeit getreten. Corvinius hatte uns von den Schlüsseln erzählt … Die Schlüssel! Wir hatten deswegen mit dem Geist einer Wächterin gekämpft und gewonnen. Ich hatte den Schlüssel Cestian gegeben und dann …
»Was ist passiert?«, fragte ich und dachte an den Wirbel aus Violett und Schwarz, der mich damit erfasst hatte.
»Ein Zeitwirbel«, antwortete Corvinius. »Erinnerst du dich? Bei sehr starkem Einsatz von Magie können sie entstehen.«
Ich nickte bestätigend. Langsam erinnerte ich mich. Corvinius hatte uns direkt bei unserem ersten Treffen vor diesen Zeitwirbeln gewarnt.
Das kleine Hermelin war kein gewöhnliches Tier. Es handelte sich um einen Wächter mit der Fähigkeit, seine Gestalt zu wandeln.
Warum Corvinius die Form eines Hermelins gewählt hatte, wusste er selbst nicht mehr. Nur dass er seit vielen Jahren in diesem Körper festhing, seit er seine Partnerin verloren hatte.
Ein Schicksal, das Cestian und ich nun offensichtlich teilten. Denn von dem Jungen, mit dem ich den Nexus vollzogen hatte, meinem Partner … fehlte jede Spur.
»Cestian … er … er ist nicht hier …«
Mein Magen begann zu rebellieren, ich bekam das Gefühl, mich übergeben zu müssen, und spürte langsam Panik in mir aufsteigen, als mir nach und nach bewusst wurde, was das hieß.
Cestian war fort. Wir waren getrennt worden. In einer Welt, die mir absolut unbekannt war. Noch dazu hatte ich keine Ahnung, wie ich ihn wiederfinden sollte, denn ich wusste ja noch nicht einmal, wo ich mich nun befand.
Ohne etwas dagegen tun zu können, verfiel ich in Schnappatmung.
Ich war allein. Allein und verloren im Nirgendwo. Und der einzige Mensch, der mir in meinem Leben noch geblieben war, war fort.
»Bleib ruhig, Inori. Tief ein- und ausatmen«, versuchte Corvinius mich zu beruhigen.
Er kratzte mit seiner Pfote leicht über meinen Handrücken. Ich senkte den Blick, versuchte seinen Anweisungen zu folgen und konzentrierte mich auf das niedliche Gesicht des Hermelins.
Beruhigen. Das war gerade alles andere als einfach, aber während ich in seine glänzenden schwarzen Knopfaugen blickte, rief mir sein Anblick auch wieder ins Gedächtnis, dass ich gar nicht allein war.
Corvinius war ja noch bei mir.
Langsam beruhigte sich meine Atmung wie auch mein Herzschlag und mein Magen hörte auf Saltos zu schlagen. Ich blickte weiter in Corvinius’ Gesicht und versuchte meine Gedanken zu ordnen, ohne in Panik zu verfallen.
»Zeitwirbel …«, begann ich langsam und in möglichst ruhigem Ton.
»Ja. Wir wurden erfasst und in die nächste Ebene geschleudert. Zumindest scheint es die zweite Ebene zu sein«, antwortete Corvinius.
Richtig. Es gab verschiedene Zeitebenen. Und das Tor der Zeit, das von der Chronos Academy auf die erste Ebene führte, war lediglich ein Zugang. Nicht das Tor, wodurch man wirklich in die Zeitlinie eingreifen konnte.
Das befand sich auf der obersten, der siebten Ebene.
»Okay. Aber was ist mit Cestian?«
»Wenn dein Freund schlau ist, hat er den Schlüssel benutzt, um ebenfalls auf die zweite Ebene zu gelangen«, erwiderte Corvinius.
»Also glaubst du, er ist hier?«, fragte ich aufgeregt und sah mich zu allen Seiten um, in der Hoffnung, ihn irgendwo auftauchen zu sehen.
»Vielleicht … Zeit ist ein unglaublich komplexes Thema, Inori. Die Ebenen, die hier existieren, sind sehr komplex. Es ist möglich, dass Cestian sich auf derselben Zeitebene befindet wie wir, ja. Aber es kann sein, dass er sich in einer anderen Zeitlinie innerhalb dieser Ebene befindet, weil er einen anderen Weg genutzt hat.«
»Das verstehe ich nicht«, antwortete ich langsam und spürte ein unangenehmes Pochen hinter meiner Schläfe.
»Du siehst ja … dank eines Zeitwirbels kann man ebenfalls zu den anderen Ebenen gelangen. Die Schlüssel sind also nicht die einzige Möglichkeit. Aber sie sind die sicherste. Sagen wir, Fahrstühle, die dich sicher von einem Stockwerk ins nächste bringen. Und wenn du oben aussteigst, weißt du, dass du genau an der gleichen Stelle stehst wie unten, wo du eingestiegen bist. Nur eben ein Stockwerk höher. Die Schlüssel bringen dich also nicht nur weiter, sie sorgen auch dafür, dass du in einer Zeitlinie bleibst. Wenn Cestian den Schlüssel benutzt hat, befindet er sich auf der zweiten Ebene, aber in derselben Zeitlinie wie auf Ebene eins. Wir hingegen … nun … es ist sehr wahrscheinlich, dass wir auf dieser Ebene in eine andere Zeitlinie geraten sind. Vielleicht sind wir Jahrzehnte vor Cestian hier. Oder Jahrhunderte nach ihm.«
»Was?«, hauchte ich, denn meine Stimme schien jegliche Kraft eingebüßt zu haben.
»Die Zeitebenen sind eigenständige Welten, Inori, und je nach Zeitlinie verändern sie sich. Es kann durchaus sein, dass eine Ebene im Gleichklang mit deiner Zeit verläuft. Technologien und alles andere also auf dem gleichen Stand sind, wie du es kennst. Aber es kann auch sein, dass die Zeit langsamer oder schneller vorangeschritten ist. Das heißt, vielleicht sind wir auf einer Ebene, die der Antike in deiner Welt entspricht, oder die Ebene liegt viel weiter in der Zukunft. Mit fliegenden Autos oder Sonstigem.«
»Okay …«, begann ich langsam und gab mir alle Mühe, Corvinius’ Erklärungen zu folgen.
Ich war nicht dumm, aber seine Aussagen erschienen mir doch mehr als komplex.
»Also, Cestian und ich sind beide im selben Stockwerk, aber aus unterschiedlichen Fahrstühlen ausgestiegen.«
»Wir sind leider aus keinem Fahrstuhl ausgestiegen, aber im Prinzip ja.«
»Okay … aber Cestian befindet sich womöglich im Jahr 1890 oder so und ich … vielleicht im Jahr 1609?«
»Schlaues Mädchen«, antwortete Corvinius, aber sein Lob baute mich in keiner Weise auf.
Wie sollte ich Cestian so jemals wiederfinden? Wenn wir uns nicht zur selben Zeit in der gleichen Welt befanden?
»Aber wie … Was sollen wir denn jetzt machen?«, fragte ich und fühlte eine neue Panikwelle aufkommen.
»Erst mal gleich wieder beruhigen. Atme tief ein und aus.«
Obwohl es mich langsam nervte, folgte ich erneut der Anweisung des kleinen Fellballs.
Mir war klar, dass Panik mich nicht weiterbrachte, aber was sollte ich denn machen?
Zumindest half das bewusste Atmen etwas.
»Wir suchen jetzt einen der Schlüssel dieser Ebene. Es gibt eigentlich immer zwei und die Magie der Schlüssel stellt eigentlich immer sicher, dass sich zu jeder Zeit ein Schlüssel in der Welt befindet, um weiterzukommen.«
»Das klingt sehr unsicher«, erwiderte ich skeptisch.
»Die Rebellion der Wächter hat viel Chaos innerhalb der Ebenen verursacht. Es ist nicht mehr alles in Stein gemeißelt. Aber wir sind Wächter. Die Magie der Schlüssel zieht uns an. Die Chancen stehen daher gut, dass wir uns in der Nähe eines Schlüssels befinden. Lass uns einfach versuchen positiv zu denken«, antwortete Corvinius.
»Aber, wenn man immer nur in gerader Linie mit einem der Schlüssel weiterkommt«, ich deutete mit dem Zeigefinger nach oben. »Steigen wir dann nicht ewig aus einem anderen Fahrstuhl aus als Cestian? Das bedeutet doch, ich sehe ihn nicht wieder, oder? Sofern auf einer der Ebenen nicht zufällig die Zeit stehen geblieben ist.«
Corvinius blickte mich mit so überraschter Miene an, dass ich fragen musste:
»Was?«
»Ich bin nur verwundert, dass du wirklich verstanden zu haben scheinst, was ich dir erklärt habe.«
Ich verzog das Gesicht. Offensichtlich waren die Fragezeichen über meinem Kopf sehr deutlich zu sehen gewesen, als Corvinius mir alles erklärt hatte. Aber ich ließ das unkommentiert.
Schließlich hatte ich gerade andere Sorgen, als mit einem Hermelin eine Diskussion über meine Intelligenz zu führen.
»Nun, du hast nicht unrecht, Inori. Aber die Zeitebenen sind vielfältig … wir finden vielleicht eine Möglichkeit, wie wir zur selben Zeit auf derselben Ebene wie Cestian landen. Und wenn nicht, habt ihr doch beide das Ziel, zur siebten Ebene zu gelangen, oder? Ich war zwar selbst noch nie auf der obersten Ebene, aber den Legenden zufolge steht dort wirklich die Zeit still. Also egal aus welcher Zeitlinie wir von Ebene sechs ans Tor kommen werden … «
»Cestian wird dort sein?«, fragte ich und fühlte wieder ein kleines bisschen Hoffnung in mir aufsteigen.
»Ja. Daran glaube ich. Und das musst du auch. Bis zur siebten Ebene werden wir es schwer haben. Deswegen dürfen wir unsere Hoffnung und den Glauben, dass alles gut wird, nicht verlieren. Auch wenn es schwer wird. Ich glaube auch daran, Nari wiederzusehen. Zusammen schaffen wir das schon, Inori.«
Ich spürte, wie sich ein dicker Kloß in meinem Hals bildete.
Mit einem leisen »Danke« drückte ich den...




