E-Book, Deutsch, 573 Seiten, E-Book
Bäuerle Produktionswirtschaft
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7910-4143-8
Verlag: Schäffer-Poeschel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Grundlagen und Fallstudien aus der industriellen Praxis
E-Book, Deutsch, 573 Seiten, E-Book
ISBN: 978-3-7910-4143-8
Verlag: Schäffer-Poeschel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Prof. Dr. oec. Paul H. Bäuerle ist Professor an der Hochschule für angewandte Wissenschaften/University of Applied Sciences in Ravensburg-Weingarten (RWU) sowie an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Produktionswirtschaft, industrielles Management und Logistik. Er war über viele Jahre Geschäftsführer verschiedener Industrieunternehmen innerhalb des Maschinen- und Anlagenbaus, der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie der Automobilzulieferbranche.
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1 Was beinhaltet und wozu dient dieses Buch? – Einleitung
KAPITELNAVIGATOR
1.1 Zweck und Inhalt des Buches
1.1.1 Nutzen und Zweck des Buches
1.1.1.1 Der deskriptiv-definitorische Zweck
1.1.1.3 Der anwendungsbezogene Zweck
1.1.2 Inhalt und Aufbau des Buches
1.1.2.1 Produktionstechnik, Produktionswirtschaft und Wirtschaftszweige
1.1.2.2 Problembereiche der Produktionswirtschaft
1.2. Historische Entwicklung der Produktion
1.2.1 Vorindustrielle Produktion in Steinzeit, Mittelalter und Neuzeit
1.2.2 Industrie 1.0 bis Industrie 4.0
1.2.3 Erkenntnisse aus der Produktionshistorie und Industrie 5.0
Bevor auf die verschiedenen Detailprobleme der Produktionswirtschaft im Einzelnen eingegangen wird, soll im folgenden Kapitel 1 dieses Buches zunächst ein erster einführender Überblick in die noch zu behandelnde Thematik geboten werden. Dazu soll zuallererst geklärt werden, worin der Zweck dieses Buches gesehen wird (Abschnitt 1.1.1) und was demzufolge dessen Inhalt ist (Abschnitt 1.1.2). Darüber hinaus hat es sich für eine Einführung in einen noch darzustellenden Problembereich grundsätzlich als zweckmäßig erwiesen, die historische Entwicklung der Thematik kurz rückblickend darzustellen (Abschnitt 1.2), um dem Leser das Verständnis für den gegenwärtigen Ist-Zustand und die zu erwartende Weiterentwicklung zu erleichtern.
1.1 Zweck und Inhalt des Buches
1.1.1 Nutzen und Zweck des Buches
1.1.1.1 Der deskriptiv-definitorische Zweck
Wenn produktionsverantwortliche Personen von »meiner Berta« oder »meiner Paula«, »dem Ballett« und »der Hochzeit« sprechen, so sind sie keineswegs über beide Ohren in ihre Freundin verliebt und planen ihre Vermählungsfeier. Stattdessen ist ihr Thema vielmehr das »fahrerlose Transportsystem«, die »synchrone Bewegungen der automatisierten Montageroboter« und der »Zusammenbau von Karosserie und Fahrwerk« in der Fertigung. Wenn dieselben Personen von »Poka Yoke«, »Kaizen«, »Muda«, »Ishikawa« oder »Heijunka« erzählen, dann sprechen sie keinesfalls die Sprache indianischer Ureinwohner, sondern sie verwenden die im deutschen Sprachgebrauch üblichen Fachbegriffe für die »Fehlervermeidung«, den »Verbesserungsprozess«, die »Verschwendung«, die »Darstellung von Ursache und Wirkung« und den »Kapazitätsausgleich« in der Produktion. Ebenso handelt es sich bei »Smoothing«, »milk run«, »Flaschenhals« und »Supermarkt« nicht etwa um Begriffe im kulinarischen Zusammenhang, sondern um die »gleichmäßige Maschinenauslastung«, ein spezielles »Transportsystem«, den »Kapazitätsengpass« und ein »Materialbereitstellungssystem« in der industriellen Fertigung.
Die Liste der spezifischen Fachbegriffe, die in der Produktion ganz selbstverständlich verwendet werden und die Unverständnis- bzw. Verwechslungsgefahr beinhalten, würde sich fast beliebig lange fortsetzen lassen. Es ist zunächst die erste Aufgabe dieses Lehrbuches, solche Unkenntnisse und Verwechslungen zu vermeiden: Fachsprachliche Termini, die zur Verständigung und zum Verständnis in der Produktionswirtschaft wichtig und notwendig sind, sollen erklärt und deren Bedeutung aufgezeigt werden. Dies ist der sogenannte deskriptive (= beschreibende) und definitorische (= begriffliche) Inhalt des vorliegenden Buches. Er dient dem Zweck, zu beschreiben, was es in der Produktionswirtschaft gibt und wie dies fachsprachlich benannt wird; dem Leser oder der Leserin soll das spezielle Glossar und damit die fachspezifische Kenntnis (= Know What) vermittelt werden. Das hierdurch erlangte Fach- und Faktenwissen befähigt ihn dazu, sich in der vorab fremden Welt (hier: der Produktionswirtschaft) zurechtzufinden, die Probleme zu (er-)kennen und mit anderen Personen über die Thematik kommunizieren zu können (siehe Abbildung 1.1).
Die sog. »deskriptiv-definitorische Lehrmethodik« kann beispielsweise anhand der Ausbildung von Medizinern verdeutlicht werden: Um den Arztberuf ausüben zu können, muss der angehende Arzt zunächst eine Vielzahl von Krankheiten, deren Bezeichnung sowie damit zusammenhängende Termini kennenlernen. Die Aneignung der ärztlichen Heilkunst besteht also im ersten Schritt darin, die medizinische Fachsprache zu erlernen. Analog ergeht es dem angehenden Entscheidungsträger in der Produktionswirtschaft: Um Probleme erfassen und Problemlösungen verstehen und kommunizieren zu können, bedarf es eines größeren, spezielleren und fachbezogenen Wortschatzes als es die alltägliche Umgangssprache zur Verfügung stellt. Während bei Ärzten, Apothekern, Chemikern, Botanikern etc. vor allem lateinische Fachbegriffe wichtig sind, handelt es sich in der Produktionswirtschaft sowohl um Termini von deutscher Abstammung (z. B. Fließbandabgleich, Netzplantechnik etc.), von angloamerikanischer Herkunft (z. B. Lean Production, Benchmark, Single Minute Exchange of Die …) als auch japanischen Ursprungs (z. B. Kaizen, Poka Yoke, Kanban).
Die Verwendung englischer und/oder angloamerikanischer (statt deutscher) Begriffe ist dabei keineswegs eine spezielle Eigenheit der Produktionswirtschaft, sondern sie ist als generelle Tendenz im deutschen Sprachgebrauch in fast allen Wissensgebieten (auch in der Umgangssprache) allgemein üblich. Mitunter ist die ungezügelte Invasion von Anglizismen (= aus dem Englischen übertragene Wörter) schlicht Ausdruck von elitärem Imponiergehabe. So dürfte es nichts anderes als Wichtigtuerei und Verschleierungstaktik sein, wenn ein teuer zu bezahlender Unternehmensberater dem ratsuchenden Fertigungsverantwortlichen eines schwäbischen, mittelständischen Industriebetriebes empfiehlt, »Production Smoothing als Benchmark zu interpretieren«. Gleichbedeutend, jedoch erheblich deutlicher und verständlicher wäre es sicherlich, wenn er die »gleichmäßige Auslastung der vorhandenen Maschinen« empfehlen würde.
Unabhängig von dieser allgemein zu beobachtenden Verbreitung von Anglizismen in der deutschen Sprache ist es jedoch zweckmäßig und notwendig, sich dort auf die Verwendung von englischen Begriffen zu verständigen, wo verschiedene Nationalitäten und damit unterschiedliche Sprachen an gemeinsamen Aufgaben arbeiten. So ist es in einem international tätigen Konzern mit mehreren Fertigungsstätten im In- und Ausland im Sinne des gemeinsamen Verständnisses sicherlich sinnvoll, die Aufgabe des »optimalen Einsatzes aller Maschinen und Anlagen« als »Overall Equipment Efficiency (= OEE)« zu bezeichnen. Die Verwendung von überall verständlichen (in aller Regel englischer) Termini lässt sich infolge der fortschreitenden Internationalisierung und Globalisierung daher auch in der Produktionswirtschaft nicht vermeiden. So ist es auch im Rahmen des vorliegenden Lehrbuches notwendig, neben den (i. d. R. besser verständlichen) deutschen Fachbegriffen auch die englischen Termini – soweit erforderlich – zu verwenden (der Verfasser ist sich bewusst, dass er sich damit bei Deutsch-Puristen gleichzeitig und zwangsläufig dem Vorwurf der Wichtigtuerei aussetzt).
Zusätzlich zu der allgemein im deutschen Sprachgebrauch und überall in allen Fachgebieten zu beobachtenden Verwendung von englischen Begriffen kommt speziell in der Fachsprache der Produktionswirtschaft ein weiteres mögliches Verständnisproblem hinzu: die Verwendung von Termini mit japanischer Herkunft. So werden zum Beispiel die Bemühungen zur ständigen Verbesserung der Produktion (früher als »Betriebliches Vorschlagswesen = BVW« oder als »kontinuierlicher Verbesserungsprozess = KVP« bekannt) heute als »Kaizen« bezeichnet. »Möglichkeiten zur Kostenreduzierung« werden heute in der Produktionswirtschaft üblicherweise »Muda« genannt, »Vorrichtungen zur Fehlervermeidung in der Fertigung« heißen »Poka Yoke« … usw.
Erklärbar ist die Verwendung japanischer (statt...




