E-Book, Deutsch, Band 167, 100 Seiten
Reihe: G.F. Barner
Barner Wagon Meister Amos Rudkin
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7409-6199-2
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
G.F. Barner 167 - Western
E-Book, Deutsch, Band 167, 100 Seiten
Reihe: G.F. Barner
ISBN: 978-3-7409-6199-2
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Er ist legendär wie kaum ein anderer. Seine Vita zeichnet einen imposanten Erfolgsweg, wie er nur selten beschritten wurde. Als Western-Autor wurde er eine Institution. G. F. Barner wurde quasi als Naturtalent entdeckt und dann als Schriftsteller berühmt. Sein überragendes Werk beläuft sich auf 764 im Martin Kelter Verlag erschienene Titel. Seine Leser schwärmen von Romanen wie Torlans letzter Ritt, Sturm über Montana und ganz besonders Revolver-Jane. Der Western war für ihn ein Lebenselixier, und doch besitzt er auch in anderen Genres bemerkenswerte Popularität. So unterschiedliche Romanreihen wie U. S. Marines und Dominique, beide von ihm allein geschrieben, beweisen die Vielseitigkeit dieses großen, ungewöhnlichen Schriftstellers.
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Amos Rudkin lag reglos. Nur das Schnauben der Pferde durchbrach die Stille. Dann war wieder das leise Säuseln des Nachtwindes in den Mesquitebüschen der Senke. Plötzlich knirschte der grobkörnige Sand. Rudkins Linke kroch vorsichtig neben die Decke. Er hatte sie hinter dem Bock auf dem Kastenboden seines schweren Merrivale-Wagens ausgebreitet.
Amos schlief hier, seit er am Morgen zuvor die Klapperschlange neben Luke Ballards Brust entdeckt hatte. Ballard lag Rudkin gegenüber, zusammengeringelt wie ein Hund, der sich in seiner Hütte verkrochen hatte. Ballard war an der Kastenwand herabgesunken, der Hut bedeckte das Gesicht, und die alten, knochigen Hände waren etwa eine Armlänge von seinem Gewehr entfernt. Ballard war während der Wache eingenickt.
In der nächsten Sekunde hatte Rudkin seinen schweren Armeerevolver gepackt. Schon schnellte er auf die Beine. Dann sah er das Gesicht. Es tauchte über dem Endbrett des Wagens auf. Schwarze, strähnige Haare hingen dem Mann in die Stirn. Um den Hals des Burschen lag eine dünne Schnur, die den breitrandigen Sombrero auf dem Rücken des Mannes hielt.
Amos Rudkin sah, wie sich die Augen des Mannes jäh weiteten. Seine rechte Hand schoß in die Höhe.
Rudkin sah das Messer im Mondlicht funkeln. Sein Revolver ging wie von selbst los. Er schoß ohne nachzudenken. Dabei warf er sich mit einer kurzen Drehung zur Seite. Durch die Feuerlanze, die aus dem Lauf des Army-Colts stach, sah Rudkin das Messer heranwirbeln.
Das Brüllen des Schusses vermischte sich mit dem kurzen, heulenden Schrei des Mannes.
»Luke!« schrie Rudkin.
In seinen Ohren war plötzlich das Wiehern der Wagenpferde. Es war genau hinter dem Wagen, wohin die Kugel den Langmähnigen geschleudert haben mußte. Rudkin sprang blitzschnell auf, während das Messer mit einem dumpfen Plock in eine Holzkiste bohrte.
In derselben Sekunde, als sich Rudkin nach vorn warf, um über das hintere Kastenbrett zu blicken, bellten zwei, drei Schüsse auf. Eine Kugel schlug in die Kante des Endbrettes, riß einen langen Holzsplitter heraus und wirbelte ihn gegen Rudkins Brust. Die nächste Kugel jagte über die Warenkisten und sirrte wirkungslos über den Bock.
Die dritte traf Rudkin.
Rudkin spürte einen harten Schlag gegen die linke Schulter, der Aufprall der Kugel warf ihn zurück.
Den Schüssen folgte nun ein halbes Dutzend weiterer Mündungsblitze. Während Rudkin nach rechts stürzte, und seine Hand plötzlich kraftlos war, glitt der Army-Colt aus seinen Fingern.
Er warf sich flach hin. Über ihn zerfetzten Kugeln die Wagenplane.
Amos Rudkin erwischte mit der rechten Hand den Colt. Dann stieß er sich trotz der wilden Schmerzen ab, die nun durch seine Schulter tobten. Er erreichte das schwere, dicke Kastenbrett. Seine Rechte fuhr hoch. Und während er den Colt flach über den Kasten hielt, begann er nur nach dem Gehör zu feuern.
Das Trommeln der Hufe der Wagenpferde klang auf. Das Hufgetrappel entfernte sich rasch nach Süden, aber noch waren die Pferde keine zwanzig Yards vom Wagen entfernt.
Rudkin feuerte, bis das Krachen von Old Luke Ballards Schrotflinte alle anderen Geräusche übertönte. Die Waffe mit den abgesägten Läufen brüllte zweimal auf. Danach krachte es rechts am Hang, und zwei Gewehrkugeln schlugen in die Kastenwand.
Old Luke fluchte bissig.
Das Feuer kam nun von der Kuppe des Hügels. Das grelle Wiehern eines Pferdes war dazwischen. Der dumpfe Fall danach sagte Amos, daß er eins seiner Pferde erschossen haben mußte. Hufschlag raste auf den Hügel zu. Das Gewehr schwieg, als Old Luke noch zweimal schoß, und der Donner der Schrotflinte durch die Senke tobte.
Plötzlich war es totenstill.
Amos wälzte sich langsam herum. Es war seine sechste Verletzung. Und er kannte sich mit Schußwunden zu gut aus, um sich Sorgen zu machen. Seine einzige Sorge galt den beiden schweren Walliser Zugpferden, und als er sich aufrichtete, sah er, daß beide standen. Sie schnaubten nur unruhig.
Er hatte wegen der manchmal bis in diese Gegend streifenden Apachen die Pferde angeschirrt gelassen. Und das war sein Glück gewesen. Wer immer die Kerle gewesen waren – Mexikaner waren es in jedem Fall – sie hatten wenigstens die beiden Zugpferde nicht erwischt.
»Du verdammter Katzendreck!« fluchte Old Luke. Er hatte vierunddreißig Jahre auf dem Bock der Wagen zugebracht. Seine Ausdrucksweise war danach. Frachtwagenfahrer begannen selten einen Satz ohne Fluch. Und sie beendeten ihn auch damit. »Da sind sie hin, und ich will verdammt sein, wenn es nicht meine Schuld ist. Amos, ich habe geschlafen. Was wird jetzt?«
Amos Rudkin schwieg. Er richtete sich auf und starrte über die Endbrettkante mit der hellen Narbe des Querschlägers. Er blickte auf den Mexikaner hinunter, der rücklings zu Boden gefallen war. Er lag mit ausgebreiteten Armen auf dem Rücken. Die gebrochenen Augen erinnerten Rudkin an die eines Comanchen, weil sie ebenso dunkel und auch glanzlos waren.
»Es ist meine Schuld – Teufel noch mal, es ist meine Schuld«, jammerte Old Luke. »Die Pferde, Amos. Was fangen wir ohne Pferde an?«
»Nichts.«
Die lakonische Antwort Rudkins ließ in Old Luke Schuldgefühle aufkommen. Er kam zwischen den Kisten hindurch nach hinten.
»Hör mal, Krieger«, muffelte er zerknirscht. »Ich will meinen Hut fressen, wenn ich weiß, warum ich eingeschlafen bin. Reiß mir den Hals ab, tu was du willst, aber mach wenigstens das Maul auf. Wenn du gar nichts sagst, ist es wirklich schlimm. Alle guten Geister, da liegt ja einer.«
Er stieß mit der neugierigen Hast eines alten Mannes gegen die verletzte Schulter von Rudkin.
Amo zuckte zusammen. Old Luke merkte davon nichts. Er sah sich noch einmal um, ehe er auf die Erde sprang.
»Wieder ‘n lausiger Mexikaner, so’n Zitronengesicht«, brummte er. »Du, da ist kein anderer Menschenfresser mehr. Du kannst runterkommen.«
»Nimm ihm die Waffen ab und durchsuche seine Taschen«, erklärte Rudkin. »Dann nach vorn mit dir auf den Bock. Fahr auf den Hügel, aber schnell. Wir brauchen ein Feuer.«
Ballard zuckte zusammen, drehte sich um und erstarrte.
»Blut«, rief er erbleichend. »Du blutest ja an der Schulter, Sohn.«
»Halt den Mund, du alter Narr, und mache, was ich dir gesagt habe« knirschte Rudkin. Er konnte die Schmerzen kaum noch ertragen. »Ich hätte dich nicht die erste Wache übernehmen lassen dürfen. Es war mein Fehler. Los, mach schon, voran!«
Old Luke starrte ihn immer noch konsterniert an.
»Hölle und Pest, beeil dich! Luke, du mußt mir die Kugel rausholen. Sie sitzt genau am Knochen.«
»Kugel rausholen, ich?«
»Wer sonst?«
»Aber ich...«
»Du kannst doch sonst alles, was? Sogar schlafen, wenn du die Glotzaugen aufhalten sollst!« fuhr ihn Rudkin an.
Luke senkte den Kopf. Der Vorwurf traf ihn verdammt hart. Er hatte mehr als die Hälfe seines Lebens für Rudkins gearbeitet. Er dachte an den alten Rudkin, der ihm diesen Fehler nie verziehen hätte. Auch Jeff, Amos Rudkins Bruder, würde ein ganz anderes Geschrei gemacht haben.
»Es tut mir leid, Junge.«
»Schon gut, Luke, mach schnell.«
»Yeah, Junge, danke dir. Bin zu alt, fürchte ich, kann’s nicht mehr so wie früher.«
»Du warst nur müde von der verdammten Hitze heute«, gab Rudkin zu. »In drei Wochen habe ich das vergessen, und jetzt... Was hat er da?«
»Eine feine silberne Uhr«, schnaufte Old Luke. »Wetten, daß er die nicht gekauft hat? Amos, das ist ein mächtiger Verlust für dich. Ich arbeite ihn wieder ab.«
Während er sprach, nahm er dem toten Mexikaner die Waffe ab und räumte ihm die Taschen aus. Dann kletterte er vorn auf den Wagen und fuhr sanft an. Vom Hügel aus hatten sie dann bedeutend bessere Sicht, aber von den Mexikanern war nichts mehr zu sehen.
»Dein Reitpferd ist auch weg«, jammerte Old Luke. »Amos, was fängst du ohne deinen Gaul an?«
»Vorläufig gar nichts – oder glaubst du, ich kann in den nächsten acht Tagen reiten?« brummte Rudkin. »Wäre ich in Ordnung, würde ich mir die Halunken kaufen – und wenn ich sie auf einem Zugpferd verfolgen müßte. Viel habe ich nicht gesehen, nur diesen Burschen dort unten.«
»Aber ich die anderen«, brummelte Old Luke. »Waren sieben Mann. Mit dem Hundesohn oben auf dem Hügel acht. Da war so’n dicker, fetter Frosch, der gab die Befehle. So’n dickwanstigen, kurzbeinigen Hundesohn habe ich noch nie gesehen. Trug ‘nen Bart von einem Ohr zum anderen. Ich nehme Holz und du nimm wenigstens Whisky.«
»Vielleicht besser, als wenn du mir eine Vollnarkose mit dem Coltlauf verpaßt, was?« knurrte Amos.
Luke Ballard half Rudkin vom Wagen und gab ihm aus dem Fäßchen einen Becher Whisky. Dann hastete er zurück und holte Feuerholz. Während er das Feuer entfachte, sah er verstohlen zu Amos Rudkin hinüber.
Rudkin war fast sieben Fuß groß, ein Mann, der stets für seine Freunde da war. Vielleicht kam Rudkin darin mehr nach seiner Mutter. Sie war die schönste Frau in Dallas gewesen, und ihr Tod bei dem Brand, der dem alten Rudkin fast den gesamten Besitz gekostet hatte, hatte eine nicht zu schließende Lücke hinterlassen.
Amos Rudkin besaß das dunkle, gewellte Haar seiner Mutter, aber die hellen Augen seines Vaters und auch dessen harte, energische Züge. Obwohl sein Bruder jünger war und gewöhnlich der ältestes Sohn in die Fußstapfen des Vaters trat, hatte Amos kurz nach dem Brand Dallas verlassen. Zehn Jahre Armee folgten. Mit der spärlichen Abfindung nach der Dienstzeit hatte Amos den Wagen, die Pferde und eine ganze Ladung Waren gekauft, die er im Westen für den...




