E-Book, Deutsch, Band 1, 487 Seiten
Reihe: Reborn
Barton Reborn
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7427-8326-4
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Unser Schicksal
E-Book, Deutsch, Band 1, 487 Seiten
Reihe: Reborn
ISBN: 978-3-7427-8326-4
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Von der Poesie kam sie über das Songwriting zur Belletristik. Nun hat Betty Barton sich entschieden ihre Schätze aus der Lade zu holen und mit lesefreudigen Menschen zu teilen.
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Der Traum
Ich stand auf einem großen Feld, umringt von grünen, saftig blühenden Bäumen und einem Duft, wie ich ihn zuvor noch nie gerochen hatte. Er erinnerte mich an frisch gepflückte Lilien gemischt mit geräuchertem Holz und einem Wildbach nach einem starken Regenguss.
Ich sah rings um mich herum nichts als die Natur, die diesen überwältigenden Geruch freigab. Ich sah mich um und versuchte einen Weg oder einen Pfad zu erspähen. Ich wusste nicht, was ich auf diesem Feld verloren hatte. Weder stand ein Auto, ein Fahrrad, oder gar ein Pferd neben mir, noch schien ich mit irgendeiner Art von Proviant ausgerüstet zu sein um einen längeren Fußmarsch zurücklegen zu können.
Ohne mir genau darüber im Klaren zu sein wo mein Weg mich hinführen würde, ging ich los und versuchte mit schnellen und hastigen Schritten das Feld zu überqueren um zum Waldstück auf der anderen Seite zu gelangen.
Der Himmel war strahlend blau und die Sonne schien mit ihrer vollen Stärke. Doch die Hitze war nicht so unerträglich wie ich es mir bei so einem Wetter vorstellen würde. Auf dem Feld wehte ein kühler Wind und ich merkte wie sich bei jedem Windstoß die Härchen an meinen Armen und Beinen aufstellten.
Bei jedem Schritt sog ich die wohltuende Luft zwischen meinen Zähnen ein und ließ den saftigen und frisch riechenden Duft auf mich wirken. Als ich immer näher an den Waldrand kam, der von Birken, Eichen und Erlen gesäumt war, sah ich eine Gestalt, die sich aus dem Wald auf mich zubewegte.
Ich erkannte die Umrisse der Gestalt und konnte einen Jungen ausmachen, der ebenso erstaunt wie ich durch den Wald auf die Lichtung zuschritt. Bei jedem Meter, den wir uns näher kamen, schlug mein Herz schneller. Ich verstand nicht warum mich diese Person so in Aufregung versetzte. Ich hatte keine Angst vor ihm, aus irgendeinem unerfindlichen Grund empfand ich große Freude und so etwas wie Zuneigung. Ohne mein Zutun beschleunigten meine Beine das Tempo und ich sah mich selbst den Rest des Weges bis zum Waldrand laufend zurücklegen. Auch mein Gegenüber beschleunigte seine Schritte. Bei jedem Meter weniger der uns trennte konnte ich den Jungen besser erkennen.
Er war wunderschön. Seine Haare waren von einem satten und tiefen Braun. Sie hingen ihm schwer ins Gesicht und über die Schultern. Seine Bewegungen waren elegant und stark. Die letzten Schritte, die uns noch voneinander trennten legten wir in Zeitlupentempo zurück.
Sein Gesicht war mir vertraut. Ich hatte das Gefühl es schon so oft gesehen zu haben, dass ich jeden Gesichtszug und jeden Makel auswendig kannte. Seine Augen strahlten in einem tiefen Blau, seine Wimpern waren lang und dicht. Die Wangenknochen stachen hervor und vermittelten einen starken und sehr männlichen Eindruck. Gleichzeitig hatte sein Gesicht etwas Jugendliches und Sanftmütiges, wie ich es zuvor noch bei keinem anderen gesehen hatte.
Wie von einer unsichtbaren Hand geleitet bewegte ich mich weiter auf ihn zu, langsam mit kurzen Schritten. Ich konnte mich nicht von seinen Augen und vollen Lippen lösen. Unsere Blicke hingen aneinander als würde es rings um uns herum nichts geben. Als wäre alles, was wir jemals wieder betrachten wollten die Person, die gerade auf uns zuging.
Er streckte die Hand nach mir aus. Ein sanftes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Ohne mein Zutun hob auch ich meine Hand und streckte sie ihm entgegen in der Hoffnung, dass unsere Hände sich treffen und ich seine Berührung auf meiner Haut spüren würde.
Mein Herzschlag wurde immer schneller und mein Mund wurde trocken. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, ob ich überhaupt etwas sagen sollte. Ich schluckte ein paar Mal nervös und spürte wie meine Hände feucht wurden vor Aufregung. Alles was ich dachte war, dass ich seine Hand halten und seine Lippen mit meinen berühren wollte.
Mein ganzer Körper fühlte sich zu diesem Jungen, der gerade auf mich zuging und mich mit seinen tiefen blauen Augen ansah, hingezogen. Jede Faser meines Körpers wollte nichts anderes als von ihm berührt zu werden. Mein Herz hüpfte wie verrückt in meinem Brustkorb. Alles was ich mir wünschte, war bei ihm zu sein. Egal wo, egal wie, einfach nur bei ihm sein, mit ihm gemeinsam zu sein. Mein Körper und mein Herz verlangten danach.
Unsere Hände würden sich gleich treffen, gleich würde ich seine Haut auf meiner fühlen und ihm so nah sein, dass ich seinen Atem auf meinem Gesicht spüren konnte. Es waren nur noch wenige Schritte zwischen uns, ein paar kleine Schritte, die uns voneinander trennten. Ich merkte wie mein ganzer Körper sich verspannte in der Erwartung endlich bei ihm zu sein, in seinen Armen zu liegen und seine Lippen auf meinen zu spüren. Nur noch ein paar Schritte, dann war es soweit. Wir würden zusammen sein.
„GUTEN MORGEN TEMECULA! Es ist 7:00 Uhr und Zeit für euch Schlafmützen aus den Federn zu kommen.“
Eine schrille und durchdringende Stimme riss mich unsanft aus meinem wundervollen Traum.
„Heute erwartet uns ein herrlicher Apriltag. Freut euch auf einen angenehmen Frühling und versucht die ersten Sonnenstrahlen des Jahres zu genießen.“
Wie ich diesen Wecker hasste. Immer zu den ungünstigsten Zeitpunkten musste er läuten. Ich suchte nach dem Abschaltknopf, hatte jedoch vergessen, dass bei diesem Wecker die Aus-Taste auf der Unterseite, und nicht wie bei meinem alten Wecker auf der Oberseite, angebracht war. Verzweifelt schlug ich mit der flachen Hand auf den lärmenden Gegenstand in der Hoffnung, dass er vielleicht doch ausgehen würde wenn ich es mir nur fest wünschte. Doch nichts. Scheinbar war es mir nicht vergönnt mich wieder in meine Traumwelt zurück zu ziehen.
Ich wischte mir den Schlaf aus den Augen und ging ins Bad um mich für die Schule fertig zu machen. Zähne putzen, Haare kämmen, ein bisschen Make-Up auflegen, und schon war ich fertig für einen neuen Tag in der Lernanstalt. Während meiner Morgenprozedur dachte ich über den Traum nach, der sich wie eine reale Erinnerung in mein Gedächtnis gebrannt hatte.
Ich konnte mich noch genau an das Gesicht des Jungen erinnern, an die Umgebung und deren Geruch. Fast so als würde ich noch mitten auf der Lichtung stehen und auf ihn zugehen. Wer war dieser Junge nur? Ich kannte niemanden, der ihm auch nur ähnlich sah.
„Bonnie, beeil dich. Frühstück ist fertig. Und Philip wird gleich da sein.“, hörte ich meine Mutter aus dem Untergeschoss zu mir herauf rufen.
Meine Mutter war leidenschaftliche Frühaufsteherin. Es gab keinen Tag, nicht mal am Wochenende, wo sie nicht um spätestens 5 aus dem Bett stolperte. Es machte ihr nichts aus so früh aufzustehen, im Gegenteil. Für sie war das die einzige Zeit des Tages wo sie sich voll und ganz um sich selbst kümmern konnte. Dad und ich lagen noch in den Federn und sie konnte sich in Ruhe für den bevorstehenden Tag fertig machen. Und dieses Morgenprozedere nahm doch einiges an Zeit in Anspruch.
Ich möchte nicht behaupten, dass meine Mutter übermäßig eitel war, jedoch konnte sie auch nicht abstreiten, dass ihr ihr äußeres Erscheinungsbild sehr wichtig zu sein schien. Es hatte sie immer schon gestört, dass ich nicht so auf mein Aussehen fixiert war wie sie. Immer wieder versuchte sie mich zu einem ausgiebigen Wellnesswochenende mit ihr zu überreden. Gesichtspeelings, Massagen, Schlammpackungen und was ihr noch so alles einfiel. Doch ich hatte nie besonders große Lust darauf und verbrachte meine Zeit lieber mit einem Basketballspiel oder einem Ausflug mit meinen Freunden.
Je älter ich wurde desto mehr Ruhe gönnte sie mir von ihren Verschönungskuren. Irgendwann meinte sie resignierend, dass ich ja doch nicht zustimmen würde, abgesehen davon hätte ich es nicht nötig da ich eine natürliche Schönheit war. Tja, sagen das nicht alle Mütter über ihre Töchter? Ich hielt mich eher für durchschnittlich.
„Jetzt mach schon, oder willst du Philip wieder unnötig lange warten lassen?“
„Ja Ma, ich komm ja schon. Pack mir das Frühstück bitte ein. Sonst komme ich zu spät zur Schule.“
Ich packte noch schnell meinen Rucksack für den heutigen Tag und hastete die Treppe hinunter. Meine Mutter stand bereits bei der Tür mit einer braunen Papiertüte in der Hand. Ich nahm ihr die Tüte ab, gab ihr einen schnellen Kuss auf die Wange und war auch schon aus der Tür.
Philip parkte in der Auffahrt um die Straße nicht zu blockieren. Er war schon daran gewöhnt, dass ich zu spät kam. Ich beeilte mich und sprang auf den Beifahrersitz. Ich setzte mein breitestes Lächeln auf und gab ihm einen Begrüßungskuss.
„Na, mal wieder zu lang geduscht?“
Sein Unterton war hörbar amüsiert.
„Irgendwie bin ich heute Morgen nicht aus den Federn gekommen. Fast so als hätte mich jemand mit Superkleber an die Matratze geklebt.“
„Ja du hast schon ein schweres Schicksal zu tragen.“
Ich war daran gewöhnt von ihm veräppelt zu werden. Es erschien mir fast wie eine Art Morgenritual, dass wir vor einem Jahr, als Philip mich das erste Mal mit dem Auto abholte, begonnen hatten.
Er legte den Rückwärtsgang ein und fuhr aus der Einfahrt.
„Phil, vergiss nicht bei Jenny vorbei zu fahren.“
Ein leicht verwirrter Ausdruck machte sich auf seinem Gesicht breit.
„Fährt sie denn nicht mit Jason?“
Ich zog den rechten Mundwinkel hinauf und sah ihn fragend an.
„Hast du das wirklich erwartet? Hast du denn nicht mitgezählt, es sind schon wieder vier Monate um.“
Er riss die Augen überrascht auf.
„Achja, das hatte ich ja ganz vergessen. Tja, scheinbar hoffe ich noch immer darauf, dass sie sich irgendwann...




