E-Book, Deutsch, Band 1
Reihe: Kommissarin Gunnhildur
Bates In eisigem Wasser
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7517-0879-1
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein fesselnder Island-Krimi - so kalt wie eine isländische Winternacht!
E-Book, Deutsch, Band 1
Reihe: Kommissarin Gunnhildur
ISBN: 978-3-7517-0879-1
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hvalvík ist eine verschlafene Kleinstadt nördlich von Reykavík. Außer ein paar Verkehrsdelikten musste Kommissarin Gunna Gunnhildur hier noch nicht viel aufklären. Bis im Hafen die Leiche eines Mannes entdeckt wird. Gunnhildur glaubt nicht an einen Unfall - steht mit dieser Ansicht aber allein da. Auch scheint außer ihr niemand daran interessiert zu sein, den Mord aufzuklären.
Doch Gunnhildur bleibt hartnäckig. Wer wollte sichergehen, dass ein junger Mann hundert Kilometer von seiner Heimat in stockdunkler Nacht ertrinkt? Und warum? Schon bald sticht die Kommissarin bei ihren Ermittlungen in ein Wespennest aus gewalttätigen Geschäftsleuten und korrupten Politikern ...
Ein absolut spannender Island-Krimi für alle Fans von düsteren Skandinavien-Thrillern und Leser von Arnaldur Indriðason oder Lars Kepler.
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Dienstag, 26. August
Das Wasser gluckerte zwischen den Pollern des Docks, während ein Auto über die schweren Holzplanken ratterte. Irgendwo in der Nähe brummte ein Generator an Bord eines Longliners aus der Flotte der Fischereigesellschaft, der am Dock vertäut lag.
Der Fahrer des Autos stellte den Motor ab und schaltete die Scheinwerfer aus, bevor er aus dem Wagen stieg. Tief atmete er die unbewegte, nach Seetang duftende Sommerluft ein. Er sah sich aufmerksam um und ging den Kai entlang, während er nach Anzeichen von Aktivität auf den Schiffen Ausschau hielt.
Als er sich davon überzeugt hatte, dass er alleine war, öffnete er die Beifahrertür, hob die Beine seines Beifahrers aus dem Wagen, dann bückte er sich, um sich den Arm des anderen Mannes um die Schultern legen zu können. Vor Anstrengung stöhnend, zog er ihn auf die Füße.
»Waas is'n los?«, lallte der andere Mann undeutlich, während der Fahrer breitbeinig nach einem sicheren Stand suchte. Indem er ihn beim Gehen unterstützte, führte er seinen Beifahrer die paar Meter auf den Landungssteg des nächstgelegenen Bootes.
»Weiter geht's! Wir sind fast da.«
Der Mann torkelte, stieß gegen den Fahrer. »W-wo-o sin' wir hier?«
»Fast da«, murmelte der, mehr für sich selbst als für seinen Begleiter.
Er stützte sich mit einem Stiefel an dem massiven Holzgeländer ab, das am Dock entlang verlief, und richtete sich plötzlich auf, um seinen Begleiter kopfüber in die schwarzen Fluten zu stoßen. Das Platschen konkurrierte eine Sekunde lang mit dem Brummen des Generators auf dem Boot. Der Fahrer lauschte aufmerksam. Da von unten nichts mehr zu hören war, nickte er und kehrte zu seinem Wagen zurück.
Einen Augenblick später erwachte der Motor des Wagens zum Leben, und das Auto verschwand in der Nacht.
Das Telefon klingelte aufdringlich. Gunna tastete in der Dunkelheit nach dem Hörer.
»Gunnhildur«, knurrte sie.
»Guten Morgen. Tut mir leid, falls ich dich aufgeweckt habe. Ich habe dich doch geweckt, oder?«, fragte eine vertraute Stimme, während Gunna noch nach dem dazugehörigen Gesicht suchte.
»Das hast du«, gähnte sie. »Mit wem spreche ich denn?«
»Albert Jónasson.«
Gunna streckte eine Hand nach dem Vorhang aus und zog ihn zur Seite, um das blendende Licht des frühen Morgens hereinzulassen.
»Und was kann ich zu dieser unchristlichen Zeit für dich tun?«, fragte sie. Sie wusste, dass Albert kein Mensch war, der eine Polizistin ohne guten Grund störte - insbesondere keine Polizistin, die ihn erst vor wenigen Wochen festgenommen hatte.
»Dachte, du wärst die richtige Ansprechpartnerin. Unten am Dock ist ein Mann.«
»Du hast mich aufgeweckt, um mir zu sagen, dass sich ein Fremder am Dock befindet?«, knurrte Gunna.
»Yeah. Ein toter Fremder.«
Sie war auf einen Schlag hellwach, schwang die Beine aus dem Bett und berührte mit den Füßen den kalten Fußboden. »Wo?«
»Am Strand bei den Schwimmstegen. Ich hab was in den Wellen gesehen und bin näher hin, um einen Blick draufzuwerfen.«
»Okay. Bleib, wo du bist. Ich bin gleich da.«
Gunna fuhr an einem halben Dutzend Fischerbooten vorbei, die am Dock vertäut lagen. Sie verlangsamte die Geschwindigkeit, als der Wagen über den schwarzen Schotterweg rumpelte, der zu der kleinen Anlegestelle führte.
Ein bärtiger Hüne von einem Mann in einer orangefarbenen Hose aus Ölzeug ging am Dock bei den Schwimmstegen auf und ab. Das Fischerboot, das dort lag, war makellos sauber, und sein Motor tuckerte im Leerlauf vor sich hin.
Sie parkte oberhalb des Docks zwischen den Pick-ups der Fischer, und Albert Jónasson kam mit großen Schritten auf sie zu. Er zeigte auf ein Bündel, das ein paar Meter entfernt auf dem schwarzen Sand des Strandes lag und immer wieder von Wellen umspült wurde.
»Da unten«, sagte er mit grimmiger Miene und folgte Gunna, die sehr vorsichtig auftrat, um keine Spuren zu zerstören.
»Bist du dort unten gewesen?«, fragte sie über die Schulter hinweg.
»Keine Angst. Ich dachte mir, das lasse ich lieber.«
»Du hast es dir nicht angesehen? Woher weißt du dann, dass es eine Leiche ist?«
»Ich bin heute etwas spät dran gewesen. Die anderen sind alle schon vor Tagesanbruch rausgefahren. Ich hatte gerade den Motor gestartet, da sah ich etwas im Wasser treiben. Also habe ich mir das Fernglas geschnappt, damit konnte ich erkennen, was es war. Also dachte ich, ich rufe dich lieber mal an.«
Gunna zog ein Paar Einweghandschuhe aus der Tasche an ihrem Gürtel und streifte sie über, bevor sie sich neben das Bündel hockte und sanft das verfilzte rote Haar aus einem Gesicht strich, das friedlich und doch irgendwie verloren wirkte. Sie betätigte den Knopf für das Tetra-Netz an ihrem Funkgerät und sprach in das winzige Mikrofon an ihrem Kragen.
»9841, 9950. Bist du da, Haddi?«
Sie trat den Rückzug an und zog ihr Handy aus der Tasche.
»Albert, fährst du heute noch raus?«, fragte sie, während noch der Rufton ertönte.
»Das hatte ich vor.«
»In Ordnung … Ah, Haddi, das hat ja lange gedauert«, sagte sie und richtete ihre Aufmerksamkeit auf das Telefon. »Hör mal, lass alles stehen und liegen. Wir haben eine nicht identifizierte Leiche an der kleinen Bootsanlegestelle. Du solltest gleich die ganze Kavallerie rausschicken.«
Albert sah, wie Gunna nickte, als sie auf- und abschritt, und bewunderte ihre imposante Gestalt.
»Nein«, fuhr sie fort. »Rettungswagen und Spurensicherung, diskret, soweit das überhaupt möglich ist. Schick Bjössi von der Kripo Keflavík her, falls er nicht zu sehr mit der baltischen Mafia beschäftigt ist. Okay?«
Sie beendete das Telefonat und blickte zu Albert hinüber, der geduldig wartete.
»Ist es okay, dass ich heute rausfahre?«
»Wann kommst du wieder zurück?«
»Drei Uhr. Vielleicht vier.«
»Dann mal los. Aber ich brauche deine Aussage, wenn du deinen Fisch abgeladen hast.«
»Kein Problem«, erwiderte Albert dankbar und war bereits auf dem Weg zum Schwimmsteg, um sein Boot loszumachen.
»Bis später, Gunna!«, rief er, als das Boot ablegte.
Und ich bleibe hier und warte, bis die Profis auftauchen, dachte Gunna, während sie den Kofferraum des Streifenwagens öffnete und eine Rolle Absperrband herausnahm, um den Bereich zu sichern. Sie fragte sich, ob dieses Band in Hvalvík schon jemals benutzt worden war, in einem Ort, in dem ein Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitung oder das Randalieren eines Betrunkenen die schlimmsten Verbrechen waren, mit denen Haddi und sie zu tun hatten.
26.08.2008, 09:44
Skandalblogger schreibt:
Ein gutes Blog lässt sich nicht so einfach unterdrücken!
Wir sind wieder da, und somit hat das isländische Skandal-Blog wieder einmal ein brandneues Zuhause! Wir wurden geteert und gefedert und zum wiederholten Male mit Schimpf und Schande aus der Stadt getrieben. Aber diesmal kommen wir stärker als je zuvor zurück, in diesen herrlichen Teil der Welt, in dem man die Macht von Mr. Visa respektiert, die stärker ist als die kläglichen Versuche der Mächtigen, die Meinungsfreiheit zu unterdrücken. Ein Hoch auf die florierende Wirtschaft der Tigerstaaten! Meinungsfreiheit für alle, die bereit sind, dafür zu zahlen!
Freundschaften schließen, Einfluss gewinnen!
Aber wie dem auch sei, Leute, das meinen wir absolut ernst: Unsere Lieblinge haben immer noch ihre alten Tricks auf Lager. Gunni Benedikts vom Handelsministerium hat, zweifellos nach einem laaangen Mittagessen mit seinem alten Kumpel Óli vom Landwirtschaftsministerium, gerade beschlossen, die Einfuhr von neuseeländischem Lammfleisch in unser faires Land zu stoppen. Nun, einige von euch finden das vielleicht schwer verdaulich, in Anbetracht des vielen Geschwätzes über die freie Wirtschaft, die Entscheidung für das konkurrenzfähigste Angebot und den ganzen Mist. Aber erinnern wir uns daran, welche Partei über das Handelsministerium herrscht - und über das Landwirtschaftsministerium natürlich. Ja, es sind unsere alten Freunde von der Fortschrittspartei. Schließlich können wir ja nicht die Bauern verärgern - dieses halbe Dutzend, das noch im Geschäft ist und das die Fortschrittspartei wählt -, indem wir zulassen, dass sie von billigen ausländischen Importeuren unterboten werden. Das wäre schließlich nicht fair, oder?
Mehr Macht dem Volk (zumindest für einen Teil davon)!
Eine Frage an den Lieblingsminister von Jedermann, Bjarni Jón: Wer sind denn nun deine neuen Freunde? Wir meinen jetzt nicht diese Typen von InterAlu, wir meinen deren Freunde weiter im Osten. Nach allem, was uns ein Vögelchen gesungen hat, handelt es sich um Leute aus der Ölwirtschaft, aus der Energiewirtschaft, um Leute mit viel Geld, um mächtige Leute. Sei wachsam, BJB! Wenn du ihnen die Hände geschüttelt hast, solltest du lieber deine Finger zählen, sicher ist sicher.
Wir haben die Gerüchte rund um Umwelt, Handel und das Amt des Ministerpräsidenten gehört, und wir wollen sie nicht glauben, weil wir wissen, was für ein Pfundskerl du eigentlich bist. Wir sind uns absolut sicher, dass du niemals die nationale Energiebehörde hintergehen würdest, indem du es einer ausländischen Gesellschaft ermöglichst, ein privates Elektrizitätswerk zu bauen und zu betreiben, um Strom an InterAlu zu verkaufen. Bitte, BJB, sag uns, dass das nicht wahr ist!
Beobachtet diese Seite, morgen gibt's mehr!
Bæjó!
Haddi war fest davon überzeugt, dass dieser Wirbelsturm unnötiger Aufmerksamkeit, der über Hvalvík...




