E-Book, Deutsch, 240 Seiten
Beck Verwunschen und bezaubert
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-95609-346-3
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-95609-346-3
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Inspiriert von Daphne du Mauriers "Rebecca" hat Laura Beck sich eine Liebesgeschichte der etwas anderen Art ausgedacht:
Als Maklerin Annett den Auftrag bekommt, ein altes Anwesen in Beelitz zu verkaufen, erfährt sie zwar, dass die vor kurzem erst eingezogene Besitzerin etwas schwierig ist, aber mit dem, was noch auf sie zukommt, hat Annett nicht gerechnet.
Das abgelegene Anwesen war seit Jahren nicht bewohnt, doch so verfallen und zugewuchert besitzt es eine verwunschene Aura. Von der bezaubernden Besitzerin Lea ist Annett sofort in den Bann gezogen, obwohl Lea ein merkwürdiges Verhältnis zu ihrem Haus hat: Sie will es verkaufen, aber nur an eine bestimmte Frau.
Annett begibt sich auf die Suche nach der mysteriösen Unbekannten, während sie die abholde Lea umgarnt und die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit sich dabei aufzulösen scheinen ...
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2
»Träumst du mal wieder?« Eine Stimme riss mich aus meinen Gedanken.
Ich schüttelte den Kopf. »Nicht wirklich. Ich habe mich nur an einen Traum erinnert, den ich heute Nacht hatte.«
»Ouh . . .« Ein neugieriges Grinsen überzog das Gesicht meiner Kollegin oder eigentlich eher Geschäftspartnerin Nele. »Erzähl mir mehr. War es ein feuchter Traum?«
»Du bist unmöglich, Nele.« Obwohl ich Neles Direktheit manchmal schon peinlich fand, war sie nicht nur meine Kollegin, sondern auch eine Freundin, und ich konnte über ihre Frage nur lachen. »Nein, so ein Traum war es nicht. Ich habe von einem Haus geträumt. Und einem Park.« Ganz automatisch runzelte sich meine Stirn, weil die Bilder bereits verschwammen, obwohl sie eben noch so klar vor meinem inneren Auge gestanden hatten.
»Ach so.« Enttäuscht winkte Nele ab. »Ein Haus, das du verkaufen sollst?«
Noch einmal musste ich den Kopf schütteln. »Nein. Kein Haus, das ich kenne. Und das hätte auch nie jemand gekauft. Es war total heruntergekommen, in keinem guten Zustand. Der Park sah aus wie ein Urwald. Als ob da schon lange niemand mehr leben würde.«
»Was hast du denn für komische Träume?« Irritiert runzelte nun auch Nele die Stirn. »Ich glaube, meine Liebe, du solltest endlich mal wieder auf die Piste gehen. Du hattest zu lange keinen Sex. Dass du schon von Häusern träumst . . . Als ob du jetzt mit deinem Beruf verheiratet wärst.«
»In gewisser Weise«, ich blickte zu ihr hoch, weil ich am Schreibtisch saß und Nele davor stand, »bin ich das ja auch. Ich hetze von einem Termin zum nächsten.«
»Apropos«, schloss Nele gleich an. »Wie ist das heute? Wie teilen wir das auf? Ich muss sowieso nach Eberswalde. Dann könnte ich auch gleich den neuen Kunden dort übernehmen. Fährst du dann nach Beelitz?«
»Beelitz? Was ist in Beelitz?« Leicht verwirrt schaute ich sie an.
»Ach, stimmt, das weißt du ja noch gar nicht.« Nele schlug mit einer Hand durch die Luft. »Ich bin noch gar nicht dazu gekommen, dir das zu sagen. Da hat gestern ein Maklerkollege angerufen, der dein Urteil zu einem Haus will. Ihr habt euch wohl mal irgendwo auf einem Seminar getroffen.« Sie grinste. »Und ich glaube, es geht gar nicht um das Haus. Er will dich wiedersehen.«
»Seminar?« Ich überlegte und versuchte, mich zu erinnern. »Wann war ich denn auf einem Seminar?«
»Dieses Gründungsdingens?«, vermutete Nele mit hochgezogenen Augenbrauen. »Da war ich damals nicht dabei.«
»Ach ja.« Auf einmal erinnerte ich mich. »Da war so ein Kerl, der mir hinterhergestiegen ist.« Ich lächelte. »Na ja, so übel war er gar nicht. Eigentlich ganz nett. Aber eben . . . ein Mann.«
»Und du hast ihm nicht eindeutig gesagt, dass du nicht an Männern interessiert bist?«, fragte Nele, ging jetzt aber zu ihrem eigenen Schreibtisch und packte ein paar Sachen zusammen.
Ich schüttelte leicht den Kopf. »Dazu kam es gar nicht. Das waren ja nur ein paar Stunden, die wir da in diesem Konferenzraum von dem Hotel waren. Und meistens haben wir den Vorträgen zugehört.«
»Na, dann solltest du jetzt auf jeden Fall nach Beelitz fahren und ihn aufklären.« Nele schmunzelte. »Vielleicht ist das Haus ja wirklich was für uns, und sein Interesse an dir bringt uns was.«
»Dann solltest besser du fahren«, schlug ich ebenfalls schmunzelnd vor. »Das hat wesentlich mehr Aussicht auf Erfolg. Du bist Single und du stehst auf Männer.«
»Ich glaube nicht, dass das dasselbe wäre. Zumindest nicht für ihn.« Nele grabschte ihre Handtasche und griff fast gleichzeitig nach dem Aktenkoffer, in dem sie die Prospekte untergebracht hatte, die sie mitnehmen wollte. »Und ich muss nach Eberswalde. Das liegt in der entgegengesetzten Richtung von Beelitz.« Sie hob die Augenbrauen. »Nun mach schon. Du fandst ihn doch ganz nett. So schlimm kann er also nicht sein. Außerdem vertraue ich da voll auf deine männermordenden Fähigkeiten als Lesbe. Seine Nummer steht im To do.« Sie lachte und ging eilig zur Tür. »Jetzt muss ich aber los. Tschüss!« Und schon war sie verschwunden.
»Unmöglich«, stellte ich wieder einmal kopfschüttelnd fest. Dann rief ich das To do auf. Sie hatte einiges dort eingetragen für heute, und die Nummer unseres Kollegen aus Beelitz prangte mir ebenfalls gleich entgegen.
Ich könnte ihm absagen, überlegte ich. Eigentlich habe ich genug zu tun.
Im selben Moment klingelte jedoch das Telefon und nahm mir die Entscheidung ab. Denn als ich den Anruf annahm, war es genau dieser Kollege.
»Guten Tag, Herr Pohle«, begrüßte ich ihn. »Meine Partnerin hat mir schon weitergegeben, dass Sie angerufen haben. Sie haben ein Objekt für uns?«
»Vielleicht«, sagte er. »Ich bin mir selbst nicht ganz sicher. Bisher gab es das Haus auf meiner Landkarte eigentlich gar nicht. Wir wussten nur, dass es jemand aus dem Westen gehört, der sich nicht darum gekümmert hat. Es verfiel immer mehr.«
»Und jetzt soll es verkauft werden?«, fragte ich.
»Jaa . . .« Seine Antwort klang verdächtig gedehnt.
»Aha.« Solche Indikatoren kannte ich. »Es gibt ein Problem. Erbengemeinschaft oder so etwas?«
Es raschelte ein wenig in der Leitung, was wahrscheinlich hieß, dass er den Kopf schüttelte. »Nein, die Besitzverhältnisse scheinen geklärt zu sein. Ein Anwalt aus Mainz hat mich angerufen. Da ist alles in Ordnung.«
»Dieser Anwalt verkauft für den Besitzer?« Das erschien mir logisch.
»So war es ursprünglich gedacht.« Pohle bestätigte das. »Und ich hätte auch fast schon einen Käufer gehabt. Das Objekt ist ja nicht mehr viel wert in dem Zustand. Da muss man eine Menge investieren, damit man es wieder nutzen kann.«
»Das ist klar«, nickte ich. »Aber das war dem Käufer nicht so klar? Deshalb ist er abgesprungen?«
»Nein, er wäre immer noch interessiert.« Pohle seufzte. »Aber die Voraussetzungen haben sich geändert. Die Besitzerin wohnt jetzt in dem Haus.«
»Die Besitzerin?« Erstaunt runzelte ich die Stirn. »Ich dachte, die wäre im Westen?«
»Das dachte ich auch«, sagte Pohle. »Aber als wir das Objekt besichtigen wollten, hat sie uns«, er machte eine kleine Pause, »vor die Tür gesetzt.«
»Eine alte Dame?« Ich hätte fast gelacht.
»So alt ist sie auch wieder nicht.« Pohles Stimme klang unzufrieden. »Und unfreundlich wie ein ganzes Regiment Dragoner.«
Ich musste schmunzeln. Nicht jeder mochte Immobilienmakler. Das hatte ich auch schon am eigenen Leib erfahren müssen. »Da kann man nichts machen«, sagte ich. »Wenn es eindeutig ihr Haus ist, kann sie damit verfahren, wie sie will. Verkaufen oder nicht verkaufen. Und Sie sagten ja, es wäre sowieso nicht viel wert. Dann kann Ihre Provision nicht so hoch sein, dass es ein großer Verlust ist.«
Ich dachte, ich hätte nur eine Tatsache festgestellt, aber an seiner Reaktion merkte ich, dass da noch mehr sein musste.
»Nein, die Provision wäre nicht so hoch«, antwortete er langsam, als müsste er sich jedes Wort einzeln überlegen. »Aber ich dachte mir . . . Sie sind doch eine Frau . . .« In mein erstauntes Lachen hinein räusperte er sich und setzte dann fort: »Deshalb dachte ich, Sie könnten doch mal mit ihr reden. So von Frau zu Frau.«
»Mit der Besitzerin?« Mein wachsendes Erstaunen setzte ein paar Rädchen in meinem Gehirn in Gang. Nele mochte ja gemeint haben, Pohle hätte angerufen, weil er mich wiedersehen wollte, aber mir schienen da doch ganz andere Interessen im Spiel zu sein. »Was ist so wichtig daran?«
»Na ja . . . Der Käufer . . . Der potenzielle Käufer . . . hat da eine Idee.« Pohle wollte offensichtlich nicht so richtig mit der Sprache herausrücken.
In mir klingelten ganz gewisse Glöckchen. »Er ist kein Käufer, nicht wahr? Er ist ein Investor«, fragte ich deshalb gar nicht erst, sondern stellte es gleich fest. »Er will das Haus abreißen und da etwas anderes bauen. Etwas weit Profitableres.« Ich lachte, um ihm anzuzeigen, dass bei mir jetzt der Groschen gefallen war. »Und daran sind Sie beteiligt. Es geht gar nicht um die Provision.«
»Er könnte Sie auch beteiligen«, sagte Pohle sofort. »Das würde er bestimmt tun.«
»Davon bin ich überzeugt«, murmelte ich. »Wenn es um Geld geht, haben die Wessis immer die Nase vorn.«
»Sie ist auch ein Wessi«, erwiderte Pohle. »Also geht uns das eigentlich gar nichts an.«
Damit hatte er gleich meine Vermutung bestätigt, dass es sich bei dem Investor nur um einen Wessi handeln konnte. Wie die Geier waren die. Ich atmete tief durch. »Und warum lassen Sie die zwei das dann nicht unter sich regeln?« Immer weniger hatte ich Lust, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Was ging vor allem mich das alles an?
Kurz war es still, als ob Pohle überlegen müsste. Dann sagte er plötzlich: »Das wäre doch ein guter Anlass, sich einmal wiederzusehen. Wir hatten damals auf dem Seminar so wenig Zeit, uns zu unterhalten. Wir könnten einen Kaffee zusammen trinken.«
Ich musste schmunzeln. Hatte Nele da vielleicht doch recht gehabt? Meistens hatte sie einen ziemlich guten Riecher, was Männer betraf.
»Nur deshalb soll ich extra nach Beelitz kommen?«, fragte ich. »Ich habe ein ziemlich gutes Café hier bei mir um die Ecke.«
Er seufzte. »Ja, war eine blöde Idee, ich weiß.« Wieder überlegte er eine Weile. »Aber dass Sie jetzt nicht aufgelegt haben oder mich gleich abschmettern, zeigt mir, dass Sie nicht ganz uninteressiert sind. Oder irre ich mich da?«
Der Junge ist gar nicht so dumm....




