Becker | Domm gloffa! | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 345 Seiten

Reihe: Frau Nägele

Becker Domm gloffa!

Frau Nägele ermittelt
2024
ISBN: 978-3-7349-3100-0
Verlag: Gmeiner-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Frau Nägele ermittelt

E-Book, Deutsch, Band 2, 345 Seiten

Reihe: Frau Nägele

ISBN: 978-3-7349-3100-0
Verlag: Gmeiner-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Frau Nägele, die schwäbische Miss Marple, ist sich sicher: Der Öchsle hat sich nie und nimmer selbst in der eigenen Rotweinmaische umgebracht. »Der wär jo schee bled!« Vielmehr wittert ihre kriminalistische Spürnase ein Verbrechen in der High Society der schwäbischen Kleinstadt. Mit Scharfsinn mischt sich die Schlabbergosch unter die feinen Leut und versucht, mit eigenwilligen Methoden das Netz aus Affären und Kumpanei zu entwirren. Als weitere Leichen auftauchen und eine alte Geschichte ans Licht kommt, ist Frau Nägele in ihrem Element. Mit gefährlichen Folgen.

Helga Becker, geboren 1958 in Murr an der Murr, ist Mutter von zwei Töchtern. Mit ihrem Mann, dem Fotografen Richard Becker, lebt sie im Bottwartal, in der Nähe von Ludwigsburg. Nach dem Abitur und einer kaufmännischen Lehre war sie als Stadtarchivarin in ihrem Heimatort Steinheim an der Murr tätig. Ihre lebhafte Fantasie, ihr schwäbischer Humor und viel Lokalkolorit bilden die Grundlage für ihre Krimikomödien rund um die Hobbyermittlerin Frau Nägele. Mit ihrer Kultfigur tourt Helga Becker auch als schwäbische Kabarettistin und Sängerin durchs Ländle. www.frau-naegele.de
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Kapitel 1


An einem Samstag Anfang September

Ausnahmsweise habe ich den Wochenendeinkauf erledigt. Sonst macht das ja der BMVÄ, der »beschte Ma von älle«, und das ist meiner. Heute hilft der allerdings beim Standaufbau auf dem Hoffest beim Weingut Kraut. Und das geht mir gehörig gegen den Strich. Also das Einkaufen, nicht das Hoffest. Ich hasse es, wenn ich mich am Samstag durch die Läden und Marktstände quälen muss. Jetzt bin ich jedoch ziemlich stolz auf mich, denn mit einem Fünfundzwanzigkilosack Kartoffeln und fünf Hokkaidokürbissen habe ich zwei Schnäppchen gemacht. Beides war im Sonderangebot und da kann ich als Schwäbin schlecht nein sagen, auch wenn die Menge locker drei Monate reichen wird. Beim Metzger Weller habe ich noch je fünf Dosen Leber-, Schinken- und Bauernbratwurst mitgenommen. Die kann man gut lagern, hat er gesagt. Und man weiß ja nicht, ob mal unverhofft Besuch kommt. Ob sechzig Eier dann nicht doch etwas zu viel sind, frage ich mich allerdings schon. Aber der BMVÄ, der Koch im Hause Nägele, wird schon eine Verwendung dafür finden. Ansonsten springt Mutter ein, die ebenfalls eine ausgezeichnete Köchin ist und bei Familienfesten gegen ihren Schwiegersohn in den Küchenring steigt.

Meine Einkäufe müssen nun erst mal verstaut werden. Und da ich nicht nur gerne spare, sondern zudem optimiere, versuche ich, alles mit möglichst wenig Gängen vom Auto ins Haus zu tragen. Auf eine Kiste Sprudel lege ich deshalb den Kartoffelsack und darauf noch zwei der Kürbisse, merke jedoch gleich, dass ich das Gewicht maximal zwei Meter weit transportieren kann. Die Kürbisse bleiben folglich fürs Erste im Kofferraum und ich schleppe den übrig gebliebenen Stapel zur Eingangstür.

Auf halbem Weg werfe ich einen kurzen Blick zum Nachbargebäude, in dem meine Eltern wohnen. Davor entdecke ich meine Mutter Barbara, die mir mit wilden Armbewegungen zu verstehen gibt, dass ich sofort rüberkommen soll. Sie ist ganz grün im Gesicht. Und ich erkenne sofort: ein Notfall.

Vor Aufregung setze ich meine Last unsanft ab, dabei fällt der Sack von der Kiste runter, platzt auf, und fünfundzwanzig Kilo Kartoffeln kullern über die Bodenplatten. Egal jetzt, nichts wie rüber. Magen-Darm, fährt es mir durch den Kopf, und ich mache mich auf unschöne Gerüche im Haus gefasst.

Die Tür steht offen, Mutter ist allerdings verschwunden.

»Mutter?«, rufe ich durch den Flur.

Keine Reaktion. Aber wenigstens riecht es recht gut.

»Mutti?«

Immer noch nichts.

»Mutti-hi, wo bisch denn?«

Alarmiert gehe ich in die Küche, und da steht sie und verpackt in aller Ruhe Kleingebäck in Tütchen. Von wegen Magen-Darm! Sie hat eine grüne Gesichtsmaske aufgelegt. Ich bin sprachlos, und das will bei mir etwas heißen.

»Sag amol, goht’s no?«, pfeife ich sie schließlich an. »I hab denkt, dass weiß Gott was mit dir los isch!«

Statt zu antworten, greift sie zu Notizzettel und Stift, weil sie mit der Maske nicht reden kann. Oder will. Sie hält mir das Papier vor die Nase. »Was soll mit mir sein?«, steht darauf. »Das Gebäck ist fertig und kann zum Kraut.«

Was? Ich fürchte, es geht um Leben und Tod, und dabei soll ich den Lieferdienst für sie übernehmen?

»Mutter, du machsch mich fertig!«

»Kannsch glei mitnemma, wenn’s pressiert«, nuschelt sie und wedelt mit den Händen Richtung Tür.

»Noi, des pressiert gwiess net«, entgegne ich bestimmt. »I brauch z’erscht en Kaffee.«

Den Gedanken an die verstreuten Kartoffeln vor unserem Haus verdränge ich. Die müssen warten.

Mutter bedient die Kaffeemaschine, und ich nehme mir je ein Stückle vom süßen und vom salzigen Gebäck, das sie für das Hoffest auf dem Krauthof vorbereitet hat. Während der Kaffee läuft, verschwindet sie im Bad. Ich gieße mir eine Tasse ein und lass es mir derweil schmecken. Verdient habe ich mir das redlich.

Als sie zurückkehrt, sieht meine Barbara Lieselotte Krämer wie das blühende Leben aus. Zart geschminkt, mit rosigen Wangen, frisch getuschten Wimpern, einem Hauch von Lidschatten und sogar die Haare sind toupiert. Jetzt erst bemerke ich ihre heutige Garderobe. Sie trägt eine Schlaghose mit einem wilden Rautenmuster in poppigen Farben. Darüber ein pinkfarbenes halblanges Oberteil mit Trompetenärmeln, das ihr kleines Bäuchlein super kaschiert, ihre schlanken Beine aber »bis nuff« sehen lässt. Dazu ebenfalls pinkfarbene Pantöffelchen mit Lederriemchen und tailliertem Absatz.

Original Siebziger, denke ich.

»Original Siebziger«, sagt sie. »Passt mir noch.«

Sie mustert mich kritisch von oben bis unten.

»Ja, Mutter, ich mach wieder mehr Sport«, brumme ich, bevor sie mich mit den kleinen Fettpölsterchen um meine Hüften aufziehen kann. »Ich mach seit einiger Zeit Walking und geschtern hab ich a neue Jogginghos kauft.«

»Für dich?«, fragt sie und grinst.

»Ja, freilich für mich! Und nächscht Woch goht’s los.«

»Was?«

»Mein Spezialtraining für die Walking-Tour beim Bottwartal-Marathon.«

»Du? Beim Marathon? Ich lach mich kaputt!«, kreischt sie und bricht in helles Gelächter aus. »Do benn ich echt g’schbannt!«

Damit lässt Mutter das Thema zum Glück auf sich beruhen. Plötzlich fällt mir ein, dass die Kartoffeln noch immer vor meiner Haustür liegen, und ich springe auf.

Mutter hält mich am Arm zurück und zeigt auf den großen Wäschekorb mit den Gebäcktütchen. »Net vergässa!«

Wie könnt’ ich das vergessen …

»Bis heut Obend«, fügt sie hinzu und tätschelt mir die Wange. »Flieg net na mit dem schwera Korb.«

Danke für den Tipp!

Als ich ins Freie trete, kommt gerade Simon, unser siebzehnjähriges Nesthäkchen, aus unserem Haus. Anstatt mir den schweren Korb abzunehmen, gibt er mir den Rat, auf die verstreuten Kartoffeln auf dem Boden achtzugeben, und verschwindet ums Eck, bevor ich etwas erwidern kann. Auch nett.

Da mein Kofferraum noch vom größten Teil der Einkäufe belegt ist, jongliere ich Mutters riesigen Wäschekorb zunächst zu uns hinüber. Immer darauf bedacht, nicht auf eine Kartoffel zu treten. Wenigstens hat mein Sohn die Tür offen gelassen, und ich muss nicht nach dem Schlüssel kramen. Mit letzter Kraft stelle ich die Last an der Garderobe ab. Meine Kondition ist aktuell tatsächlich nicht optimal, merke ich und weiß, dass ich unbedingt was tun muss. Allerdings nicht jetzt. Jetzt müssen vor allem die Milchprodukte gerettet werden, die schon bedenklich lange ungekühlt im Auto liegen.

Ich stürme folglich wieder hinaus, und schneller als gedacht erreiche ich den Wagen, denn ich habe trotz aller gut gemeinter Warnungen eine Sekunde lang vergessen, dass der Weg dorthin mit Kartoffeln gepflastert ist. Ein falscher Schritt, mir zieht es die Beine weg, und wie auf einem Kugellager gleite ich mit dem Allerwertesten über die Erdäpfel in Richtung Auto. Gut, gleiten ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, eher hoppeln, und die eine oder andere Kartoffel wird unter meinem Gewicht zerquetscht. Na ja, ein bisschen Verlust gibt es immer, aber knapp zwanzig von den ursprünglich fünfundzwanzig Kilo kann ich nach meiner unsanften Landung schließlich noch retten.

Wegen meines geprellten Steißbeins werfe ich im Bad vorsichtshalber ein paar Arnica-Globuli ein und transportiere dann die restlichen Einkäufe in homöopathischen Portionen ins Haus. Dann verpacke ich Mutters Gebäck in kleinere Kartons und bringe sie ins Auto. Danach dusche ich ausgiebig, probiere zig Outfitvarianten an und mache es mir den restlichen Nachmittag mit einem Krimi auf dem Sofa bequem, bis der BMVÄ heimkommt. Ein Piccolo leistet mir dabei Gesellschaft. Da der gute Mann mehr Zeit benötigt als gedacht, gönne ich mir ein zweites Piccolöchen und hole eine Tüte des Hoffestgebäcks aus dem Wagen wieder herein. Beides ist leer, als der BMVÄ endlich eintrifft.

Dass ich mich für den Abend auf dem Weingut schön gemacht habe, bemerkt er gar nicht, denn er sprintet gleich nach oben ins Bad. Wenig später kommt er frisch geduscht in Jeans und in seinem Lieblingshemd herunter. Mein Lieblingshemd ist das allerdings nicht, aber ich sage lieber nichts. Stattdessen mahnt er mich zur Eile. Mich, die ich schon stundenlang auf ihn und unseren Aufbruch warte! Promilletechnisch wäre es klüger, zum Weinfest zu laufen, doch ich muss ja Mutters Ware transportieren, deshalb nehmen wir das Auto.

Der Aussiedlerhof liegt eingebettet zwischen den Weinberghängen des Höpfigheimer Königsbergs, die hinter dem Gehöft ansteigen, und Streuobstwiesen, die sich zu beiden Seiten des Zufahrtssträßchens ausbreiten. In den Siebzigerjahren hatte der Senior, Eugen Kraut, hier draußen neben Ackerbau noch eine kleine Schweinemast und eine Obstbrennerei betrieben, nachdem er aus der Ortsmitte ausgesiedelt war. Als sein Sohn Edmund den Krauthof übernahm, gestaltete der gelernte Weinbautechniker ihn zum Weingut um. Mit neuen Vermarktungsstrategien, zu denen unter anderem meine Weinbergführungen als Reblaus gehören, erschloss er sich gute Absatzmöglichkeiten und etablierte das Unternehmen im hart umkämpften Winzergewerbe. Das Wohnhaus wurde in den letzten Jahren modernisiert und in einem zweistöckigen Anbau sind nun zwei hübsche Ferienappartements untergebracht.

Im großen Hof zwischen Wohngebäude und neuer Wein-Lounge wurden für das heutige Fest lange Reihen von Biertischgarnituren aufgestellt, und als wir dort eintreffen, ist schon jede Menge los. Am mobilen Probierstand stehen erste Kunden Schlange, und Tom, unser Ältester, baut mit seinen Kumpels auf der...


Becker, Helga
Helga Becker, geboren 1958 in Murr an der Murr, ist Mutter von zwei Töchtern. Mit ihrem Mann, dem Fotografen Richard Becker, lebt sie im Bottwartal, in der Nähe von Ludwigsburg. Nach dem Abitur und einer kaufmännischen Lehre war sie als Stadtarchivarin in ihrem Heimatort Steinheim an der Murr tätig. Ihre lebhafte Fantasie, ihr schwäbischer Humor und viel Lokalkolorit bilden die Grundlage für ihre Krimikomödien rund um die Hobbyermittlerin Frau Nägele. Mit ihrer Kultfigur tourt Helga Becker auch als schwäbische Kabarettistin und Sängerin durchs Ländle.



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