E-Book, Deutsch, Band 2, 297 Seiten
Reihe: Ben
Belle Ben - Liebe ist ...
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7309-6464-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Band II
E-Book, Deutsch, Band 2, 297 Seiten
Reihe: Ben
ISBN: 978-3-7309-6464-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Im zweiten Band der 'Böttinger-Saga' ist aus Ben und Manuel endlich ein Paar geworden. Aber das bedeutet nicht, dass der Himmel immer voller Geigen hängt. Die beiden so verschiedenen jungen Männer müssen sich bei aller Liebe doch immer wieder zusamenraufen und den gemeinsamen Weg erst finden. Als dann noch Hubert ins Spiel kommt, ein attraktiver Kommilitone von Ben, der durchaus näheres Interesse an dem zukünftigen Juristen zu haben scheint, kochen die Emotionen wieder einmal hoch und Probleme sind vorprogrammiert. Dabei ahnen jedoch weder Ben noch Manuel, welche unglaublichen Dinge tatsächlich hinter allem stecken und in wie weit sogar Bens Familie darin verwickelt ist. Wird das zarte Pflänzchen ihrer jungen Liebe sich behaupten oder ist das Ende absehbar?
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Unverhofft - nicht oft ...
Als ich am Montag wieder in die Uni gehe, ist mein Glücksrausch immer noch nicht ganz wieder abgeflaut. Weder der Schneeregen, noch die Aussicht auf eine weitere Dosis Professor Hornung kann mir das debile Dauergrinsen aus dem Gesicht wischen, und als ich um die Mittagszeit mit Hubert in der Mensa sitze, will er wissen, was eigentlich mit mir los ist. „Wieso? Was ist denn mit mir los?“, frage ich, die Mundwinkel noch immer aufwärts gebogen. Er verdreht die Augen, sieht sich dann nach allen Seiten um und meint leise: „Na, dieses ständige Gegrinse! Hast du irgendwas genommen?“ „Was soll ich denn genommen haben?“, stelle ich mich weiter feixend doof. Hubert schnaubt und rückt ein bisschen näher an mich ran. „Was weiß ich denn?“, gibt er leise und verschwörerisch zurück. „Jedenfalls ist das doch nicht mehr normal, wie du rumläufst! An einem Montagmorgen und bei dem Sauwetter, noch dazu mit der Aussicht auf den alten Hornung sollte niemand dermaßen gut drauf sein! Du am Allerwenigsten! Wenn ich bedenke, wie du sonst immer stöhnst, wenn wir bei dem Typen Vorlesung haben! Also – hast du Gras geraucht oder irgendwelche Pillen eingeworfen? Falls ja, dann will ich gefälligst auch was davon haben! Scheint ja tierisch guter Stoff zu sein!“ Ich kann nicht anders, ich muss lauthals lachen, was Hubert sichtlich nicht kapiert. Na schön, vielleicht ist es jetzt wirklich an der Zeit, den Guten aufzuklären … ? Ich werde wieder halbwegs ernst und lehne mich nach vorne, ihm entgegen, sehe ihm in die Augen und hole tief Luft. „Pass auf, Hubs, ich weiß, das kommt jetzt vielleicht ein bisschen unerwartet, aber ... weißt du - ich bin schwul. Der Freund mit dem ich am Freitag verabredet war, das ist … naja, MEIN Freund, verstehst du? Und ich bin so gut drauf, weil wir uns überlegen zusammen zu ziehen.“ Er blinzelt, dann schluckt er, weicht ein Stückchen zurück und atmet hektisch. Wow? Hat ihn mein Geständnis schwul zu sein, jetzt doch so eiskalt erwischt, oder was? Aber seine erste Frage an mich lautet: „Du … hast einen Freund?“ „Ja.“ Ich nicke ernst. „Ist das ein Problem für dich?“, will ich wissen, und er schluckt erneut heftig, schüttelt aber mit einem verunglückten Lächeln den Kopf. „Nein, Gott, ... nein! Es ist nur ...“ Er bricht ab, dreht das Gesicht zur Seite und schaut sich ein bisschen ziellos um. Ich fühle nun auch Druck auf dem Brustkorb, denn ziemlich unerwartet hat meine gute Laune kräftig eins aufs Dach bekommen. „Du hast nicht gewusst, dass ich schwul bin“, vervollständige ich seinen Satz, und überrascht sieht er mich an. „Hey, das ist schon okay! Ich gehe damit ja auch nicht gerade überall hausieren! War wohl eine ziemliche Überraschung für dich. Das hätte ich besser anders anfangen sollen?“, entkommt es mir. Ich bin jetzt auch ein bisschen konfus. Dass es ihn so mitnimmt, hätte ich nicht erwartet. Was kann ich jetzt tun, damit unsere aufkeimende Freundschaft nicht den Bach runtergeht? „Ich meine, … ich hätte dir das vielleicht nicht einfach so vor den Kopf knallen sollen! Das war echt ziemlich blöd von mir!“ In einer hilflosen Geste zerwühle ich mir die Haare und versuche mich an einem Lächeln, was aber ebenso misslingt wie seines. Ich schaue ihn an, versuche in seiner Miene zu lesen, aber die drückt nur Verwirrung aus, Unglauben und … Schock? Na, das hast du ja wieder mal toll hingekriegt, Ben! Scheiße verflucht! Ich will nicht, dass er jetzt diesen Blick bekommt, der mir sagt, er traut mir nicht mehr über den Weg, weil man ja nie weiß, wann „der Schwule“ den Raster kriegt und alles bespringt, was einen Schwanz hat! So bin ich nicht und das müsste Hubert doch eigentlich wissen! So sind die allerwenigsten Schwulen, und unter Heteros gibt es diese Spezies schließlich auch, die alles angräbt, was nicht bei Drei auf dem Baum sitzt, oder? Aber gerade als Schwuler begegnet man diesem Klischee ja doch immer wieder. Bloß komisch, dass es dann meistens diese gestandenen Alphamännchen sind, die da plötzlich Komplexe kriegen und nicht mehr mit dem ehemals besten Kumpel und Arbeits- oder Vereinskollegen zusammen duschen wollen oder so. Aber egal jetzt – hier geht`s um Hubs! „Sieh mal“, beginne ich und lege die Arme vor mich auf den Tisch, „dass ich schwul bin heißt ja nun nicht, dass ich über jeden Mann herfalle, der mir begegnet, verstehst du? Ich bin schließlich in einer festen Beziehung und würde die nie im Leben aufs Spiel setzen wollen. Ich liebe meinen Freund, also … was ich damit sagen will … ich würde nie … !“ Ich gebe mein Gestotter auf, reibe mir seufzend den Nacken und verwünsche zum millionsten Mal meine Angewohnheit, nicht zuerst das Hirn einzuschalten, bevor ich das Mundwerk in Betrieb nehme. „Ach, Mist!“, fluche ich leise, doch da legt Hubert seine Hand auf meinen Arm. Überrascht schaue ich ihn an und tatsächlich: er lächelt! Und diesmal richtig. „Schon gut!“, sagt er. „Entschuldige bitte. Das war im ersten Moment ein bisschen unerwartet für mich, aber keine Sorge, zwischen uns ändert sich dadurch überhaupt nichts, okay?“ Seine Miene ist warm und ehrlich, und ich atme erleichtert auf. Gott sei Dank! Also habe ich mich doch nicht in ihm getäuscht! Ich erwidere sein Lächeln und sage: „Wenn du wüsstest, wie froh ich jetzt bin! Mann, einen Moment lang dachte ich echt, du machst gleich das Zeichen gegen den bösen Blick oder so und lässt mich einfach hier sitzen!“ Hubert stutzt, dann lacht er, laut und lange. Lauter und länger, als der kleine Scherz es verdienen würde, aber ich bin so froh darüber, wie sich die Sache entwickelt hat, dass ich nichts darauf gebe. Vermutlich ist er einfach noch ein bisschen aufgewühlt, genau wie ich auch. Im Laufe des weiteren Tages bemerke ich jedenfalls, dass sich zwischen uns offenbar wirklich nichts geändert hat. Hubert ist wie immer, offen, freundlich, vielleicht sogar noch ein bisschen freundlicher als sonst, aber womöglich bilde ich mir das in meiner Erleichterung auch nur ein. Wie auch immer – ich bin jedenfalls einfach nur froh, dass ich dieses Outing ohne Blessuren überstanden habe. Zurück in meiner Wohnung erwartet mich eine angenehme Überraschung: Manuel ist dort und steht in meiner geräumigen Küche am Herd. Der Tisch ist gedeckt, und es duftet verführerisch nach Essen. Also hat er endlich mal Gebrauch gemacht von dem Zweitschlüssel, den ich ihm vor Ewigkeiten gegeben habe. Wurde auch höchste Zeit! Er hat mich noch nicht bemerkt, und ich stelle so leise wie möglich meinen Rucksack ab, schleiche mich auf Zehenspitzen an ihn ran und lege dann von hinten meine Arme um ihn. Leider zuckt er nur minimal zusammen, fängt sich für meinen Geschmack viel zu schnell wieder und dreht sich in meiner Umarmung zu mir um. Seine Lippen sind fest und weich zugleich, schmecken nach … hmm, was ist das? Ich linse über seine Schulter auf den Herd. „Lecker! Was wird das?“ Manu löst sich aus meinem Arm und greift wieder nach dem Pfannenwender, den er eben achtlos beiseite gelegt hat. „Hühnchen in Erdnusssoße“, sagt er und rührt um. „Mit Reis und Sprossengemüse.“ Ich schnuppere noch einmal genießerisch. „Riecht lecker!“, sage ich, und mein Magen unterstreicht meine Worte mit einem behäbigen Knurren. „Wasch` dir die Hände!“, befiehlt Manuel und deutet mit dem Kopf zum Tisch. „Und dann setz` dich. Ist praktisch fertig!“ Grinsend salutiere ich. „Aye, aye, Captain!“ Zwei Minuten später sitze ich erwartungsvoll an meinem Platz und sehe zu, wie Manuel uns von dem köstlich duftenden Essen auftut. Eine Weile lang sagt keiner von uns was, weil wir nur mit Essen beschäftigt sind. Das Hühnchen schmeckt wirklich großartig, und ich leere meine Portion schneller als Manuel, stehe auf und hole mir mehr davon. Diesmal esse ich langsamer, genussvoller, nachdem der gröbste Hunger gestillt ist. Und jetzt frage ich mich auch, was Manuel eigentlich hier macht. Die Gelegenheiten, an denen er mich hier besucht hat, kann ich an einer Hand abzählen. Und nie kommt er unangekündigt. Was nicht heißen soll, dass ich mich nicht freue, dass er da ist. Ganz im Gegenteil! Es ist nur so … unerwartet! „Was?“, kommt es von ihm, und ein Blitz aus grünen Augen trifft...




