E-Book, Deutsch, Band 3, 329 Seiten
Reihe: Ben
Belle Georg - Doppeltes Spiel
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7309-6465-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Band III
E-Book, Deutsch, Band 3, 329 Seiten
Reihe: Ben
ISBN: 978-3-7309-6465-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Dr. Georg Böttinger, erfolgverwöhnter und attraktiver Jurist lebt seine Homosexualität nur heimlich und weit entfernt von zuhause aus. Er hält sich für glücklich und jeder Gedanke an eine Beziehung ist ihm vom Grunde seines Herzens zuwider. Doch dann begegnet er Hubert, dem neuen Rechtsreferendar in der heimischen Kanzlei, welcher sich auf den ersten Blick in ihn verliebt. Zunächst ist Georg das mehr als unwillkommen, immerhin entspricht Hubert in keinster Weise seinem üblichen Beuteschema und ist dazu noch vollkommen unerfahren. Aber ohne dass er es zunächst so richtig merkt, schleicht sich der sensible junge Mann in sein Leben und sein Herz. Als Georg endlich begreift, dass man sich gegen Gefühle nicht wehren kann, scheint es jedoch bereits zu spät, denn inzwischen ist ernsthafte Konkurrenz aufgetaucht und auch Hubert selbst hat offenbar endgültig genug davon, permanent weggestoßen zu werden. Gibt es trotzdem noch Hoffnung für Georg? Oder hat er sein Glück leichtfertig verspielt?
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Alle Jahre wieder
Heiligabend. Eigentlich für mich immer ein Tag wie jeder andere. Alle Jahre wieder. Kunststück - bisher verlief dieser Tag ja auch praktisch jedes Jahr so ziemlich nach dem gleichen Schema, wie alles bei mir. Schlafen bis gegen acht Uhr, Frühstück, anschließend ein bisschen Aktendurchsicht oder Schreibkram, ein kleines Mittagessen, am Spätnachmittag dann die Fahrt zur Villa meiner Eltern und dort schließlich das gemeinsame Essen mit der ganzen Familie und die Bescherung. Meistens lag ich spätestens gegen elf Uhr abends zuhause im Bett. Aber dieses Jahr ist alles anders. Meine gesamte gut eingespielte Routine ist beim Teufel und wer ist schuld daran? Ich könnte jetzt sagen, mein jüngster Bruder, Benjamin, von allen nur Ben genannt. Streng genommen ist er auch wirklich die Wurzel allen Übels, aber gleichzeitig weiß ich, dass ich es mir damit zu einfach machen würde. Und ich mache es mir NIE einfach. So bin ich nicht. Scheint irgendwie ein Genfehler von mir zu sein und darum widerstrebt es mir auch in diesem Fall. Denn genauso sehr wie bei Ben kann ich die Schuld für meine momentane … Gemütsunordnung bei meinem ältesten Bruder Markus suchen, den ich jetzt seitein paar Tagen am Hals habe. Oder eben bei Hubert Wusternhagen, dem Rechtsreferendar unserer Kanzlei. Wenn ich genau darüber nachdenke, dann hat Letzterer wohl den größeren Anteil an meinem Unbehagen, denn ihm ist etwas gelungen, was selbst die härtesten Fällen aus meiner Mandantenkartei nicht schaffen: Er bringt mich aus dem Gleichgewicht. Einfach durch seine bloße Anwesenheit. Dabei entspricht er nicht mal meinem Beuteschema … Nun, wenn ich von Beuteschema spreche, dann muss ich das wohl erklären. Es ist eigentlich ganz einfach, aber andererseits auch wieder kompliziert, denn … naja, ich bin schwul. Nicht anders als mein jüngster Bruder Ben, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Von Ben wissen es inzwischen alle, aber von mir niemand. Und wenn es nach mir geht, dann soll das vorläufig auch so bleiben. Was schwierig werden könnte, wenn ich mich nicht endlich zusammenreiße. Vor rund drei Monaten kam Hubert als Referendar in unsere Kanzlei und anfangs dachte ich mir rein gar nichts dabei. Ich trenne grundsätzlich und sehr sorgfältig zwischen Arbeit und Privatleben. Und noch sehr viel sorgfältiger zwischen Privatleben und Privatleben, um es mal so auszudrücken. Soll heißen, nie im Leben würde mir einfallen, einen jungen Mann, mit dem ich beruflich zu tun habe, als potentiellen Sexualpartner in Betracht zu ziehen. Und einen wie Hubert schon mal gar nicht. Nicht dass er unansehnlich wäre, im Gegenteil, aber er entspricht nun mal so überhaupt nicht dem Typus Mann, den ich normalerweise bevorzuge. Und dieser Umstand irritiert mich noch sehr viel mehr als alles andere. Ungefähr ein Mal im Vierteljahr fahre ich für ein Wochenende nach Berlin. Offiziell treffe ich mich dort mit einem Mandanten und erstatte ihm Bericht über dessen diverse Vermögensangelegenheiten und genau genommen tue ich das auch, allerdings dauern diese Termine nie länger als ein paar Stunden am frühen Freitagabend. Den Rest der Zeit verbringe ich auf gänzlich andere Art. Man könnte wohl am ehesten sagen, ich gehe auf die Jagd. In einschlägigen Clubs und Bars suche ich gezielt nach Männern, die meine Libido ansprechen und die sind für gewöhnlich um einiges kleiner und schmaler als ich, mit wenig Muskeln ausgestattet und ein bisschen androgyn angehaucht. Habe ich etwas Passendes gefunden, suchen wir entweder gemeinsam den Darkroom auf, oder – in Ausnahmefällen – nehme ich ihn mit in mein Hotel. Böse Zungen würden mir jetzt ein Doppelleben unterstellen und vielleicht ist da was Wahres dran, ich selber sehe das aber längst nicht so dramatisch. Der Georg, der in Berlin schick gestylt auf die Pirsch geht und sich Männer sucht, mit denen er seinen Sexualtrieb ausleben kann, ist ein völlig anderer als der, welcher zuhause jeden Tag brav in Anzug und Krawatte an seinem Schreibtisch sitzt. So gesehen also kein Doppelleben, sondern einfach zwei voneinander völlig unabhängige Personen. Im Ernst – wer mich hier zuhause erlebt, würde mich in Berlin nicht mal erkennen und umgekehrt! Ich bin nicht gerade klein, aber auch nicht auffällig groß, meine Haare sind nicht ganz glatt, blond und einigermaßen störrischund meine blauen Augen verstecke ich im Alltagsoutfit hinter meiner Brille, die ich wegen einer leichten Weitsichtigkeit tragen muss. Ich achte stets darauf, dass meine Anzüge nicht zu modisch sind und kämme die Haare schlicht und unauffällig zurück. Das vollkommene Bild eines trockenen, langweiligen Juristen. Bei Besuchen in meinem Stammclub in Berlin sieht das anders aus. Ich weiß, mit welcher Kleidung ich meine körperlichen Vorzüge betonen kann, ohne billig zu wirken, benutze farbige Kontaktlinsen und style mir die Haare gewollt lässig, mit locker in die Stirn hängenden Fransen. Und es wirkt. Jedes Mal! Ich habe mir mittlerweile einen echten Ruf erarbeitet, glaube ich, obwohl mich das eigentlich nicht interessiert. Zum Teil wird das wohl auch daran liegen, dass ich so ein Geheimnis daraus mache, wie ich wirklich heiße und wo ich herkomme. Keiner meiner Bettgespielen erfährt meinen wirklichen Namen, oder wo ich lebe, in Berlin bin ich einfach nur „Jo“ und fertig. Und keiner von den wenigen Auserwählten, die ich mit in mein Hotel nehme, bleibt über Nacht dort. Das ist eine eiserne Regel. Sie kommen mit zu mir, wir ficken, sie können gerne noch duschen, aber dann – Ciao, bello! Natürlich sind manche trotzdem neugierig, aber ich kann schon von Berufs wegen Dinge gut für mich behalten. Aus Gründen der Diskretion erfolgt die Buchung des Hotelzimmers immer durch das Sekretariat meines Mandanten, welcher nicht möchte, dass Einzelheiten seiner finanziellen Lage bekannt werden. Für das Hotel bin ich daher einfach nur 'Jürgen Schmidt', guter Freund und Golfpartner eines ortsansässigen Unternehmers, also besteht von daher auch keine Gefahr, dass meine Tarnung auffliegt. Für den Rest sorge ich selbst, indem ich als farblose, unauffällige Figur einchecke und auch wieder abreise. In dem gewöhnlichen Anzugtypen würde keiner den Kerl vermuten, der zwei Nächte lang erfolgreich in der Gay-Szene gewildert hat. Einer meiner One-Night-Stands hat sogar mal am Morgen danach, als ich gerade abreisen wollte, vor dem Eingang des Hotels auf mich gewartet. Aber da hat sich gezeigt, wie gut meine Alltagsverkleidung funktioniert. Ich bin in meinem gewöhnlichen Aufzug aus der Tür gekommen, auf dem Weg zum Auto, die Brille auf der Nase, Haare zurückgekämmt, Koffer und Aktentasche in den Händen. Ich bin fast über ihn gestolpert, wie er da stand und den Eingang im Auge behielt. Er hat mich direkt angesehen, die Stirn gerunzelt und sich für den Beinah-Rempler entschuldigt. Erkannt hat er mich aber ganz offensichtlich nicht. Ich bin dann vor mich hin schmunzelnd in meinen Wagen gestiegen und nach Hause gefahren, zurück in mein „echtes“ Leben. Wieso der ganze Aufwand? Dafür gibt es mehrere Gründe, aber der wichtigste ist der, dass ich weiß, wie mein Vater, welcher die Kanzlei - noch - leitet, über das Thema Homosexualität denkt. Für ihn ist das was Widernatürliches. Zumindest war es das immer. Allerdings scheint die Haltung meines alten Herrn in letzter Zeit etwas … aufzuweichen. Ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, er hätte Manuel Lewin, den Partner seines jüngsten Sohnes voll akzeptiert, aber seit dieser Mann infolge einer unerwarteten Erbschaft zu einer Menge Geld gekommen ist und es daraufhin verstanden hat, seine Karten bei der Aufdeckung einer Intrige rund um den Kanzleivorsitz geschickt auszuspielen, sieht Paps ihn, glaube ich mit anderen Augen. Bester Beweis ist die Tatsache, dass besagter Manuel am heutigen Abend ebenfalls eingeladen ist, Weihnachten mit unserer Familie zu feiern. Davon mal abgesehen würde ich aber auch etliche meiner Mandanten zumindest als latent homophob einschätzen. Wieso latent? Ganz einfach, weil sie der Fraktion „Sowas betrifft immer nur die Anderen und das ist auch gut so!“ angehören. Mit anderen Worten: nach außen hin sind sie liberal, aber in ihrem eigenen Umfeld würden sie nach Jod und heißem Wasser schreien, sollte da jemand offen zeigen, dass er schwul ist. Bisher hat mich das nie gestört. Mit meinem Arrangement bin ich immer gut gefahren und mir ist auch noch nie ein Mann begegnet, der mehr in mir geweckt hätte, als das Verlangen nach einer...




