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E-Book

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

Benkau Himmelsfern


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7320-0031-9
Verlag: script5
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

ISBN: 978-3-7320-0031-9
Verlag: script5
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Noa verliebt sich. Doch ihr bleiben nur zwei Wochen. In zwei Wochen wird der Junge, den sie liebt, dem Menschsein den Rücken kehren, vielleicht für immer. Hat ihre Liebe unter diesen Umständen überhaupt eine Chance? Wird der Schmerz am Ende nicht viel zu groß sein? Doch Noa kennt das Spiel mit dem Feuer - ihre Leidenschaft ist der Tanz mit den brennenden Poi. Wird sie es schaffen, ihre Furcht zu bezwingen, so wie sie bei jedem Training, jedem Auftritt ihre Angst überwindet? Denn sie ist seine einzige Hoffnung ...

Jennifer Benkau lebt mit ihrem Mann, drei Kindern und zwei Katzen inmitten lauter Musik und vieler Bücher im Rheinland. Nachdem sie in ihrer Kindheit Geschichten in eine Schreibmaschine gehämmert hatte, verfiel sie pünktlich zum Erwachsenwerden in einen literarischen Dornröschenschlaf, aus dem sie zehn Jahre später, an einem verregneten Dezembermorgen, von ihrer ersten Romanidee stürmisch wachgeküsst wurde. Von dem Moment an gab es kein Halten mehr.
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Wie man einen Engel jagt

Zwerk, by Basti the brain. Diese Worte, geschrieben in zwei unterschiedlichen Handschriften, waren das Erste, was ich an Dominic wahrnahm. Er saß mit hängendem Kopf auf der Stufe im Hauseingang und wandte mir den Rücken zu, sodass ich direkte Sicht auf den Schriftzug hatte, der seine geliebte Jeansweste verunstaltete.

»Hey, Nono«, begrüßte er mich. Er hatte so viel Anstand, betreten zu lächeln. »Sauer?«

»Weil du mich außerirdischen Ärzten überlassen hast, die verbotene Experimente an meinem Gehirn durchgeführt haben? Wie kommst du darauf?« Ich hielt ihm mein bandagiertes Handgelenk vor die Nase, einzig und allein aus Gewohnheit, weil wir uns gegenüber schon immer mit Verletzungen geprahlt hatten. »Ist verstaucht. Ich habe gefühlte siebenhundert blaue Flecke. Mein Schädel ist dafür schon wieder okay.«

Dom drehte meine Hand leicht, um den Verband zu begutachten. Dann stand er auf und klopfte mir mit den Fingerknöcheln an die Stirn. »Es geht nichts über die Pharmatechnologien der Aliens. Gute Arbeit.« Einen Moment lang sah er mich an, dann stieß er eine Salve Geräusche aus, die klangen, als hätte ein Lachen mit einem Schluchzen einen Haufen winziger Babys gemacht. »Scheiße, Noa, ich steig nie wieder in eine U-Bahn, ich schwöre es.«

Was bedeutete, dass ich ihn überreden musste, diesen Schwur zu brechen, oder meinen Plan zur Traumata-Bekämpfung allein durchführen musste. Doch das war ohnehin erst für morgen angedacht. Jetzt war wichtiger, dass er mir nicht in Tränen ausbrach, sonst würden wir beide in wenigen Sekunden heulend vor der Haustür sitzen.

Ich deutete auf seine Weste. »Was ist passiert? Sieht nach Ärger mit Bastien aus.«

Bastien, ein Junge aus der Nachbarschaft, war ein knappes Jahr älter als Dom und ich und wog ungefähr so viel wie wir beide zusammen. Er führte die Liste der Nachteile unserer Wohngegend mit immensem Vorsprung an. Bastien war einer der Typen, der Omas von der Treppe schubste, Frösche aufblies, bis sie platzten, und Hundebabys Chinaböller ans Halsband schnürte. Nicht dass wir ihn je dabei erwischt hätten. Aber da Bastien es mit seinen ständig wechselnden Kumpanen auf uns abgesehen hatte – in erster Linie auf Dom, denn der hatte einmal mit Bastiens Cousine geflirtet –, war er für uns schlicht und ergreifend Bad Boy Basti.

Skrupellos.

Zu allem fähig.

Ganz bestimmt.

Dom rückte nicht mit der Sprache raus, aufmunternd tätschelte ich mit der gesunden Hand seinen Unterarm.

»Was war denn wieder?«, fragte ich ihn. »Los, spuck es aus, sonst bekommst du noch ein Magengeschwür.«

Dominic grunzte. »Nichts von Bedeutung. Er hat mir nur meine Weste abgezogen und sie mit seinem Edding beschmiert. Zwerg mit k, ich bitte dich! Und dann hat er die Weste in den Papiercontainer geworfen.«

Dieses miese Schwein! Dom hing an der ollen Weste, sie war so etwas wie sein Markenzeichen.

»Es war schon mal schlimmer«, versuchte ich ihn zu trösten. »Beim letzten Mal warst du es, der da reingeworfen wurde.«

Sein Blick ließ mich bereuen, etwas gesagt zu haben. »Das Pech war, dass ich schon vor der Weste drin saß.«

»Oh. Und dann hast du by Basti the brain druntergeschrieben.«

Er brummte zustimmend.

»Das wird ihm nicht gefallen.« Nun, mir gefiel es dafür umso besser. Bastiens Dummheit war es wirklich wert, aller Welt präsentiert zu werden. Allerdings würde Dominic das ausbaden müssen.

»Ich werde sie wegschmeißen müssen«, presste er zwischen den Zähnen hervor. »Verdammt, ich hasse diesen Mistbock.«

»Er ist eine richtige Hackfresse!«

»Ein Opfer von chronischem geistigem Brechdurchfall.«

»Der König der Sackratten!«

Wir spielten Bastien-Beleidigen, bis die Ausdrücke unschön wurden, dann grinsten wir uns an, schlugen die Fäuste gegeneinander und schlossen gemeinsam mit der übelsten aller Beleidigungen.

»Bad Boy Basti!«

Doms Selbstbewusstsein richtete sich langsam wieder auf, trotzdem hoffte ich, er würde seine Weste wirklich entsorgen, ehe uns unser Lieblingsfeind über den Weg lief. Schließlich wusste auch ich, wie der Altpapiercontainer von innen aussah. Ich schüttelte die Gedanken ab und erzählte Dominic von meiner Entdeckung. Gebannt hörte er mir zu, während wir die Straße entlangschlenderten.

»Du glaubst wirklich, die Geldbörse gehört dem Typen, der dich gerettet hat?«

»Dramatisier das nicht so.« Ich hatte zuvor dieselben Worte verwendet, aber wenn Dom es sagte, klang es, als sei ich dem Tod haarscharf von der Schippe gesprungen. »Er hat es schließlich auch überlebt, so schlimm wäre es schon nicht geworden. Und ich habe keine Ahnung, ob es sein Portemonnaie ist. Aber ich werde es herausfinden.«

Dom grub die Hände in die Taschen seiner viel zu weiten Jeans. »Ich wüsste gerne, warum er abgehauen ist.«

»Aus dem Grund, Dummie, fahren wir jetzt zu dieser Tierhandlung. Vielleicht finden wir ja etwas heraus und können ihn fragen.« Ich hatte Dom längst Richtung Haltestelle gelotst und registrierte zufrieden, dass der nächste Bus in fünf Minuten kommen sollte.

Er kratzte sich am Kopf und zwirbelte danach seine weißblonden Haarstacheln wieder in Form. »Vielleicht ist er ein Vampir.«

Eher bist du einer, dachte ich, kicherte aber pflichtbewusst und kickte Dom ein Steinchen zu, das er mit der Außenseite seines Turnschuhs zurückschoss. »Oder ein Zombie.«

»Wie auch immer, in jedem Fall ist er ein Freak.«

Ich stimmte ihm zu. Insgeheim musste ich mir allerdings eingestehen, dass mir Rosalias Theorie immer noch am besten gefiel.

»Herzchen, glaubst du wirklich, ich wüsste, wer hier letzte Woche eine Dose Katzenfutter gekauft hat?«

Ich spürte, wie mir das Blut in die Wangen stieg. Teils aus Scham – ja, das hatte ich geglaubt –, teils aus Wut. Herzchen? Ich war siebzehn, durfte Bier trinken, auch wenn ich es nicht mochte, und sollte mich langsam mal entscheiden, welche Partei ich wählen wollte. Was bildete sich diese Spinat-Herzchen-Wachtel im grünen Kittel ein? Dom rettete die Situation, ehe mir eine freche Antwort einfiel.

»Außergewöhnlich ist«, er legte den Kassenbon auf den Tresen und klopfte ein paarmal mit dem Zeigefinger drauf, »dass er häufiger hier war. Regelmäßig, möchte ich fast sagen.«

»Genau«, mischte ich mich ein, um ein freundliches Gesicht bemüht. »Und er hat immer nur eine oder zwei kleine Dosen gekauft. Immer dasselbe Futter. Kaninchen in Glibber.«

Die Verkäuferin überlegte, dann nickte sie langsam. »Ja, ich glaube, jetzt weiß ich, wen ihr meint. Was wollt ihr denn von dem jungen Mann?«

Bingo! Junger Mann, das klang, als könnte er es sein. Mein Puls nahm an Fahrt auf. »Wie sah er aus? Blondes Haar, etwa bis hier?« Ich deutete auf einen Punkt unterhalb meiner Augen.

»Wenn mich nicht alles täuscht.« Die Kassiererin zuckte mit den Schultern und zwinkerte. »In jedem Fall ein hübsches Kerlchen. Gut gebaut. Stimmt, er erwähnte mal, dass er auf dem Weg ins Fitnessstudio sei. Man sah schon, dass er was fürs Aussehen tut. Wenn ich zehn Jahre jünger wäre …«

Dom wandte sich grinsend ab und spielte mit ein paar Gummihühnchen, die kopfüber neben der Kasse hingen und Quietschlaute von sich gaben, wenn er draufdrückte.

»Ich muss dringend mit ihm sprechen. Wissen Sie zufällig, wo er wohnt, wie er heißt oder sonst irgendetwas?«

»Nein, tut mir leid.« Sie rieb sich sinnierend über die Lippen, kam aber zu keinem Ergebnis. »Er hat immer bar bezahlt und selten mehr gesagt als Guten Tag und Danke. Er wird ja bestimmt wiederkommen, aber wann, kann ich euch nicht sagen. Wollt ihr ihm eine Nachricht hinterlassen?«

Ich wechselte einen Blick mit Dom.

»Er ist dir schon mal abgehauen«, meinte er leise. Mich irritierte die Idee, dass er eventuell vor mir geflüchtet war. Absurd, warum hätte er das tun sollen? Aber Herrgott, er war aus dem Fenster im siebten Stock getürmt – was konnte absurder sein?

»Das scheint dir ja sehr wichtig zu sein?«, fragte die Verkäuferin und zwinkerte erneut. War das ein Tick oder fand sie das witzig?

Wieder reagierte Dom schlagfertiger als ich. Er lehnte sich leicht über den Tresen, setzte seine Kupplermiene auf und raunte im verschwörerischen Ton: »Er hat meiner Freundin das Leben gerettet, wissen Sie? Sie brauchen nicht zufällig eine Hilfskraft über die Ferien?«

So kam es, dass ich am übernächsten Tag einen Vorstellungstermin beim Inhaber der Zoofachhandlung hatte. Klar, warum auch nicht? Da meine Poi-Gigs ins Wasser fielen, ging mir auch das Honorar durch die Lappen, das zwar klein, aber bereits fest in mein mageres Budget eingeplant gewesen war. Vogelsand in Regale einsortieren, Goldfische füttern und Kaninchengehege reinigen konnte ich auch mit einer Hand. Die Arbeit mit den Tieren würde mir Spaß machen und schon beim Betreten des Ladens hatte ich den Geruch nach Sägespänen, Futtergetreide, Aquarienwasser und Fell als angenehm empfunden. Es gab schlechtere Ferienjobs.

Als ich abends nach Hause kam, war Papa schon weg. Das Portemonnaie hatte er mitgenommen, stattdessen lag ein Zettel auf der Kommode, ich möge doch morgen früh endlich mal wieder Oma besuchen. Das hatte ich mir ohnehin vorgenommen. Ich zerrte die Alufolie von einem Fertignudelgericht, was einhändig nicht so einfach war, und ließ die essbare Masse ein paar lauwarme Runden in der Mikrowelle drehen. Mit Nudeln, Chips und Instant-Chai-Latte machte ich mich vor dem Fernseher breit und verschickte SMS an Rosalia, Lukas und Dom.

Nachdem...


Jennifer Benkau lebt mit ihrem Mann, drei Kindern und zwei Katzen inmitten lauter Musik und vieler Bücher im Rheinland. Nachdem sie in ihrer Kindheit Geschichten in eine Schreibmaschine gehämmert hatte, verfiel sie pünktlich zum Erwachsenwerden in einen literarischen Dornröschenschlaf, aus dem sie zehn Jahre später, an einem verregneten Dezembermorgen, von ihrer ersten Romanidee stürmisch wachgeküsst wurde. Von dem Moment an gab es kein Halten mehr.



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