E-Book, Deutsch, Band 4, 344 Seiten
Reihe: Jameson Force Security Group
Bennett Codename: Hacker (Jameson Force Security Group Teil 4)
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-86495-470-2
Verlag: Plaisir d'Amour Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 4, 344 Seiten
Reihe: Jameson Force Security Group
ISBN: 978-3-86495-470-2
Verlag: Plaisir d'Amour Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ich bin nicht mehr die Bebe Grimshaw von einst - die Frau, die jahrelang hinter den Gittern eines Hochsicherheitsgefängnisses verbrachte, weil sie im Auftrag eines Verbrechersyndikats Abschusscodes für Atomwaffen gestohlen hat. Aus heutiger Sicht bereue ich weder, was ich getan habe, noch dass ich geschnappt wurde, und doch bedaure ich die Jahre, die ich nicht mit meinem Sohn Aaron verbringen konnte. Mithilfe von Kynan McGrath wurde ich frühzeitig entlassen und trat seinem Team bei der Jameson Force Security Group bei. Heute setze ich meine Fähigkeiten dazu ein, anderen Menschen zu helfen.
Ich versuche nur, die verlorene Zeit wiedergutzumachen, und konzentriere mich auf meine Arbeit bei Jameson sowie darauf, Aaron großzuziehen. Solange ich meinen Sohn und meine Karriere habe, bin ich zufrieden. Doch das Leben hat so seine Art, einem zu zeigen, was man braucht, und als ein unglaublich attraktiver Fremder namens Griffin sich im Park mit Aaron anfreundet, muss ich mich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass mir etwas fehlt. Ein leidenschaftlicher Teil von mir, der vor langer Zeit weggesperrt wurde, erwacht zu neuem Leben, und ich betrachte Griff auf eine Weise, wie ich seit über zehn Jahren keinen Mann mehr angesehen habe.
Gerade als ich glaube, dass die Dinge sich zum Guten wenden, wird mein Leben erneut auf den Kopf gestellt. Wie sich herausstellt, war die Begegnung mit Griff kein Zufall, denn er ist der Mann, der geschickt wurde, um mich zu töten.
Teil 4 der Jameson Force Security Group-Reihe von New York Times-Bestsellerautorin Sawyer Bennett.
Weitere Infos & Material
Kapitel 2
Bebe »Aaron«, rufe ich aus der Küche, drehe den Kopf aber in Richtung Flur, weil ich hoffe, dass meine Stimme die Treppe hinaufdringt. »Wir müssen los. Sonst kommst du zu spät zur Schule.« »Du musst eine Gegensprechanlage installieren«, schlägt meine Mutter vor, die mit einer Tasse Tee am Küchentisch sitzt. »Ich werde kein Geld ausgeben, um eine Gegensprechanlage zu installieren«, brumme ich. »Nicht solange ich perfekt funktionierende Stimmbänder habe.« »Er hört Musik in seinem Zimmer.« Sie nimmt ihre Tasse und schaut mich über den Rand hinweg an, als würde das ihren Worten mehr Autorität verleihen. »Er kann dich nicht hören.« »Aaron!«, rufe ich lauter. Meine Mutter zuckt zusammen. Schulterzuckend stecke ich das Truthahn-Sandwich, das ich für meinen Sohn zubereitet habe, in einen Plastikbeutel und werfe es in seine Brotbüchse. Im stolzen Alter von zehn behauptete er beharrlich, er könne nicht länger mit einer Superhelden-Butterbrotdose in die Schule gehen, und bat stattdessen darum, eine schlichte, schwarze Isoliertasche von L.L.Bean zu bekommen. Mein Kind wird groß. Ich habe viel zu viel von seiner Kindheit verpasst, weil ich die Superheldenjahre im Gefängnis verbracht habe. Als ich den Kühlschrank öffne, um einen Apfel herauszunehmen und ihn dazuzulegen, frage ich meine Mutter: »Bist du dir sicher, dass ich dich nicht zum Arzt fahren soll?« »Es geht mir ausgezeichnet«, antwortet sie mit einer wegwerfenden Handbewegung, bevor sie vorsichtig einen Schluck von ihrem Tee nimmt. »Abgesehen davon … es ist bloß eine Routineuntersuchung.« Es ist vielleicht nur ein normaler Arzttermin, aber mir sind mit meiner Mutter ebenfalls sehr viele Jahre entgangen. Während ich meine Strafe in einem Hochsicherheitsgefängnis in Fort Worth, Texas abgesessen habe, mühte sich meine Mutter damit ab, Aaron großzuziehen, und kämpfte gleichzeitig gegen ihren Diabetes in seiner schlimmsten Form. Sie konnte nicht arbeiten und es dauerte Jahre, bis sie dazu berechtigt war, Sozialhilfe zu empfangen. Während dieser Zeit litten sie und Aaron darunter, nicht genügend Geld zu haben, um mehr zu tun, als sich lediglich zu ernähren. »Okay«, sage ich, aber dann blicke ich sie auf meine eigene Weise durchdringend an. »Wenn du es dir anders überlegst, brauchst du mich nur anzurufen. Ich werde etwa fünfundvierzig Minuten Vorlauf brauchen, aber dann kann ich zurückfahren und dich bringen.« »Hör auf, so einen Wirbel zu machen«, sagt sie mit ernstem Ausdruck, aber in ihrer Stimme schwingt sehr viel Liebe mit. Sie versteht, dass ich diese Dinge eine Zeit lang tun muss. Ich habe das Gefühl, so viel kompensieren zu müssen, obwohl meine Mutter mich nicht ein einziges Mal für den Schlamassel verantwortlich gemacht hat, in den ich mich selbst gebracht habe, oder wegen der Nachteile, die meinem Sohn deswegen entstanden sind. Sie hat mich immer bedingungslos geliebt. Das hat den Unterschied gemacht und mir die Fähigkeit gegeben, mich wieder in ein mehr oder weniger normales Leben zu integrieren. »Na schön«, ziehe ich die Worte in die Länge und lächele keck. »Dann höre ich mit dem Wirbel eben auf.« Doch dann hole ich tief Luft und brülle: »Aaron … komm schon! Wir sind spät dran.« »Er kann dich nicht hören«, sagt sie noch einmal und schaut mich weise an. »Er hört seine Musik.« Mit einem frustrierten Seufzer lege ich den Apfel in seine Isoliertasche und stapfe aus der Küche, während ich brumme: »Ich hätte nie ein Haus von dieser Größe kaufen sollen. Wir brauchen sowieso nur die Hälfte des Platzes. Dann würde er mich sehr gut hören können.« Aber als ich die Treppe hinaufgehe, weiß ich, dass ich mich bei der Wahl zwischen diesem und einem kleineren Haus trotzdem für dieses entschieden hätte. Ich wollte Aaron und meiner Mutter einen hübschen Ort zum Leben bieten, ganz besonders nachdem sie meinetwegen durch die Hölle gegangen sind. Ich muss die Tatsache kompensieren, dass ich sieben lange Jahre nicht da war. Als ich zu der Gefängnisstrafe verurteilt wurde, war Aaron drei Jahre alt. Ich werde nie erfahren, wie schwer es für ihn war, weil ich nicht ertragen konnte, darüber nachzudenken. So oft es meiner Mutter möglich war, brachte sie ihn mit, wenn sie mich in Texas besuchte, aber das Geld war knapp, deshalb reichte es oftmals nicht aus. Für gewöhnlich wurden die Besuche dank der Großzügigkeit von Familienmitgliedern organisiert, die zusammenlegten, damit meine Mutter und mein Sohn den langen Weg von Ohio auf sich nehmen konnten. Abgesehen davon musste ich mich mit Telefonanrufen begnügen, um zu versuchen, irgendeine Beziehung zu meinem Sohn aufzubauen. Als er anfing, zu lesen und zu schreiben, kommunizierten wir über Briefe, aber das war eine furchtbare Art und Weise, um eine Mutter-Sohn-Beziehung zu führen. Ich kann mich jedoch glücklich schätzen. Mein Sohn ist das großartigste Kind auf der ganzen Welt. Er ist sehr klug und für sein Alter unheimlich weise, und er hat Verständnis für die schreckliche Situation, in die ich mich hineingebracht habe. Ja, es war mehr als verwerflich, dass ich überhaupt in diese Black-Hat-Hackergruppe hineingeraten bin. Ich hätte mich nicht der verbrecherischen Arbeit zuwenden sollen, um als frischgebackene Mutter, die das College geschmissen hat, über die Runden zu kommen, während ich gleichzeitig versuchte, meine kranke Mutter zu pflegen. Aber dann steckte ich irgendwann zu tief drin. Die Dinge, die ich tun sollte, wurden immer komplexer, was wiederum bedeutete, dass das Risiko viel zu hoch war. Als ich versuchte, mich zurückzuziehen, wurde ich nur allzu deutlich daran erinnert, dass ich nirgendwo hingehen würde. Ich gehörte für immer ihnen. Die Versicherung, die sie besaßen, um mich zum Bleiben zu überzeugen und wie eine brave, kleine Hackerin zu verhalten, war mein Sohn Aaron. Die Drohung war klar und unmissverständlich … ich hatte das zu tun, was mir aufgetragen wurde, oder Aaron würde sterben. So einfach war das. Der einzige Weg, mich aus der Situation zu befreien, bestand darin, mich schnappen zu lassen. Ich wurde damit beauftragt, das komplexe Firmengerüst unserer Regierung zu hacken, um Abschusscodes für Atomwaffen zu stehlen. Es war der Hack aller Hacks, durch den ich mich zu einer Legende machte und gleichzeitig mein Leben verdammte. Ich hätte die Codes nicht aus den Händen gegeben. Ich konnte nicht guten Gewissens das Leben anderer Menschen aufs Spiel setzen. Abgesehen davon … ich liebe mein Land. Deshalb habe ich mich absichtlich erwischen lassen. Wenn ich ins Gefängnis gehen würde, hoffte ich, dass ich damit zumindest eine Zeit lang nicht mehr in den Fängen der Organisation wäre, für die ich arbeitete, während Aaron und meine Mutter frei von meinen Sünden wären. Ich hätte am Boden zerstört gewesen sein sollen, als ich zu fünfunddreißig Jahren Gefängnis verurteilt wurde, aber das gelang mir nicht. Die Erleichterung darüber, mir keine Sorgen mehr machen zu müssen, dass Aarons Leben in Gefahr war, war zu groß. Das machte es mir einfach, meine Zeit mit einem reinen Gewissen abzusitzen. Nachdem ich im oberen Stockwerk angekommen bin, halte ich kurz an und schaue über das Geländer zum Wohnzimmer. Bevor wir eingezogen sind, habe ich neue Möbel und hübsche Kunstgegenstände gekauft, weil ich für Aaron ein echtes Zuhause herrichten wollte. Es ist schon verrückt, dass ich vor nur sechs Monaten noch im Gefängnis saß und einen Überraschungsbesuch von Kynan McGrath erhielt. Oh, mit welchem Selbstbewusstsein er diesen Besucherraum betrat und mir einen Job anbot. Ich dachte, er wäre vollkommen durchgeknallt, habe das Gefängnis aber tatsächlich noch am selben Tag gemeinsam mit ihm verlassen. Als freie Frau und offizielle Mitarbeiterin der Jameson Force Security. Die Macht, über die Kynan bei der US-Regierung verfügt, ist ein wenig beängstigend. Ich denke, er hat so viel großartige Arbeit für die Regierung geleistet, dass er so ziemlich jede Forderung stellen kann. In meinem Fall wollte er, dass einer der besten Hacker der Welt für ihn arbeitet, was der Grund dafür ist, dass ich nun frei bin und in einem vierhunderttausend Dollar teuren Haus lebe, das ich mir niemals hätte leisten können – nicht einmal in meinen wildesten Träumen –, wenn ich Kynan McGrath nicht getroffen hätte. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass Jameson mich für mein Talent extrem gut bezahlt, das nun ausschließlich für gute Zwecke genutzt wird. Ich gehe den kleinen Gang zum Flur entlang, der am Ende abzweigt. Mein Schlafzimmer befindet sich auf der rechten Seite. Aarons Zimmer, das meiner Mutter und ein zusätzliches Gästezimmer, das über der Garage liegt, in der zwei Autos Platz finden, liegen auf der linken. Ich klopfe an Aarons Tür und warte darauf, dass er antwortet. Auf der anderen Seite plärrt Musik, aber irgendwie hört er mich. Nach nur wenigen Sekunden wird die Tür schwungvoll geöffnet und vor mir steht ein fröhlich grinsender Aaron, der sich seinen Rucksack über die Schulter geschwungen hat. Er sieht kein bisschen aus wie sein Vater, an den ich mich kaum erinnern kann. Als ich mit Aaron schwanger wurde, war ich gerade in meinem zweiten Collegejahr am Massachusetts Institute of Technology. Sein Vater war nicht einmal bis zum zweiten Trimester bei mir geblieben. Nachdem Aaron geboren worden war, tat ich mein Bestes, um ihn auf dem Laufenden zu halten, aber er hatte einfach kein Interesse daran, Vater zu sein. Als ich ins Gefängnis musste, hatte ich schreckliche Angst, dass sein Vater versuchen würde, sich wieder...




