Berry | Wenn du wieder Lügst | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 330 Seiten

Berry Wenn du wieder Lügst


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98718-449-9
Verlag: VAJONA
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 330 Seiten

ISBN: 978-3-98718-449-9
Verlag: VAJONA
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der letzter gemeinsamer Sommer hatte sich anders abgespielt als sonst. Nachdem Mr. Crosby, der gut aussehende Tennistrainer, wegen einer leichtsinnigen Lüge ermordet worden war, hatten sich Blakely, Grace, Meg und Thera geschworen, alles geheim zu halten. Und nie wieder miteinander gesprochen. Bis jetzt. Zwanzig Jahre später bringt eine unheimliche Nachricht, die behauptet, zu wissen, was sie getan haben, sie wieder zusammen. Und wieder einmal hat Blakely die Fäden in der Hand.

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Das sagte ich mir immer wieder, als ich verzweifelt in meinem Wandschrank nach meinem Koffer suchte. Das sagte ich mir auch in der Nacht, als es passierte, und jedes Mal, wenn die Erinnerungen der letzten sechsundzwanzig Jahre an die Oberfläche drängten. So habe ich sie verdrängt. Es war nicht leicht gewesen, aber ich habe es geschafft.

Immer und immer wieder. Ein ständiges Mantra, bis ich mir einredete, dass es wahr sei. Man kann alles schaffen, wenn man sich darauf konzentriert. Zumindest konnte ich das.

So ist das, wenn die Mutter an Brustkrebs stirbt, wenn man sieben Jahre alt ist.

Das Gehirn denkt sich alle Wege aus, um damit fertig zu werden.

Es hat gar keine andere Wahl.

Ich konnte nicht glauben, dass ich die Mädchen wiedersehen würde, nachdem all die Zeit vergangen war. Es war wie ein seltsamer Fiebertraum. Ich hatte die Erinnerung an sie so lange verdrängt, und dann – bumm! Ich hatte mich noch immer nicht erholt. Meine Gefühle waren völlig durcheinander. Seit sechs Jahren hatte ich kaum das Haus verlassen. Nicht seit Dads Schlaganfall. Ich hätte jetzt nicht gehen sollen, aber ich hatte keine andere Wahl.

Blakely hat den Gruppentext angefangen und ihn an alle geschickt. Wie ist sie an unsere Kontaktdaten gekommen, wenn keiner von uns in Kontakt sein sollte? Das war Teil des Plans. Blakely muss es bestimmt zehnmal gesagt haben, bevor wir an dem Abend das Badezimmer verließen. Haben sich die anderen gemeldet? Ich dachte nur, dass sich alle anderen an den Plan halten, genau wie ich. Es kam mir nie in den Sinn, dass es anders sein könnte. Was, wenn ich die Einzige war, die sich von allen getrennt und nie zurückgesehen hatte? Hatten sie sich alle ohne mich zusammengetan? Hatten sie mich reingelegt? Aber ich hatte nichts falsch gemacht. Nichts Schlimmeres als das, was sie getan hatten.

Blakely hatte viel mehr Grund, zu schweigen als ich. Als jeder andere, wirklich. Es sei denn, sie haben sich zusammengetan und versuchen, mir die Schuld für das, was passiert ist, in die Schuhe zu schieben. Aber warum sollten sie das tun? Und warum gerade jetzt? Nach all dieser Zeit? In meinem Kopf drehte sich alles und mein Magen tat weh. Ich konnte nicht mehr klar denken. Ich schob die Ängste beiseite. Dies waren meine ältesten und liebsten Freunde. Ich war dumm. Völlig unlogisch und paranoid. Aber in dieser Situation war es schwer, es nicht zu sein.

»Wir erzählen nie jemandem, was wir getan haben. Nicht heute Abend. Nicht morgen. Niemals. Habt ihr mich verstanden? Wir vergessen alles und tun so, als hätten wir uns nie gekannt, wenn wir hier weggehen. Das«, sie zeigte auf uns alle, »ist nie passiert.« Wir saßen im Bad. Zusammengepfercht in einer winzigen Hütte. Ganz hinten im Raum. Alle Eltern der Camper waren aufgerufen worden, ihr Kind abzuholen, und die, die in der Nähe waren, waren schon auf dem Weg hierher. »Und das«, sie zeigte nach draußen, in Richtung der Haupthütte, wo sich alle Rettungsfahrzeuge und die Polizei versammelt hatten, »war nicht unsere Schuld.«

Ich hörte ihr zu. Und die anderen auch. Weil man auf Blakely hörte. Man stellte sie nicht infrage. Sie war schon immer die natürliche Anführerin unserer Gruppe, und in dieser Nacht war es nicht anders. Wir gingen schweigend aus dem Bad und niemand sprach, während wir eilig unsere Sachen in die Koffer packten. Die einzigen Geräusche in der Hütte waren – außer unserem Atem – das Zirpen der Grillen vor dem Fenster und das leise Schluchzen von Grace im Hintergrund. Sie hatte nicht mehr aufgehört zu weinen, seit wir die Nachrichten gehört hatten.

Aber wir unterbrachen unsere Arbeit nicht, um sie zu trösten, wie wir es normalerweise tun würden. Wir sahen uns nicht einmal an.

Wir hielten einfach den Kopf gesenkt und packten. Ich verließ die Hütte Naomi, die Fliegengittertür knallte hinter mir zu, ohne mich zu verabschieden. Ich wusste schon zu Beginn des Sommers, dass es das letzte Mal sein würde, dass wir alle zusammen sein würden. Im nächsten Jahr würden wir aufs College gehen und in die nächste Phase unseres Lebens ziehen. Aber so sollte es nicht enden. Es sollte der beste Sommer unseres Lebens werden.

Nichts davon hatte sich real angefühlt. Daran erinnerte ich mich am meisten in diesen letzten Momenten mit meinen Freunden. Die letzten Stunden in Camp Pendleton waren genau wie die, als meine Mutter starb. Das war auch alles, woran ich denken konnte, als ich neben ihr auf dem Krankenhausbett in unserem Wohnzimmer lag und hörte, wie sie keuchte, als sie ihre letzten Atemzüge machte und mit jedem Einzelnen kämpfte. Selbst als sie mit einem Fuß im Diesseits und mit dem anderen im Jenseits stand, fühlte ich nichts. Völlig losgelöst, weil ich es nicht für möglich hielt, dass es mein Leben war. Meine Mutter sollte leben. Sie sollte nicht sterben. Was ist mit all unseren Gebeten?

Alle meine Therapeuten haben mich gefragt, was ich in diesem Moment mit ihr gefühlt habe, und ich habe ihnen nie die Wahrheit gesagt. Denn das ist nicht das, woran man denken sollte, wenn die tollste Frau der Welt stirbt. Der Tag, an dem man sein Herz verliert. Einen Teil seiner Seele. Dazu sollte man eigentlich etwas Tiefgründiges zu sagen haben. Aber das hatte ich nicht.

Genau wie an dem Tag, als meine Mutter starb, sprang mein Vater ein, um mich auf die gleiche Weise aus dem Camp zu retten. Er war immer mein Mittelpunkt, wenn die Welt auf den Kopf gestellt wurde. Mein Held. Er rannte zu mir, sobald er mich den Hügel hinunterkommen sah, packte mich und hob mich hoch, sobald er in der Nähe war. Seine vertrauten, muskulösen Arme schlangen sich um mich und er hielt mich die längste Zeit an sich gedrückt, während sein Herz gegen meines schlug. Schließlich zog er sich zurück und nahm mein Gesicht in seine Hände.

»Geht es dir gut, Bug?« Seine großen, braunen Augen blickten in meine. Sie waren voller Sorge und Liebe. Er tat sein Bestes, um nicht zu weinen. Kräftig mahlte er mit seinem Kiefer, während er mir die Haare hinter die Ohren strich.

Ich nickte. Ich hatte zu viel Angst, um zu sprechen. Hatte ich immer noch Blut auf meinem Gesicht? Es fühlte sich immer noch so an, auch wenn wir es im Waschbecken abgewaschen hatten.

»Bringen wir dich hier raus«, sagte er, packte meine Tasche mit einem Arm und legte seinen Anderen um mich. Er hielt kurz inne und schaute in den Himmel. »Gott, hilf uns durch diesen Moment.« Er holte tief Luft und wandte seinen Blick wieder zu mir. »Du schließt jetzt die Augen und lässt sie geschlossen, Bug. Sieh nirgendwo hin, wenn wir durch den ganzen Trubel da unten gehen, hörst du mich? Da sind eine Menge Leute. Es ist viel los und du musst nichts davon sehen. Hast du verstanden?«

Ich nickte. Ich verstand, dass es ein Tatort war. Ein brutales Massaker auf dem Gelände, und er brauchte mir nicht zu sagen, dass ich meine Augen schließen sollte. Ich hatte sie bereits geschlossen und mein Gesicht an seiner Brust vergraben, weil ich mir wünschte, er könnte mich vor den Bildern schützen. Aber es war zu spät. Ich hatte schon zu viel gesehen. Der Polizeifunk knisterte. Die Luft roch metallisch. Fast so, wie sie nach einem Regen riecht. Nur dass es kein Regen war – es war Blut. Ich schaute nichts oder niemanden anderes an, während wir durch die Massen von Polizisten gingen, die sich sekündlich vermehrten und wie Ameisen auf dem Gelände herumliefen. Ich vergrub meinen Kopf auf dem Weg zum Auto an Dads Brust.

Die Erinnerungen ließen mich erschaudern. Ich wollte mich nicht an die Autofahrt erinnern oder daran, wie die ersten Tage zu Hause gewesen waren. Mir war schlecht und ich war verängstigt. Vor allem vor Sorge. Die Bilder. Was wir getan hatten. Die Rolle, die wir gespielt haben. Ich wartete ständig darauf, dass das Telefon klingelte oder ein Polizist an meine Haustür klopfte und mich mit aufs Revier nahm, aber niemand rief jemals an. Niemand kam jemals. Ich beobachtete die Geschichte aus der Ferne und hörte sogar auf, mir Sorgen zu machen. Ich hatte keine andere Wahl, wenn ich mit meinem Leben weitermachen wollte. Man kann nicht ewig in einem Trauma stecken bleiben. Das musste ich meiner Mutter versprechen, als sie starb: »Wage es nicht, das als Grund dafür zu nehmen, dein Leben wegzuwerfen, Thera. Hast du mich verstanden?«

Das hatte ich also mit dem letzten Sommer im Camp gemacht. Dasselbe, was ich mit meiner Mutter getan hatte. Ich habe weitergemacht. Aber jetzt war alles zum Stillstand gekommen.

Ich habe nie nach einem meiner Mitbewohner gesucht, als solche Sachen durch die sozialen Medien möglich wurden. Am Anfang war es schwer gewesen, aber jetzt waren sie für mich schon seit Jahren tot. Eigentlich schon seit Jahrzehnten. Wie würde es sein, Blakely nach all dieser Zeit wiederzusehen? Bis zu diesem Tag war sie die beste Freundin, die ich je hatte. Würde sie immer noch grunzen, wenn sie lachte? Hatte sie sich jemals das Muttermal auf ihrer Wange entfernen lassen, wie sie geschworen hatte, es zu tun, wenn sie erwachsen ist? War sie noch dieselbe Person? War ich es? War das irgendjemand von uns?

So viele Fragen. Aber ich ließ nicht zu, dass ich über die wichtigste Frage nachdachte – die Frage, die am meisten zählte. Werden wir endlich jemandem sagen, was wir getan hatten? Die Dinge nach...



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