Betsch | Ballade am Strom: Historischer Roman | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 645 Seiten

Betsch Ballade am Strom: Historischer Roman

Die Zeit der Napoleonische Kriege
1. Auflage 2017
ISBN: 978-80-272-2434-0
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Zeit der Napoleonische Kriege

E-Book, Deutsch, 645 Seiten

ISBN: 978-80-272-2434-0
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der historische Roman 'Ballade am Strom' von Roland Betsch entführt den Leser in die turbulenten Zeiten des 18. Jahrhunderts. Die Geschichte folgt dem jungen Matrose Johann, der auf der Rheinschifffahrt nach neuen Abenteuern sucht. Betsch gelingt es, die Atmosphäre dieser Epoche mit lebendigen Beschreibungen und detailreichen Schilderungen einzufangen. Sein literarischer Stil zeichnet sich durch eine gekonnte Mischung aus historischen Fakten und fesselnder Handlung aus, die den Leser in den Bann zieht und ihn in vergangene Zeiten eintauchen lässt. Roland Betsch, selbst studierter Historiker, verwebt in 'Ballade am Strom' geschickt historische Ereignisse mit fiktiven Charakteren und schafft so ein lebendiges Bild der Zeit. Sein tiefgreifendes Wissen über die Epoche spiegelt sich in der Detailgenauigkeit seiner Beschreibungen wider, die dem Leser einen authentischen Einblick in das Leben am Rhein im 18. Jahrhundert geben. Dieses Buch ist ein Muss für alle Liebhaber historischer Romane, die sich von der besonderen Erzählweise Roland Betschs faszinieren lassen möchten. 'Ballade am Strom' bietet nicht nur spannende Unterhaltung, sondern auch eine eindrucksvolle Reise in die Vergangenheit, die den Leser in ihren Bann ziehen wird.

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Kapitel 1


In einer Gemarkung der Haingeraide, dem Eschkopf vorgelagert, brannte der Wald. Zersprengte, flüchtende Truppen hatten eine flammende Barrikade aufgerichtet. Das Feuer entfaltete seine schaurigen Fahnen.

Ein Fanal des Menschenaberwitzes flackerte zum Himmel. Das winterliche Land war frei von Schnee, trockener Frost würgte die geschändete Erde, in den Bäumen war der Saft gesunken, es brach mörderisch über den Schlaf der Wälder herein.

Das Feuer schlug die uralten Eichen, die Buchen-Kiefern-Mischbestände, die wertvollen Kiefernstarkhölzer und den Jungwald; aus Bäumen wurden lodernde Fackeln, die zügellos zum Himmel qualmten.

Der Wald, ewig in seiner Herkunft und Wiederkehr, brannte zuschanden, ein Aufmarsch des Todes in der Nacht, Bäume stürzten in den Aufruhr, aus brennenden Nadelwipfeln prasselte der Funkenregen. Eine glühende rote Wand, in sich selber wallend und wogend, wanderte mit dem Wind, Schwärme von aufgejagten Vögeln stürzten in die Flammen, geblendet vom glühenden Tod. Was noch lebte inmitten dieses Grauens, war auf zielloser Flucht und kam im brennenden Unheil um. Der Wald, immer wieder aus der Not und Qual der Jahrhunderte neu erstanden, der Wald brannte und sein Tod war ohne Beispiel, ein Untergang von heldischer Größe, singend und brausend und orgelnd noch im Hinübersterben.

Und da die Elemente ein Schauspiel nach ihrem Geschmack wollten, schickten sie Möglichkeiten von verwegener Schau ins Treffen. In der Nacht noch raumte der Wind nach Südwesten, Wolken drängten in dumpfen Kolonnen heran, sie ballten sich über dem roten Fackelzug, dumpf lauernd und schwer von Kälte und triefender Nässe. Mit einem Male, als ob es nun Zeit sei, einen Wäldertod mit Gepränge zu umgeben, sanken sie wie Vorhänge mitten in den roten Hexenkessel.

Aus dem Himmel über dem brennenden Wald fiel das dichte Wirbelspiel des Schnees. Vom Winde gepeitscht, flimmernd und glitzernd in der Höhe unter dem Feuerschein der brennenden Bäume, fuhr das weiße Gestöber in die rote Brandung, im Niedersinken zerfließend und verlöschend im Übermaß der Hitze.

Und ganz oben in der Höhe, vom böigen Winde gezaubert, ein Wechselspiel zwischen roten Funken und weißen Flocken, in das mit kurzen Unterbrechungen die Explosionen der Kiefern- und Tannennadeln wie Feuerfontänen stießen, ein Wirbeltanz von Kälte und Hitze, ein wilder Farbenreigen über Tod und Vernichtung und ein Untergang voll hinreißender Größe.

Drei Tage schon brannte das Gebäude des Waldes, nun sanken die letzten Pfeiler, kalte Regengüsse stürzten auf verkohlte Trümmer, Rauch und Brodem stiegen aus dem schwarzen Ödland auf, der Tod blies über die qualmende Walstatt.

Bei einer Lichtung, die am Hang eines Wälderberges lag, hatte der Brand Halt gemacht.

Dort stand ein Haus, dort war kümmerliches Ackerland, leergeraubt und brach in der Trostlosigkeit des Wintermorgens liegend.

Auf diesem Schauplatz ein Mensch.

Ungeheuer allein, rätselhaftes Überbleibsel, ein Mensch. Er trug Rock und Hut eines Försters, hohe Stiefel und eine graue Hose.

Sein Gesicht, blutig zerrissen, durch Bartstoppeln verwildert, war starr und ohne Regungen, wie es das Gesicht eines Menschen ist, der nach einer Kette von Schrecken nun ausruht und in eine Art Versteinerung sinkt.

Der Mann schaufelte Erde in ein Grab. Am Rande des verkohlten Waldes stand er und warf die Schollen klumpenweise in die nasse Grube.

Ein müder Anblick.

Als er fertig war, legte er verkohltes Getrümmer von Ästen über die frische Erde, aus zwei Stämmen schlug er ein Kreuz und stieß es in den Boden.

Dann ging er in das Haus, langsam und erstaunt über alle Dinge, die er wahrnahm.

Er kam in die Küche und schaute sich um in dem leergeplünderten Raum. Die Schranktüren standen offen, Schüsseln und Pfannen, zerbrochene Steinguttöpfe lagen trostlos durcheinander.

Der Küchenherd war kalt und beschmutzt, ein Holztisch zertrümmert. In der Ecke beim Schrank lag ein Käfig mit einer toten Singdrossel.

Der Mann, ohne Mienenspiel, stand reglos und drehte nur den Kopf, wie ein Vogel, der Umschau hält in einem Bezirk, der sich mit einem Male seltsam verändert hat. Er ging dann durch die Zimmer. Zuerst durch das Getrümmer des Wohnzimmers, dann in das angrenzende Schlafzimmer. Überall standen Schub und Kasten offen, die Bilder waren von den Wänden gerissen, Vorhänge lagen zertreten am Boden, ein Tisch war umgestürzt, die Scherben einer Lampe lagen zerstreut, Öl kroch umher.

Es roch nach Tod und Auflösung, die Kälte lagerte in den verlassenen Räumen, ein Hauch von Erstarrung blies durch Spalten und zersplitterte Fensterscheiben.

›In allen Winkeln nistet der Tod‹, dachte der Mann und vernahm plötzlich ein Geräusch, das er, unerklärlich fast, bisher überhört hatte. Wie war es möglich, kein Ohr zu haben für diese lebendige Stimme.

Eine Uhr tickte.

In dieser grauen Verlassenheit tickte eine Uhr.

Der Mann suchte die Uhr.

Richtig, natürlich war dort die Uhr. Eine Schwarzwälder Bauernuhr mit schweren Gewichten, die fast am Boden hingen.

Tack tack tack, ging die Uhr, das Perpendickel schwang aufgeregt hin und her.

Eine Zauberei in dieser Gruft.

Tack tack.

Wunderlicher Anblick, der Mann trat auf die Uhr zu wie auf ein lebendes Wesen.

Er griff nach den Schnüren und zog die Gewichte hoch, erschreckend vor dem knarrenden Geräusch.

Lange blieb er vor der Uhr stehen.

Tack tack tack.

Zehn Uhr zwanzig.

Zehn Uhr zwanzig, überlegte der Mann, was hieß das, welchen Sinn, welche Bedeutung hatte es?

Ihn fror bis in die Eingeweide, er ging zum Fenster und schaute hinaus in den Wintermorgen.

Immer noch stieg Rauch aus den verkohlten Wäldern.

Alle Dinge waren fremd, verändert und wie ausgeblasene Lichter.

Unbegreiflich, daß eine Uhr dieses Grauen überstanden hatte.

Der Mann ging zu einem Sekretär, dessen Schubladen auf dem Boden lagen. Er wühlte in Papieren, griff in Bündel von Akten und Schriften.

Er las; was las er denn, der Narr? Was, zum Teufel, gab es zu lesen hier, wo nichts mehr atmete und nirgends ein Funken Wärme einem entgegenschlug?!

Lieber Gott, da lag auch eine alte Bibel, zerrissen und elend geschändet.

Tack tack tack.

Er schlug die Bibel auf, sie enthielt auf den ersten Seiten Familieneintragungen, Geburt und Taufe, Hochzeit und Tod. Den Teufel auch, da stand es als letztes Dokument, da war es zu lesen, die Schrift war nicht gemordet, die Zahlen und Zeichen waren nicht geplündert.

Peter Aust, Revierförster, geb. 1779, verheiratet mit Anna Aust, geborene Ruster, am 15. Mai 1806. Ein Sohn mit Namen Andreas, geboren am 21. April 1807.

Der Mann starrte auf die Schriftzeichen und dann drehte er wieder den Vogelkopf.

Tack tack tack.

Richtig, Peter Aust, Revierförster, geboren 1779. Eine Frau mit Namen Anna, ein Sohn mit Namen Andreas.

Tack tack.

Er griff sich an die Stirn. Sollte es nicht schon Leute gegeben haben, die ihr Gedächtnis verloren hatten! Richtig, ein Sohn mit Namen Andreas. Richtig, der Kaiser geschlagen, Bonaparte am Ende. Die große Armee bei Mainz über den Rhein. Typhus. Barbarei. Rückzug und Flucht. Flucht im ganzen Departement. Flucht am Rhein nach Frankreich, Zöllner und alle Beamte mit Frauen und Kindern, durch die Wälder nach Westen, ungeordneter Troß.

Soldaten in Lumpen, erfroren und schwarz im Gesicht vor Hunger, furchtbarer Anblick. Raub und Mord und Wahnsinn. Nur noch Zerrbilder von Menschen, nur noch Kreaturen, die nach dem Leben schrien, das ihnen so sonderbar mitspielte.

Richtig, Peter Aust.

Tack tack.

Am Boden dort ein häßlicher Fleck. Blut. Es kroch aus Winkeln und Ecken, es wand sich hinter Möbeln und Öfen hervor, alle Räume füllten sich mit Grauen, es war kein Halten mehr, eine Unflat von Schrecknis überschwemmte das einsame Gehöft.

Der Mann kletterte durch das offene Fenster ins Freie. Da stieg mit einemmal, mächtiger als der Tod und wie ein Augenaufschlag Gottes, die Sonne hoch. Über den Kalmitberg herauf hob sich das feurige Gestirn, Garben von Licht aussendend, aber mit Wärme eigensinnig geizend.

Der einsame Mensch, übriggeblieben und vergessen, stand in der Kaskade des Lichtes, ein Rest von Leben in einer Wildnis und Einöde, zusammenlebend mit einer Uhr, die noch nicht verhungert und erfroren war.

Tack tack. Durch das offene Fenster kamen die Herzschläge der Uhr.

Die Sonne stieg immer höher, das Brausen und Tönen, das von ihr ausging, wurde immer gewaltiger, sie schien zu dröhnen im Übermaß ihres Feuers, es war nicht zu ergründen, wie weit jenseits sie stand und unerreichbar jeder menschlichen Sehnsucht.

Der übriggebliebene Mensch hatte noch einen Rest von Glück, im hintersten Winkel der Scheune fand er verschrumpfte Viehkartoffeln. Er verzehrte von den rohen Knollen; wie sie dalagen, staubig und erdbeschmutzt, so nahm er sie und biß voll Gier hinein, das zermahlende Geräusch des Kauens war in der Stille des Raumes zu hören.

Er nahm den Rest der Kartoffeln, um ihn ins Haus zu tragen. Immer noch kauend, verließ er die Scheune. Als er ins Freie trat, sah er eine Frau über die Waldlichtung kommen. Merkwürdig hell hob sie sich von der Düsternis ihrer Umgebung ab.

Es war kein Traum, eine junge Frau kam mit zaghaften Schritten über die nasse, halb schneebedeckte Lichtung. Sie blieb einen Augenblick stehen, leicht vorgebeugt und wie ein Tier des Waldes, das vor einer Gefahr verhofft.

Dann standen sie sich gegenüber, der Mann in der Kleidung des Försters, verwilderten Gesichtes und blutzerschunden,...



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