E-Book, Deutsch, Band 3, 313 Seiten
Reihe: Philadelphia-Love-Storys
Bilinszki Trust your heart: Michaela & Marc
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-593-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | Philadelphia-Love-Storys, Band 3 - Wird er ihre Rettung sein - oder ihr Untergang?
E-Book, Deutsch, Band 3, 313 Seiten
Reihe: Philadelphia-Love-Storys
ISBN: 978-3-98690-593-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Nina Bilinszki ist in den 80er Jahren im Ruhrpott aufgewachsen und lebt heute im Rhein-Main-Gebiet. Seit sie sich erinnern kann, begeistert sie sich für das Schreiben. Wenn sie sich nicht gerade bei ausgedehnten Jogging-Runden inspirieren lässt, taucht sie in die mitreißenden, manchmal glücklichen und manchmal traurigen Welten ihrer Charaktere ein. Die Website der Autorin: www.nina-bilinszki.de/ Die Autorin auf Instagram: www.instagram.com/nina.bilinszki Bei dotbooks veröffentlichte Nina Bilinszki ihre romantische Philadelphia-University-Romance-Reihe: »At Your Side: Emma & Jaxon - Band 1« »Hold You Close: Lucy & Julian - Band 2« »Trust Your Heart: Michaela & Marc - Band 3« »Find Our Way: David & Kieran - Band 4«.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Michaela
So eine verdammte Scheiße!
Mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, schlug ich auf den Sandsack vor mir ein.
Jab, Jab, Cross.
Jab, Cross, Jab.
Links, links, rechts.
Links, rechts, links.
Immer wieder diese Kombinationen, so schnell und hart ich konnte. Meine Arme begannen zu brennen, und eine Schweißperle lief mir über die Stirn direkt ins Auge. Ich ließ mich nicht davon beirren, sondern bearbeitete den Sandsack weiter. In der Hoffnung, dass die Erschöpfung auch mein Gedankenkarussell endlich stoppen würde.
Meine Schuhe quietschten bei jeder Drehung auf dem Hallenboden und ich versuchte mich auf meinen Atem zu konzentrieren, den ich bei jedem Schlag zischend zwischen meinen Zähnen herauspresste. Ich sehnte diese vollkommene Leere in meinem Kopf herbei, die das Training mir normalerweise verschaffte. Nicht denken, nicht fühlen müssen. Aber das erreichte ich heute nicht einmal ansatzweise.
Immer wieder spielte sich diese eine Szene vor meinem inneren Auge ab.
Fenton, wie er mir gestern ziemlich emotionslos mitgeteilt hatte, dass er mich nicht länger sehen wollte, weil ich ihm das Gefühl vermittelt hatte, kein Interesse an einer Beziehung zu haben. Was korrekt war. Ich wollte nicht mit ihm zusammen sein. Fenton war ein netter Kerl und würde ein nettes Mädchen einmal sehr glücklich machen.
Aber ich war kein nettes Mädchen. Von Anfang an hatte ich ihn nur dazu benutzt, um Marc eifersüchtig zu machen. Und hatte selbst dann nicht damit aufgehört, als es keine Wirkung gezeigt hatte.
Es war nur logisch, dass Fenton unser Techtelmechtel von sich aus beendet hatte, und sollte mich gar nicht stören. Trotzdem versetzte es mir einen Stich, erneut alleine dazustehen.
Wut stieg in mir auf und ich verstärkte meine Bemühungen, den Sandsack zu Brei zu verarbeiten. Warum konnte nicht einmal etwas so laufen, wie ich es mir wünschte?
Ich spürte Marcs Blicke auf mir, die sich wie eine Speerspitze in meinen Rücken bohrten. Das machte er ständig, als könne er mich nicht aus den Augen lassen und müsse jede meiner Bewegungen verfolgen. Ich versuchte mir einzureden, dass er als Trainer nur kontrollieren wollte, ob meine Armhaltung und Beinarbeit korrekt waren. Aber das war Schwachsinn, denn keinen seiner anderen Schützlinge bedachte er mit dieser intensiven Aufmerksamkeit. Selbst die nicht, die es bitter nötig hatten.
Genervt stieß ich die Luft aus und versuchte Marc auszublenden. Nur auf die Bewegungen konzentrieren. An nichts denken.
Unmöglich.
Mein Frust wuchs und damit auch meine Unachtsamkeit. Meine Bewegungen wurden schlampiger, unkoordinierter, was auch Daniel nicht verborgen blieb.
»Schultern hoch, denk an deine Deckung«, mahnte er mich sogleich.
Daniel war neben Marc ein weiterer unserer drei Trainer, die den Anfängerkurs im Boxverein leiteten. Er hielt gerade den Boxsack für mich, damit ich mich besser auf meine Bewegungsabläufe konzentrieren konnte und nicht noch den herumschwingenden Sack einplanen musste. Wie Marc war er sehr darauf bedacht, dass wir die Schläge präzise und aus der Hüftdrehung heraus ausführten anstatt mit roher Gewalt auf den Sandsack einzuprügeln ? was ich gerade tat.
»Mach ich doch«, sagte ich dennoch. Je länger ich das leblose Objekt vor mir bearbeitete, desto wütender wurde ich. Auf mich, auf Marc und das ganze verdammte Universum. Wenn er mich doch nicht wollte, warum konnte er mich dann nicht in Ruhe lassen? Würde er mich nicht länger beachten, würde sicher auch mein verliebtes Herz irgendwann kapieren, dass keine Chance für mich bestand.
Meine Fäuste flogen regelrecht durch die Luft, und mein Atem kam in keuchenden Stößen.
»Michaela, hör auf.« Daniel ließ den Boxsack los und trat zur Seite.
Das machte es mir um einiges schwerer, darauf einzudreschen, trotzdem ließ ich nicht davon ab. In meinen Ohren begann es zu rauschen, und ich bekam einen Tunnelblick, aber ich dachte gar nicht daran aufzuhören.
»Michaela«, sagte Daniel erneut, lauter diesmal.
Ich ignorierte ihn, blendete ihn sowie alle anderen in dieser Turnhalle aus. Es existierten nur noch meine gleichmäßigen Schläge und das Ziehen in meinen Schultern, das von Minute zu Minute stärker wurde.
Starke Arme schlossen sich von hinten um mich und zogen mich zurück. Zuerst wusste ich nicht, wer es war, und versuchte mich dagegen zu wehren. Dann stieg mir Marcs Geruch in die Nase, irgendwie erdig und frisch, der mich immer an einen Waldspaziergang im Frühling erinnerte, und sämtliche Kraft floss aus mir heraus. Schlaff hing ich in seinem Griff, wurde mehr von ihm als meinen eigenen Beinen getragen.
Der Schweiß lief mir in Strömen über das Gesicht, meine Glieder schmerzten vor Anstrengung, und ich bekam kaum genügend Luft: in meine Lunge. Wann war ich derart außer Atem geraten?
Marc dirigierte mich langsam zu einer der Bänke, die verteilt an den Wänden im Raum standen.
»Möchtest du mir sagen, was los ist?«, fragte er leise, dabei streifte sein Atem meinen Nacken und verursachte mir eine Gänsehaut.
Sofort hasste ich meinen Körper, dass er auf die kleinste Berührung von Marc derart heftig reagierte. Mal wieder. Als wäre ich ein verdammter Kompass und Marc mein Nordpol.
Dabei hatte ich mir geschworen, mich nie wieder nach jemand anderem auszurichten.
Resolut wand ich mich aus Marcs Umklammerung und drehte mich mit zu Fäusten geballten Händen zu ihm um.
»Wie kommst du darauf, dass etwas los ist?«
»Selbst für deine Verhältnisse bist du ungewöhnlich schlecht drauf.« Er zuckte mit den Schultern.
Selbst für meine Verhältnisse? »Was soll das denn heißen?«, fuhr ich ihn an. Wenn er mir jetzt sagte, ich wäre eine Zicke, würde ich ihm eine reinhauen.
»Du bist halt…« Er schien nach dem richtigen Wort zu suchen. »Leidenschaftlich«, sagte er schließlich.
Was nur eine nettere Umschreibung für Zicke war.
»Du musst dich ja nicht mit mir abgeben«, zischte ich, ehe ich kurz auflachte. »Ach, stimmt ja, tust du ja schon nicht mehr.« Meine Worte klangen bitter, aber er hatte mit seiner Ablehnung eine Wunde aufgerissen, die noch lange nicht verheilt war. Es hatte mich einiges an Überwindung gekostet, mich ihm zu öffnen und ihm von meinen Gefühlen zu erzählen. Er hatte erstaunt gewirkt, aber nicht überrascht, als hätte er es bereits vermutet, mir aber nicht zugetraut, es auszusprechen. Noch heute hallte seine Antwort in meinem Kopf wider.
»Michaela … es tut mir leid, aber ich kann nicht. Es ist nicht so, als würde ich dich nicht toll finden. Du bist eine umwerfende Frau, aber ich kann mich momentan nicht auf eine Beziehung einlassen. Es liegt nicht an dir, sondern an meinen chaotischen Lebensumständen. Tut mir leid.«
Es lag nicht an mir, sondern an seinen chaotischen Lebensumständen? Wenn es nicht so traurig wäre, könnte ich darüber lachen. Marc war der geradlinigste Mensch, den ich kannte. Er war ein guter Student, lernte immer fleißig und hatte zwei Jobs, um nicht nur seinen eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren, sondern auch seine Mom und seinen kleinen Bruder unterstützen zu können. Dass er mir nicht wenigstens ehrlich sagen konnte, dass er schlichtweg kein Interesse an mir hatte, war fast schon enttäuschend.
Auch jetzt schien er keine Antwort auf meine Worte zu finden, sondern starrte mich nur unschlüssig an. Daher wandte ich mich ab und marschierte in Richtung Umkleiden davon. Ich konnte mich heute eh nicht aufs Boxen konzentrieren, und Marc einfach mal stehen zu lassen, tat irgendwie gut.
Ich war nicht weit gekommen, als ich Schritte hinter mir hörte und Marc nach meinem Arm griff. Ein Kribbeln raste durch meinen Arm.
Ich wirbelte auf dem Absatz herum.
»Was?«, fragte ich schärfer als beabsichtigt.
»Bist du sicher, dass es dir gut geht?«
»Jetzt tu nicht so, als würde dich das interessieren«, gab ich zurück.
Erstaunen trat auf sein Gesicht. »Ich hab doch gesagt, dass ich unsere Freundschaft nicht gefährden will.«
Ein Schnauben entwich mir. »Und was ist seitdem passiert? Du ignorierst mich. Du hast nur noch Zeit, wenn ich dich wegen irgendwas um Hilfe bitte, von selber meldest du dich gar nicht, und was in deinem Leben passiert, erfahre ich auch nicht mehr. Newsflash, so verhalten sich Freunde nicht.« Erst jetzt fiel mir auf, dass er noch immer mein Handgelenk umklammert hielt, daher entriss ich es ihm, um meine Worte zu unterstreichen.
Marc wirkte sichtlich unwohl. »Aber ich wollte dir doch nur die nötige Zeit geben, um mit der Situation klarzukommen«, wehrte er sich.
»Woher willst du wissen, was ich nötig habe, wenn du nicht mit mir redest? Hör auf, über meinen Kopf hinweg Entscheidungen zu treffen. Wenn du wirklich mein Freund sein willst, dann verhalt dich auch gefälligst so.« Mit diesen Worten ließ ich ihn stehen und stolzierte hoch erhobenen Hauptes in die Umkleide.
Meine Hände zitterten noch immer, als ich die Boxhandschuhe von meinen Händen riss und die Bandagen löste, aber die Wut in meinem Inneren ebbte langsam ab. Eigentlich sollte ich froh sein, dass Marc mit offenen Karten spielte, anstatt mich hinzuhalten oder mir etwas vorzumachen. Wenn es nur nicht so verdammt wehtun würde.
Ich zog mich in Windeseile um und packte meine Sachen zusammen. Ein eisiger Wind pfiff mir um die Ohren, sobald ich die Sporthalle verließ, find ich ärgerte mich, dass ich meine Mütze vergessen hatte.
In der letzten Woche hatte es zuerst etwas geschneit, bevor die Temperaturen in den Dauerfrostbereich abgesackt waren. Vereiste Gehwege waren die Folge, was meinen Heimweg zu einer...




