Bloom | Immer, wenn wir uns begegnen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Bloom Immer, wenn wir uns begegnen


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7457-0358-0
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-7457-0358-0
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Nacht und ein ganzes Leben

Quinns großer Traum, Konzertpianistin zu werden, ist geplatzt. Doch was als der schlimmste Tag ihres Lebens beginnt, wird zu der schönsten Nacht. Quinn trifft einen Mann, zu dem sie eine besondere Verbindung spürt. Gemeinsam streifen sie bis zum Morgengrauen durch San Francisco, ohne ihre Namen oder Nummern auszutauschen. Wenn sie füreinander bestimmt sind, wird das Schicksal sie wieder zusammenführen - davon ist Quinn überzeugt. Sechs Jahre später sind Quinn nur Erinnerungen und ein Armband geblieben, das er ihr geschenkt hat. Als eine Hotelkette ihre Pension übernehmen will, sucht Quinn empört den CEO auf. Plötzlich steht sie vor dem Mann, den sie seit Ewigkeiten in ihrem Herzen trägt ...



Rose Bloom schreibt unter ihrem Pseudonym seit 2016 gefühlvolle Liebesromane und New-Adult-Geschichten von ihrem Zuhause in der Nähe von Frankfurt am Main aus. Von dort träumt sie sich in entfernte Großstädte und abgelegene Orte wie die fiktive Kleinstadt New Hope. Deren großes Vorbild ist Roses Wunschreiseziel Nummer 1 als große Bergliebhaberin: die kalifornische Sierra Nevada.

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Autoren/Hrsg.


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KAPITEL 1


Quinn/ Rain

Sechs Jahre zuvor

Dies hier war der Moment, in dem mein Herz brach und mein Traum starb. Ich spürte es, wie man ein nahendes Gewitter spürt. Wie man es spürt, wenn die Achterbahn kurz davor ist, in die Tiefe zu stürzen.

Meine Finger verkrampften sich auf den Tasten. Schwarz. Weiß. Schwarz. Weiß. Ich schaute von der hohen Bühne, blinzelte gegen die grellen Scheinwerfer, die auf mich gerichtet waren, und erkannte drei dunkle Schemen in den ansonsten leeren Sitzreihen. Drei Menschen, die über meine Zukunft bestimmten und warteten, dass ich endlich begann. Doch die Panik lähmte mich, kroch meinen Nacken hinunter und legte sich wie ein kalter Film auf meine Haut, sodass ich gleichzeitig fror und schwitzte. Es fühlte sich an wie ein Wechselbad zwischen einem Saunagang und einem Eisbad.

Ich schaute zurück auf die Noten, zurück zu den Klaviertasten unter meinen verkrampften Fingern, wieder zurück auf die Notenblätter, die ich gar nicht brauchte, weil ich das Lied in- und auswendig kannte. Ich hatte das Stück Charlotte’s Daydream hundert-, vielleicht tausendmal gespielt und gefühlt. Doch dort, wo ansonsten die Musik mein Herz wie eine Stimmgabel vibrieren ließ, war nichts. Nur Leere.

Tränen brannten in meinen Augen, diesmal nicht, weil mich das gespielte Stück wie in einen emotionalen Rausch zog, sondern weil die Panik gewonnen hatte. Die Erkenntnis, dass ich vielleicht nie wieder spielen konnte, traf mich wie ein brennender Pfeil. Ich hatte es gewusst, ich hatte doch gewusst, dass ich vor Publikum jedes Mal versagte, doch meine Grandma Ophelia hatte darauf gepocht, das Vorspielen an der School of Music nicht abzusagen. Meinen Traum nicht aufzugeben. Statt Freude darüber, diese Chance bekommen zu haben, hörte ich die Stimmen meiner Highschool-Mitschüler in meinem Ohr. Stimmen, die mich spöttisch Wunderkind nannten, deren abwertendes Flüstern mir eine erneute Welle an Gänsehaut verschaffte.

»Schau doch mal, wie seltsam sie ist«, sagten sie.

»Hält sie sich für etwas Besseres?«, spotteten die anderen.

»Ms. Parker? Ist alles in Ordnung?«, hörte ich Mr. Erickson fragen. Er war einer der Klavierlehrer an der Schule, hatte fünf Jahre beim Sidney Symphony Orchestra gespielt und war eine Legende.

Ich räusperte mich. »Ja. Ich …« Keine Ahnung, was ich eigentlich sagen wollte, aber die Worte blieben mir im Hals stecken, versagten und ließen mich im Stich wie meine Finger, die diesem wundervollen schwarz glänzenden Flügel heute sicherlich keine Töne entlocken würden. Ich ließ den Kopf sinken, atmete tief ein und stand auf. Die Scheinwerfer waren so heiß, dass sie vermischt mit meiner Panik winzige Schweißperlen auf meine Stirn trieben, bis das Licht im Saal anging und ich die Menschen vor mir komplett erkennen konnte.

»Ich danke für Ihre Zeit, es … tut mir leid«, stammelte ich. Die Direktorin Mrs. Doyle notierte etwas in einem Notizbuch. »Ich kann heute nicht für Sie spielen.«

»Sind Sie sicher? Diese Chance ergibt sich vielleicht nur ein Mal im Leben«, stocherte sie noch tiefer in der Wunde herum, die in mir brannte. Mit fünf hatte mich meine Grandma zum ersten Mal auf das Flower Piano Festival in unserer Heimatstadt San Francisco mitgenommen. Mit großen Augen und wild klopfendem Herzen hatte ich dem Klavierspieler gelauscht. In dem Alter hatte ich noch nicht viel Erfahrung in Dingen, die das Leben für einen bereithielt, aber ich hatte es sofort gespürt. Dieses warme Gefühl, das mich bei jedem einzelnen Klang erfüllte. Während meine Freundinnen Tierärztin oder Prinzessin werden wollten, wollte ich nur eines: Klavier spielen.

Es stand für mich fest, dass nur das infrage kam, bis zu dem Augenblick, in dem ich gemerkt hatte, dass ich nicht für Publikum geschaffen war. Trotzdem hatte ich auf den Moment meines Highschoolabschlusses gewartet, um mich hier bewerben zu können. Nun war ich hier, hatte es versucht und versagt.

»Dann danke für Ihr Kommen«, zog mich die Stimme von Mrs. Doyle aus meinen Gedanken. Ich schaute kurz zu Mr. Erickson, der mir nur ein verhaltenes Lächeln schenkte, und zu Mr. Dunn, der ebenfalls zu den Lehrern zählte. »Sie können der nächsten Kandidatin draußen vor der Tür Bescheid geben.«

»Austauschbar« war der erste Begriff, der mir durch den Kopf schoss.

Ich nahm hastig meine Umhängetasche, die ich unter dem Hocker abgelegt hatte, und stopfte die Notenblätter wahllos hinein. Vor der Tür warteten zwei Dutzend andere, die ihre Chance sicher nicht so verstreichen lassen würden wie ich. Ich nickte der nächsten potenziellen Schülerin zu, die mich erwartungsvoll musterte, und eilte hinaus auf den Campus. Mit aller Kraft hielt ich meine Emotionen zurück, senkte den Kopf und vermied jeden Blick in die Augen der Studenten und Dozenten, die mir entgegenkamen. Sie würden es mir sofort ansehen, zu groß war die Scham, versagt zu haben.

Endlich erreichte ich das Ende des Universitätsgeländes, doch das machte meine Flucht nicht besser. Ich hatte keine Ahnung, wohin ich gehen sollte. Zurück im Sunny View, dem Hotel meiner Grandma, in dem ich fast meine gesamte Zeit verbrachte, würde ich nur mit Fragen bombardiert werden, wie es gewesen war. Genauso wie zu Hause. Mom und Dad waren zwar beide arbeiten, aber warteten sicherlich ebenfalls auf eine Nachricht. Wenn ich an ihre enttäuschten Gesichter dachte, sobald ich ihnen von meiner Blamage erzählte, wurde mir noch übler als ohnehin schon.

Nein, ich konnte jetzt niemanden sehen, sie würden es früh genug herausfinden. Einen Moment noch wollte ich mich vor der Realität drücken wie der Feigling, der ich war. Also gab es nur ein Ziel für mich.

Ich erreichte die Haltestelle und stieg in die nächste Straßenbahn Richtung Botanical Garden ein. Unsanft ließ ich mich auf einen der Sitze fallen und legte die Stirn an die kühle Fensterscheibe.

San Francisco hatte etwas von einer exzentrischen alten Dame. Hitze und Sonnenschein wechselten sich mehrmals am Tag mit Wind und Kälte ab. Vor allem in den Sommermonaten überzog die gesamte Stadt ein dichter Nebel, hüllte sie ein wie eine schützende Decke und trennte sie von dem umliegenden Land. Die Golden Gate Bridge hatte in dieser Atmosphäre etwas Mystisches an sich.

Gerade hatte die Sonne das Rennen gewonnen und wärmte mein Gesicht durch die Scheiben der Straßenbahn, während diese durch die Straßen tuckerte. Immer noch brannte die Trauer in mir. Ich hatte keine Ahnung, was ich nun tun sollte. Das war die beste Chance gewesen, meine Zukunft in eine Richtung zu lenken, in die ich gehen wollte. Wieso also hatte ich diese so vermasselt und mich nicht noch mehr angestrengt?

Nach etwas weniger als zwanzig Minuten Fahrt stieg ich am Botanical Garden aus, bezahlte den Eintritt und atmete die frische, holzige Luft ein, nachdem ich den Park betreten hatte. Ein Schild am Eingang wies auf das nächste Flowers Piano Festival im Juli hin. Diesmal hatte ich keine Ahnung, ob ich wirklich hingehen sollte. Vielleicht musste ich das Klavierspielen und die Musik ziehen lassen, um selbst frei sein zu können? Hatte ich mich zu sehr in etwas verrannt, was überhaupt nicht meine Bestimmung war?

Ich wanderte durch den Park und suchte mir eine einsame Bank mit Blick auf den Stow Lake. Allein sein, das war exakt das, was ich die nächsten Stunden brauchte. Doch genau im gleichen Moment, in dem ich mich setzte, nahm auch jemand anderes Platz.

Vorsichtig spähte ich rüber. Ein junger Mann, vielleicht Anfang zwanzig, also in meinem Alter, saß neben mir, aber er schien mich nicht zu beachten. Er hatte verwuscheltes Haar, das ihm bis zu den Ohren reichte, in der Farbe von schwerer Zartbitterschokolade. Bis der Lichteinfall der Sonne diese veränderte, dann wirkten sie einige Nuancen heller. Auf den ersten Blick sah ich ein perfektes Profil, eine gerade Nase, einen scharfen, glatt rasierten Kiefer. Seine Brauen waren dicht zusammengezogen, als dächte er über irgendetwas nach, während er die Arme ausbreitete, auf der Rückenlehne ablegte und über den See blickte.

Eigentlich wollte ich allein sein, doch es wirkte nicht so, als würde er sich viel aus mir machen. Also schaute ich ebenfalls nach vorn und ignorierte seine Anwesenheit. Eine Gruppe von Enten fischte nach etwas im Wasser, ein wenig entfernt fuhren zwei Männer mit einem Motorboot und hinterließen kleine Wellen auf der Oberfläche. Erneut ließ ich das Vorspielen in meinem Kopf Revue passieren, den Moment, als ich allein auf dieser gigantischen Bühne gesessen hatte. Mich einsam und verloren und völlig fehl am Platz gefühlt hatte. Doch darüber nachzudenken, war ein gigantischer Fehler, denn die Gefühle brachen ein weiteres Mal über mich herein und hinterließen Trümmer in meinem Innern.

»Hier.« Ich zuckte zusammen, als ich die dunkle Stimme des Fremden vernahm. Überrascht schaute ich ihn an und blickte in ein Paar saphirblaue Augen, die sofort etwas in mir zum Klingen brachten. Wie Musik, schoss es mir durch den Kopf, doch schnell verwarf ich diesen Gedanken wieder. »Wenn du mir die Gelben lässt, kannst du alle nehmen. Ach weißt du, was …« Er legte die Tüte mit Weingummi neben mir auf der Sitzfläche ab. Erst jetzt fiel meine Aufmerksamkeit darauf. »Ich hab so den Eindruck, dass du sie dringender als ich gebrauchen kannst. Iss auch die Gelben.«

»Wieso die Gelben?«, fragte ich sinnloserweise und hörte selbst, dass meine Stimme rau und brüchig klang. Ich schniefte uncharmant und strich mir...



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