E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten
Reihe: New Hope
Bloom New Hope - Das Gold der Sterne
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7457-5280-9
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten
Reihe: New Hope
ISBN: 978-3-7457-5280-9
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liebe passiert, wenn du nicht damit rechnest
Lake ist das Nesthäkchen der Familie Campbell, stets gut gelaunt und ein richtiger Freigeist. Obwohl sie ihren Platz im Leben noch nicht gefunden hat, weiß sie, dass sie nirgendwo anders als in New Hope sein möchte. In der Kleinstadt inmitten der Sierra Nevada mit ihren kauzigen Bewohnern liegen ihre Wurzeln. Auf ihr Zuhause lässt sie nichts kommen! Für Lake ist es daher unbegreiflich, dass der berühmte Musiker Wyatt, der sich auf der Obst- und Gemüsefarm ihrer Eltern von negativen Schlagzeilen erholen soll, so eine Abneigung gegen New Hope hat und wie er so grummelig sein kann. Vom ersten Aufeinandertreffen an fliegen zwischen ihr und Wyatt die Fetzen - und die Funken ...
»New Hope zieht nicht nur den sexy Musiker Wyatt Lanter in seinen Bann, auch ich bin diesem Ort und seinen liebenswerten Bewohnern restlos verfallen und blicke sehnsüchtig Band 2 entgegen.«
Der Auftakt der gefühlvollsten Romance-Reihe des Jahres - herzerwärmend, witzig, einfach fesselnd
Rose Bloom schreibt unter ihrem Pseudonym seit 2016 gefühlvolle Liebesromane und New-Adult-Geschichten von ihrem Zuhause in der Nähe von Frankfurt am Main aus. Von dort träumt sie sich in entfernte Großstädte und abgelegene Orte wie die fiktive Kleinstadt New Hope. Deren großes Vorbild ist Roses Wunschreiseziel Nummer 1 als große Bergliebhaberin: die kalifornische Sierra Nevada.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Lake
Ich atmete tief ein und kräftig wieder aus. Mit einer geschmeidigen Bewegung wechselte ich von der Kobra-Position in den herabschauenden Hund. Das Rauschen des Windes, der die dichten Kiefern des Waldes umspielte, begleitete meine Atmung, und die Energie floss durch meinen Körper. Ein Specht klopfte im gleichmäßigen Takt an einen Baumstamm, Sonnenstrahlen erhellten die Lichtung, wo ich auf meiner Matte so gut wie jeden Morgen meine Übungen vollführte, und Wärme durchdrang mich.
Das hier war mein Kraftort, meine Tankstelle und mein liebster Platz auf der ganzen Welt.
Ich war frei. Ich war zufrieden. Ich war stark.
Mit neuem Elan beendete ich den Sonnengruß, der fester Bestandteil meiner morgendlichen Yogaeinheit war, trank einen Schluck Wasser und packte meine Sachen zusammen, um zurück zum Haus zu gehen. Ich liebte das kitzelnde Gefühl des weichen Grases unter meinen nackten Fußsohlen, und ein Lächeln lag auf meinen Lippen, bis ich aus der Lichtung trat und mir meine flachen Sandalen anzog. Heruntergefallene Kiefernnadeln überdeckten den dichten Waldboden, und mit einem Satz sprang ich über einen umgefallenen, mit Moos bedeckten Baumstamm.
Wenn sich der gesamte Tag nur so anfühlen könnte wie der Morgen. Doch leider stand weit mehr auf meiner heutigen To-do-Liste als Yoga. Wenigstens war heute Donnerstag, und mir würde der Spott meiner beiden älteren Brüder Braxton und Graham wegen meiner neusten Kündigung erspart bleiben, der mich fast immer erwischte, wenn wir uns sonntags mit der gesamten Familie zum Abendessen trafen.
Dabei war der letzte Job in der Touristeninformation des Nationalparks wirklich nichts für mich gewesen. Zumindest fernab des Empfangs, denn mit den Besuchern kam ich ganz gut klar und hatte meine Freude daran, Ausflugstipps weiterzugeben und von der wunderschönen Gegend hier zu erzählen. Aber diese Stelle war mit Buddy Barlow bereits belegt, und ich war einfach nicht der Typ, der stundenlang auf einem Stuhl sitzen, Papierkram wälzen und den Büroalltag organisieren konnte. Das Problem war nur, dass ich schon so viele Dinge ausprobiert hatte, dass ich überhaupt nicht wusste, welcher Beruf für mich geeignet war. Sofort verdunkelten sich meine Gedanken, und ich fluchte innerlich darüber, dass ich nicht die Gelassenheit meiner Mutter besaß. Oder dass ich schon wieder fluchte. Ein Teufelskreis.
Ich überquerte eine Wiese mit gelb blühendem Frauenmantel vor dem Wald, lief durch die angelegten Apfel- und Orangenbäume an unserem Gewächshaus und den Gemüse- und Kräuterbeeten hinter unserem Haus vorbei und entdeckte meine Mom kniend vor einem davon. Während sie leise vor sich hin pfiff, zupfte sie Löwenzahnblätter von den Stängeln und legte sie in einen kleinen Korb mit bereits geernteter Petersilie. Ihre dunkelbraunen Haare, deren Farbe ich geerbt hatte, hatte sie wie so oft bei der Arbeit mit einem bunten Tuch nach oben gebunden, und in ihrem Gesicht lag ein Ausdruck absoluter Zufriedenheit, um die ich meine Mutter in diesem Moment beneidete.
Alice Campbell war die gute Seele von New Hope, der Kleinstadt im Tal des Mammoth Peaks in Kalifornien, in dem wir lebten. Ich liebte die umliegende, lebendige Natur des Yosemite-Nationalparks, die zahlreichen Seen, die dichten Kiefernwälder und die uralten Mammutbäume. Unter keinen Umständen konnte ich mir einen anderen Ort auf der Welt vorstellen, an dem ich wohnen wollte, und trotzdem hatte ich manchmal das Gefühl, nicht hierherzupassen. Keinen Beitrag zur Gemeinschaft leisten zu können, so wie es unsere Eltern meinen Brüdern und mir von klein auf gepredigt hatten.
Ich blieb neben ihr stehen. »Hey, Mom.«
»Hallo, Schatz, du bist heute früh auf und mit deiner Yogaeinheit fertig«, sagte sie und sah zu mir hoch, wobei sie mit der Hand die Augen gegen die Morgensonne abschirmte.
»Ich konnte nicht schlafen.« Ich legte die Matte, Trinkflasche und meinen Pulli ins Gras und setzte mich neben sie. Kurz überlegte ich, sie um Rat zu meinen negativen Gedanken zu fragen, ließ es dann aber bleiben.
Nachdem ich die Ärmel meines grauen Longsleeves hochgekrempelt hatte, begann ich, ihr zu helfen, die Löwenzahnblätter zu pflücken. Für einen Moment herrschte behagliches Schweigen zwischen uns, und ich bekam den Kopf wieder etwas frei, während das Zwitschern der Vögel und das sanfte Plätschern des Flusses am Ende unseres Grundstückes mich erdeten. Auch wenn ich kein Wort mit Mom wechselte, schaffte sie es, mich und die gesamte Familie allein mit ihrer Anwesenheit zu beruhigen. Irgendetwas an ihrem Duft nach den Räucherstäbchen im Haus und ihrer Gelassenheit gab ihr die Fähigkeit, jeden Zwist mit einem Lächeln schlichten zu können. Das war ihre Superkraft, die sie auch schon in unserer Kindheit eingesetzt hatte, wenn meine Brüder und ich uns wegen Kleinkram in den Haaren gelegen hatten. Vor allem Brax, der Mittlere von uns, und ich hatten bei unseren Streitereien über Dinge, wie die Bestimmung des Fernsehprogramms oder wer morgens zuerst ins Bad durfte, schon manchen Gegenstand in unserem Haus zerdeppert.
»Manchmal ist es, wie es ist. Aber es wird, was du daraus zauberst. Mach dir keine Sorgen, Vögelchen«, schenkte sie mir eine ihrer üblichen Lebensweisheiten, und ich lächelte. Sie legte ihre Hand auf meinen Oberschenkel. Weil meine Mutter sich fast nur draußen an der frischen Luft aufhielt, war ihre Haut von der Frühlingssonne schon jetzt gebräunt. »Wenn du über irgendetwas sprechen möchtest, weißt du, dass du zu mir kommen kannst, oder?«
»Ja, Mom, danke.« Ich zögerte immer noch. Ich war vierundzwanzig Jahre alt und nicht imstande, etwas ohne meine Mom zu regeln. Was sagte das über mich aus? »Aber wieso bist du so früh hier?«, lenkte ich ab und warf eine Handvoll grüner Blätter in den geflochtenen Henkelkorb, der am Ende des Beetes stand.
»Dein Dad war noch nicht wach, und ich wollte ihn mit Petersilien-Pfannkuchen überraschen. Bis ich den perfekten Löwenzahn hier entdeckt habe. Mrs. Appleworm hat immer noch Probleme mit ihrer Galle. Ich mache einen Tee daraus, das wird ihr helfen.«
Natürlich. Mom sah kein Unkraut, sie erkannte Möglichkeiten. Noch ein Punkt, den ich an ihr liebte.
»Der Apfelkuchen von gestern ist bereits ausverkauft. Heute Morgen backe ich noch einen Rhabarberkuchen für Midge und bringe ihn ihr später vorbei. Wenn du magst, halte ich danach bei Mrs. Appleworm und gebe ihr den Tee.«
»Oh, das ist sehr lieb, auch dass du Midge zur Hand gehst!«
»Ja, Josh ist seit gestern nicht da, und sie hat im Moment ganz schön zu tun.«
»Oh, ist Josh eigentlich krank?« Meine Mom sorgte sich immer um andere, aber ich konnte sie umgehend beruhigen.
»Nein, soweit ich weiß, muss er sich um seinen Dad in Carson kümmern und weiß noch nicht genau, wann er zurückkommen kann.«
»Dann hoffen wir mal, dass es ihm bald wieder gut geht. Ich bin stolz auf dich, Schatz, dass du deiner Freundin hilfst.«
Meiner Mom war es egal, welchen Job ich hatte, für sie blieb ich immer das kleine Nesthäkchen, das kaum etwas falsch machen konnte. Einerseits war dieser Umstand schön, doch es war an der Zeit, endlich meinen Weg zu finden, damit sie wirklich stolz auf mich sein konnte. Wenn dieser nur nicht aus so vielen Abzweigungen bestehen würde, sodass es mir schwerfiel, die richtige von der falschen unterscheiden zu können …
»Soll ich dir noch ein wenig helfen?«
»Nein, nein, back du ruhig den Kuchen, ich komme gleich rein!«
»Okay, bis gleich, hab dich lieb«, erwiderte ich, gab ihr einen Kuss auf die Wange und stand auf.
»Ich dich auch.«
Als ich auf unser Haus zuging, bemerkte ich mal wieder, wie schön wir es hier hatten. Wir wohnten ein Stück von der Innenstadt entfernt direkt an einem dichten Kiefernwald und waren umgeben von Wildblumenwiesen, einem rauschenden Fluss, den Blick auf umliegende schneebedeckte Wipfel und viel Ruhe. Seitdem meine Brüder ausgezogen waren und ich hier allein mit meinen Eltern lebte, war es zwar manchmal sehr still, allerdings niemals langweilig. Mit dem Grundstück, den Streuobstwiesen und den Beeten hatten wir immer etwas zu tun. Außerdem kamen Graham und Brax oft zu Besuch, und ich fuhr auch recht häufig zu ihnen. Zumindest zu Brax in seine Schreinerei Woodworker, denn Graham wohnte abgeschottet auf der anderen Seite der Stadt. Seine Waldhütte lag direkt an einem See, was ihm gefiel, da er nicht der Typ vieler Worte war und es bevorzugte, seine Ruhe zu haben. Wie ich hatte er die Liebe zur Natur von unserer Mom geerbt und konnte diese als Ranger im angrenzenden Nationalpark vollends ausleben.
Drinnen angekommen, umfing mich der orientalisch würzige Duft der Lieblingsräucherstäbchen meiner Mom, der im gesamten Haus hing. Ich schlüpfte aus meinen Sandalen, stieg die massive Holztreppe in den ersten Stock zu meinem Zimmer hoch und verstaute dort meine Yogamatte in einer Kommode. Dieses Teil mochte ich ganz besonders, denn Brax hatte es mir vor einigen Jahren aus einem Kiefernstamm gebaut und zum Geburtstag geschenkt. Mir gefiel es, dass sich mit dem Holz der Decke und der Einrichtung die warmen Töne der Natur auch hier drinnen wiederfanden. Die alten Dielen des Bodens knackten, als ich mein Zimmer durchquerte, mir etwas Frisches zum Anziehen aus dem Schrank nahm und in das angrenzende Badezimmer lief.
Unter der Dusche schloss ich die Augen, wusch die gesamte Negativität ab, die mich herunterzog, und trat erholt auf den weichen Vorleger. Nach dem Abtrocknen schlüpfte ich in einen bodenlangen Rock mit einem korallfarbenen Blumenmuster und streifte mir ein...




