E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten
Reihe: New Hope
Bloom New Hope - Der Glanz der Hoffnung
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7457-5285-4
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten
Reihe: New Hope
ISBN: 978-3-7457-5285-4
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Um die wahre Liebe zu finden, lohnt sich ein zweiter Blick
Grüne Wälder, der blau schimmernde See und himmlische Ruhe. Graham Campbell ist eins mit der Natur. Er liebt seine Arbeit als Ranger und ist glücklich in seiner Blockhütte am Rande von New Hope. Plötzlich zieht neben ihm Liz ein, über die keiner in der Kleinstadt etwas weiß. Da es die Höflichkeit gebietet, stellt Graham sich ihr vor - aber sie legt wohl noch mehr Wert auf ihre Privatsphäre als er selbst. Wortlos knallt sie ihm die Tür vor der Nase zu. Bei einer erneuten Begegnung findet Graham den Grund für Liz' Reaktion heraus: Sie ist durch ein Trauma verstummt.
Zwischen Graham und Liz entsteht ein besonderes Band, denn auch er hat mit einem tragischen Verlust zu kämpfen. Und je mehr Zeit er mit Liz verbringt, desto stärker sehnt er sich nach ihr und hofft, dass Liz auch ihm ihr Herz öffnet ...
Der zweite Band der »New Hope«- Reihe: emotional und berührend
Rose Bloom schreibt unter ihrem Pseudonym seit 2016 gefühlvolle Liebesromane und New-Adult-Geschichten von ihrem Zuhause in der Nähe von Frankfurt am Main aus. Von dort träumt sie sich in entfernte Großstädte und abgelegene Orte wie die fiktive Kleinstadt New Hope. Deren großes Vorbild ist Roses Wunschreiseziel Nummer 1 als große Bergliebhaberin: die kalifornische Sierra Nevada.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 3
Graham
Das Radio rauschte, als ich bestimmt zum dritten Mal den Sender wechselte. Irgendein Oldie erklang, und ich gab es auf und lehnte mich zurück. Seufzend legte ich den Arm auf dem geöffneten Fenster meines Wagens ab und schaute über die glitzernde Oberfläche des Sees vor mir, an dem meine Blockhütte stand. Sie lag am Rand des Yosemite-Nationalparks mitten im Wald, umgeben von dunkelgrünen Nadelwäldern und in sicherer Entfernung zu der Innenstadt von New Hope und anderen Menschen. Denn ich konnte nicht abstreiten, dass ich die Natur immer einer Stadt vorzog, egal, wie klein sie war. Es war nicht so, dass ich Menschen hasste, ich verstand die meisten von ihnen einfach nur nicht. Sie sagten, sie liebten die Natur und verteilten dann dort ihren Abfall, trampelten Pflanzen nieder oder veranstalteten ein Feuer zwischen trockenem Unterholz, das es nun im Sommer zu Genüge gab. Davon abgesehen, dass eine Menge von ihnen nur auf ihr eigenes Glück aus waren, und sie das Schicksal anderer kaum interessierte. Auch wenn es in unserer Kleinstadt noch recht beschaulich und familiär zuging, war jeder Besuch eines Touristen in dem umliegenden Nationalpark meiner Meinung nach einer zu viel. Und als Ranger des Parks wusste ich, wovon ich sprach. Ich erinnerte mich nicht nur an einen lebensmüden Besucher, der nur, um das beste Selfie zu bekommen, wilden Bären zu nahe kam, oder so dicht es ging am Abgrund eines ungesicherten Felsvorsprungs posierte.
Ich konzentrierte mich wieder auf das Hier und Jetzt und den Moment, in dem ich immer noch auf dem Parkplatz meiner Blockhütte stand und auf Brax wartete, der wie immer viel zu lange brauchte. Nachdem er mir geholfen hatte, einen Hängeschrank in der Küche zu reparieren, hatte er unbedingt mein Badezimmer benutzen müssen. Und war eine gefühlte Ewigkeit verschwunden, während ich bereits nach draußen gegangen war. Endlich kam er aus der Eingangstür und hob entschuldigend die Hände, während er auf meinen SUV zulief. Allein über sein heutiges Shirt, auf dem ein regenbogenkotzendes Einhorn zu sehen war, musste ich den Kopf schütteln. Doch an jedem anderen hätte es sogar noch lächerlicher ausgesehen. »Sorry, Gray-Gray, in das Badezimmer solltest du wohl bis morgen früh nicht mehr gehen.« Ich verkniff mir ein Augenrollen nicht nur über den Spitznamen aus unserer Kindheit, den ich wohl nie loswerden würde. Er setzte sich auf den Beifahrersitz, schlug die Tür zu, und ich startete den Motor.
»Zu viel Information«, brummte ich.
Lässig schob sich Brax seine Sonnenbrille über die grünen Augen und gluckste.
»Wir sind Brüder, ich dachte, wir können uns alles erzählen.«
Was sollte ich darauf antworten? Am besten nichts, denn jedes Wort würde Brax nur noch anstacheln, um mich weiter zu quälen. Er drehte am Radio herum, als ich den Rückwärtsgang einlegte und auf der schmalen Kieseinfahrt, die zwischen meiner und der Nachbarhütte lag, wendete. Es hätte mir gereicht, wäre meine Blockhütte hier die einzige weit und breit gewesen. Mein Glück, dass seit Wochen glücklicherweise keine Urlauber den Weg in das Haus neben meinem gefunden hatten. Ich hatte versucht, es dem Vermieter abzukaufen, aber für Melvin wogen die Mieteinnahmen mehr als das Mitleid, das er für mich übrig hatte, wenn ich mal wieder deutlich zu laute Nachbarn ertragen musste. Und nicht nur das. Nicht nur einmal hatte mich Melvin, der selbst ein paar Orte weiter in Bear Valley wohnte, als Hausmeister für seine bruchfällige Bude benutzt.
»Lass das«, stieß ich knurrend hervor, weil Brax immer noch keinen Sender gefunden hatte und weiterhin am Radio rumspielte. Ich hasste es, wenn er das tat. Er konnte keine Minute stillsitzen.
»Du solltest mal bei Barney in Crestview vorbeifahren und dir ein Radio aus unserem Jahrhundert besorgen, Bro. Das alte Ding schafft nur Sender, die unsere Großeltern gehört hätten.« Ich spürte Brax’ nervtötendes Grinsen, ohne dass ich hinsah. »Und wenn du nur deshalb heute so übellaunig bist, weil du immer noch genervt über die Bürgerversammlung von vor zwei Wochen bist, das war nicht nur meine Idee.«
Mein Schnauben brachte mir nur weiteres Gelächter von meinem kleinen Bruder ein, und ich beschloss, nicht auf seine Aussage einzugehen, in der Hoffnung, dass er es auf sich beruhen ließ. Ich fuhr auf den Waldpfad und steuerte die Hauptstraße an. Wir waren sowieso viel zu spät für unser Treffen in Yuma’s Steakhouse mit Dad, unserem Freund Josh und Wyatt. Auch wenn Brax behauptete, ich wäre der unpünktlichste Mensch des Planeten, hatte er unrecht, wenn er sagte, es würde mir nichts ausmachen, andere warten zu lassen. Hier draußen tickten die Uhren einfach ein wenig anders, und in meinem Job kamen unvorhergesehene Dinge, bei denen ich einspringen musste, nicht gerade selten vor.
Plötzlich versperrte ein rostroter Fiat den schmalen Weg. Es war unmöglich mit den hohen, massiven Kiefern am Rand, dass zwei Autos sich aneinander vorbeiquetschten. Also war ich der Erste, der den Rückwärtsgang einlegte und in Richtung See zurückfuhr.
»Wer ist denn das?«
»Hat sich bestimmt verfahren«, antwortete ich knapp und schlug das Lenkrad ein, sodass ich auf meinem Parkplatz stehen bleiben konnte.
»Sieht nicht so aus«, erwiderte Brax trocken.
Die Hoffnung, es würde noch länger in diesem Sommer ruhig an meinem See bleiben, löste sich mit einem Schlag in Luft auf. Der Fiat parkte direkt vor der Nachbarhütte, und ich unterdrückte ein Seufzen. Bitte nicht, flehte ich im Stillen. Melvin hatte mich mal wieder nicht informiert, dass irgendwelche Touristen ihren Urlaub hier verbrachten.
Umgehend wollte ich wieder Gas geben, allerdings hielt Brax mich auf. »Warte doch mal, lass uns schauen, wer ab sofort neben dir wohnt.«
»Sei nicht so neugierig, das geht uns nichts an.«
»Dich sollte es aber etwas angehen.«
Die Abendsonne spiegelte sich auf den Scheiben des Fiats, und immer noch erkannte man nicht, wer oder vor allem wie viele in dem Auto saßen. Hoffentlich keine Gruppe von Teenagern, die laute Partys am See feierten. Ich musste Melvin unbedingt noch mal ein Angebot machen, damit dieser Spuk endlich ein Ende hatte.
Während sich die Fahrertür öffnete, hielt selbst ich die Luft an. Zuerst konnte man nur goldblonde lange Haare und einen Hinterkopf erkennen. Definitiv den einer Frau. Langsam drehte sie sich um und schlug die Tür zu, wellige Strähnen fielen in ihr Gesicht. Als sie den Kopf hob und gegen die Sonne blinzelte, um die Umgebung zu betrachten, wusste selbst ich nicht, wie ich reagieren sollte. Die Countrymusik, die Brax eingestellt hatte, dudelte immer noch im Hintergrund, aber ich nahm sie kaum wahr. Ich konnte nur die fremde Frau beobachten, wie sie mit vorsichtigen Schritten in Richtung Hütte lief und am Ende stehen blieb. Mit einer Hand strich sie sich die Haare auf eine Schulter zur Seite und hob die Finger als Sonnenschutz über ihre Augen. Sie war durchschnittlich groß, trug ein weites einfarbiges Shirt und eine lockere Jeans, und dennoch konnte ich aus der Ferne erkennen, dass sie attraktiv war. Ein schmales Gesicht, grazile Züge, volle Lippen. Doch vielleicht zog mich eher die Zurückhaltung an, die sie ausstrahlte. Die Vorsicht, die sie nicht drauflosrennen ließ und mit der sie besonnen und nachdenklich wirkte. Außerdem war da noch irgendetwas anderes. Etwas, das ich nicht benennen konnte, das ihren Körper jetzt angespannt und ihren Blick nervös werden ließ und in mir den verrückten Wunsch weckte, herauszufinden, was diesen Ausdruck verursachte. Aber ich mischte mich nicht in Dinge anderer ein. Niemals.
Als erinnerte sie sich nun, dass wir ebenfalls noch da waren, ruckte ihr Blick zu uns und riss mich aus meinen Gedanken zurück. Wir hatten sie viel zu lange beobachtet.
»Oh, wow«, sagte Brax plötzlich. »Wir sollten sie begrüßen.« Seine Hand war bereits am Türgriff, doch ich drückte das Gaspedal durch, als wären wir auf der Flucht. Sprunghafte, überstürzte Handlungen waren normalerweise überhaupt nicht mein Ding, aber ebenso wenig wollte ich etwas mit den Menschen, die für kurze Zeit in Melvins Hütte wohnten, zu tun haben. Ich wollte nur meine Ruhe hier draußen. Mein Stückchen Natur ganz für mich allein.
»Alles klar bei dir?«, fragte Brax, während wir den Weg erneut Richtung Hauptstraße viel zu schnell über Schlaglöcher und unebenen Boden hoppelten.
Ich nickte. »Dad und Josh sind sicherlich schon da. Wir sollten endlich fahren.«
»Wenn du mich mal fahren lassen würdest, dann wären wir vielleicht endlich mal pünktlich.«
Niemals, schoss es mir sofort durch den Kopf. Ich vertraute meinem Bruder und meiner restlichen Familie mehr als einem anderen Menschen, trotzdem fiel es mir schwer, die Kontrolle abzugeben und mich sicher auf der Beifahrerseite eines Autos zu fühlen.
»Und außerdem, kann es sein, dass du deine neue Nachbarin heiß findest?«, fragte Brax. »Oder flüchtest du nur deshalb, damit sie nicht merkt, neben was für einem grummeligen Miesepeter sie ab sofort wohnt?«
Ich konnte förmlich hören, wie herausfordernd er grinste, und war kurz davor, ihn aus meinem SUV zu schmeißen. Wieso hielt ich es noch für eine gute Idee, dass wir heute zusammen zum Steakhouse fuhren? Nur weil ich ausnahmsweise in der Stadt gewesen war und Brax dann aus der Schreinerei mitgenommen hatte, um mir bei den Reparaturmaßnahmen meiner Küche zu helfen. Das nächste Mal musste ich mir unbedingt was einfallen lassen, damit er mit seinem eigenen Wagen fuhr. Sein ständiges Geplapper brachte mich an den Rand meiner...




