E-Book, Deutsch, Band 1, 252 Seiten
Reihe: TG40
Börner TG40
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-8466-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Regen - Ein dystopischer New Adult Survival-Liebesroman
E-Book, Deutsch, Band 1, 252 Seiten
Reihe: TG40
ISBN: 978-3-7534-8466-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jörg Börner, 1962 geboren, studierte Informationstechnik und arbeitete in verschiedenen Firmen in der IT-Entwicklung, als IT-Systembetreuer und als IT-Manager. Seine Wahlheimat ist seit über zwanzig Jahren das Allgäu. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin verbringt viel Freizeit in den nahen Bergen. Wandern, Mountainbiken, Schneeschuhtouren, Ski-Alpin und Ski-Langlauf gehören zu seinen Hobbys. Er mag es zu reisen und andere Länder und Gebräuche kennenzulernen. Diese Buch ist sein Erstlingswerk und alle jenen gewidmet, die ihn dabei unterstützt haben.
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Erzgebirge, Anfang August
Der junge Wissenschaftsassistent saß vor seinem Computerbildschirm und dachte nach. Das erste Mal seit langem hatte er ein wenig Zeit um seine Gedanken schweifen zu lassen. Er konnte es immer noch nicht fassen wie sich sein Leben in den letzten Wochen geändert hatte. Die Regenkatastrophe, der Zusammenbruch des normalen Lebens, die entsetzlichen Bilder von ums Überleben kämpfenden Menschen ließen ihn nicht los. Dass ihm seine Doktorarbeit einmal vermutlich das Leben retten würde, war unglaublich. Als einer der besten Absolventen seines Jahrganges hatte Tim an der Technischen Universität Darmstadt im vergangenen Jahr seinen Masterabschluss gemacht. Man war auf ihn aufmerksam geworden und hatte ihm eine Stelle als Wissenschaftsassistent bei Professor Schoppenmüller angeboten. Seit einem halben Jahr arbeitete er nun für den Professor und an seiner Doktorarbeit. Sein Chef hatte beste Verbindungen zur Europäischen Raumfahrtbehörde und arbeitete am Thema „Autarkes Leben“. Die Forschung diente zur Vorbereitung bemannter Weltraummissionen. Man beschäftigte sich intensiv damit, wie es Menschen gelingen konnte, unabhängig von der Versorgung durch die Erde lange Missionen im All oder bei der Besiedelung von Planeten zu verwirklichen. Dafür gab es das Projekt „BIOS“. Federführend war Professor Schoppenmüller. Man arbeitete mit weiteren Forschungseinrichtungen und Firmen zusammen, unter anderem auch mit der Bergakademie Freiberg. „BIOS“ unterstand höchsten Geheimhaltungsstufen, er hatte ziemlich viel Papier unterschreiben müssen und erst nach einigem Hin und Her die Freigabe für die Projektmitarbeit erhalten. Er war stolz darauf, hier mitarbeiten zu dürfen. Allerdings zweifelte er auf Grund der aktuellen Ereignisse stark daran, dass sich ihre Arbeit jemals würde in die Realität umsetzen lassen. Im Grunde hatte er unglaubliches Glück gehabt. Kurz bevor das Chaos begann, war er zusammen mit dem Prof und weiteren Mitarbeitern von Darmstadt hierher in das Erzgebirge gefahren. Bis dahin hatte er sich nur theoretisch mit dem Projekt vertraut gemacht, aber nun war er mitten in der Praxis angelangt. Und das Thema „Autarkes Leben“ hatte für alle Beteiligten eine völlig neue Bedeutung erlangt, mehr Praxis ging wirklich nicht. Abgeschnitten von der kompletten Umwelt saßen sie hier im „BIOS III“ fest, unter Tage in einem alten Stollensystem.
Jahrhundertelang war im Erzgebirge Bergbau betrieben worden. Bereits im Mittelalter hatte man hier Erze abgebaut, später führte unter anderem der Silberbergbau zu einem Aufschwung in der Region und brachte einigen Wenigen gigantischen Reichtum, vielen Menschen Lohn und Brot, aber zu unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Im vergangenen Jahrhundert, nach dem Ende des zweiten Weltkrieges war die Wismut AG in dieser Region einer der größten Arbeitgeber. Uran war der Grund. Die Ära der Atomkraftwerke und Atomwaffenproduktion hatte begonnen. Die Sowjetunion brauchte Nachschub. Das schuf damals überdurchschnittlich gut bezahlte Jobs in der strukturschwachen Region, aber die Menschen zahlten dafür mit ihrer Gesundheit. Trotzdem wurde das Erzgebirge in dieser Zeit gierig durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Nach Jahrzehnten der Ausbeutung kam schließlich irgendwann der Zeitpunkt, dass der Bergbau eingestellt wurde. Die Vorkommen gingen zu Ende, die Ausbeute blieb gering, es lohnte sich einfach nicht mehr. Ein Bergwerk nach dem andren wurde geschlossen. Nur noch sehr wenige blieben in Betrieb. Schaubergwerke entstanden in vielen Orten. Der Rest wurde geschlossen, die Eingänge zugemauert. Die Menschen der Region waren stolz auf ihre Vergangenheit und viele Traditionen hatten ihre Grundlage im Bergbau. Aber das war nun wohl alles vorbei. Jetzt saß er hier, viele Meter unter der Erde. „BIOS III“ war der Versuch, eine Biosphäre unter Tage zu schaffen und zu erhalten. Zusammen mit den Spezialisten von der Bergakademie Freiberg hatte man in den letzten fünf Jahren die Arbeiten am Projekt unter Tage durchgeführt. Ein Kuppelbau mit einem Durchmesser von zweihundert Metern, mehreren Nebenkuppeln und Röhren war in dem riesigen Gewölbe entstanden. Die Kuppel bildete das Zentrum. Die teils kilometerlangen Röhren, bis zu 6 Metern im Durchmesser, wanden sich spinnennetzartig durch die ehemaligen Bergbaustollen. Tim hatte die Pläne bereits im Vorfeld zu Gesicht bekommen. Als er jedoch die Einrichtung zum ersten Mal betrat, war er ehrfürchtig mit vor Staunen offenem Mund stehen geblieben. In der Praxis war das ein gewaltiges Projekt und er durfte daran mitarbeiten! Seine Arbeitsgruppe und auch seine Doktorarbeit beschäftigten sich mit der komplizierten Energieversorgung dieses Komplexes. Der Standort war gut gewählt. Im Inneren des Berges mangelte es nicht an Wasser. Grundsätzlich gab es sogar zu viel davon. Die Bergleute in den vergangenen Jahrhunderten hatten ständig mit Wassereinbrüchen kämpfen müssen. Im Berg gab es unzählige Wasserfälle und Seen. Diesen Umstand hatte man sich zu Nutze gemacht, und mehrere kleinere Wasserkraftwerke installiert. Außerdem hatte man ein geothermisches Kraftwerk in Betrieb genommen. Damit war die Energieversorgung des riesigen Komplexes erst mal gesichert. Die große Frage war, ob sich das alles im Praxistest bewähren würde. Eine von Tims Aufgaben bestand darin, Schwachstellen ausfindig zu machen, die Ausfallsicherheit zu erhöhen und Alternativen und Notfallpläne zu erarbeiten. Ein spannendes Thema, vor allem vor dem Hintergrund, dass ihre Verbindung zur Außenwelt abgebrochen war. Kein Strom mehr von Draußen, keine Kommunikation und keine physische Verbindung mehr. Sie waren auf sich selbst angewiesen. Für das Projekt „BIOS“ begann der Test ein Jahr zu früh. Sie würden improvisieren müssen.
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Der große Saal im inneren der Hauptkuppel war brechend voll. Bis auf wenige Techniker, die die Systeme überwachten, waren alle dem Aufruf von Professor Schoppenmüller gefolgt. Mehrere hundert Menschen, größten Teils Wissenschaftler und Studenten, Techniker und Arbeiter aber auch einige Familienangehörige und deren Kinder sahen erwartungsvoll nach vorn zum Prof. „Meine Damen und Herren, schön dass sie es einrichten konnten“ versuchte er einen lockeren Einstand. Einige lachten aber die meisten Personen blieben ernst. „Nun ja, sie wissen alle grundsätzlich um unsere Lage. Wir sind hier seit gestern komplett eingeschlossen, von der Außenwelt abgeschnitten und ich kann ihnen leider nicht sagen, ob das nun gut oder schlecht für uns ist, Angesicht der Umstände da Draußen. Sehen wir es mal so, aktuell geht es uns hier drinnen besser als den meisten Menschen außerhalb. Es liegt an uns, was wir daraus machen. Wir haben gute Chancen, hier wochenlang zu leben. Wir können uns einrichten. Wir haben noch keinen genauen Überblick über unsere aktuellen Vorräte. An Wasser und Energie mangelt es uns zunächst mal nicht. Eigentlich sollte diese Einrichtung ja erst im kommenden Jahr in Betrieb gehen. Alles ist noch nicht fertig. Also gibt es jede Menge Arbeit.“ Er machte eine kurze Pause und blickte in die angespannten Gesichter der Anwesenden. „Wir werden die bestehenden Arbeitsgruppen auflösen und neu zusammensetzen. Die Aufgaben werden so verteilt, dass wir zweigleisig fahren. Ein Teil von ihnen wird sich bemühen, einen Weg in die Außenwelt zu finden. Das wird nur eine kleine Gruppe von Spezialisten betreffen, vor allem die Kollegen von der Bergakademie und die erfahrenen Bergleute. Alle anderen werden sich dem eigentlichen Projekt widmen und weiterarbeiten wie bisher.“ Nach diesen Worten machte sich eine leichte Unruhe unter den Menschen breit. Professor Schoppenmüller unterbrach seine Rede. Ein untersetzter, stämmiger Man meldete sich. „Aber das ist doch Wahnsinn. Wir sitzen hier gefangen und sollen in aller Ruhe weiter an unserer Forschung arbeiten? Das interessiert dort draußen doch niemanden mehr!“ Mehrere Leute unterstützten diese Feststellung durch ein Kopfnicken oder zustimmende Rufe. „Aber meine Damen und Herren“, der Professor hob die Hand und bat um Ruhe. „Auf den ersten Blick mag das so scheinen, aber ich bitte folgendes zu bedenken: Wir sind hier eingeschlossen und wie es draußen aussieht, wissen sie alle selber sehr gut. Hilfe von dort ist wohl eher nicht zu erwarten. Wir werden hier weiterarbeiten, aber natürlich vorrangig zum Selbstzweck. Wir arbeiten vordergründig für uns. Im schlimmsten Fall sitzen wir hier für sehr lange Zeit fest, darauf sollten wir uns vorbereiten. Und wir gehen das Ganze wissenschaftlich an, dafür sind wir Profis. Ganz nebenbei werden wir dadurch unweigerlich unseren eigentlichen Forschungsauftrag erfüllen. Mit Stand heute kann noch niemand von uns abschätzen, ob das Ergebnis in der nächsten Zeit in der Weltraumforschung Anwendung finden wird. Ich bin mir aber sehr sicher, dass unsere Forschungsergebnisse vermutlich in der nächsten Zeit auf der Erde verwendet werden können. Wir haben jetzt und hier den perfekten Praxistest und nahezu den gleichen psychologischen Druck wie die Menschen auf einer Weltraummission“ – „Sie haben Recht, Herr Professor, bitte verzeihen sie meinen...




