Brausewetter | Nur ein Bauer | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 220 Seiten

Brausewetter Nur ein Bauer


1. Auflage 2016
ISBN: 978-87-11-48778-5
Verlag: Lindhardt og Ringhof Forlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 220 Seiten

ISBN: 978-87-11-48778-5
Verlag: Lindhardt og Ringhof Forlag
Format: EPUB
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Das kleine Dorf Wulfskrona ist in Aufregung. Auf dem Hof von Peter Quast findet eine Zwangsversteigerung statt. Quast ist nicht der erste Bauer, der unter die Räder einer erbarmungslosen modernen Zeit zu geraten droht. Eine in Jahrhunderten gewachsene Welt der Landwirtschaft, des ländlichen Zuhauseseins, des in harter Arbeit aus dem Ertrag der eigenen Scholle gewachsenen Wohlstands ist in Gefahr. Peter Quast will und kann sich mit dem Verlust von alledem nicht abfinden. 'Du Blutsauger! Du Schuft, der du mich heute von meinem Hofe jagst, mich an den Bettelstab bringst! Heb' dich hinweg, du Hund! Scher' dich zum Teufel, dem du gehörst! Und wo und wann ich dich treffe, dann Gnade deiner dreckigen Seele!' Doch mit der Unruhe hält schließlich auch etwas ganz Unerhörtes in Wulfskrona Einzug: das Verbrechen. Aber auch die Liebe entfaltet ihre große Macht und ringt mit den dunklen Schatten um den Sieg, während Pfarrer Thomas Altdorf um göttlichen Beistand für das Dorf und seine Bewohner fleht ... Brausewetters 1932 erschienener großer Bauernroman steht in der Tradition der berühmten ländlichen Romane Knut Hamsuns und ist auch heute noch nicht minder lesenswert als die Meisterwerke des großen norwegischen Nobelpreisträgers.-

1864-1946; Pseudonyme: Arthur Sewett, Friedrich Leoni) war ein deutscher evangelischer Pfarrer und Schriftsteller. Artur Brausewetter studierte Rechtswissenschaften, Philosophie und Theologie an der Universität Berlin und der Universität Bonn. Später wurde er Pfarrer. Seit 1908 war er Archidiakon an der Oberpfarrkirche St. Marien in Danzig, wo er bis zur Vertreibung infolge des Zweiten Weltkriegs lebte. In den Jahren 1933 und 1934 wurde er von den Deutschen Christen im Danziger Landessynodalverband aus dem Amt gedrängt. Brausewetter war Mitarbeiter der Zeitungen 'Der Tag' und 'Tägliche Rundschau' und schrieb zahlreiche Romane, die hohe Auflagen erzielten und in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Sein Schauspiel 'Ich bin Doktor Eckart' wurde 1944 in Weimar uraufgeführt. 1946 vollendete er seinen letzten Roman 'Die höheren Mächte', der das Schicksal der Bewohner Ostdeutschlands von 1933 bis 1945 behandelt.

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Zielgruppe


Leser von spannenden Gesellschaftsromanen aus den frühen dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts


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Auf Sturmesflügeln zogen die Tage dahin, deckten mit ihren Fittichen Freude und Schmerz, um beides am nächsten Tage neu erstehen zu lassen, zogen umso schneller, je weniger man im täglichen Einerlei vom Tun und Leiden Zeit und Vergänglichkeit empfand. Ruth hatte auf die dringenden Vorstellungen ihres Verlobten ihre so lange mit zäher Energie behauptete Stellung zu Martin Hengsterbergs Leidwesen aufgegeben. Sie hatte genug mit den Vorbereitungen für ihre Hochzeit und die bescheidene Aussteuer an Kleidern und Wäsche zu tun, die sie ausnahmlos von ihrem sorgsam ersparten Verdienst bestritt. Es hatte etwas Rührendes, mit welchem Eifer und welcher Liebe sie bis in die späte Nacht über ihre Arbeit gebeugt in ihrer kleinen Mädchenstube sass, jedes fertig gewordene Stück mit glänzenden Augen betrachtete, die Mutter mit stürmischer Dankbarkeit umarmte, wenn diese, was sie irgend entbehren konnte, aus ihrem Haushalt für sie herbeitrug. Den anfangs gehegten Plan, die Hochzeit in Wulfskrona zu feiern, machten die immer fühlbarer zur Entscheidung drängenden Verhältnisse unmöglich. Pfarrer Altdorf wurde gebeten, das junge Paar im Königsberger Dom zu trauen. Das anschliessende Hochzeitsmahl sollte dann in der mütterlichen Wohnung und in demselben eng gezogenen Kreise, der damals zur Verlobung geladen war, bereitet werden. Nun galt es nur noch, den Termin festzusetzen. Ruth schlug den zweiten Weihnachtstag vor. Aber ihr Verlobter erhob Bedenken. Es wäre zu früh. Man würde mit den Vorbereitungen, für die die Festzeit ungünstig wäre, nicht geraten. Den wahren Grund hatte er nicht gesagt. Der achtundzwanzigste Dezember war der zwischen ihm und Robert Zacharias vereinbarte Fälligkeitstermin, den er niemandem, auch seiner Braut nicht, verraten hatte. Dass er aber vor diesem nicht heiraten konnte, war ihm ausgemachte Sache. Weiter und eilender spannte die Zeit die Flügel. Und näher und näher kam der Tag. Weihnachten war vorübergerauscht wie ein Traum, den die einen licht und schön von hochzeitlichen Dingen, die anderen schwer und wie Alpdruck wuchtend von Bürgschaft und Pfändung träumten. Der Frondienst des Tages war wieder in seine Rechte getreten, und Fritz Laubinger sass mit Geschäfts- und Wirtschaftsbüchern an seinem Schreibtisch, reihte Zahlen an Zahlen, rechnete und überschlug. Denn morgen war der achtundzwanzigste Dezember, und er wusste, dass Detlef seinen Verpflichtungen gegen Robert Zacharias nicht nachkommen konnte und dieser sich an ihn als den Bürgen halten würde. Er aber war nicht in der Lage, seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Damals, als Detlef in seiner Not zu ihm kam, hatte er es geglaubt. Aber dann war es Schlag auf Schlag gekommen: die anhaltend ungünstige Witterung, die immer niedriger sich senkenden Preise, die eine Verwertung der Erzeugnisse zur Unmöglichkeit machten, die unvermutete Viehseuche, die bedenklich unter seinen Beständen aufgeräumt hatte. Schliesslich erforderte die dicht bevorstehende Hochzeit auch noch eine Menge von Ausgaben — er konnte zählen und rechnen und überschlagen, soviel er wollte — mehr als die Hälfte der verbürgten Summe konnte er nicht aufbringen. Zum erstenmal in seinem Leben sah er sich in eine peinliche und gefahrdrohende Lage versetzt. Und die einzige Hoffnung, die ihm blieb, bestand darin, Robert Zacharias zu bewegen, sich mit der in dieser Notlage immerhin beträchtlichen Abfindung zufriedenzugeben. Freilich — ob es ihm gelingen würde —? Ganz still war es um ihn. Seine Mutter hatte sich zur gewohnten Mittagsruhe begeben. Draussen rieselte der Schnee in dichten weissen Schnüren auf die ruhende Erde, und nichts war zu hören. Aber es war nicht die wohltuende Winterstille des feiernden Landes. Es war die wehetuende Stille eines brachgelegten Betriebes. Der Hofhund schlug an. Auf der weichen Schneedecke waren keine Schritte vernehmbar, und schon pochte es an die Tür. Sollte es etwa Zacharias sein, der sich beizeiten seine Ansprüche sichern wollte? Doch nein — der jetzt in das Zimmer trat, war ein seltener und unerwarteter Gast: Peter Quast. Sie waren von den Vätern her Nachbarn. Nur ein schmaler Wasserstrich trennte ihren Besitz, und doch geschah es nur selten, dass einer von ihnen ihn überschritt. Ja, Monate vergingen, ohne dass sie sich sahen oder sprachen. So war es zu verstehen, dass Fritz Laubinger den Eintretenden mit unverhohlenem Erstaunen begrüsste. Der legte den flauschigen, schon recht abgetragenen Ulster nicht ab, obwohl er von dem Schnee durchnässt war, dichter zog er ihn an sich, als fröre ihn selbst hier in der behaglichen Wärme des Zimmers. „Er pocht auf seinen Schein“, sagte er ohne jegliche Einführung, „und will, dass ich zum Ersten mein Haus für ihn geräumt habe. Und ich weiss nicht, wohin ich soll.“ „Sie werden doch wohl dahin gehen, wo Ihre Frau ist.“ „Da habe ich keinen Platz. Man will auch sie nicht länger haben.“ „Und wohin —?“ Der andere zuckte die Achseln: „Weiss ich’s?“ Weiter sagte er nichts, und Fritz Laubinger merkte, dass er über seinen künftigen Aufenthalt nicht befragt sein wollte. Das berührte ihn seltsam. Wie überhaupt dieser Mann, den er nur lebhaft und von stark geschwollenem Selbstbewusstsein kannte, in seiner geduckten, fast scheuen Haltung und seiner kurz angebundenen Redeweise einen eigentümlichen Eindruck auf ihn machte. Er holte eine Flasche alten Kornbranntweins hervor, schenkte die umfangreichen Gläser bis an den Rand voll. Peter Quast trank sein Glas gierig herunter, liess sich ein zweites, ein drittes eingiessen, trank es in derselben Hast. „Vielleicht, dass ich irgendwo so’n kleines Anwesen erstehen kann“, sagte er plötzlich und unvermittelt. „Billig bekommt man’s jetzt wohl. Aber freilich, ’ne Anzahlung braucht man. Etwas muss man schon haben!“ Er hielt inne, druckste an den Worten herum, strich den martialischen, bereits arg verwilderten Schnurrbart. „Das war der Grund, der mich zu Ihnen führte. Ob Sie mir vielleicht so’n paar tausend Mark vorschiessen wollten. Ich würde sie eintragen lassen oder Ihnen später auch ganz zurückerstatten.“ Fritz Laubinger geriet in die peinlichste Verlegenheit. Nie in seinem Leben hatte er einen im Stich gelassen, der sich in seiner Not an ihn wandte, hatte geholfen, wo er nur irgend konnte, und auch da freigebig geborgt, wo er auf Rückzahlung kaum rechnen konnte. Und hätte es niemals so gern getan wie in diesem Falle, wo ein Mann ihn bat, der unschuldig ins Elend gekommen war und sich nun mit letzter Kraft eine neue bescheidene Möglichkeit schaffen wollte. „Ich kann nicht“, brachte er schliesslich hervor, „kann wirklich nicht. Ich habe eine Bürgschaft übernommen“ „Ach so! Eine Bürgschaft haben Sie übernommen!“ erwiderte Peter Quast, und Hohn flackerte durch seine Worte. „Ich kann mir denken. Für die adligen Herrschaften auf Wulfskrona. Na ... ihr Leben lang haben sie auf uns kleine Bauern heruntergesehen. Und jetzt — aber entschuldigen Sie, Sie sind ja mit ihnen verschwägert worden —“ „Was ich tue, ist doch wohl meine Sache“, entgegnete Fritz Laubinger in deutlicher Ablehnung. „Gewiss ist es Ihre Sache. Aber gerade deshalb rede ich ja. Wissen Sie denn auch, was Sie tun? Mit gebundenen Händen liefern Sie sich dem Zacharias aus. An Sie wird er sich halten, wenn da drüben in Wulfskrona nichts mehr zu holen ist. Wird Sie bedrängen bis aufs Blut und nicht eher Frieden geben, bis er Sie eines Tages von Ihrem Hofe gejagt hat ... wie mich damals.“ „Da sei Gott vor!“ Es war ein Schrei aus der tiefsten Not des Herzens heraus. Nein, das nicht! Von seiner Scholle vertrieben, mit der er verwachsen war mit jeder Faser seiner Seele — es war unausdenkbar! Wie abwesend starrte er vor sich hin. „Ja, so wird es geschehen“, fuhr Peter Quast fort, „denn der Zacharias ist wie ein heisshungriger Wolf, der nie zu sättigen ist. Und es gibt nur eine Rettung vor ihm: Ihn totschlagen!“ Dies Wort weckte Fritz Laubinger aus seiner Erstarrung. „Sie werden sich noch den Strick an den Hals reden“, sagte er warnend. „Einen Menschen totschlagen! Man wird entdeckt und selber totgeschlagen! Dünkt Sie das so erstrebenswert?“ „Und wenn schon —“ Fritz Laubinger ging an seinen Geldschrank, entnahm ihm einige Banknoten. „Sie werden es zur Reise gebrauchen“, meinte er, „und soviel kann ich noch entbehren.“ Einen Augenblick zauderte Peter Quast. Es wurde ihm nicht leicht, ein Almosen von einem zu nehmen, den er selber in harter Bedrängnis sah. Dann steckte er die Scheine zu sich, dankte und ging. Fritz Laubinger aber setzte sich an den Eichentisch, auf dem die Bücher lagen. Da sah er durch das Fenster den Kopf eines Pferdes. Ein Reiter sass auf ihm: Detlef. „Ich bin gekommen“, sagte er, nachdem sie ins Zimmer getreten waren, „dir mitzuteilen, dass die letzten Hilfen, auf die ich in meiner Notlage gehofft, mich im Stiche gelassen haben. Meine Rübenernte war ein Fehlschlag. Die Hypothek, die mir zugesagt war, ist fortgefallen, und von der Ostpreussenhilfe habe ich so wenig erhalten, dass es nicht in Betracht kommt. Und morgen —“ Er hielt inne, als fiele es ihm schwer, es auszusprechen — „— ist der Tag, an dem deine für mich geleistete Bürgschaft fällig wird.“ „Ja, — morgen ist der Tag —“. Langsam und nachdenklich wiederholte es Fritz Laubinger. „Deshalb komme ich heute zu dir. Du wirst deine Verpflichtung nicht erfüllen können. Und selbst wenn du es...


1864–1946; Pseudonyme: Arthur Sewett, Friedrich Leoni) war ein deutscher evangelischer Pfarrer und Schriftsteller. Artur Brausewetter studierte Rechtswissenschaften, Philosophie und Theologie an der Universität Berlin und der Universität Bonn. Später wurde er Pfarrer. Seit 1908 war er Archidiakon an der Oberpfarrkirche St. Marien in Danzig, wo er bis zur Vertreibung infolge des Zweiten Weltkriegs lebte. In den Jahren 1933 und 1934 wurde er von den Deutschen Christen im Danziger Landessynodalverband aus dem Amt gedrängt. Brausewetter war Mitarbeiter der Zeitungen „Der Tag“ und „Tägliche Rundschau“ und schrieb zahlreiche Romane, die hohe Auflagen erzielten und in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Sein Schauspiel „Ich bin Doktor Eckart“ wurde 1944 in Weimar uraufgeführt. 1946 vollendete er seinen letzten Roman „Die höheren Mächte“, der das Schicksal der Bewohner Ostdeutschlands von 1933 bis 1945 behandelt.



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