Brenner | Die Hochzeitsschwestern | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

Brenner Die Hochzeitsschwestern

Roman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-641-20567-6
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

ISBN: 978-3-641-20567-6
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das war das Problem an Hochzeiten: Sie zwangen sämtliche Mitglieder einer Familie dazu, miteinander umzugehen, ob es ihnen passte oder nicht.

Meryl Becker freut sich zwar, dass ihre Töchter Meg, Amy und Jo den Mann fürs Leben gefunden haben. Andererseits übersteigen drei Hochzeiten das Familienbudget. Die Lösung: eine große gemeinsame Feier. Und natürlich will Meryl es allen recht machen – ihren Töchtern, ihren zukünftigen Schwiegersöhnen und deren Familien. Bald wächst Meryl alles über den Kopf. Sie ahnt nicht, dass auch die drei Paare mit Spannungen zu kämpfen haben. Und dass vor dem großen Fest ein paar handfeste Überraschungen auf die Familie warten ...

Jamie Brenner entdeckte schon als Kind ihre Liebe zu Büchern. Später studierte sie Literaturwissenschaften und ging nach New York, um in der Verlagsbranche zu arbeiten. Heute ist sie selbst Autorin und kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Jamie Brenner lebt mit ihrer Familie in New York.
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Eins

Vor ihr lag ein Abend, bei dem alle Kräfte nötig waren. So empfand es zumindest Meryl. Denn wenn sie sich ihre Familie besah, beschlich sie das ungute Gefühl, dass sie die Last allein stemmen musste.

Es war erst Mittag, doch in ihrer nervösen Vorfreude konnte sie es nicht erwarten, das gute Service hervorzuholen und den Tisch zu decken. Eigentlich wollte sie sich nicht derart unter Druck setzen, doch sie kam nicht dagegen an. Bei diesem Dinner musste absolut alles stimmen. Sie musste es ein wenig übertreiben.

»Denk daran, Schatz, hierbei geht es nicht um dich«, hatte Hugh am Morgen auf dem Weg zur Tür gesagt. Dieser Satz verfolgte sie. Er war Erleichterung und Ärgernis.

»Ich mache das für Meg«, hatte sie eingeschnappt erwidert.

Hugh hatte ihr mit wissendem Lächeln einen Kuss auf die Stirn gegeben und die Hand gedrückt.

Endlich würden sie die Eltern des Mannes kennenlernen, den ihre Tochter heiraten würde. Meryl hatte einiges schon über sie in der New York Times und der Vanity Fair gelesen, sie sogar auf CNN gesehen, doch gelassener hatte sie das nicht gemacht. Auch das sind nur Menschen, rief sie sich zur Ordnung. Und außerdem gehören wir bald alle zu einer Familie.

Sie wählte die Handynummer ihrer Mutter, auch wenn der Versuch bestimmt vergeblich war. Mit ihren sechsundachtzig Jahren war sie für neue Technologien nicht mehr zu begeistern, und sie sah auch nicht ein, sich für ihre Unlust zu rechtfertigen. Meryl war es trotzdem lieber, dass ihre Mutter ein Handy hatte, auch wenn diese Tatsache gerade ihren Missmut nur noch steigerte.

»Mutter, ich bin’s. Ich will nur sicherstellen, dass du um drei fertig bist. Ich hole dich dann für das Dinner ab. Bitte. Dieser Abend ist für uns sehr wichtig.«

Sie zögerte. Sollte sie ihre Nachricht mit »Ich hab dich lieb« oder »Ich freu mich auf dich« beschließen? Solche Worte gehörten nicht zu ihrem Umgangston, und es hätte seltsam geklungen, sie nun anzubringen – verzweifelt. So als ob sie ihre Mutter an diesem Abend gebraucht hätte. Doch das tat sie. Gegen alle Vernunft hoffte Meryl, dass sie sich, wenn auch nur an diesem einen Abend, als ganz normale Familie präsentieren könnten. Wenn schon nicht um ihretwillen, so wenigstens um ihrer Tochter willen.

Das war das Problem an Hochzeiten: Sie zwangen sämtliche Mitglieder einer Familie dazu, friedlich miteinander umzugehen, ob es ihnen passte oder nicht.

Meryl zog die Gardinen beiseite und schaute auf den Fluss. Der Ausblick auf den East River war selbst nach zwanzig Jahren das, was sie an ihrem Heim am meisten schätzte. Das Wasser beruhigte sie. Ein anderes Manhattan, ohne diese Szenerie, konnte sie sich gar nicht vorstellen. Andererseits hatte sie sich früher auch nicht vorstellen können, dass ihre Mädchen einmal groß werden und das Nest verlassen würden. Und nun war es Alltag, dass sie ihre Töchter manchmal wochenlang nicht sah. Meryl hatte immer häufiger den Eindruck, dass sie einen Vorwand brauchte, wenn sie ihre Töchter sehen wollte – einen Grund, der sie alle aus ihrem hektischen Leben riss.

Sie fehlten ihr.

Meg, Amy, Jo. Wie die Figuren aus Hughs Lieblingsbuch Betty und ihre Schwestern von Louisa May Alcott. Der Roman hatte nicht nur den Kurs für sein Berufsleben bestimmt – wenn Meryl ehrlich war, auch den für ihr Eheleben.

Den gleichnamigen Schwestern aus diesem populären Jugendbuch gerecht zu werden war wirklich viel verlangt, doch Meryl fand, dass ihre Mädchen das gut gemeistert hatten. Auch sie hatten sehr verschiedene Persönlichkeiten – Meg, die pflegeleichte Tochter. Amy, die ewig Unzufriedene. Und Jo, der rebellische Tomboy mit dem Herz aus Gold.

Meryl hatte fasziniert verfolgt, wie sie sich entzweit und ergänzt, in einem Tanz der elementarsten Gefühle – Liebe, Hass, Neid und Hingabe – umkreist hatten. Meryl war Einzelkind, und es war ihr eine große Freude zu erleben, dass ihre Töchter als Geschwister aufwuchsen. Sie hatte sich als Kind oft allein gefühlt, kaum anders als jetzt auch.

Wenn es nur nicht so verdammt schwierig geworden wäre, sie alle an einen Tisch zu bringen.

Wenigstens auf Amy war bisher Verlass gewesen. Auf Amy, die auch heute noch nach der ungeteilten Aufmerksamkeit ihrer Mutter verlangte. Doch selbst sie kam nicht mehr regelmäßig heim; vor einigen Wochen hatte Amy, als Meryl sie mit ihrem Freund wie jeden Sonntag zum Abendessen eingeladen hatte, abgesagt, weil sie mit Andy eine weitere Nacht in East Hampton hatte bleiben wollen. Seither ruhte ihre Abmachung.

Amys Partner war der Sohn des Modedesigners Jeffrey Bruce. Amy lebte ein Leben, das – zumindest in Meryls Augen – ausgesprochen glamourös wirkte; sie bereiste im Auftrag des Unternehmens die Fashionevents der internationalen Modewelt. Dennoch, das war Meryl sehr bewusst, spielte Amy weiterhin Aufholjagd mit ihrer großen Schwester Meg.

Amy hatte immer das Gefühl gehabt, dass Meg der Liebling, die perfekte Tochter war, die, der alles in den Schoß fiel. Zugleich verehrte Amy ihre Schwester insgeheim. Meryl hatte gehofft, dass sich diese Dynamik ändern würde, wenn Amy älter und selbstbewusster wurde – sich eine Identität erschuf, die sie nicht mehr nur als eine der Becker-Schwestern auswies. Doch bislang sah es nicht danach aus.

Seit einiger Zeit beschlich Meryl eine leise Panik. Ihr Verstand widersprach, doch ihr Gefühl sagte ihr, dass ihr die Mutterrolle zusehends entglitt. Was aber war sie, wenn nicht Mutter? Sah so die Zukunft aus? Ein gelegentlicher Anruf? Ab und zu ein Treffen mit den Mädchen und einmal im Jahr ein Essen im Familienkreis? Unglücklicherweise hatte sie eines Abends einen taktischen Fehler begangen und ihre Enttäuschung vor Amy geäußert. Amy hatte nur geschnaubt. »Mom, also bitte. Du kochst doch nicht mal richtig.«

Dieser Kommentar hatte Meryl tief verletzt, auch wenn sie den wahren Grund dafür nicht greifen konnte. Ja, sie kochte »nicht mal richtig« – aber ging es nicht darum, dass sie einen schönen Abend miteinander verbrachten?

Ihr Handy klingelte. Meg.

»Hi, Mom! Wo steckst du?«

»Zu Hause, Liebes. Wo steckst du?«

»Bin seit eben in der Stadt.«

»Ich dachte, ihr kämt erst am späten Vormittag in Washington los?«

Eine Pause. »Stimmt. Aber wir sind nicht mit dem Auto gefahren. Stowes Dad hat uns im Heli mitgenommen.«

»Tja. So kann man den Stau auf der Brücke auch umgehen!«, erwiderte Meryl lachend. Sie versuchte es mit Humor, doch in Wahrheit fühlte sie sich mit der Prominenz und dem außerordentlichen Reichtum ihres künftigen Schwiegersohnes nicht wohl.

Megs Verlobter, Stowe Campion, entstammte einer Stahl-Dynastie aus Philadelphia. Sein milliardenschwerer Vater Reed saß für die Republikaner im Senat von Pennsylvania. Die Republikaner!

»Reed muss heute Abend kurzfristig zu einem dienstlichen Event«, schob Meg verlegen nach. »Tippy will sich nach dem Essen mit ihm treffen. Ist es okay, wenn wir etwas früher bei euch sind?«

»Moment – Reed kommt nicht zum Dinner?« Das war nicht zu fassen! Ein dienstliches Treffen war diesen Leuten wichtiger als die erste Begegnung mit den Eltern ihrer Schwiegertochter in spe? Sie mussten doch, in Herrgotts Namen, über die Hochzeit reden! Es war schlimm genug, dass Meryl bei den Campions seit einem Jahr mit jedem ihrer Auftaktversuche auf taube Ohren gestoßen war. Die Campions waren sehr eingespannt, das war ihr bewusst. Aber so etwas? Ihre Mutter hätte ein solches Verhalten »Spott und Hohn« genannt. Und damit hätte sie, ausnahmsweise, recht gehabt.

»Es tut mir leid, Mom! Ehrlich. Ihm ist es wirklich unangenehm, und es klappt bestimmt ein anderes Mal. Aber geht es heute etwas früher … ja?«

»Kein Problem.« Meryl hoffte, dass sie entspannt klang. Ihr Zeitplan war nun offiziell dahin.

Außerdem musste sie vorher ihre Mutter abholen – und das war jedes Mal eine Herausforderung.

»Was sollen wir mitbringen?«

»Nur euch selbst«, sagte Meryl in einem Singsang, der selbst in ihren Ohren fremd klang.

Na ja, wenigstens Tippy würde sie nun endlich kennenlernen.

Sie wusste, wie Stowes Mutter aussah, sie hatte sie gegoogelt, doch zuvor hatte sie sich Tippy wie eine zweite Barbara Bush vorgestellt: bodenständig, robust, weiße Haare, Perlenkette. Doch während sich in Barbara Bushs Gesicht das Leben eingeschrieben hatte, besaß Tippy Campion den glatten und alterslosen Teint obszönen Reichtums, ein Gesicht, das ab einem bestimmten Alter nur noch durch ein strenges Regime aus chemischen Peelings und Botox und Fillern und Prozeduren erhalten werden konnte, die Meryls Fantasie vermutlich weit überstiegen. Tippys Haar war butterblond, ihr Körper schlank und stets in Tory Burch (am Tage) und St. John (am Abend) gehüllt. Sie war eine Schönheit – keine einstige, verblichene, sie hielt locker mit, selbst jetzt. Ihr Ehemann Reed sah wie ein Filmstar aus, und seine Attraktivität hatte sich voll und ganz auf seinen Sohn übertragen. Kein Wunder, dass sich die Medien für die Campions begeisterten.

Meryl griff nach ihrem Handy und eilte auf die Straße. Nun musste sie ein Taxi nehmen, sie hatte keine Zeit mehr, auf den Bus zu warten. Sie wählte die Festnetznummer ihrer Mutter. Zu ihrer Erleichterung ging Oona, die Pflegerin, an den Apparat.

»Ich bin schon auf dem Weg, Oona. Könnten Sie bitte dafür sorgen, dass meine Mutter fertig ist? Es tut mir leid – ich weiß, ich komme früher als geplant.«

Eine Pflegekraft war Luxus, aber auch, wie Meryl es Hugh gegenüber erläutert hatte, pure...


Brenner, Jamie
Jamie Brenner entdeckte schon als Kind ihre Liebe zu Büchern. Später studierte sie Literaturwissenschaften und ging nach New York, um in der Verlagsbranche zu arbeiten. Heute ist sie selbst Autorin und kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Jamie Brenner lebt mit ihrer Familie in New York.



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