E-Book, Deutsch, 300 Seiten
Bright The Right Kind of Wrong
2. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95818-472-5
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Prickelnde New-Adult Romance, die einem den Atem verschlägt
E-Book, Deutsch, 300 Seiten
ISBN: 978-3-95818-472-5
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jennifer Bright wurde 1993 in Hannover geboren. Zusammen mit ihrem Mann und ihrer Katze lebt sie noch heute in der niedersächsischen Hauptstadt. Sie trinkt mehr Kaffee, als es gut für sie wäre, und kann sich kein Leben ohne Katzen, Bücher und Serien vorstellen. Auf Instagram (@jenniferbright.autorin) und TikTok (@jennifer.bright) teilt sie ihre Leidenschaft dazu.
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Prolog
Meine nackten Füße tragen mich über das dunkle Parkett unserer sonnendurchfluteten Dreizimmerwohnung. Nur mit einem weißen Top und einem Slip bekleidet schleppe ich mich in die Küche, um mir meinen morgendlichen Kaffee zu machen.
Kate sitzt in ihrem rosa Schlafanzug am Küchentisch und schiebt sich ein Stück vom Pancake in den Mund. Ihre schulterlangen blonden Haare stehen in alle Richtungen ab, sodass sie den Anschein erweckt, als hätte sie es gerade mit einem Bären aufgenommen und den Kampf haushoch gewonnen.
»Möchtest du auch welche, Zoe?« Sie deutet auf den leeren Teller ihr gegenüber und die dampfende Einhorntasse mit schwarzem Kaffee.
Mit einem zufriedenen Seufzen und einem Nicken lasse ich mich auf den Holzstuhl fallen. Der erste Schluck vom Kaffee ist purer Balsam für die Seele.
»Wie geht es dir?« Kate sieht mich mit diesem besorgten Gesichtsausdruck an, der mir verrät, dass sie mir noch immer nicht glaubt, dass ich über die Trennung von meinem Ex-Freund hinweg bin. Ja, es war schwer, vor vier Wochen einen Schlussstrich zu ziehen, und doch war dieser bitter nötig gewesen.
»Kate, du musst mich das nicht jeden Morgen fragen. Es war die richtige Entscheidung. Du weißt, dass ich schon länger an unserer Beziehung gezweifelt habe, und Matthews Lüge hat mir den Rest gegeben.« Ich nippe an meinem Kaffee und denke an den Tag zurück, an dem ich erfahren habe, dass er mir wochenlang etwas vorgemacht hat.
Es war immer mein Traum, eine Europareise zu machen. Doch ich habe Matthew gesagt, dass wir sie auch nach unserem Studium unternehmen können. Ich weiß, dass sein Medizinstudium bei ihm an allererster Stelle steht. Trotzdem hatte er mir versprochen, sich ein Urlaubssemester zu nehmen, um mit mir zu verreisen. Noch schlimmer, er hatte behauptet, dass er es schon beantragt hätte. Also tat ich es ihm gleich. Nachdem meines bewilligt worden war, hatte ich mich gefragt, weshalb es bei ihm so lange dauerte.
»Du weißt, ich war nie ein großer Fan von Matthew, aber ich komme immer noch nicht darüber hinweg, wie dreist er dir etwas vorgemacht hat. Du hast so viel Zeit investiert, hast tagelang Unterkünfte und Routen rausgesucht, für nichts und wieder nichts.« Sie schüttelt ungläubig den Kopf.
Als ich von seiner Lüge erfahren habe, hat er geglaubt, dass es mit einer einfachen Entschuldigung getan wäre. Er wurde richtig grimmig, weil ich ihm gesagt habe, wie enttäuscht ich von ihm bin. Das ist typisch für ihn, sobald er etwas falsch gemacht hat, dreht er den Spieß um und schiebt mir den schwarzen Peter zu.
»Wir waren einfach zu verschieden«, beteuere ich und denke an all die Zeichen, die mir schon früher hätten auffallen müssen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, würden wir seit einem Jahr zusammenwohnen, nächstes Jahr heiraten, danach das erste von drei Kindern zeugen und in einem schicken Reihenhaus am Rande Londons leben.
Ich selbst sehe mich in zwei Jahren auf der Suche nach dem großen Abenteuer ohne Verpflichtungen und den Moment genießend auf irgendeiner Insel am Strand liegen.
Er ernährt sich stets gesund und macht um jedes Fast-Food-Restaurant einen großen Bogen, während ich für eine fettige Pizza töten würde.
Er lebt für seinen Job. Ich lebe für die Freiheit.
Er macht regelmäßig Sport. Ich bin froh, wenn ich mich einmal im Jahr zum Joggen aufraffen kann.
Er sieht zu meinen erfolgreichen Eltern auf. Ich verachte sie.
Er möchte in London alt werden. Ich möchte mal hier und mal dort wohnen.
Er ist ein Ordnungsfreak. Ich bin eine Chaotin.
Unsere Träume sind so weit voneinander entfernt, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sich unsere Wege trennten. Und vielleicht haben wir es beide auch von Anfang an gewusst. Gewusst, dass wir kein sind.
»Lass uns lieber das Thema wechseln«, sage ich und lehne mich zurück.
Plötzlich fängt Kate an, bis über beide Ohren zu grinsen, während sie mit ihren kurzen Haaren spielt. Nervös rutscht sie auf ihrem Stuhl hin und her. »Ich habe dir doch vor ein paar Monaten von meinem neuen Freund erzählt.«
Dass vor ein paar Monaten in Wahrheit erst vier Wochen her ist, versuche ich mit zusammengepressten Lippen für mich zu behalten. Kate hatte noch nie ein gutes Zeitgefühl. Eine Woche gleicht in ihrer Welt einem halben Jahr. »Jetzt lass dir nicht alles aus der Nase ziehen.«
Sie hüpft von ihrem Stuhl auf und stellt den leeren Teller mit einem lauten Klappern in die Spüle. Mit dem Rücken zu mir sagt sie: »Er fängt im kommenden Semester an, hier zu studieren. Das bedeutet, er zieht nach London und wir können uns jeden Tag sehen. Ich kann es kaum abwarten. Allerdings gibt es da ein klitzekleines Problem.« Mit ihren Rehaugen sieht sie mich unschuldig über ihre Schulter hinweg an und klimpert mit den Wimpern. »Er muss morgen aus seiner Wohnung in Liverpool raus. Aber er hat hier noch nichts gefunden. Du weißt ja selbst, wie überlaufen der Wohnungsmarkt in London ist. Leider kennt er in der Stadt auch niemanden außer mir, und da habe ich ihm angeboten, erst einmal bei uns zu wohnen.« Die Worte sprudeln nur so aus ihrem Mund, und es wundert mich, dass sie bei diesem Tempo überhaupt noch Luft bekommt.
»Aber du weißt schon, dass wir hier gemeinsam wohnen? Wieso fragst du mich nicht erst, bevor du so etwas über meinen Kopf hinweg entscheidest?«, frage ich sie mit sanfter Stimme.
Ich bin viele spontane Schnapsideen von ihr gewöhnt, aber wie stellt sie sich das vor? Diese Wohnung ist viel zu klein für noch einen Mitbewohner, und er kann auf gar keinen Fall das Wohnzimmer in Beschlag nehmen.
Mit einer schnellen Bewegung dreht sie sich wieder zu mir. »Es tut mir leid, Süße. Aber ich wusste, dass du sowieso Ja sagen würdest. Du hast doch ein Herz für mittellose Studenten.«
Sie hat recht. Natürlich hat sie das. Kate weiß ganz genau, dass ich ihr kaum etwas abschlagen kann. Trotzdem wäre es mir lieber, sie würde so eine wichtige Entscheidung mit mir gemeinsam treffen. Sie konnte ihn mir bisher nicht vorstellen, weil sie sich immer bei ihm in Liverpool getroffen haben. Doch ihre Schwärmereien bekomme ich nicht mehr so leicht aus dem Kopf. Tagein, tagaus habe ich nur noch mit halbem Ohr zugehört, sobald sie angefangen hat, von ihm zu reden. Dass dabei viel bei mir hängen geblieben ist, wage ich zu bezweifeln. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass Kate sich von einer Beziehung in die nächste stürzt. Das war schon immer so. Sie wechselt ihre Freunde schneller, als ich sagen kann.
Kate hat Angst, allein zu sein. Sie mag es, zu wissen, dass Nachrichten mit Herzsmileys darauf warten, von ihr beantwortet zu werden. Sie mag es, nachts in ihrem Bett zu telefonieren und mit einem am Ohr einzuschlafen. Sie mag es, sich diese romantischen Komödien anzuschauen, die ich nicht leiden kann. Kate und ich können über alles sprechen, doch jedes Mal, wenn ich sie frage, wieso sie sich wieder in die nächste Beziehung stürzt, wechselt sie gekonnt das Thema.
Ein wenig verstehe ich ihre Angst vor dem Alleinsein. Auch ich habe vor der Trennung mehr als einmal das Pro und das Kontra abgewogen. Ich habe es mir nicht vorstellen können, nach etwas mehr als zwei Jahren wieder Single zu sein. Manchmal liege ich nachts wach und wünsche mir nichts mehr als jemanden, dem ich nahe sein kann. Ich bereue es nicht, dass ich Matthew kennen- und lieben gelernt habe. Ich bereue es aber auch nicht, mich von ihm getrennt zu haben.
Das laute Klirren von Besteck reißt mich aus meinen Gedanken. Kate steht an der Spüle und beginnt, das Geschirr abzuwaschen.
»Okay, hör zu. Dein toller Freund kann natürlich fürs Erste bei uns unterkommen. Aber er wird in deinem Zimmer schlafen und nicht unser Wohnzimmer für sich beanspruchen. Außerdem will ich einen geregelten Plan, damit meine ich den Küchendienst, Badzeiten und all das andere Zeug, was anfällt, wenn man sich einen dritten Mitbewohner ins Haus holt. Hoffentlich bringt der Streuner keine Flöhe mit.« Ich nehme mir das Tuch zum Abtrocknen und stelle mich mit einem leichten Schubser in Kates Seite neben sie.
»Ich habe die beste Freundin der Welt.« Sie drückt mir einen Kuss auf die Wange und spült weiter die Teller und Tassen ab.
Lächelnd werfe ich das Geschirrtuch auf ihren Kopf und versperre ihr damit die Sicht. Ihr Lachen erfüllt den kompletten Raum, und ich kann ihr nicht böse sein.
Ich weiß nicht, woran es lag, aber es brauchte nur wenige Tage, bis ich begriff, wie viel mir dieser blonde Wirbelwind bedeuten würde. Sie ist mehr als eine Freundin. Mehr als eine beste Freundin. Sie ist die Familie, die ich nie hatte. Sie teilt mit mir, wie es nur eine Schwester kann. Sie ist so fürsorglich wie eine Mutter und so stolz wie ein Vater. Und wenn ich eines weiß, dann, dass ich für sie dasselbe bin. Familie.
Während ihr Lachen noch nachhallt, werfe ich einen Blick auf die Uhr über der Küchentür. »Oh Mist!« Schnell lege ich das Geschirrtuch auf den Tresen und trockne mir die feuchten Hände an meinem Shirt...




