Buchmann | Wir nannten es Newtopia | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 218 Seiten

Buchmann Wir nannten es Newtopia


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7528-7854-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 218 Seiten

ISBN: 978-3-7528-7854-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Geflohen vor Kontrolle und Gewalt. Angekommen in einer trügerischen Freiheit. Gefangen zwischen zwei Männern. Konfrontiert mit den Dämonen ihrer Vergangenheit. Als Hannah aus einem System der staatlichen und privaten Unterdrückung flieht, sucht sie Freiheit, aber erwartet den Tod. Unverhofft gerät sie in die Siedlung Newtopia, deren Bewohner abgeschnitten von der Zivilisation ein selbstbestimmtes Leben führen. Der charismatische Don zieht sie in seinen Bann, während sie sich insgeheim nach der Freundschaft des abweisenden Alex sehnt. Die Schrecken ihrer Vergangenheit machen es Hannah schwer, sich vollends auf ihr neues Leben einzulassen. Und bald schon zeigen erste Risse in der perfekten Gesellschaft ...

2012 begann es mit einer Kurzgeschichte, die sich zu Anja Buchmanns ersten Fantasyroman "Die Sechs" auswuchs, auf den wenig später die "Welten-Nebel-Tetralogie" aufbaute. Weitere Romane und Kurzgeschichten folgten. Dabei tobt sie sich vorrangig auf dem Gebiet der Phantastik aus, unternimmt aber gerne kurze Abstecher in andere Genres. Seit 2015 arbeitet sie als freiberufliche Autorin. Neben Romanen und Kurzgeschichten, die bei Verlagen und im Selbstverlag erscheinen, bietet sie auf ihrer Seite geschichtengeschenk.de persönliche und personalisierte Kurzgeschichten an. Nach drei Jahrzehnten in Berlin verschlug es Anja Buchmann 2016 ins mecklenburgische Schwinkendorf, wo sie nun lebt und für ihre Leser immer wieder neue Welten erschafft. Ihr Motto ist "Eine Geschichte schuldet ihre Existenz dem, der sie niederschreibt, ihr Leben jedoch verdankt sie jenen, die sie lesen."
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I – Ende August


Ihre Beine spürte sie schon geraume Zeit nicht mehr. Die ganze Nacht war Hannah gerannt, erst über die gespenstisch leeren Straßen der Stadt, dann durch Felder und über Wiesen. Schließlich durch eine von scharfen Gräsern und Gestrüpp geprägte Wildnis. Die Schritte ihres Verfolgers waren bald dem Hämmern ihres eigenen Herzens gewichen. Dennoch war sie weitergelaufen. Noch immer glaubte sie, Miles zu hören, wie er ihren Namen brüllte. Hannah wusste nicht, wie weit seine unbändige Wut ihn führen würde. Sie konnte nicht riskieren, dass er sie einholte.

Grenzenlose Furcht. Todesangst.

Der Rucksack drückte schwer auf ihre Schultern. Lange konnte sie nicht mehr durchhalten. Der neue Tag würde bald anbrechen. Vielleicht sollte sie sich nach einem Versteck umsehen. Sie blickte zurück in die Richtung, aus der sie gekommen war. Die Lichter der Stadt lagen weit hinter ihr. Niemand war zu sehen. Kein Geräusch deutete auf die Anwesenheit eines anderen Menschen hin. Aber das bedeutete nichts. Allein der Gedanke an Miles ließ sie entgegen aller Erschöpfung weiterlaufen. In der weiten Ödnis, die sie gerade durchquerte, würde sie ohnehin keinen Unterschlupf finden.

Der Horizont färbte sich rosa. Sie ließ sich auf den Boden fallen. Nur kurz rasten. Ihr Blick war auf die aufgehende Sonne gerichtet. Die Entscheidung, in Richtung Osten zu laufen, war eine spontane gewesen, die zur Flucht nicht. Sie zog eine Flasche mit nährstoffangereichertem Wasser aus ihrem schwarzen Rucksack, nahm ein paar Schlucke. Sie würde es einteilen müssen, hatte sie sich doch vorgenommen, jedweden Kontakt zur Zivilisation vorerst zu meiden. Wenn Miles unter all seiner Brutalität etwas Verstand zurückbehalten hatte, so hatte jede Polizeistation des Staates inzwischen ein Foto von ihr. Fasste man sie, wäre sie schnell wieder zu Hause, bei Miles. Sie stöhnte auf, musste ein Zittern unterdrücken. Plötzlich war sie unendlich erschöpft, ließ sich auf den Rücken fallen. Hannah schloss die Augen, bedeckte ihr Gesicht mit den Armen.

Seine Hände gruben sich in die sonnenwarme Erde, zerdrückten die Klumpen. Obwohl es noch früher Morgen war, schwitzte er. Feine Flüssigkeitsperlen standen ihm auf der Stirn, sammelten sich in den Falten seines sorgenvollen Gesichts, ließen sein T-Shirt am Rücken kleben. Der Boden war viel zu trocken, rann ihm fast wie purer Sand durch die Finger. Wenn es nicht bald regnete, war die Ernte auf diesem Feld verloren. Ein halber Monat absolute Trockenheit war einfach zu viel für die zarten Gemüsepflanzen.

Alex fluchte. Er hätte darauf dringen müssen, die Bewässerungsgräben auf dieses Feld auszudehnen und eine entsprechende Erweiterung des Systems aus kleinen und größeren Sammelbecken vorzunehmen. Mit etwas mehr Einsatz hätte er die Herbstversammlung vielleicht überzeugen können, diesem Projekt eine höhere Priorität einzuräumen. Nicht, dass die Schule nicht wichtig gewesen wäre und ebenso die zwei neuen Wohngebäude, die im Winter errichtet worden waren, aber musste die Nahrungsmittelversorgung nicht immer an allererster Stelle stehen? Die Mehrheit der 266 Stimmberechtigten hatte dies anders gesehen und nichts lag Alex ferner, als die Weisheit der Vielen, auf der die Entscheidungsfindung ihrer Gemeinschaft beruhte, in Abrede zu stellen. Manchmal schlichen sich Zweifel in Herz und Verstand.

Er musste zugeben, sie würden ohne den Ertrag dieses Feldes nicht verhungern, nicht einmal Mangel leiden – sofern nicht andere Ernteausfälle hinzukämen. Zur Abwechslung wäre ein gewisser Überschuss schön gewesen.

Er betrachtete seine gebräunten Hände und Unterarme. Die Sehnen und Muskeln traten deutlich hervor. Vor zehn Jahren noch war er erheblich wohlgenährter gewesen.

Er blickte hinauf zum Himmel, über den lediglich ein paar Schleierwolken zogen. Der strahlende Sonnenschein erschien ihm wie Hohn. Letztes Jahr waren viele Feldfrüchte im Dauerregen verfault.

Seine Finger strichen über die hängenden Blätter der Rüben. Noch waren die Pflanzen nicht gänzlich hinüber. Ein paar Eimer Wasser retteten sicher einiges. Es gab nur niemanden, der sie hätte herbeitragen können. Jeder in der Gemeinschaft hatte mehr Arbeit, als er oder sie in den hellen Stunden des Tages bewältigen konnte. Niemand klagte darüber und ein jeder versuchte, so viel wie möglich zu leisten. Zum Wohle aller.

In ihrem früheren Leben wäre keiner von ihnen auf die Idee gekommen, so etwas längere Zeit mitzumachen. Nun standen die Dinge anders. Absoluter Einsatz war viel mehr als eine Frage des Überlebens. Sie wollten etwas aufbauen, Großes schaffen. Jeder tat, was er konnte, damit dies gelang.

Er erhob sich und klopfte den Staub von den Knien der zerschlissenen und mehrfach geflickten Jeans. Bisher hatte er es nicht für nötig gehalten, seinen Anspruch auf neue Kleidung geltend zu machen. Was er besaß, genügte vollkommen.

Das Knarren der sich öffnenden Tür ließ ihn aufschrecken. Schnell schloss Don den Schrank. Als er sich umwandte, stand Alex bereits im Zimmer. Don konnte nur hoffen, dass sein Körper dem Freund jedweden Einblick verwehrte.

»Du kommst spät«, begrüßte er Alex.

»Entschuldige, ich musste noch nach meinem Feld sehen.«

»Dein Feld?«, fragte er und hob die Augenbraue. Er war stets aufs Neue erstaunt, wie hartnäckig sich Ausdrucksweisen wie diese hielten.

»Verzeih, ich meine natürlich das Feld, für das ich verantwortlich bin. Es sieht nicht gut aus. Die Trockenheit. Wir hätten die Bewässerungsgräben bauen sollen.« Er fuhr sich mit der Hand durch das blonde Haar, welches für Dons Geschmack schon wieder zu lang war.

»Höre ich da Zweifel an den Entscheidungen der Gemeinschaft? Das sieht dir nicht ähnlich, mein Freund.« Er kannte Alex als einen eisernen Verfechter der Sache. Von jedem anderen hätte er Bedenken erwartet, nicht jedoch von ihm. War dies ein Grund zur Sorge?

»Ich akzeptiere die Meinung der Mehrheit. Es ist trotzdem schade um die Ernte«, sagte er mit einem leichten Kopfschütteln.

»Meinst du, wir bekommen Probleme mit der Lebensmittelversorgung?« Wäre dem so, würde sie dies um Jahre zurückwerfen und damit seine Pläne gefährden.

»Nein. Ein Großteil der Felder ist bewässert. Ich sehe keine Gefahr.«

Alex‘ Antwort beruhigte ihn, doch Don machte sich eine mentale Notiz, die Lebensmittelproduktion künftig im Auge zu behalten, obwohl dies nicht zu seinen Aufgaben gehörte. »Gut. Ich will nie wieder jemanden verhungern sehen.« Hungertote waren nicht gut für die Moral, sorgten für Unruhe. Das war das Letzte, was sie gebrauchen konnten.

»Ich auch nicht.« Für einen Augenblick verzerrte sich Alex‘ Gesicht. Er trauerte tatsächlich noch immer um jene, die sie verloren hatten.

Don war geneigt, die Sache pragmatischer zu sehen. Die ersten Jahre hatten gezeigt, wer wirklich für diese Unternehmung geeignet war. Nur die Stärksten überlebten. So war der natürliche Lauf der Dinge. Die moderne Gesellschaft neigte dazu, dies zu vergessen. Technologie hatte die Menschen bequem gemacht, ihnen die natürlichen Instinkte und das Gespür für die Erbarmungslosigkeit des Lebens genommen. Jeder, der sich auf dieses Experiment eingelassen hatte, war im Vorfeld über dessen Härten aufgeklärt worden. Verluste waren Bestandteil der Kalkulation gewesen. Er schob diese Überlegungen beiseite, würde sie nicht mit Alex teilen. Der Freund würde es nicht verstehen. Stattdessen sagte er: »Dann lass uns mal mit der Arbeit anfangen. Wir haben nicht viel Zeit. Ich hoffe, du hast dir schon Gedanken darüber gemacht.«

»Habe ich. Ich weiß allerdings nicht, ob sie wirklich taugen. Schließlich bin ich kein Lehrer.«

»Genauso wenig wie ich. Es geht nicht darum, fertige Unterrichtskonzepte zu erarbeiten. Die Aufzeichnungen sollen Martha lediglich als Anhaltspunkte für die Unterrichtseinheiten zum Thema Ackerbau dienen. Daher genügen zunächst einige Stichworte und Überschriften. Die Details wird Martha erfragen, sobald sie die Thematik im Unterricht aufgreifen will.«

»Wenn du mich fragst, wird es noch etwas dauern. Wie alt sind ihre ältesten Schüler? Sieben?«

»Acht. Martha unterrichtet sie seit drei Jahren. Die Zwillinge können lesen, schreiben und rechnen. Es wird Zeit, ihnen die Welt, in der sie leben, zu erklären.« Er hatte zwischenzeitlich Papier und Stift bereitgelegt und nahm hinter dem Schreibtisch Platz. »Setz dich!«, sagte er und deutete auf den Stuhl, der seinem gegenüberstand.

Alex schüttelte den Kopf. »Nein danke, ich stehe lieber.« Er begann, auf und ab zu gehen. Deutlicher hätte er seinen Widerwillen kaum zum Ausdruck bringen können. Don wusste sehr wohl, was seinen Freund umtrieb. Er empfand die Aufgabe, bei der Gestaltung des Lehrplans mitzuhelfen, als unproduktiv. Er bevorzugte praktische Arbeiten, die substanzielle Ergebnisse hervorbrachten. Deswegen war es Don nicht gelungen, ihn für die Mitarbeit in der Verwaltung der Siedlung zu gewinnen.

Wie unterschiedlich sie waren. Er selbst war froh über jede Minute, die er sich der körperlichen Arbeit auf den Feldern und Baustellen entziehen konnte, seinen Intellekt nicht am Ende eines Spaten verschwenden musste.

»Ich denke, der Landwirtschaftsunterricht sollte grundlegendes Wissen über die verschiedenen Nutzpflanzen vermitteln. Außerdem sollten die Kinder etwas über die Techniken der Bodenbearbeitung, Bewässerung und Ernte lernen. Wichtig finde ich außerdem Sachen wie Schädlinge und Nützlinge, Unkräuter, Bodenqualität und deren Erhaltung«, zählte Alex auf.

»Halt, stopp, nicht so schnell, ich muss das alles mitschreiben.«

»Okay. Weißt du was, am...



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