Buckley | Kraftwerk | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Buckley Kraftwerk

Die unautorisierte Biografie
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8493-0327-3
Verlag: Metrolit Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz

Die unautorisierte Biografie

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

ISBN: 978-3-8493-0327-3
Verlag: Metrolit Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz



Kraftwerk ist ohne Zweifel eine der einflussreichsten Bands der Popgeschichte. Alben wie Radio-Aktivität und Trans Europa Express lieferten die Initialzündung für Hip Hop und die moderne Clubkultur - ohne sie wäre der Pop heute nicht so wie er ist. In Kraftwerk - die unautorisierte Biographie erzählt David Buckley die Geschichte der Band - von ihren Anfängen als Krautrocker bis zur Aufnahme in den Kunstkanon durch Retrospektiven im MoMA und der Tate Modern. Für seine Recherchen sprach er mit ehemaligen Mithgliedern und zahlreichen Weggefährten. Das Ergebnis liefert einen nie dagewesenen Blick auf die Menschen, die von sich behaupten: 'Wir sind die Roboter.'
'Am Heimcomputer sitz' ich hier und programmier' die Zukunft mir' behaupteten Kraftwerk 1981 auf Computerwelt - und die Geschichte gibt ihnen Recht. Ihre Musik programmierte die Entwicklung der Popmusik hin zum elektronischen Sound. Und ihre Vision einer von Computern dominierten Welt erscheint heute prophetisch und erschreckend akkurat.
Eine umfassende Beschreibung der Geschichte dieser genialen, visionären und geheimnisumwitterten Band und ihres Einflusses auf die moderne Popkultur jedoch gab es bisher nicht. David Buckley konnte für Kraftwerk - die unautorisierte Biographie nicht nur mit den früheren Kraftwerk-Mitgliedern Karl Bartos, Wolfgang Flür und Michael Rother sprechen, sondern auch mit weiteren Weggefährten, mit Musiktheoretikern und mit anderen Künstlern und Musikern wie Moby und Andy McClusky. Er beleuchtet damit auf einzigartige Weise das Selbstverständniss der Band, ihre Arbeitsweise, ihre Faszination für das Rennradfahren, und ihren Einflusses auf amerikanischen Hip-Hop und die Enstehung der elektronischen Musik.

David Buckley wurde 1965 in Liverpool geboren und lebt seit 1992 in München. Er hat einen Doktor in Popular Music von der University of Liverpool und ist seit mehreren Jahren Lehrbeauftragter für Popkultur an der Ludwig-Maximilians-Universität. Buckley schreibt unter anderem für das Magazin Mojo und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter die offizielle Biographie der Stranglers und mehrere Werke über David Bowie.

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EINLEITUNG
»Meine Damen und Herren, Ladies and Gentlemen, Heute Abend (aus Deutschland): die Mensch-Maschine Kraftwerk« Düsseldorf, November 2010 Ich bin nervös. Nervöser als sonst, wenn ich Leute aus dem Popgeschäft treffe. Ich werde vom ehemaligen Kraftwerk-Mitglied Wolfgang Flür zum Kling Klang Studio gefahren. Wolfgang, mittlerweile Anfang sechzig, trägt weite braune Cordhosen und eine kurze, bequeme Jacke. Sein leicht schütteres Haar ist braun gefärbt, und er hat eine sonnengebräunte Gesichtsfarbe. Ich bin deshalb nervöser als gewöhnlich, weil Wolfgang anders als die meisten anderen Popleute, die ich treffe, fast so etwas wie einer meiner absoluten Lieblingsmusiker ist. Davon weiß er freilich nichts. Dreizehn Jahre lang gehörte er zur klassischen Kraftwerk-Besetzung. Bis heute ist dies die einzige Besetzung, die für die meisten Fans tatsächlich Kraftwerk bedeutet – Wolfgang, Karl, Ralf und Florian. Die aktuelle Inkarnation mag kompetent und versöhnlich für die Fans sein, aber Ralf, Fritz, Henning und Stefan fehlt einfach diese ikonische Aura. Kraftwerk aufzuspüren erwies sich als knifflig. Es war nicht einmal ganz klar, was oder wer Kraftwerk inzwischen eigentlich war. Die Höflichkeit gebot es, dass ich mich zunächst an die Band in ihrer momentanen Aufstellung wandte. Dieser gehört nur noch ein einziges Originalmitglied an, Ralf Hütter, doch war und ist er zweifelsohne der wichtigste Kopf. Stets war es seine Vision der Gruppe, die zum Tragen kam, und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Kraftwerk das Projekt von Ralf Hütter ist. Mein Verlag hatte einen Brief an Ralf geschrieben, der ihm durch eine dritte Partei überbracht wurde. Ein paar Wochen später erhielten wir eine förmliche Antwort von Patrick Strauch von Sony, in der man uns mitteilte, sie würden sich bei Interesse melden, allerdings sollten wir nicht darauf warten. Daneben schickte ich auch selbst einige höfliche Anfragen an Ralf, und zwar über zwei Leute aus dem Musikgeschäft, die mit Kraftwerk zusammengearbeitet hatten und denen Ralf vertraute: Paul Baines von EMI (später bei Mute) und Stuart Kirkham, der mit der Band an der Veröffentlichung ihres letzten Studioalbums Tour de France Soundtracks zusammengearbeitet hatte. Außerdem versuchte ich, über fünf Ecken und einen Musiker seines Nebenprojektes mit dem aktuellen Bandmitglied Henning Schmitz Verbindung aufzunehmen. Keine dieser Strategien führte zum gewünschten Ergebnis, einer Audienz bei Ralf. Kraftwerk besitzen jedoch einen großen »EX-Faktor«, gibt es doch bis heute nicht weniger als 19 ehemalige Mitglieder, wenn man alle Musiker mitrechnet, die live und im Studio je in der Gruppe mitgespielt haben. Von diesen sprachen einige mit mir, etwa Eberhard Kranemann, der Kraftwerk von Ende der Sechziger bis Anfang der Siebziger angehörte; er war schon dabei, als sie noch gar nicht Kraftwerk hießen. Auch mein Gesprächspartner Michael Rother, bekannter als eine Hälfte von NEU!, war in dieser frühen Phase kurzzeitig Mitglied von Kraftwerk. Wolfgang Flür gab mir das längste Interview seines Lebens, das sich über zwei Tage in Düsseldorf erstreckte. Wir lachten viel miteinander und aßen sehr gut. Der seltsamste Augenblick war sicher, als ich mir eines Abends mit ein paar Bier Mut angetrunken hatte und dachte, es wäre eine tolle Idee, ihm in bester Kneipensängermanier »The Model« vorzutragen. Der leicht amüsierte Wolfgang nahm es mit Humor. Der charmante und sehr geistreiche Karl Bartos, der die Gruppe 1990 verließ, hatte mit mir schon viel über Skype kommuniziert, und mit der Zeit wurden wir per E-Mail und Facebook richtige Internet-Kumpels. Karl hatte mir gesagt, sein Vorrat an Kraftwerk-Anekdoten sei erschöpft. Es langweilte ihn, immer dieselben alten Fragen beantworten zu müssen. Da er sich auf Englisch unterhalten musste, war er zudem mit seinen Antworten in der Presse oder im Fernsehen oft unzufrieden, weil er fand, dass er auf Deutsch noch nuancierter hätte antworten können. Wenngleich er für dieses Buch als vollwertige Quelle nicht zur Verfügung stand, möglicherweise, weil er seine eigenen Memoiren noch veröffentlichen will, so war er »inoffiziell« doch stets offen und freundlich und erklärte sich schließlich bereit, mir einige Fragen schriftlich auf Deutsch zu beantworten. »Schreiben Sie über die Ausstrahlung von Kraftwerk«, riet er mir. »Sie waren damals nicht dabei.« Es gelang mir, aus inoffiziellen Kommentaren und sorgfältig recherchierten Informationen eine einigermaßen stimmige Geschichte von Kraftwerk zusammenzustückeln. Karl schlug indes vor, ich solle mich lieber auf die »Ausstrahlung« konzentrieren, auf den Fallout, die Bedeutung, anstatt die interne Logik seiner »autistischen Freunde« verstehen zu wollen. Tatsächlich hatte sich Karl mit Florian Schneider-Esleben getroffen, kurz nachdem das Gründungsmitglied im Dezember 2008 die Gruppe verlassen hatte. Dieser habe fröhlich und entspannt gewirkt, auf jeden Fall bedeutend entspannter als während seiner letzten Jahre in der Band. Karl behauptete jedoch, er habe weder eine Telefonnummer noch eine E-Mail-Adresse von ihm. Wolfgang wiederum äußerte sich lediglich überrascht darüber, dass er Florian zuletzt im Fernsehen mit einer Mütze auf dem Kopf gesehen habe. Von allen ehemaligen Mitgliedern macht es Wolfgang am wenigsten aus, mit Journalisten zu sprechen; zum »Service« gehört ein Ausflug zu seinem alten Revier, wo fast 15 Jahre lang sein Arbeitsplatz gelegen hatte, zum Kling Klang Studio in Düsseldorf. Er holt mich im Hotel ab und spricht während der Fahrt offener über Kraftwerk als mit eingeschaltetem Diktiergerät (und das war schon freimütig genug). Es ist gute 20 Jahre her, dass er die Band verlassen hat. Er erzählt davon, dass er nur ein Angestellter gewesen sei; wie Kraftwerk als Projekt stagniert sei und, in Ralfs Augen, nur noch den zweiten Platz hinter seiner »Fahrradsucht« belegt habe; wie er die Band verlassen habe, weil diese seiner Meinung nach zum Stillstand gekommen sei; wie ein Treffen mit Ralf Ende der Neunziger, in dessen Verlauf man ihn gebeten habe, wieder in die Gruppe einzusteigen, in einer Katastrophe geendet habe; und wie seltsam und reichlich peinlich es für ihn sei, dass Kraftwerk weitermachten, wo sie doch fast nichts Neues mehr zu sagen hätten. Ralf, so sagt er, sei besessen davon, das Projekt immer weiter zu betreiben, wohingegen er und Karl schon vor Jahrzehnten gewusst hätten, dass es vorbei sei. Als wir aussteigen, huscht ein Lächeln über sein Gesicht, und in diesem Moment wird mir klar, wie er zum »Tom Jones des Elektropop« werden konnte, wie ihn Andy McCluskey von Orchestral Manoeuvres In The Dark einmal nannte. Charmant, witzig und strahlend, schaltet er zurück in die Gegenwart. Er parkt das Auto vor einem Gebäude, das für mich aussieht wie ein Sexladen – schäbig, schmutzig. Kling Klang liegt in einer wenig einladenden Gegend, in der Mintropstraße 16, ein paar Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof. Wir gehen 50 Meter die Straße entlang und überqueren diese, dann erreichen wir Kling Klang oder besser: wo Kling Klang einmal war. Einige Jahre zuvor hatte Ralf die Zelte abgebrochen und war in ein neues Kling Klang vor den Toren Düsseldorfs umgezogen. Das Schild mit der roten Aufschrift »Elektro-Müller GmbH« ist immer noch da, und der Name auf der Türklingel weist »Joachim Dehmann, Tontechnik« als Inhaber aus. Joachim, der viele Jahre lang mit Kraftwerk zusammengearbeitet hatte, arbeitet nun mit Florian zusammen, der die alten Räumlichkeiten behalten hat. Florian, Ralfs alter Mitstreiter, hatte die Gruppe 18 Monate zuvor ohne Erklärung verlassen, wenngleich einige Journalisten mutmaßten, dass es nur bei Kraftwerk, wo die künstlerische Entwicklung sich derart verlangsamt hatte, fast vier Jahrzehnte habe dauern können, bis die beiden feststellten, dass unvereinbare musikalische Differenzen sie trennten. Ich hatte Joachim eine E-Mail geschickt, um ihm mitzuteilen, dass ich ihn aufsuchen wolle, und um zu fragen, ob ich mit ihm sprechen könne. Beiläufig, aber ohne große Hoffnung hatte ich noch gefragt, ob Florian vielleicht auch da sei. Wolfgang ist für einen Spaß zu haben und posiert mit den Covern einiger Kraftwerk-Vinyl-Alben und -Maxi-Singles, und wir tun so, als wären wir Schwarzhändler, die versuchen, illegale Schmuggelware an vorübergehende Fans zu verkaufen. »Sieh an, Florian ist da!«, sagt Wolfgang. »Da steht sein Auto im Hof. Vielleicht mag er Sie?« Als der letzte Satz gesprochen ist, wird die Zugbrücke von Kling Klang heruntergelassen, oder vielmehr die Rollläden. Ich blicke auf und stelle fest, dass ich offensichtlich von zwei kleinen Kameras überwacht werde. Ich breche in Gelächter aus, und meine ganze Nervosität weicht einer wachsenden Bewunderung für einen derart abgebrühten Territorialismus. Man hatte mir den Zutritt zu Kling Klang verweigert und höchstwahrscheinlich auch eine Audienz. Nie zuvor jedoch war eine Zurückweisung einem solch klassischen »Comic Timing« gefolgt. Wie so oft bei Kraftwerk, war auch dies ein Fall von »bis hierhin und nicht weiter«. Karl Bartos, Ralf Hütter, Wolfgang Flür und Florian Schneider: das klassische Kraftwerk-Line-up, weltmännisch und elegant, fotografiert von Seymour Stein, 1975. MICHAEL OCHS ARCHIVES/GETTY IMAGES Kraftwerk als Trio: Michael Rother bei Kraftwerk, Deutschland, 1971. ELLEN POPPINGA – K & K/REDFERNS Florian Schneider von Kraftwerk, Deutschland, 1971. ELLEN POPPINGA – K & K/REDFERNS Klaus Dinger, der sich mit Michael Rother bald...



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