Büchle | Unter dem Sternenhimmel | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Reihe: Die Sternenhimmel-Reihe

Büchle Unter dem Sternenhimmel

Roman.
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-96122-018-2
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman.

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Reihe: Die Sternenhimmel-Reihe

ISBN: 978-3-96122-018-2
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Noa erhält endlich die Chance, ihren großen Traum zu verwirklichen. Sie eröffnet in Freiburg ein Café mit Bücher- und Dekoshop. Alles läuft prima an, und Noa hofft, dass sie endlich eine Heimat gefunden hat. Doch dann wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Erneut muss sie gegen die Schatten ankämpfen, die sie hinter sich gelassen zu haben glaubte ... Der Schreiner Jonas hilft Noa bei der Einrichtung des Cafés in der alten Stadtvilla und fühlt sich bald sehr zu ihr hingezogen. Aber irgendetwas an Noa ist seltsam und beunruhigt ihn. Wer ist diese Frau, für die seine Freunde Chiara und Florian so viel riskiert haben?

Elisabeth Büchle hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und wurde für ihre Arbeit schon mehrfach ausgezeichnet. Ihr Markenzeichen ist die Mischung aus gründlich recherchiertem historischen Hintergrund, abwechslungsreicher Handlung und einem guten Schuss Romantik. Sie ist verheiratet, Mutter von fünf Kindern und lebt im süddeutschen Raum. www.elisabeth-buechle.de
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1. Kapitel

Mit Schwung zog Noa Schoch die Eingangstür der Bankfiliale auf und betrat das düster anmutende, vermutlich in den 1960er-Jahren erbaute Gebäude. Rote Fliesen, die eigentümlich ausgebleicht wirkten, hellgraue Wände, die mit Werbeplakaten der Bank zugepflastert waren, und zwei Kassenschalter hinter Glasscheiben, von denen nur einer besetzt war, vervollständigten das triste Bild. Die 22-Jährige hielt inne und ließ ihren Blick durch den Raum mit der abgehängten Decke schweifen. Sie spürte den unbändigen Wunsch in sich, hier jedes noch so winzige Detail zu verändern, um dem Gebäude etwas Freude und Lebendigkeit einzuhauchen.

Entschlossener, als sie sich fühlte, wandte sie sich dem ersten Schalter zu. Eine Frau mit rundlichen Schultern und moderner Kurzhaarfrisur hatte sich vornüber gebeugt und suchte wohl etwas in einer Schublade. Noa lächelte, als sie den üppigen Strauß Herbstblumen auf einem Metallschrank entdeckte. Gleich darauf sah sie die zwei gerahmten Fotografien von wunderschönen, farbenprächtigen Polarlichtern. Sie waren vermutlich von der hier arbeitenden Bankkaufrau aufgehängt worden, um ihrem Arbeitsbereich etwas Farbe zu verleihen.

Nervös, wie jedes Mal vor einem Gespräch mit einem Mitarbeiter einer Bank, lehnte Noa ihre bunte Filzhandtasche an den abgeschabten Tresen. Sie strich sich über die widerspenstigen roten Locken und blickte an ihrer knabenhaften Gestalt hinab. Eigentlich hätte sie Model sein können, mit den wenigen Kurven, die sie hatte. Allerdings war sie dafür geschätzte 15 Zentimeter zu klein. Und wegen ihres roten Haars war sie früher oft genug gehänselt worden. „Feuermelder“, „Karottenkopf“ … Dabei waren die Haarfarbe und ihre Locken das einzig Außergewöhnliche, Auffallende und Ungezähmte an ihr. Und genau darum mochte sie ihr Haar. Ob sie es doch hätte aufstecken sollen, um distinguierter zu wirken? Aber das war sie nun einmal nicht.

Noa atmete tief durch, während sie wartete, dass die Bankangestellte auf sie aufmerksam wurde. Der Gedanke, dass sie in dieser Filiale fehl am Platz war, dass ihr Gesuch bereits unzählige Male abgelehnt worden war, war ihr nur zu präsent. Dennoch hatte sie sich zu diesem letzten Schritt durchgerungen, wenn auch mit wenig Hoffnung auf Erfolg im Gepäck. Zwar hieß es, dass die Hoffnung zuletzt starb – und deshalb war sie überhaupt nur hier –, allerdings war ihre in den vergangenen Monaten bedenklich zusammengeschmolzen.

Die Frau hinter der Glasfront richtete sich auf und schenkte ihr ein eher erschrockenes als höfliches Lächeln. Offenbar hatte sie ihr Kommen nicht registriert gehabt.

Noa musterte das rundliche Gesicht mit den auffällig tiefblauen Augen und war sich sicher, dass sie sich mit der etwa gleichaltrigen Bankangestellten bereits über ihren größten Traum und seine schwierige finanzielle Umsetzung unterhalten hatte. Freilich nicht hier, in dieser kleinen Ortschaft, sondern in Freiburg.

„Sie haben also einen neuen Arbeitsplatz gefunden, Frau Kilian?“, sagte sie spontan.

„Wie bitte?“ Chiara – Noa erinnerte sich nun auch an ihren Vornamen – blinzelte verwirrt.

„Wir haben schon einmal miteinander gesprochen, allerdings in Freiburg, und-“

„Ja! Ich erinnere mich an Sie“, unterbrach Chiara Noa und reckte die Schultern. „Sie waren bei mir, als ich am letzten Tag meiner Probezeit entlassen wurde.“

„Es gefällt mir zwar nicht, dass Ihre Erinnerung an mich mit diesem für Sie unangenehmen Ereignis zusammenhängt, aber ja, das war ich.“ Noa hätte der Frau gern die Hand gegeben, doch der Glaskasten verhinderte das.

„Entschuldigen Sie bitte, ich kann mich leider nicht an Ihren Namen erinnern.“

„Noa Schoch.“

„Frau Schoch, ja.“ Die Frau zögerte und fuhr dann fort: „Sie waren damals bei mir, weil sie eine Finanzierung für Ihr Projekt gesucht haben, zusätzlich zu dem, was der Staat Neugründern zur Verfügung stellt, stimmt’s?“

„Genau. Und ich hatte keine Sicherheiten vorzuweisen.“

„Und was ist daraus geworden?“

Bedrückt zog Noa die Schultern hoch. „Leider noch nichts.“

„Das tut mir sehr leid. Ich finde Ihre Idee eines Cafés mit integriertem Deko-Shop, Buchhandlung und, wenn ich mich richtig erinnere, auch Floristikangeboten, nach wie vor interessant.“

„Ich weiß noch, dass Sie mir gesagt haben, ich sollte meinen Traum keinesfalls begraben.“

„Und danach bin ich aus der Tür gerauscht.“ Chiaras Lachen klang hell und fröhlich.

Noa neigte den Kopf zur Seite und musterte die Frau mit den leuchtenden Augen, dem heiteren Lächeln und der entspannten Haltung. „Sie sind glücklich“, stellte sie fest. „Viel glücklicher und gelöster als letztes Jahr in der Adventszeit.“

„Da haben Sie recht.“

„Die neue Arbeitsstelle … oder ein Mann, den Sie lieben, vermute ich?“

Chiara sah sie verwundert an. „Das können Sie einfach so erraten?“

„Nenne Sie es eine Gabe – oder einen Fluch“, flüsterte Noa.

Der Blick ihres Gegenübers huschte für einen Augenblick zu einer der Nordlichtfotografien. Als Chiara sich wieder Noa zuwandte, hatte sie ein professionell kühles, dennoch offen interessiertes Gesicht aufgesetzt. „Wie kann ich Ihnen helfen?“

Noa lächelte zur Antwort und zog nochmals die Schultern hoch. Chiara wusste bestimmt, weshalb sie sich erneut in einer Bank gegenüberstanden.

„Sie wissen, dass Sie in dieser kleinen Filiale an der falschen Stelle sind?“, erläuterte Chiara mit sanfter Stimme, als wolle sie Noa am liebsten vor der Wahrheit beschützen.

„Ich dachte, wenn ich einen oder zwei Mitarbeiter der Bank von meiner Idee überzeugen könnte, könnten sie vielleicht darauf einwirken …“ Noa brach ab und schüttelte über ihre eigene Vorgehensweise den Kopf. Auf diese Weise zu versuchen, doch noch an einen Kredit zu gelangen, war schlicht naiv. Sie handelte einfach immer wieder viel zu blauäugig.

Chiara schaute sie geraume Zeit mit einem Blick an, der, so zumindest Noas Eindruck, zwischen Mitleid und Bewunderung schwankte. Schließlich tippte sie einige Zeilen in ihren Computer, druckte ein Blatt aus und legte es in die schwarze Ausbuchtung hinter der Glasscheibe. Mithilfe des mechanischen Schiebers bugsierte sie es auf Noas Seite hinüber.

„Füllen Sie das bitte mit Ihren privaten Angaben aus. Geben Sie unten mit knappen Worten Ihr geplantes Vorhaben, dazu den ungefähren Kreditrahmen an, den Sie benötigen.“

Noa griff nach dem Kugelschreiber, der an einer angerosteten Kette an ihrer Seite der Theke befestigt war, und befolgte die Anweisungen. Das Schriftstück trug kein Logo der Bank und keine weiteren Daten, weshalb sie davon ausging, dass Chiara es in Ermangelung einer entsprechenden Vorlage selbst zusammengestellt hatte. Es gab keine Spalten, in die sie etwaige finanzielle Sicherheiten oder Bürgen eintragen konnte. Chiara durchschaute wohl, dass sie weder mit dem einen noch mit dem anderen aufwarten konnte.

„Ich werde sehen, was ich für Sie tun kann, Frau Schoch. Obwohl ich vermute, dass Sie Ihr Anliegen bereits im Hauptsitz unserer Bank vorgetragen haben?“

Noa nickte und konnte das Gefühl, sich des Betrugs schuldig gemacht zu haben, kaum verdrängen. Sie legte das ausgefüllte Blatt in den Schiebemechanismus, und als es vor ihren Augen verschwand, wallte in ihr das Gefühl auf, dass sie soeben ihre Zukunft verloren hatte.

„Frau Schoch?“

Noa hob den Kopf und sah in ein Augenpaar, in dem sie Mitgefühl las, dem geschäftsmäßigen Gebaren zum Trotz.

„Ich bewundere Ihre Zähigkeit und das Festhalten an Ihren Träumen. Aber Ihnen ist sicher bewusst, dass nicht immer alle unsere Wünsche in Erfüllung gehen.“

Noa schluckte alle Einwände hinunter. Vermutlich hatte sie sich mit ihnen nur selbst zu trösten versucht – viel zu lange. Sie bückte sich und ergriff mit bebenden Händen ihre Filztasche. Als sie sich langsam aufrichtete, war der Glaskäfig vor ihr leer. Kurz darauf gesellte sich Chiara zu ihr und öffnete die Eingangstür der Filiale für sie.

„Ich spreche mit den Kollegen in der Hauptgeschäftsstelle“, sagte Chiara leise, fast so, als fürchte sie, dass jemand sie hören könnte, für dessen Ohren ihre Worte nicht bestimmt waren.

„Das ist sehr freundlich von Ihnen“, erwiderte Noa. Sie trat in den Sonnenschein hinaus und hörte, wie die Tür sanft hinter ihr ins Schloss fiel. Dennoch klang es wie der Schlusspunkt hinter all ihren Hoffnungen, Plänen und Träumen. Es tat weh. Zudem überfiel sie ein beunruhigend vertrautes Gefühl der Hilflosigkeit. Was sollte sie denn jetzt tun, nun, da sie alle Zukunftsperspektiven endgültig würde begraben müssen?

Wie in Trance kletterte sie in den Bus, ließ sich über Land schaukeln und stieg in der Nähe des einsam gelegenen Bauernhofs aus, auf dem sie seit etwa einem Jahr lebte. Sie begegnete im Innenhof der drei Gebäude lediglich einigen Hühnern und Gänsen und dem altersschwachen Hofhund, der es nicht einmal mehr fertigbrachte, Neuankömmlinge zu verbellen.

Hastig eilte sie über eine Holzstiege in ihr winziges Zimmer über dem Fahrzeugschuppen. Sie schleuderte die Filztasche auf ihr Bett, streifte die Schuhe ab und warf sich neben die Tasche. Das alte Bettgestell knarzte und quietschte bedenklich, hielt ihrem Fliegengewicht jedoch stand. Heftig atmend, als habe sie einen Langstreckenlauf hinter sich, vergrub Noa ihr Gesicht in der leichten Sommerdecke und weinte. Offenbar war sie schlichtweg ein unverstandener und...


Büchle, Elisabeth
Elisabeth Büchle hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und wurde für ihre Arbeit schon mehrfach ausgezeichnet. Ihr Markenzeichen ist die Mischung aus gründlich recherchiertem historischen Hintergrund, abwechslungsreicher Handlung und einem guten Schuss Romantik. Sie ist verheiratet, Mutter von fünf Kindern und lebt im süddeutschen Raum. www.elisabeth-buechle.de

Elisabeth Büchle hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und wurde für ihre Arbeit schon mehrfach ausgezeichnet. Ihr Markenzeichen ist die Mischung aus gründlich recherchiertem historischen Hintergrund, abwechslungsreicher Handlung und einem guten Schuss Romantik. Sie ist verheiratet, Mutter von fünf Kindern und lebt im süddeutschen Raum. www.elisabeth-buechle.de



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