Büchle | Der Korsar und das Mädchen | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 448 Seiten

Büchle Der Korsar und das Mädchen

Roman.
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-96122-236-0
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman.

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

ISBN: 978-3-96122-236-0
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



South Carolina, 1814: Die 17-jährige Catherine ist ein Wildfang, der Reiten, Fechten und auf Bäume klettern mehr schätzt als hübsche Kleider und Teekränzchen. Kein Wunder, hat sie doch in Ermangelung eines männlichen Erben von Kindesbeinen an die Erziehung eines solchen erhalten. Als sie und ihre Schwester Emily in den Wirren des Britisch-Amerikanischen Krieges unfreiwillig auf einer Kriegsfregatte landen, gibt sie sich erfolgreich als Schiffsjunge aus. Lennart Montiniere, der attraktive Lieutenant Commander der 'Silver Eagle', findet den ungewöhnlichen jungen 'Cato' gleichermaßen interessant wie verdächtig - und für Catherine wird es immer schwieriger, ihre wahre Identität und ihre Gefühle für Lennart zu verbergen. Als sie schließlich ihr Ziel in England erreicht, wo sie den Sohn eines Lords heiraten soll, überschlagen sich die Ereignisse ...

Elisabeth Büchle hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und wurde für ihre Arbeit schon mehrfach ausgezeichnet. Ihr Markenzeichen ist die Mischung aus gründlich recherchiertem historischen Hintergrund, abwechslungsreicher Handlung und einem guten Schuss Romantik. Sie ist verheiratet, Mutter von fünf Kindern und lebt im süddeutschen Raum. www.elisabeth-buechle.de
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Kapitel 2

Das Wasser plätscherte unter dem Baum hindurch, der waagerecht über den Cooper River ragte und dessen Blätter von den Wellen umspielt wurden, als liebkosten sie das Grün. In das Gurgeln des Flusses mischten sich das unermüdliche Zirpen der Grillen und das Zwitschern der Vögel.

Catherine entledigte sich ihrer Schuhe – Strümpfe trug sie in der heißen Jahreszeit ohnehin nicht – und balancierte geschickt und schnell wie ein Seiltänzer über die aufgeworfene Rinde. Aufseufzend ließ sie sich neben First, dem gleichaltrigen Sklavenjungen, auf dem Stamm nieder. Er nickte ihr grüßend zu, ohne die Angelroute auch nur zu bewegen.

„Du verscheuchst die Fische, Cat“, brummte er, was das Mädchen zum Kichern brachte.

Catherine kannte First von Kindesbeinen an, seit ihr Vater, Frederick Hansen, ihn zu ihrem Ausbildungspartner erkoren hatte. Nachdem ihm klar geworden war, dass er neben seiner Tochter aus erster Ehe und der Tochter seiner zweiten Frau keine weiteren Kinder, vor allem aber keinen Sohn mehr bekommen würde, hatte er in Catherines fünftem Lebensjahr damit begonnen, das Mädchen im Reiten, in der Fechtkunst und dem Schießen zu unterrichten. Er ließ zu, dass sie mit First all die kleinen Abenteuer erlebte, die ein Sohn mit ihm unternommen hätte. So kam es, dass sie auf Bäume klettern und schwimmen lernte und allerhand mehr, was für ein Mädchen aus den gehobenen Kreisen South Carolinas absolut nicht angemessen war.

Elizabeth, Catherines Mutter, hatte diese ungewöhnliche Ausbildung nicht untersagt, sondern vielmehr unterstützt. Eines Tages hatte Catherine mit angehört, wie sich wieder einmal eine ihrer Nachbarinnen über die wilde und viel zu selbstständige Catherine beschwert hatte. Daraufhin hatte ihre Mutter zu Frederick gesagt, dass ihr eine wilde Tochter weitaus lieber sei als eine, die hilflos wäre, wenn sie je in eine missliche Lage geriete. Vor fünf Jahren war ihre Mutter gestorben und hatte eine große Lücke bei Catherine hinterlassen. So wie sich an jenem traurigen Tag ihre Welt verändert hatte, so würde der heutige Tag wohl als der in Catherines Geschichte eingehen, an dem sich ihr Leben erneut grundlegend verändern würde.

„Müsstest du nicht beim Dinner sein?“, fragte First leise.

„In ein paar Minuten. Ich habe mich davongeschlichen.“

First warf einen Blick auf das hellblaue Kleid mit den kurzen Ärmeln und dem dunkelblauen Band knapp unterhalb von Catherines nicht sehr üppiger Brust. Das Kleid sollte sie zur Abendmahlzeit tragen und nun saß sie auf einem feuchten und moosbewachsenen Baumstamm und ließ die nackten Füße ins Wasser baumeln.

„Was ist los, Cat?“, hakte der Sklavenjunge nach und fuhr sich mit einer Hand über den schwarzen Lockenkopf. Er holte die Angelschnur ein und drehte sich zu Catherine um.

„Emilys zukünftiger Ehemann ist eingetroffen.“

„Der Engländer? Und das während des Kriegs? Na, der traut sich was!“

„Immerhin bemüht er sich um den Kauf einer Plantage in Virginia, er könnte sich also beinahe amerikanischer Staatsbürger nennen. Ebenso unterhält er ein Anwesen auf Kuba. Seine Mutter ist übrigens Spanierin. Er ist mit einem unter spanischer Flagge segelnden Schiff gekommen.“

„Und weiter?“ First neigte den Kopf und sah sie an. Auf seiner Stirn hatten sich kleine Falten gebildet, die Catherine verrieten, dass er mit schlechten Nachrichten rechnete.

„Er möchte Emily mitnehmen. Zuerst nach Kuba, dann weiter nach England. Und er hat angeboten, dass ich sie begleiten kann, zumal mein Vater ja seit Längerem mit einem Briten über eine Eheschließung mit mir verhandelt.“

„Verhandelt?“ First zog eine Grimasse. Natürlich hatte das Wort einen schalen Beigeschmack für jemanden, der wie eine Ware ge- und verkauft werden konnte.

„Der Mann, irgendein Adeliger oder so was, hat vor vier Jahren unsere Plantage besucht und muss sich da in mich … Ich bin ihm wohl aufgefallen.“

„Aber da warst du doch höchstens dreizehn“, stieß First hervor.

Catherine zuckte mit den muskulösen Schultern. Sie war zwar schlank, entsprach sonst aber keineswegs dem zarten Idealbild einer Südstaatenschönheit. „Ich erinnere mich nicht an ihn. Weder an seinen Namen noch an sein Gesicht. Doch offenbar habe ich einen nachhaltigen Eindruck bei ihm hinterlassen. Er hatte kurz vor seiner Abreise mit Vater gesprochen und dann vor zwei Jahren wieder Briefkontakt aufgenommen und um meine Hand gebeten, sobald ich das entsprechende Alter erreicht hätte.“

„Und das hast du jetzt?“

„Ich bin bereits siebzehn, fast achtzehn. Viele Mädchen in meinem Alter sind längst jemandem versprochen oder sogar verheiratet. Bis ich über Kuba nach England gereist bin …“ Catherine zog beide Schultern hoch. Sie wusste nicht recht, was sie davon halten sollte, ihre Schwester zu begleiten, um in England einem Mann vorgestellt zu werden, der ihr Ehemann werden wollte. Allerdings reizte sie das Abenteuer, das diese Reise versprach, ebenso wie die Möglichkeit, zumindest noch eine Weile vor dem Leben zu fliehen, das die Gesellschaft für sie vorgesehen hatte.

Zudem hatte ihre Mutter ihr noch auf dem Sterbebett das Versprechen abgerungen, ihrem Vater folgsam zu sein. Und Catherine wiederum war sicher, dass ihr Vater niemals wissentlich eine Entscheidung treffen würde, die von Nachteil für sie wäre.

First riss Catherine aus ihren Überlegungen. „Und jetzt willst du mich um Rat fragen? Ich bin doch ein einfältiger Sklave.“

„Das bist du nicht!“, begehrte sie auf, schlug jedoch unverzüglich die Hand vor den Mund. Ein Entenpaar setzte empört schnatternd und flügelschlagend zur Flucht an. Dabei versetzten sie das Schilf raschelnd in Bewegung, und das Spanische Moos, das die Äste der alten Eiche zierte, unter der die Wasservögel geruht hatten, tanzte wie Elfen über das Wasser.

„Was willst du von mir hören?“, brummte First und schaute auf das im Sonnenlicht glitzernde Wasser. „Du würdest hier fehlen. Und der Gedanke, dass du einen Mann heiraten sollst, den du nicht einmal kennst …“

„Weil er ein Engländer ist und wir uns mit England im Krieg befinden? Meine Mutter stammte aus England. Sie fühlte sich zwar als Amerikanerin, blieb ihrer früheren Heimat allerdings immer verbunden.“

„Was spielt denn das für eine Rolle?“, knurrte First und legte seine dunkle Hand kurz auf ihre schlanken weißen Finger.

Catherine verstand, was er ihr verdeutlichen wollte. Sie beide verband eine innige, über die Jahre gewachsene Freundschaft. Für sie machte es keinen Unterschied, woher jemand kam und welche Hautfarbe er hatte …

„Du hast recht, ich kenne ihn nicht. Aber das ist nicht unüblich. Emily hat ihren Bräutigam auch erst einmal getroffen. Ich reise ja vorrangig als ihre Begleitung nach England und nebenbei werde ich dann dem Herrn vorgestellt. Niemand zwingt mich, ihn zu heiraten.“

„Sieht der englische Herr das ebenso?“

„Davon gehe ich aus.“

„Denkst du nicht, dass er Pläne schmieden wird, um die Frau entsprechend zu empfangen und zu beeindrucken, die seinetwegen diese weite und gefährliche Reise auf sich nimmt? Wie steht er da, wenn sie plötzlich wieder abreist?“

„Frederick wird ihm schon deutlich gemacht haben, dass mein Besuch nicht verpflichtend ist!“

First schüttelte den Kopf, ohne noch einmal zu widersprechen. Dafür sagte er: „Ich habe den Eindruck, dass du dich ohnehin schon entschieden hast.“

Catherine sprang auf, kämpfte einen Augenblick mit dem Gleichgewicht und balancierte dann auf dem Stamm noch weiter über die glucksenden grünen Wellen hinaus. Mit einem gewagten Kehrtsprung wechselte sie dann die Richtung, sodass sie ihren Freund ansehen konnte. Der Stamm wippte leicht und die Blätter raschelten, als würden sie gegen die rüde Behandlung protestieren. Catherines braune Augen blitzten übermütig und die Sonne zauberte rotgoldene Reflexe in ihr dunkelbraunes Haar. Das hellblaue Kleid flatterte um ihre nackten Beine und die dunklere Schleife in ihrem Haar tanzte auf und ab.

„Stell dir das nur vor: Ich auf einem Segelschiff! Umgeben vom endlosen Meer und einer kräftigen Brise, die die weißen Segel füllt und mich zu einem anderen Kontinent trägt.“ Sie schwieg einen Moment, während sie versonnen zu dem dichten Blätterdach hinaufblickte, ehe sie leiser und mit einem wehmütigen Unterton hinzufügte: „In das Heimatland meiner Mutter.“

„Ich wünsche dir eine gute Reise!“, sagte First trocken und erhob sich ebenfalls.

Catherine lachte unbekümmert und folgte dem Jungen vom Baumstamm auf die federnde Erde des Flussufers.

„Warte nur ab! Womöglich wirst du mich gar nicht so schnell los, sondern musst uns begleiten!“, spottete Catherine und eilte mit gerafftem Rock, die Schuhe in der Hand und mit undamenhaft großen Schritten davon. Sie ließ das üppig bewachsene Ufer hinter sich und trat zwischen die Baumwollpflanzen. Deren braune Blätter waren bereits abgefallen, und ihre knorrigen Äste reckten sich dem tiefblauen Himmel entgegen. Die weiße Baumwolle hatte die Kapseln gesprengt und thronte auf den Zweigen wie Neuschnee – wobei Catherine zugeben musste, dass sie noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen hatte. Aber vielleicht würde sich das ja bald ändern, wenn sie nach Europa reiste!?

Die Luft flimmerte über den Feldern. Schwarze Sklavinnen, die sich zum Schutz vor der brütenden Sonne Tücher um den Kopf gebunden hatten,...


Büchle, Elisabeth
Elisabeth Büchle hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und wurde für ihre Arbeit schon mehrfach ausgezeichnet. Ihr Markenzeichen ist die Mischung aus gründlich recherchiertem historischen Hintergrund, abwechslungsreicher Handlung und einem guten Schuss Romantik. Sie ist verheiratet, Mutter von fünf Kindern und lebt im süddeutschen Raum. www.elisabeth-buechle.de

Elisabeth Büchle hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und wurde für ihre Arbeit schon mehrfach ausgezeichnet. Ihr Markenzeichen ist die Mischung aus gründlich recherchiertem historischen Hintergrund, abwechslungsreicher Handlung und einem guten Schuss Romantik. Sie ist verheiratet, Mutter von fünf Kindern und lebt im süddeutschen Raum. www.elisabeth-buechle.de



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