Burkhardt | Die Außenwelt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 456 Seiten

Burkhardt Die Außenwelt

Im Bann des Fuchses
2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-4954-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Im Bann des Fuchses

E-Book, Deutsch, 456 Seiten

ISBN: 978-3-7534-4954-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



178 Jahre nach dem Tag des Zerfalls. Zurückgeblieben ist eine unterdrückte Gesellschaft in einer vermeintlich perfekten Stadt, umringt von todbringender Natur. Außerhalb der schützenden Stadtmauern kämpft die als Abtrünnige gebrandmarkte Ranya um das Überleben ihrer kleinen Gemeinschaft ausgestoßener Bürger. Doch nach einem gescheiterten Diebstahl ist nichts mehr, wie es vorher war. Verstört muss sie feststellen, dass der Mythos der Tiermenschbestien, die in der Außenwelt ihr Unwesen treiben, einen Funken Wahrheit innehat. Durch eine rätselhafte Verbindung mit dem überheblichen Fuchshybriden Argon wird jede Rückkehr in ihr vorheriges Leben unmöglich. Als auch noch der Alpha der Hybriden von der verbotenen Verbindung in seinem Volk erfährt und die Wächter der weißen Stadt immer tiefer in den Giftwald vordringen, holt Ranya ihre Vergangenheit ein und droht ihr düsteres Geheimnis zu enthüllen.

Sandra Burkhardt ist 1997 in Karlsruhe geboren, doch im Herzen der beschaulichen Oberlausitz aufgewachsen. Schon seit Kindheitstagen faszinierten sie die fantastischen Erzählungen und Geschichten zahlreicher Autoren. Vor den Toren der Sonneninsel Usedom hat sie nicht nur ihre Heimat sondern zugleich die Inspiration für die Buchreihe "Die Außenwelt" gefunden. Im Jahr 2021 veröffentlichte sie nun ihr erstes eigenes Buch und nimmt den Leser in ihre persönliche Vorstellung einer Welt mit, die immer wahrscheinlicher wird.

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1
Ich spürte eine sanfte Wärme, die schwerelos meine Haut streichelte. Langsam öffnete ich meine müden Augen und blickte auf das spärlich, mit Planen geschützte Dach, durch dessen Löcher mich das Licht des Tages begrüßte. Der Staub funkelte zauberhaft, wie kleine Edelsteine im Schimmer des Morgens. Eine grüne Plastikplane überspannte das verwitterte Holz des Dachstuhls meiner alten Baracke. Doch das unberechenbare Wetter hatte seine Spuren darin hinterlassen, denn dort wo jetzt so friedlich die Sonne hindurch schien, stürzten sich an anderen verregneteren Tagen kleine Wasserfälle in mein Zuhause. Für einen kurzen Augenblick, fasziniert von der Schönheit des Moments, war ich zufrieden. Keine Sorgen oder Ängste bedrängten mich. Nur tiefe Entspannung umhüllte meinen Körper. Doch so schnell wie dieses Gefühl aufkam, so rasch verschwand es wieder. Die Realität holte mich ein, während ich an das Dach starrte. Träge setzte ich mich auf, wodurch meine Hängematte leicht schaukelte. Als wäre ich zum ersten Mal hier aufgewacht, schaute ich mich um. Dabei lebte ich hier schon seit fast sechs Jahren. Zog ich die ersten Tage gejagt umher, fand ich in dieser maroden Hütte Zuflucht. Im Laufe der Zeit hatte ich mich immer mehr eingerichtet, kleine persönliche Gegenstände platziert, ein paar Möbel aus diversen Fundsachen aufgebaut und die Hütte immer weiter abgedichtet. Ich lauschte nach draußen, um zu hören, ob schon jemand wach war. Doch es blieb gewohnt still. Nur das Summen einiger Fliegen im Raum drang in mein Ohr. Vor sechs Jahren hatte ich dieses Lager gefunden und aufgebaut. Zunächst nur für mich allein, doch bei dem Leid, dass sich in diesem Giftwald abspielte, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich die erste arme Seele hier aufnahm. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr. Meistens fand ich sie auf meinen Versorgungsgängen. Aber manchmal kamen sie von ganz allein durch die Büsche gestolpert. Entkräftet, geschunden von der Außenwelt, brachen sie hier mitten im Lager zusammen. Es war ein geschützter Ort, versteckt im Wald, umrandet von hohen Sträuchern, die uns vor den Augen unserer Feinde verbargen. Doch den Wenigsten gelang es unbeschadet, den Wald auf seinen schmalen Pfaden bis zu den alten Baracken, in denen wir lebten, zu durchqueren. Die meisten Mitglieder meiner kleinen Gemeinschaft waren Frauen mit Kindern, die ihre Männer verloren hatten. Mit waghalsigen Fluchtversuchen waren sie den Fängen der Wächter entkommen und irrten dann verängstigt durch den Wald, bis ich sie fand. Schon oft habe ich die von Maden übersäten Leichen derer gefunden, die es nicht geschafft haben. Niedergestreckt von der erbarmungslosen Natur dieser Erde, hatten sie ihr jähes Ende gefunden. In meinem Kopf blitzten die Bilder der kalten, auf dem bodenliegenden Körper auf, in den Armen fest an sich gedrückt, die fahlen zerbrechlichen Kinderleiber. Übelkeit stieg in mir auf, als ich in meiner Erinnerung den furchtbaren Leichengeruch wahrnehmen konnte. Ich dachte an meine eigene Flucht und welches unsagbare Glück mir zuteilgeworden war, nicht so qualvoll gestorben zu sein. Wir alle hatten eins gemeinsam. Geflüchtet, um den Wahnsinn Atmoras zu entkommen. Atmora, die große Stadt, die wie ein dreistöckiger Pilz in die Höhe ragt. Steril versiegelt hinter einer hohen Mauer aus fanatischen Drang zur Perfektion. Umhüllt von der allgegenwärtigen Propaganda des Herrschergeschlechts. Keine Kriminalität, kein Hunger, kein Leid, keine Meinung, kein Leben. Reichtum und Macht waren nur den treusten Anhängern der Herrscherfamilie vergönnt. Die normalen Bürger wurden mit gnadenloser Gewalt zu eiserner Disziplin gezwungen. Für alle die sich gegen das System wehrten oder die Herrscherfamilie in Frage stellten, ist Atmora eine lebensfeindlichere Umgebung als die Außenwelt, weshalb viele die Flucht hier hinaus in Erwägung zogen. Aber dennoch verkaufte sich Atmora als perfekter Lebensraum. Es war ein offenes Geheimnis das Atmoras Wächter mit uns Abtrünnigen kurzen Prozess machten. Diese treubrüchigen Bürger wurden nachts schreiend aus ihren Häusern gezerrt. Auf offener Straße, damit jeder es sah, vergewaltigten sie die Frauen. Die Kinder malträtierten die angeblichen Schützer der weißen Stadt mit zahllosen Elektroschocks solange, bis ihre Lumpen Feuer fingen und schlussendlich richteten sie die Männer, die diese Grausamkeiten auf Knien um Gnade flehend mit ansahen, durch einen gezielten Schuss hin. An manchen Abtrünnigen wurde hingegen ein anderes Exempel statuiert. Sie werden entkleidet, mit auf dem Rücken gebundenen Händen vor dem Tor ausgesetzt und dann zum Abschuss freigegeben. Die einzige Chance bestand darin, in den Giftwald zu flüchten, wo der Tod einige Tage später, doch umso qualvoller auf sie treffen würde. Es wird schweigend toleriert, was dort beinahe täglich geschieht. Die Bewohner Atmoras ertragen diese Gewalt, weil die Furcht das Gleiche, zu erleben, viel zu groß ist. Nach jeder Hinrichtung gibt es eine propagierende Rede mit der drohenden Ankündigung, es mit jedem gleichzutun, der abtrünniges Gedankengut hegt. Schließlich, so die verlesenen Worte des Herrschers, sind diese Maßnahmen notwendig, damit die vorbildlichen Bürger geschützt werden können. Vorbildliche Bürger fügen sich bedingungslos ihrer angeborenen Sektion. Die Sektionen bestimmen das Leben. Welchen Beruf man ausüben darf, wen man lieben muss, wo man sich bewegen soll und wie man sich zu verhalten hat. Hinter der Abschottung dieser Stadtmauern wissen die Menschen nicht genau, was hier in der Außenwelt passiert. Aber sie erzählen ihren Kindern die Schauergeschichten von dieser Welt da draußen. Meiner Welt. Ich schüttelte meinen Kopf, um die Gedanken zu verscheuchen. Mein Genick war steif von der unbequemen Position, in die meine Hängematte mich jede Nacht zwang. Doch lieber einen krummen Rücken, als auf dem Boden, zwischen den Mäusen und den Asseln zu schlafen. Meine Finger griffen nach dem dünnen verdreckten Stoff, der mich einigermaßen vor der nächtlichen Kälte schützte. Nach einem tiefen Atemzug befreite ich mich von der löchrigen Decke. Wie auf einer Schaukel ließ ich meine Beine über den Boden hängen. Ummich selbst zu motivieren, streckte ich meinen Oberkörper. Langsam stellte ich so meine Beweglichkeit wieder her. Meine Sinne schärften sich, als ich mich aus der Hängematte heraus aufstellte. Kleine Schaben suchten panisch nach einem Versteck, als meine nackten Füße den staubbedeckten Boden berührten. Meine Augen verfolgten ihre Flucht über die Holzdielen. Nichts war hier wichtiger als wache Sinne, sonst würde einen der Tod direkt hinter dem nächsten Baum überraschen. Noch einmal hob ich die Hände streckend nach oben und stellte mich auf die Zehenspitzen. Meine Gelenke machten befreiende knackende Geräusche, als ich sie überstreckte. Währenddessen atmete ich tief ein, hielt die Luft an und ließ sie, beim Herabsenken der Arme, wieder aus meinen Lungen. Ich ging einige Schritte zu meiner Kunststoffkiste, in der ich die wichtigsten Sachen wettergeschützt lagerte. In der Hocke öffnete ich mit beiden Händen die Verschlüsse. Gähnend hob ich den hellen verschmutzten Deckel an. Mit einem kräftigen Atemzug pustete ich darüber hinweg, so dass der Staub in kleinen Wirbeln durch die Luft flog. „Dieser elende Staub!“, flüsterte ich ärgerlich zu mir selbst. Unter dem Deckel klebte ein Foto eines kleinen Hauses, davor winkten zwei altertümlich gekleidete Erwachsene in die Kamera, auf ihren Armen trugen sie zwei kleine Kinder. In meiner Bewegung hielt ich inne, während mein Blick von dem alten verwitterten Bild angezogen wurde. Erneut schüttelte ich den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben, die sich meiner Erinnerung bemächtigen wollten. Meine Hände griffen nach den zusammengeknüllten Kleidungsstücken, die ich den Abend zuvor erschöpft hinein geworfen hatte. Routiniert schlüpfte ich in meine braune Hose, dann strich ich das schwarze, viel zu große Shirt, das ich während der Nacht an hatte, glatt. Danach nahm ich lange dunkle Stoffstreifen heraus. Diese wickelte ich mir straff um die Hände, hinauf bis kurz hinter meine Ellenbogen, damit nur meine Finger unbedeckt waren. Zum Schluss stieg ich in meine alten Stiefel, schnürte sie fest zu, band mir mein dunkelgrünes Tuch um den Hals und war bereit für diese Welt. Jetzt war ein Großteil meiner Haut bedeckt, um mich vor den Dornen und den giftigen Blättern der Pflanzen zu schützen. Nachdem ich die Kiste wieder dicht verschlossen hatte, lief ich zu der Metallplatte, die meine Tür darstellte. Mit einem beherzten Ruck zog ich sie zur Seite. Der orangerote Morgen begrüßte mich in seiner ganzen Schönheit. Über den Dächern unserer Baracken schwebte der morgendliche Nebel und zog einen zusätzlichen Schleier über die vom atmosphärischen Staub geschwächte Sonne. War der Himmel für gewöhnlich mit dicken grauen Wolken verhangen, schien die Sonne nun, wie eine rettende Laterne...



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