E-Book, Deutsch, Band 2/3, 382 Seiten
Reihe: Sunflower
Busch Sunflower
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7568-0527-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
The Story Of A Lily
E-Book, Deutsch, Band 2/3, 382 Seiten
Reihe: Sunflower
ISBN: 978-3-7568-0527-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
William ist zurück in seiner Heimatstadt. Nachdem er erfahren hat, dass Ezra ihn von Anfang an belogen hat und ihn noch dazu betrügt, ist er Hals über Kopf aus London abgehauen. Er hofft, in Doncaster seine Gefühle für Ezra zu verlieren und seine Gedanken ordnen zu können. Zurück bei seiner Familie und seinen Schulfreunden scheint die Welt für kurze Zeit wieder in Ordnung zu sein. William hat allerdings nicht damit gerechnet, dass Ezra ihm kurzerhand folgt und ihm plötzlich wieder gegenübersteht.
Lea Busch ist 2001 geboren und sobald sie schreiben gelernt hat, wurden die Geschichten in ihrem Kopf niedergeschrieben. Nach und nach wurden sie immer länger, bis sie 2014 auf Wattpad ihre erste Story veröffentlichte. Der Roman "Sunflower - The Story Of A Lily" ist der zweite Teil ihrer "Sunflower"-Reihe. Neben ihrer Tätigkeit als selbstständige Autorin studiert sie Kommunikations- und Multimediamanagement im Bachelor.
Autoren/Hrsg.
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1. Kapitel
Ezra ruft mich ständig an. Immer wieder versucht er es. Ich hatte schon Bedenken, dass er in den Zug springt. Das hat er aber nicht getan. Zum Glück. Die Landschaft rauscht an mir vorbei. Meine Gefühle scheinen das Gleiche zu tun. Ich stehe vollkommen neben mir. Es fühlt sich nur an wie eine Leere. Als wäre ein Vakuum anstelle meines Herzens, das den Rest meines Körpers in sich hinein zieht. Ich spüre es und doch irgendwie auch nicht. Es ist kalt. Ich friere. Aber der Schauer ist innerlich. Der Himmel wird grauer. Es beginnt sicherlich bald wieder zu regnen. Ich habe keinen Regenschirm dabei. Aber so weit ist es vom Bahnhof in Doncaster ja nicht. Und wer weiß, vielleicht scheint dort ja die Sonne? Es dauert noch eine Stunde, bis ich dort ankomme. Lennox hat mich inzwischen auch angerufen. Aber auch dieses Telefonat habe ich nicht abgehoben. Ich möchte nicht mit ihm sprechen. Ich weiß nicht, was er vorhin alles mitbekommen hat und wiederholen werde ich es garantiert nicht. Keiner der Personen hier nimmt wirklich Kenntnis von mir. Sie sind alle mit ihrem Leben beschäftigt. Ich schreibe meinem Chef, dass ich Samstag nicht zur Arbeit kommen werde. Ich sage ihm, dass es einen privaten Notfall gibt. Mehr muss er nicht wissen. Jeff gebe ich nicht Bescheid, dass ich beim Training nicht erscheinen werde. Er wird es auch so merken. Vielleicht hat Damon ihm ja schon längst erzählt, was geschehen ist. Ob er begriffen hat, dass es um mich geht? Keine Ahnung. Ich habe nicht auf ihn geachtet. Ich war damit beschäftigt, mein Herz brechen zu hören und zu spüren. Mum ruft mich an. Mein Handy liegt locker in meiner Hand. Ich sehe jeden Anruf. Ihrer ist der Erste, den ich annehme. „Hi Großer“, sagt sie. „Hi Mum“, erwidere ich etwas leiser. „Ich schaff es leider nicht“, sagt sie und seufzt. „Ich hole gleich die Kleinen ab. Elisa wird aber am Bahnsteig sein“, sagt sie mir Bescheid. „Okay“, antworte ich kurz angebunden. Ich will nur wieder nach Hause. Es dauert noch eine Ewigkeit, bis es so weit sein wird. „Steht die Uhrzeit noch?“, fragt sie nach. „Ja. Ich sage Elisa Bescheid, wenn der Zug doch noch länger brauchen sollte.“ „Okay gut. Wir sehen uns gleich.“ „Bye Mum.“ Das Display wird schwarz. Ich höre leise das Rattern des Zuges. Die ersten Regentropfen fallen auf die Scheibe. Ich beobachte zwei, die sich ein Wettrennen liefern und schräg nach unten laufen. Der Wind ist schuld. Ich denke an Ezra. Ich habe ihm vertraut. Bei allem. Und er betrügt mich. Und er wettet über mich. Ich weiß nicht einmal, ob ich wissen will, warum. War ich zu schlecht für ihn? Hat er sich deswegen eine Neue gesucht? Ich möchte diese Fragen nicht zulassen. Sie gehören nicht in meine Gedanken. Es ist schon schlimm genug, wenn ich nicht darüber nachdenke. Ich schließe die Augen. Sein Shirt liegt noch auf dem Bett in meiner Wohnung in London. Ich entsperre mein Handy und schreibe Lennox. Me: Kannst du vielleicht in meine Wohnung gehen und das Shirt, das auf meinem Bett liegt, Ezra geben? Es ist seins und ich will nicht, dass es noch dort ist, wenn ich zurückkomme. Lennox hat einen Ersatzschlüssel, falls mal irgendetwas sein sollte. Ich habe von ihm auch einen. Und genau jetzt bin ich froh darüber. Lennox antwortet erstaunlich schnell. Lennox: Mach ich. Lennox: Ezra ist grade bei mir, er kann dich nicht erreichen. Ich spanne mich augenblicklich an. Wieso schreibt er mir das? Me: Ich will nicht mit ihm sprechen. Meine Antwort ist knapp. Was soll ich dazu jetzt auch schreiben? Was erwartet Lennox bitte von mir? Und wenn Ezra bei ihm ist, kann er ihm das Shirt doch direkt mitgeben. Dann hat er es wieder und ich bin es los. Ezra ruft mich an. Diesmal drücke ich ihn weg und ich schreibe Lennox. Me: Sag ihm einfach, dass er mich in Ruhe lassen soll. Lennox antwortet nicht. Dafür schreibt Ezra mir. Schon wieder. Cupcake: Was bedeutet es, dass du mich ignorierst? Ich atme tief ein und wieder aus. Wieso bin ich auch so blöd und lese diese Nachricht? So kindisch es vielleicht sein mag, als allererstes wähle ich seinen Kontakt aus und ändere den Namen. Jetzt steht dort nicht mehr Cupcake, sondern Ezra. Einfach Ezra. Denn mehr ist er nicht mehr. Er ist nicht mehr mein Cupcake. Ich antworte ihm nicht. Lennox ruft mich an. Ich seufze und hebe ab. „William!“ Ich stöhne genervt. Im Hintergrund höre ich Lennox sagen, dass Ezra ihm gefälligst sein Handy wiedergeben soll. „Nein, Ezra. Lass es gut sein.“ „Aber –“ „Nein! Was verstehst du daran nicht! Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben!“, fahre ich ihn an. Warum begreift er nicht, dass er nicht mehr anrufen soll? „Was?“, fragt er leise. „Du hast schon verstanden“, antworte ich und lege auf. Ich habe wirklich Schluss gemacht. Mit ihm. Jetzt so richtig. Wir waren vorhin am Bahnhof schon nicht mehr zusammen. Aber er wusste es nicht. Oder? Ich hatte es ihm ja nicht gesagt. Ich bin davon ausgegangen, dass es ihm klar gewesen ist. Ist es das denn? Ach, das soll mir egal sein. Jetzt weiß er es. Er sollte es nun wirklich begriffen haben. Er ist nicht mehr mein Freund. Ich möchte mit niemandem zusammen sein, der mich betrügt und über mich wettet. Ich sehe aus dem Fenster. Beziehungen sind scheiße. Das habe ich von Anfang an gesagt. Aber nein, ich musste mich natürlich verlieben und eine Zeit lang auf dieser rosa-roten Regenbogenwolke schweben. Warum auch nicht. Es tut wieder weh. Es wird wieder schlimmer. Es soll aufhören! Wer hat sich diese Scheiße mit dem Liebeskummer ausgedacht?! Beziehungen ergeben keinen Sinn. Sie scheitern, machen nur Stress und verursachen Schmerzen. Und sie schränken einen ein; die ganze Zeit. Ich hätte mich nie auf Ezra einlassen sollen. Allein die Wette zwischen uns war ein großer Fehler. Wäre ich noch hetero, wenn wir die Wette nie geschlossen hätten? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Vermutlich hätte ich noch die Freundschaft-Plus mit Steph. Das war so viel einfacher. Keine Gefühle, nur Sex. Wieso hat Ezra nur alles durcheinander geworfen? Verdammter Mist. Ich hätte mich niemals verlieben dürfen. Noch eine halbe Stunde. Dann bin ich endlich wieder in Donny. Wie sehr ich diese Stadt vermisst habe. Und wie sehr ich die Leute dort vermisst habe. Es ist viel schöner als in London; nicht so unpersönlich, kaltherzig und riesig. Und vor allem ohne Ezra. Hauptsache, er bleibt dort, in London. Donny wird er mir nicht auch noch kaputt machen. Es reicht, dass mein Herz ihm zum Opfer gefallen ist. Ich will ihn nicht wieder sehen. Ich muss. Er ist Lennox’ bester Freund. Ich werde ihn auf jeden Fall in der Uni sehen. Aber ich werde nicht mit ihm sprechen. Er kann sich zu Mabel verpissen und sie um den Finger wickeln. Aber nicht mich. Vielleicht geht er auch wieder zu Aaron zurück. Er ist immerhin genauso ein Schleimscheißer, wie der Lockenkopf. Nein, das ist Ezra nicht. Ich seufze. Ich weiß es nicht. Ezra kann mir noch dutzende Dinge verschwiegen haben. Wie soll ich es wissen, wenn es so ist? Ich habe das Gefühl, ich weiß gar nichts. Als wäre ich ein dummer Schuljunge. Naiv. Ich mag dieses Wort nicht. Aber was war ich denn anderes? Ich bin davon ausgegangen, dass Ezra mich versteht, Rücksicht nimmt und immer die Wahrheit sagt, dass ich ihm vertrauen kann und er mich wirklich aufrichtig liebt; so wie in den Disney-Filmen. Aber nun wurde ich in die Realität zurückgeschleudert. Jemand hat eine Nadel genommen und die Blase platzen lassen, die meine Sinne vernebelt hat. Die Liebe ist weg. Nein, das ist sie nicht. Wenn sie weg wäre, würde ich mich nicht so erbärmlich fühlen. Aber was kann ich tun? Es ertragen. Das scheint die einzige Lösung für mich zu sein. Ich lerne damit zu leben und dann vergeht es irgendwann doch. Noch zwanzig Minuten. Noch eine Station bis Doncaster. Dann bin ich endlich angekommen. Elisa hat mir geschrieben. Eli: Ich bin in 15 Minuten am Bahnhof :) Me: Ich erst in 20. Die Zeit schleicht vor sich hin. Der ganze Tag ist unerträglich lang. Und noch nicht zu Ende. Ich will lediglich, dass es Abend wird. Und dass es morgen besser ist. Noch zehn Minuten. Die Felder verschwinden und es erscheinen mehr Häuser. Ich stecke mein Handy weg, nehme meine Reisetasche und stelle mich an die Tür. Mir ist immer noch kalt. Innerlich. Körperlich. Ob es wirklich kalt ist oder ob es das Vakuum in mir verursacht, weiß ich nicht genau. Die Kälte ist in meine Knochen gekrochen. Sie verschwindet nicht. Noch fünf Minuten. Ich erkenne Straßen und Häuser. Bald bin ich zuhause. Und vielleicht verspüre ich ein Hauch von Glück. Überschattet und eingebettet in Schmerz. Aber es ist da. Minuten, Sekunden, sie verstreichen, wie der Anblick vor mir. Der Zug wird langsamer. Es dauert noch etwas. Dann fährt er in den Bahnhof ein. Ich bin angekommen, endlich. Ich halte Ausschau nach meiner Schwester. Es dauert etwas, aber dann erblicke ich sie. Der Zug fährt noch ein Stück weiter. Sie hat mich auch gesehen. Die...




