Cato | Der Stern von Australien | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 804 Seiten

Cato Der Stern von Australien

Roman
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96655-726-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 804 Seiten

ISBN: 978-3-96655-726-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wenn ein neuer Morgen über roter Erde dämmert: Die bildgewaltige Frauensaga »Der Stern von Australien« von Nancy Cato jetzt als eBook bei dotbooks. Australien, Anfang des 20. Jahrhunderts. Behütet wächst die junge Alix in Wohlstand auf - doch sie ist bereit, all das aufzugeben: um denen zu helfen, die von jeder medizinischen Versorgung abgeschnitten sind. Als Krankenschwester findet sie ausgerechnet unter den ebenso harten wie herzlichen Menschen des Outbacks ihre Bestimmung. Der unbedingte Glaube an die Kostbarkeit des Lebens wird auch viele Jahre später ihre Tochter Caro dazu bewegen, als Krankenschwester und Pilotin alles zu riskieren, während die Schrecken des Zweiten Weltkrieges über dem Land heraufziehen. Doch werden Alix und Caro, die so viel Licht in dunklen Zeiten bringen, auch selbst erfahren, was es heißt, in vollen Zügen zu leben - und bedingungslos zu lieben? Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der große Weltkriegsroman »Der Stern von Australien« von Nancy Cato über die außergewöhnlichen Frauen, die als »fliegende Krankenschwestern« Australiens mutig ihr Leben riskierten. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Nancy Cato (1917-2000) gehörte zu den bedeutendsten und erfolgreichsten Autorinnen Australiens im 20. Jahrhundert. Über 40 Jahre lang beschäftigte sie sich in ihren Romanen und Erzählungen mit der Geschichte des Roten Kontinents, war u. a. Vizepräsidentin der Vereinigung australischer Schriftsteller und engagierte sich für den Erhalt und Schutz des Naturerbes. Ihre Familiensaga »Das Lied von Australien« wurde unter dem Titel »Alle Flüsse fließen ins Meer« für das Fernsehen verfilmt. Bei dotbooks veröffentlichte Nancy Cato ihre großen Familiensagas »Das Lied von Australien«, »Das Herz von Australien« und »Der Stern von Australien«. Die ersten beiden Romane sind auch im Sammelband »Rote Sonne, wildes Land« erhältlich.
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Erstes Kapitel


»Warte auf mich! Wa-ar-te!« Lachend und nach Luft schnappend rannte Alix MacFarlane hinter ihrer Freundin her. Das Gras im Park war trokken und glatt wie Stroh. Sie stolperte über ihren langen Rock.

»Rasch! Wir werden zu spät kommen, und Blaunase wird uns bei der Oberin verpfeifen. Kannst du dich nicht beeilen?«

»Ich beeil’ mich ja. Aber ich hab’ Seitenstechen.«

Um den Penny für die Straßenbahn zu sparen, liefen sie quer durch den Park zum North Adelaide Private Hospital zurück. Ihr gesamter Lohn betrug in der Woche fünf Shilling, da zählte jeder Penny. Als Lernschwestern hatten sie im ersten Jahr kein Geld bekommen, lediglich Unterkunft und Verpflegung – und das Privileg, zwölf Stunden am Tag zu arbeiten, um den Beruf der Krankenpflegerin zu erlernen. Jetzt, 1911, waren sie im dritten Ausbildungsjahr. Der Arbeitstag war noch ebenso lang, schloß aber mehr Unterricht ein.

»Komm schon, MacFarlane. Das macht dieser Berliner, den du zum Tee gegessen hast. Du weißt, du verträgst so was nicht.«

»Ich weiß. Und leisten kann ich’s mir auch nicht. Aber er war toll.« Alix leckte sich die Lippen, sie hatte noch den Geschmack des goldgelben, in Fett gebackenen und mit Zuckerglasur überzogenen Krapfens auf der Zunge, der mit Sahne und Himbeermarmelade gefüllt war.

Ein langer, heißer Spätsommertag ging seinem Ende entgegen. Schon begann der erfrischende starke Fallwind über die Stadt hinwegzustreichen, als die kältere Luft über den Gipfeln der Mount Lofty Range im Osten durch die tiefen Schluchten in die Ebene hinunterglitt. Auf den sanft gerundeten Kuppen der Vorberge schimmerte das Gras goldgelb im letzten Licht des Tages; wie blaue und grüne Schatten hoben sich die Flecken ab, wo das kobalt- und chromhaltige Gestein zutage lag. Als die Mädchen durch den Park eilten, in dem die Spitzen der kleineren Bäume von weidenden Kühen abgefressen waren, bogen sich die spärlichen Eukalyptusbäume in dem stärker werdenden Wind.

»Mab Kingston! Bleib eine Minute stehen!«

Alix (die auf den Namen Alexandra getauft war) lehnte sich japsend gegen einen Baum und riß sich den Hut herunter. Die weichen, hellbraunen Locken, die auf dem Hinterkopf zu einem Knoten zusammengebunden waren, lösten sich. Ihr Haar war so fein und seidig, daß sie immer Schwierigkeiten hatte, die steif gestärkte Schwesternhaube darauf zu befestigen, so viele Nadeln sie auch benutzte. »Die alte Blaunase wird warten müssen. Ich kann nicht mehr.«

Die Schwester, die sie alte Blaunase nannten, war wahrscheinlich nicht älter als dreißig. Sie litt unter Verdauungsstörungen, was sich in Übellaunigkeit niederschlug, und in den kalten Wintern von Adelaide nahm ihre normalerweise rote Nase eine bläulich-purpurne Färbung an. Den jungen Schwestern erschien ihr geräuschloses, ständig nach Fehlern Ausschau haltendes Herumkreuzen in den Gängen und Krankensälen der Station wie das Herumkreuzen eines nach Beute suchenden blaunasigen Hais.

Mab kam ein paar Schritte zurück und lehnte sich gegen die andere Seite des Baumstammes, auf dem Züge von kleinen schwarzen Ameisen geschäftig hinauf- und hinunterliefen. Es ging zu wie in der Stoßzeit auf einer Hauptverkehrsstraße der City.

»Wir hätten den Penny für die Straßenbahn ausgeben sollen«, sagte Mab. »Wenn uns wegen Zuspätkommens Freizeit gestrichen wird, sind wir noch schlechter dran.«

»Tut mir leid, Kingsy. Aber ich mußte einfach einen Augenblick verschnaufen.«

»Schon gut, Kleine.« Mab warf einen Blick auf ihre Uhr. »Wir haben noch fünf Minuten, einschließlich Umziehen.«

Sie waren fast da; der Krankenhausgrund grenzte an die Terrasse, die den Park auf dieser Seite abschloß. Alix lächelte ihrer Freundin zu. Meist redeten sie sich untereinander mit »Kingston« und »MacFarlane« an – bloß keine intimen weiblichen Vornamen! Alix war zwar die größere, aber sie war so zierlich und hatte eine so schlanke Taille, daß die Patienten sie »die kleine Schwester« nannten. Und die robuste Mab, die sich ein wenig als ihre Beschützerin fühlte, nannte sie oft »Kleine«. Alix’ Gesicht war zu schmal und spitz, um schön zu sein, aber wegen ihres weichen Haars, der natürlich roten Lippen und der kornblumenblauen Augen war sie für manche Leute »ein hübsches kleines Ding«, ein Ausdruck, den sie haßte.

Mab Kingston hatte glattes, sandfarbenes, drahtiges Haar, einen rosigen Teint und einen breiten, geraden Mund, der entschieden wirkte, wenn er geschlossen war, aber sich zu einem fröhlichen Lächeln lockern konnte. Die Patienten fanden sie etwas einschüchternd, bis sie sie lächeln sahen.

Sie rannten in den Schwesterntrakt und auf das Zimmer, das sie miteinander teilten, warfen ihre Ausgangskleidung auf den Boden, zogen die Schwesterntracht an, und als sie den gefliesten Korridor hinunterrannten, die Haube im Laufen feststeckend, zeigte die Uhr eine Minute vor sechs.

»Geschafft!« murmelte Mab, als sie gemessenen Schrittes die Station betraten. Das Abendessen war vorbei, sie hatten nur noch die abendliche Runde mit Medikamenten und Getränken zu machen, die letzten Besucher von der Station zu scheuchen, die Blumen aus den Zimmern zu entfernen und die Patienten für die Nacht vorzubereiten; dann würde die Nachtschwester übernehmen.

Sie hatten bereits neun Stunden gearbeitet, aber die Dienstvorschriften bestimmten, daß sie nie mehr als drei Stunden ohne Pause arbeiten durften. Vor dem Dienstantritt um sechs Uhr gab es eine Tasse Tee, dann Dienst bis um neun, dann eine halbe Stunde Frühstückspause. Drei Stunden später, um halb eins, Mittagessen, anschließend von eins bis vier Dienst, und dann hatten sie zwei Stunden Freizeit.

Um sechs waren sie wieder im Dienst, bis um neun Uhr. Dann aßen sie in der Stationsküche gewöhnlich noch rasch eine Scheibe Brot mit Butter und tranken eine Tasse Tee, bevor sie erschöpft ins Bett fielen. Um halb sechs Uhr morgens mußten sie wieder auf sein, um pünktlich um sechs zum Dienst zu erscheinen.

Im Sommer war das nicht so schlimm, da war der Morgen oft die beste Zeit des Tages, bevor die Sonne über den östlichen Bergen erschien und glühend auf die Ebene herabbrannte. Allerdings lag das nördliche Adelaide ein bißchen höher als die übrige Stadt und konnte so die kleinste Brise auffangen.

Die weiten Veranden des Krankenhauses, die auch als Reserve für die Stationen dienten, hatten Segeltuchmarkisen, die am Nachmittag heruntergelassen und abends wieder aufgerollt werden mußten – eine Prozedur, so kompliziert wie das Einholen der Schiffssegel. Die schwere Holzrolle, lang wie ein Mast, wurde durch eine Reihe von Seilzügen hochgedreht, wobei sich das Segeltuch um sie rollte. Alix haßte diese Arbeit. Sie war geschickt im Verbinden, aber alles, was Körperkraft oder Verständnis für Mechanik verlangte, lag ihr nicht. Mab hingegen war praktisch veranlagt. Wenn sie die Markisen hochzog, schienen sie sich von selbst zu ordentlichen Würsten aufzurollen, während sie bei Alix schief und bucklig aussahen.

Zweimal in der Woche hatten die Schwesternschülerinnen Unterricht in Physiologie, Biologie, Bakteriologie, über Krankenkost, Verbinden, Umbetten, Transport usw... Der praktische Unterricht war am beliebtesten, da lernten sie weich gekochte Eier, Rührei, Milchbrei und Eiercreme zu bereiten, oder sie übten, wie man komplizierte Verbände und Schienen anlegt, wozu sich Patienten freiwillig zur Verfügung stellten.

Das Schlimmste war, fand Alix, daß man wie ein schwachsinniges Kind behandelt wurde und sich nicht dagegen wehren durfte. Gegen Ende des Tages begann der gestärkte, steife Kragen ihr den Hals wundzuscheuern. Wenn sie von der Stationsschwester angesprochen wurde, so verlangte die Etikette, mußte sie Haltung annehmen – Hände auf dem Rücken, Hacken zusammen, Schultern gerade. Manchmal drängte es sie, etwas Unerhörtes zu tun, zu fluchen oder die Zunge herauszustrekken; aber sie stand nur unterwürfig da und antwortete fromm: »Ja, Schwester. Nein, Schwester.«

Sie erinnerte sich, wie eine pingelige alte Schwester ihr das Leben zur Qual gemacht hatte. Als Alix einmal Brot und Butter für das Abendessen der Patienten zubereitete, kam sie herein, sah kritisch zu und sagte: »Halten Sie das Messer nicht so, Schwester, sondern so. Und wenn Sie die Kruste abschneiden, fangen Sie mit der linken Seite an, dann drehen Sie das Brot so und so und so. Und strecken Sie den Zeigefinger nicht so tief über die Klinge, Schwester.«

Halt die Klappe, hau ab, schimpfte Alix unhörbar, aber laut sagte sie: »Ja, Schwester. Danke, Schwester.« Als die Schwester gegangen war, warf sie das Messer in die Ecke und schlang eine Scheibe Brot mit Butter herunter, um nicht an der Wut zu ersticken.

Abends in ihrer engen Zelle mit dem hohen Fenster, zwei Eisenbetten, einem Keramik-Waschbecken, einem Kleiderschrank und einer Kommode mit drehbarem Spiegel unterhielten sich die Mädchen darüber, was sie nach dem Abschluß des dritten Ausbildungsjahres, wenn sie geprüfte Schwestern waren, tun würden.

»Möchtest du im Krankenhaus arbeiten?« fragte Mab.

»Um Gottes willen, nein! Denk an den Nachtdienst!«

»Und denk an den Drachen«, so nannten sie unter sich die Oberin, »und den blaunasigen Hai. Jemand wie die gibt es in jedem großen Krankenhaus, darauf wette ich.«

»Vielleicht ein Krankenhaus auf dem Land?« gab Alix zu bedenken. »Ich möchte gern andere Gegenden von Australien kennenlernen. Queensland, das Nordterritorium –«

»Zu heiß.«

»Nun, Westaustralien dann.«

»Zu weit entfernt.«

»Mutter wird wollen, daß ich nach Hause komme und einem Dandy schöne Augen mache und mich auf dem Heiratsmarkt feilbiete«, sah Alix voraus. »Ich muß...



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