E-Book, Deutsch, Band 1, 384 Seiten
Reihe: Willowbrook
Claire Weihnachtsglück in Willowbrook
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-95967-575-8
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Entdecke die zauberhafte Weihnachtswelt von Willowbrook - ein Roman voller Liebe, Humor und festlichem Charme!
E-Book, Deutsch, Band 1, 384 Seiten
Reihe: Willowbrook
ISBN: 978-3-95967-575-8
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
In dem charmanten Willowbrook erfüllt sich Evie ihren Traum von einem Handarbeitsladen. Doch es läuft nicht alles rund. Neben Geldproblemen und einem Ex-Verlobten muss sie sich mit dem genauso attraktiven wie mürrischen Jake herumschlagen. Jede Begegnung mit Mr. Arktis endet im Chaos. Aber je besser sie Jake kennenlernt, desto mehr kann Evie hinter seinen Eispanzer schauen. Als die Feiertage vor der Tür stehen, will Jake der Weihnachtsidylle entfliehen. Evie selbst würde das Fest gerne aus dem Kalender streichen, um nicht mit ihrem Ex unterm geschmückten Baum zu sitzen. Kurzerhand fährt sie mit Jake nach Frankreich; auch wenn dieser trotz eines Kusses nur Freundschaft möchte. Allerdings kennt Weihnachten keine Ferien - und Liebe erst recht nicht.
»Ein kuscheliger und herzerwärmender Weihnachtsroman - ein festlicher Genuss.«
Heidi Swain
»Ein witziger und weihnachtlicher Lesespaß.«
Trisha Ashley
»Eine fantastische weihnachtliche Liebesgeschichte.«
Woman & Home
Sophie Claire schreibt emotionale Geschichten, die in England und in der Provence spielen, in der sie als Kind viele Sommer verbracht hat. Sie ist in Afrika geboren und in Manchester aufgewachsen, wo sie auch heute noch zusammen mit ihrem Ehemann und ihren beiden Söhnen lebt. Schon immer wollte sie das Schreiben zu ihrem Hauptberuf machen und ist überglücklich, dass sie nun ihre Tage damit verbringen kann, sich herzerwärmende Liebesromane an wunderschönen Schauplätzen auszudenken.
Weitere Infos & Material
Kapitel Eins
Evie hatte ein mieses Gefühl bei diesem Haus. Vielleicht lag es schlicht an der Kälte und daran, dass sie schwer beladen von ihrem Wagen nach Old Hall eilte. Für heute Nacht war Schnee angesagt. Sie betete, dass er erst fallen würde, wenn sie hier alles erledigt hatte und wieder unten im Dorf war. Es sollte höchstens eine Stunde dauern, und sobald sie zurück in ihrem kleinen Cottage war, durfte es schneien, so viel es wollte. Dort würde sie sich mit einer Wärmflasche unter ihren warmen Quilt ins Bett kuscheln. Morgen würde sie die Rechnung per E-Mail schicken. Je schneller sie bezahlt wurde, desto glücklicher wäre ihr Bankberater. Vielleicht hörte er sogar endlich auf, ihr ständig im Nacken zu sitzen.
Sie schloss die Tür des großen Hauses auf und schaltete das Licht an, wobei sie versehentlich gegen den Garderobenständer stieß – ihn aber abfangen konnte, ehe er umkippte. Dann lief sie ins Esszimmer. Der Raum wurde von zwei Kronleuchtern erhellt, und sie sah ihr Spiegelbild in den hohen, blanken Fenstern. Ihr roter Mantel glich einem Leuchtsignal in der offenen Tür. Behutsam legte Evie den Vorhang auf den prächtigen Esstisch. Schließlich warf sie sich ihren langen Zopf über die Schulter und eilte zurück zu ihrem Auto. Bodenlang und burgunderrot mit Golddamast, der das Licht einfing, würden die Vorhänge perfekt in das Esszimmer passen, allerdings waren sie so schwer, dass Evie die vier Schals einzeln reintragen musste.
Als sie zum letzten Mal von ihrem Wagen kam, fielen die ersten Schneeflocken. Evie lächelte, da sie ihr die Wangen kitzelten, beschleunigte jedoch ihre Schritte und machte zurück im Haus die schwere Eichentür zu, um die eisige Luft auszusperren. Nicht dass es in dem riesigen leeren Haus viel wärmer wäre. Ihr Atem hinterließ kleine Wolken in der Luft, während sie durch den Flur ging. Vielleicht würde hier alles zum Leben erwachen, sobald der neue Besitzer eingezogen war.
Ihr Fuß verhakte sich hinter etwas Hartem, und sie stolperte. Ein Türstopper aus Metall lag auf der Seite. Mit der Stiefelspitze schob sie ihn unter die Esszimmertür, damit sie offen blieb. Dann legte sie ihr schweres Paket zu den anderen, hielt inne und horchte.
Komisch, sie hatte geglaubt, ein Bellen zu hören.
Was natürlich nicht sein konnte. Ihr Wagen war der Einzige in der Auffahrt, und bei ihrer Ankunft war alles dunkel gewesen. Der Eigentümer sollte erst in einer Woche einziehen.
Evie tat den Gedanken ab und trug ihre Leiter ans Fenster, die laut quietschte, als sie das Ungetüm ausklappte. Vorsichtig wickelte sie den ersten Vorhangschal aus der Plastikfolie, schwang ihn sich geübt über die Schulter und stieg auf die oberste Leiterstufe. Diese Fenster waren hoch, und es war ein Balanceakt, mit einer Hand das Gewicht des Stoffes zu stützen und mit der anderen den Vorhang aufzuhängen. Sie war mit dem ersten Schal fertig und fing mit dem zweiten an, da ertönte wieder ein Bellen, diesmal lauter, und sie verharrte regungslos ganz oben auf der Leiter. Es war nicht das hohe Kläffen eines kleinen Hundes, sondern ein tiefes, dröhnendes.
Evies Herz schlug schneller. Was, wenn hier ein Wachhund herumlief?
Nein, das konnte nicht sein. Die Assistentin des Eigentümers hatte ihr den Schlüssel übergeben, und seit Wochen gingen hier Handwerker ein und aus.
Dennoch könnte der Besitzer denken, dass sie tagsüber kommen würde. Sie blickte auf die Uhr. Es war halb zehn Uhr abends.
Sie hörte Schritte und eine tiefe Männerstimme. Nun zuckte sie bei einem erneuten Bellen zusammen, denn zugleich vernahm sie das Kratzen von Krallen – vielen womöglich? – aus dem Flur. Wie versteinert beobachtete sie die offene Tür und wagte nicht, den Vorhang loszulassen, der bisher nur an drei Haken befestigt war. Sie riss die Augen weit auf, denn ein großer Dalmatiner stürmte herein und sprang sofort an der Leiter hoch.
Schreiend klammerte sie sich an den Haltebügel, als die Leiter heftig wackelte. Die Vorhangstange wurde ihr aus der Hand gerissen, und sie hörte ein Knirschen. Sowie sie aufblickte, erkannte sie, dass die Vorhangstange in einem schiefen Winkel hing.
»Smoke! Runter!«, rief der Mann.
Der Hund ignorierte ihn und sprang wieder bellend gegen die Leiter. Evie stieß einen stummen Schrei aus, als sie ins Schwanken geriet und in einem Gewirr von Metall, Stoff und bellendem Hund zu Boden stürzte.
Verwirrt blinzelte sie. Sie und die Gardinen lagen in einem Berg auf dem Fußboden. Automatisch hob sie einen Arm, um ihr Gesicht zu schützen, da der Hund einen Satz auf sie zu machte, doch anstelle von Raubtierzähnen fühlte sie eine warme, sehr nasse Zunge, die ihre Hand abschleckte.
»Was …« Erschrocken ließ sie den Arm sinken und starrte den Hund an. Der neigte den Kopf zur Seite und beäugte sie seinerseits, bevor er freundlich winselte. Evie lachte. »Nach dem Auftritt willst du noch, dass ich dir die Ohren kraule? Das ist ja wohl nicht dein Ernst!« Sie kraulte den Dalmatiner dennoch hinter den Ohren, und er gab wohlige Laute von sich.
Ihr Lächeln erstarb allerdings, kaum dass sie die Löcher im Putz bemerkte, wo die Vorhangstange aus der Wand gerissen war. »Oh, schau dir an, was du getan hast …« Sie versuchte, sich aus den Gardinen zu befreien, war jedoch gründlich in ihnen verwickelt, und das zusätzliche Gewicht von Leiter und Hund hielten sie unten.
»Er soll sich anschauen, was er getan hat?«
Sie und der Hund drehten sich zu der strengen männlichen Stimme um.
Nun sah Evie den großen, unrasierten Mann, der wenige Schritte entfernt stand. Sie schätzte ihn auf Mitte dreißig, war sich aber nicht sicher. Er kam näher, um den Haufen aus Leiter, Metallstange und Vorhang zu inspizieren, in dem Evie gefangen war, und sie roch eine starke Alkoholfahne. Die Bartstoppeln verliehen ihm etwas Bedrohliches, sein Haar war zerzaust, und während er sie direkt anschaute, bemerkte sie, dass seine Augen blutunterlaufen waren.
»Er schützt bloß mein Eigentum. Die Frage ist, was Sie hier machen?«
Da war keine ausgestreckte Hand, um ihr aufzuhelfen, kein »Haben Sie sich verletzt?« Nur ein vorwurfsvoller Blick, als hätte er sie bei einem Einbruch erwischt.
Ihr Herz schlug schneller. Niemand wusste, dass sie hier war – allein mit diesem wütenden Fremden und seinem Hund. Plötzlich fühlte sie sich wehrlos.
»Wie sieht es denn aus? Als würde ich hier einbrechen?«
Er starrte sie weiter erbost an. Evie seufzte. »Ich passe natürlich diese Vorhänge an«, erklärte sie.
»Natürlich«, antwortete er trocken. »Weil es völlig normal ist, das um« – er sah auf seine Uhr, die im Licht der Kronleuchter blitzte – »fast zehn Uhr abends zu tun.«
Jetzt fing Evie an, sich zu ärgern. »Ich habe einen Schlüssel!« Sie wollte sich aus dem Stoff befreien, was ihr nicht gelang. Der Dalmatiner trat vor und stupste gegen ihre Hand. Es war schwer, dem schrecklichen Mann böse zu sein, wenn sein Hund so bezaubernd war.
»Klar.«
Sein Sarkasmus war eine Beleidigung. Unwillkürlich kam Evie ihr Ex in den Sinn, doch sie verdrängte ihn gleich wieder, um sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. »Ja!« Sie wollte den Schlüssel aus ihrer Manteltasche holen, was das Vorhanggewirr leider unmöglich machte. »Heidi hat ihn mir gegeben.«
Als er den Namen hörte, blinzelte er einmal kurz, was ihr sagte, dass er zumindest wusste, wer Heidi war. »Und hat Heidi Sie eingeladen, mitten in der Nacht herzukommen?«
»Ich habe es nicht eher geschafft«, sagte sie und biss die Zähne zusammen. Endlich schaffte sie es, sich aus der Stoffumklammerung zu kämpfen und aufzustehen. Im selben Moment jagte ihr ein scheußlicher Schmerz durch den linken Knöchel, und sie verlor das Gleichgewicht. Instinktiv griff sie nach dem nächsten Objekt – einem Stuhl.
»Was ist?«, fragte der Fremde, der eher genervt als besorgt klang.
»Nichts.« Sie griff in ihre Manteltasche. »Hier ist Ihr verfluchter Schlüssel. Jetzt zufrieden?«
Voller Verachtung starrte er das mittelalterlich anmutende Ding an, bevor er wieder zu dem erbärmlichen Vorhanghaufen schaute.
»Das ist wohl kaum der passende Ausdruck. Ist Ihnen aufgefallen, was für einen Schaden Sie hier angerichtet haben?«
Sie folgte seinem Blick zu den Löchern in der Wand, wo die Vorhangstange ausgerissen war. Ihr Kiefer verspannte sich, während sie sich mehrere denkbare Erwiderungen verkniff. Ihr war klar, dass er, sollte er der neue Besitzer sein, auch ihr Kunde war, doch sie hatte bloß ihren Job erledigt. Diese Behandlung hatte sie nicht verdient, und er war mit Abstand der unverschämteste Kunde, mit dem sie jemals zu tun gehabt hatte.
Leider war er nicht der erste Mann, der ihr das Gefühl vermittelte, klein und minderwertig zu sein. Ihr Ex Tim und dieser Mann waren anscheinend aus demselben Holz geschnitzt. Doch eines hatte sie durch Tim gelernt: Nie wieder würde sie sich von einem Mann als Fußabtreter benutzen lassen.
Der Hund lief aufgeregt um sie herum, abwechselnd an den Vorhängen schnüffelnd und den Kopf an ihrem Bein reibend. Evie klammerte sich an den Stuhl und gab sich alle Mühe, das Gleichgewicht nicht zu verlieren und den linken Knöchel nicht zu belasten. »Also, anstatt dass Sie sich für das Benehmen Ihres Hundes entschuldigen, geben Sie mir hierfür die Schuld? Ich könnte ebenso gut fragen, wer Sie sind und was Sie hier zu suchen haben?«
»Dies ist mein Haus. Ich muss meine Anwesenheit Ihnen gegenüber nicht rechtfertigen.«
Aha. Also war er der Kunde. Und...




