E-Book, Deutsch, Band 01, 395 Seiten
Reihe: MacCarrick-Brothers
Cole Feuer der Versuchung
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7363-0636-3
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 01, 395 Seiten
Reihe: MacCarrick-Brothers
ISBN: 978-3-7363-0636-3
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Feind in meinem Herzen
Andorra, 1865. In allerletzter Sekunde kann der Söldner Courtland McCarrick seiner Hinrichtung entkommen, indem er sich in einen reißenden Fluss stürzt. Schwer verletzt wird er ans Ufer gespült, wo ihn die Lady Annalía findet. Obwohl die kastilianische Schönheit weiß, dass ihr ein Schotte - und somit ein Feind! - zu Füßen liegt, bietet sie Courtland Zuflucht und pflegt ihn gesund. Je länger Anna Zeit mit dem ruppigen Highlander verbringt, desto stärker versetzt er ihr Herz in Aufruhr. Doch Annalía ist General Pascal versprochen - McCarricks Erzfeind ...
'Kresley Cole schickt ihre Leser auf das Abenteuer ihres Lebens!' Susan Wiggs, New-York-Times-Bestseller-Autorin
Nach einer Karriere als Athletin und Trainerin veröffentlichte Kresley Cole 2003 ihren ersten Roman und ist seither eine der international erfolgreichsten Autorinnen historischer, zeitgenössischer und fantastischer Liebesromane.
Weitere Infos & Material
1
Fürstentum Andorra, 1856
»Gut so! Nicht aufhören! Los, weiter! Reißt ihm das Herz aus dem Leib!«
Zum ersten Mal, seit die Schläge begonnen hatten, verging Courtland MacCarrick das höhnische Lächeln, das seine blutigen Lippen umspielte. Die harschen Worte des Generals waren ihm nur vage ans Ohr gedrungen, der ungeduldige Befehl hatte sich hohl und verschwommen angehört. Vielleicht lag es daran, dass Court nichts sehen konnte. Blut tropfte ihm aus einer Wunde auf der Stirn über die Augen, und seine Lider waren geschwollen.
Die Gefolgsleute des Generals rammten ihm ihre Fäuste in den Magen. Die Aussicht, einen Söldner – und noch dazu einen Rivalen – zu töten, versetzte sie in Erregung; es gelang ihnen kaum, sich zu zügeln. In seinem Zustand war Court so gut wie wehrlos, zumal seine Handgelenke gefesselt waren.
»Seien Sie gewiss, dass meine Männer mich rächen werden, wenn Sie mich töten«, stieß er atemlos hervor. »Wollen Sie das Wagnis auf sich nehmen, anstatt einfach Ihre Schulden zu bezahlen?« Sein Akzent war so stark wie vor Jahren, als er die schottischen Highlands verlassen hatte.
»MacCarrick, niemand wird Ihren Tod rächen«, erwiderte General Reynaldo Pascal ungerührt, »denn Ihre gesamte Truppe wird ebenfalls ausgelöscht werden.«
»Meine Leute werden Sie verfolgen, bis Sie sie vom Erdboden getilgt haben.« Der General seufzte. »Wie dem auch sei …«, Court konnte sich bildhaft vorstellen, wie der Mann ungeduldig mit der Hand winkte, »… sorgt dafür, dass sein Leben qualvoll zu Ende geht.«
»Sie wollen sich nicht selbst um die Angelegenheit kümmern?«
Der General lachte leise. »Sie sollten es besser wissen. Ich habe Männer in meinen Diensten, die die Drecksarbeit für mich erledigen.«
»Aye, aber ist diesen Dummköpfen auch klar, dass Sie ihnen den Lohn schuldig bleiben werden?«, rief Court über die Schulter, während die beiden Männer ihn wegschleppten.
Sie zerrten ihn aus dem Zimmer und die Treppe hinunter nach draußen auf die heruntergekommene, mit Schiefergestein gepflasterte Straße.
Kaum spürte er die Sonnenstrahlen auf dem Gesicht, hörte er auch schon, wie eine Frau aufstöhnte.
»Mare de Déu«, murmelte ein alter Mann entsetzt.
Aber Court wusste nur zu gut, dass die Menschen hier nichts tun würden, als beide Augen fest zuzukneifen und schnellstens die Kinder ins Haus zu holen. Die Furcht vor Pascal war zu tief verwurzelt. Selbst wenn man Court mitten im Dorf in vier Hälften zerlegen würde wie Schlachtvieh, so würde niemand auch nur einen Finger krumm machen, um ihn zu retten.
Trotzdem hatte er nicht das Gefühl, dass sie die Richtung zum Marktplatz einschlugen. Das Geräusch von fließendem Wasser drang an sein Ohr, und er begriff, dass sie ihn zum Fluss vor dem Dorf schleppten.
»Keine Exekution mitten im Dorf?«, stieß er mit rauer Stimme hervor. »Geben Sie acht, dass ich mich nicht gekränkt fühle.«
»Wir sind vorsichtiger geworden mit unseren … Handlungen«, erwiderte der Mann zu seiner Linken.
»Zu spät. Pascal hat ganz Spanien in Zorn versetzt«, stieß Court im Tonfall tiefer Überzeugung hervor, obwohl er in Wahrheit kaum noch zu hoffen wagte, man würde ihn am Leben lassen.
»Wenn die Zeit gekommen ist, werden wir bereit sein«, entgegnete der andere Mann, kurz bevor er ihn rücklings gegen ein Brückengeländer drängte.
Direkt unter ihnen befand sich der Riu Valira. Nach schweren Regenfällen im Norden verwandelte er sich immer in einen wütenden Strom mit reißenden Wasserfällen. Angestrengt versuchte Court sich zu erinnern, wie hoch die Brücke war. Würde der Valira tief genug sein?
Er hörte, wie ein Messer aus einer Scheide gezogen wurde.
»Wenn ihr das jetzt tut«, flüsterte Court gefährlich leise, »werden meine Männer und meine Sippe euch verfolgen, bis ihr vernichtet seid. Sie leben, um zu töten.« Und sie töten für ein Leben.
Ihm war bewusst, dass seine Worte die Kerle nicht einen Herzschlag lang davon abhalten würden, ihm den tödlichen Stich zu verpassen. Denn es handelte sich nicht einfach um zwei Leute aus der Armee des Generals; diese beiden Männer waren Mörder. Sie gehörten zu den Rechazados, dem Orden der Abtrünnigen. Court wollte Zeit schinden. Zeit, um sich zu orientieren. Jede Sekunde Verzögerung verschaffte ihm neue Möglichkeiten …
Wenn er jetzt sprang, würden sie ihn nicht den Fluss entlang verfolgen. Sie würden an seinen erbärmlichen Zustand denken, die gefesselten Hände und die reißenden Wasserfälle. Sie wären überzeugt, dass er ohnehin ertrinken würde.
Unglücklicherweise würden sie wahrscheinlich recht behalten …
Die Spitze des Messers wurde ihm an die Brust gedrückt, als suchten die Rechazados nach der geeigneten Stelle, ihm den tödlichen Messerstich zu versetzen. Es war beinahe ein beruhigendes Gefühl, weil er wenigstens wusste, wo sich das Messer befand. Doch plötzlich … war es verschwunden. Sie holten zum entscheidenden Stoß aus.
Court ließ sich nach hinten fallen, stieß sich mit aller Kraft über das Geländer, schwang die Beine kopfüber und landete im eiskalten Wasser. Der Aufprall betäubte ihn fast, und sein Körper empfand den Schlag, als wäre er gegen eine Wand gekracht. Er sank so tief hinab, dass der Druck immer größer wurde und der Schmerz ihm bis in die Ohren pochte. Mit gefesselten Händen kämpfte er sich aufwärts.
Gegen seinen Instinkt zwang er sich, mit dem Gesicht nach unten an der Wasseroberfläche zu treiben, als sei er tot. Er spürte den mächtigen Sog des Wassers; ihm wurde klar, dass er kopfüber die Wasserfälle hinunterstürzen würde, wenn er in dieser Haltung verharrte.
Die Rechazados schossen in dem Augenblick, als die reißende Flut ihn über den Rand des Flussbeckens treiben wollte. Die Kugeln pflügten so dicht neben ihm durchs Wasser, dass er den Aufprall spürte. Aber er zuckte noch nicht einmal zusammen, als er zu tauchen gezwungen war und den Wasserfall hinabstürzte, bis er endlich in den Hauptarm des Flusses gespült wurde.
Stromschnellen schienen den Fluss zum Kochen zu bringen, der ihn mit sich fortriss. Als Court es nicht mehr aushielt, hob er den Kopf, um Atem zu schöpfen, bekam aber fast nur Schaum in die Lungen.
Der aufgewühlte Fluss trieb ihn auf eine Gruppe von Felsbrocken zu. Er prallte gegen sie, wurde hin und her geschleudert, doch das spülte ihn auch wieder an die Wasseroberfläche, sodass er Luft holen konnte. Aber sein Gewicht zog ihn in immer wieder auf den Grund des Stromes, der von scharfkantigen Schieferplatten bedeckt war. Sie zerfetzten ihm die Kleidung, dann zerschnitten sie seine ungeschützte Haut. Trotzdem gab er den Kampf nicht auf und schaffte es, sich zu drehen. Mit den Füßen voran trieb er weiter. Das Wasser hatte das Blut von seinem Gesicht gewaschen und die eisige Kälte die Schwellungen ein wenig abklingen lassen, sodass er die Augen einen kleinen Spalt zu öffnen vermochte. Es kostete ihn seine letzten Kräfte.
Court sah einen aus dem Wasser ragenden Felsen, dem er entgegentrieb. Als er ihn erreichte, schnellte er mit letzter Kraft hoch und schlang die gefesselten Arme um den Stein. Die Strömung riss und zerrte unablässig an ihm, bis die Fesseln ihm schmerzhaft in die Gelenke schnitten. Es kümmerte ihn nicht. Keuchend schnappte er nach Luft und ruhte sich kurze Zeit aus, bevor er aufs Neue der Gnade des tobenden Flusses ausgeliefert war.
Er verlor sekundenlang das Bewusstsein, erwachte wieder, verlor erneut das Bewusstsein … es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis die Strömung endlich nachließ und der Fluss ruhig dahinströmte. Erst jetzt bemerkte Court, dass die eisige Kälte seine schlimmsten Schmerzen betäubt hatte. Genau genommen spürte er nur das Wasser, das sich wärmer anfühlte, als es ihn in ein Felsbecken am Fuße einer Anhöhe trug, in dem sich das Wasser sammelte. Plötzlich erfüllte ihn die unendliche Sehnsucht, sich der Dunkelheit zu überlassen, und diese Sehnsucht war fast stärker als sein Überlebenswille. Aber er zwang sich, sich auf eine Hand zu stützen und auf Knien das steinige Ufer hinaufzukriechen. Kaum hatte er es geschafft, brach er zusammen.
Die Sonne wärmte ihn und vertrieb die schlimmste Kälte. Court wusste nicht, wie lange er dort schon gelegen hatte, als ein Schatten auf ihn fiel. Mühsam blinzelnd öffnete er sein unverletztes Auge.
Seine gebrochenen Rippen schienen vor Schmerz aufzuschreien, als er die Luft scharf in die Lungen sog. Eine Frau mit schwarzem glänzendem Haar kniete neben ihm und musterte ihn aus großen grünen Augen. Vor Überraschung hatte sie die Lippen leicht geöffnet. Um ihren schlanken Hals trug sie ein Samtband mit einem ungewöhnlichen, schimmernden Stein daran. Ein Windstoß blies ihr eine Locke aus dem Gesicht, als sie sich zu Court hinunterneigte.
Atemberaubend. »Aingeal …«, murmelte er und widerstand abermals dem Verlangen, in Dunkelheit zu versinken.
»Nun, ist das nicht perfekt«, erwiderte sie mit beißendem Sarkasmus, während sie sich erhob und die Hände in die Hüften stützte, »einfach perfekt? Das Tier ist am Leben.«
Tee.
Annalía Elisabet Catherina Tristán, Tochter der Familie Llorente, war ausgeritten, um den Nachmittagsteetisch mit Blumen zu verschönern. Und wo gediehen die Sumpfdotterblumen besonders prächtig? Am Fluss. Am verfluchten Fluss, der offenbar verfluchte Söldner ans Ufer spülte.
Als sie von Weitem die Gestalt gesehen hatte, hatte sie nicht gewusst,...




