E-Book, Deutsch, Band 02, 366 Seiten
Reihe: MacCarrick-Brothers
Cole Flammen der Versuchung
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7363-0642-4
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 02, 366 Seiten
Reihe: MacCarrick-Brothers
ISBN: 978-3-7363-0642-4
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Liebe gegen alle Widerstände
England, 1856. Ohne ein Wort des Abschieds hatte Hugh MacCarrick seine große Liebe Jane Weyland verlassen. Auch wenn ihm diese Entscheidung das Herz gebrochen hat, besaß er keine andere Wahl. Als Janes Leben - Jahre später - von einem Auftragskiller bedroht ist, zögert er nicht, zu ihrer Rettung zu eilen. Kaum stehen sich die beiden gegenüber, flammen alte Gefühle auf und brennen lichterloh. Doch Hugh darf sich der Leidenschaft nicht hingeben, denn er hütet ein dunkles Geheimnis, das Jane und ihn zerstören könnte ...
'Es ist unmöglich diesen Helden und ihrer leidenschaftlichen Geschichte nicht zu verfallen.' Romantic Times
Nach einer Karriere als Athletin und Trainerin veröffentlichte Kresley Cole 2003 ihren ersten Roman und ist seither eine der international erfolgreichsten Autorinnen historischer, zeitgenössischer und fantastischer Liebesromane.
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2
Hugh stockte der Atem, als er Jane zum ersten Mal seit beinahe zehn Jahren wiedersah. Sein schmerzender Körper, der nagende Hunger und die Erschöpfung – all das war sofort vergessen.
Er folgte ihr, blieb ihr, nachdem sie und ihre Begleiterinnen aus der Droschke gestiegen waren, dicht auf den Fersen, wich dabei immer wieder in eine abzweigende Gasse aus, während die Gruppe in Richtung Haymarket ging.
Schon die bloße Erwähnung David Greys hatte Hugh zu dem Entschluss getrieben, Jane zu holen und in Sicherheit zu bringen …
Eine schwere Hand packte ihn an der Schulter und hielt ihn fest. »Ich hätte dir in den letzten zehn Minuten ein Dutzend Mal ein Messer in den Rücken stoßen können«, raunte eine tiefe Stimme hinter ihm. »Hast wohl den Verstand verloren, was?«
»Ethan?« Hugh riss sich aus dem Griff seines älteren Bruders los und warf ihm einen drohenden Blick zu. »Was hast du hier zu suchen …?«
»Himmel noch mal, was ist mit deinem Gesicht passiert?«, unterbrach ihn Ethan.
»Eine Detonation. Herabstürzende Felsen.« Vor wenigen Tagen noch war Hugh in Andorra in eine Schlacht verwickelt gewesen. Scharfkantige Gesteinsbrocken waren auf ihn herabgeregnet. Es war der Kampf gewesen, bei dem Courtland beinahe sein Bein verloren hätte. »Und jetzt beantworte mir meine Frage.«
»Ich war in Weylands Haus und habe dort Quin erwischt, kurz bevor er aufbrechen wollte«, erwiderte Ethan. »Welch ein Glück. Es sieht dir gar nicht ähnlich, an Orten wie diesem so sorglos herumzuspazieren. Was hast du dir nur dabei gedacht?«
»Ich habe mir gedacht, Jane nach Hause zu bringen.«
»Weyland will, dass sie lediglich observiert wird. Hör auf, den Kopf zu schütteln. Grey hat seinen Fuß noch nicht auf englischen Boden gesetzt.« Da Hugh nicht überzeugt zu sein schien, fuhr Ethan fort: »Und er wird vielleicht gar nicht lebend hier ankommen. Also beruhige dich, und trage es wie ein Mann, dass du eine Zeit lang das Kindermädchen spielen wirst.«
»Bin ich deshalb hierher zurückbeordert worden? Warum hat Weyland mich angefordert?«
»Er scheint zu glauben, dass es Jane unangenehm sein könnte, wenn ich sie beschütze«, erklärte Ethan beiläufig. Es war bekannt, dass sein vernarbtes Gesicht vielen Frauen große Angst einjagte. »Und dass Quinton sich offenbar nur dazu eignet, gewissen ausländischen Ladys gewisse gewichtige Geheimnisse abzujagen. Weyland brauchte einfach einen Mann, der schießen kann. Und außerdem kennt niemand Grey besser als du.«
Hugh wandte seine Aufmerksamkeit wieder Jane zu, die in diesem Augenblick die Querstraße entlangkam. Sie ging so nah an der Seitengasse vorbei, in der er sich verborgen hielt, dass er ihre kehlige sinnliche Stimme hören konnte, allerdings ohne ihre Worte zu verstehen. Sie trug ein grünes Kleid mit tiefem Ausschnitt, der ihre nackten, wie Alabaster schimmernden Schultern freigab und zeigte, um wie viel weiblicher ihr Körper geworden war. Ihr Gesicht wurde fast ganz von einer Maske aus dunkelgrünen Federn verdeckt, die wie Flügel zu beiden Seiten fächerartig abstanden.
In diesem Kleid und mit dieser Maske sah sie … verrucht aus.
Der kalte Schweiß auf seiner Stirn überraschte Hugh nicht. Schon immer hatte er körperlich auf sie reagiert. Und er konnte sich noch gut an die Symptome erinnern, die er in jenem letzten Sommer hatte ertragen müssen, den er mit ihr verbracht hatte … an das wilde Pochen seines Herzens, daran, dass seine Kehle wie zugeschnürt gewesen war, an die prickelnde Lust, die er schon bei ihrer leisesten Berührung gefühlt hatte.
Daran, dass er kaum ein Stöhnen hatte unterdrücken können, wenn sie ihm süße Worte ins Ohr geflüstert hatte …
»Ist Courtland mit dir nach London zurückgekehrt?«, wollte Ethan wissen.
»Ich musste ihn zurücklassen, als Weylands Nachricht eintraf«, berichtete Hugh, ohne den Blick von Jane abzuwenden. »Court hat sich am Bein verletzt und hätte den Ritt nicht durchgestanden.«
»Und wo hast du ihn zurückgelassen?«, schnappte Ethan. »Weit genug entfernt von dieser Frau, hoffe ich.«
Hugh hatte nicht nur den Auftrag gehabt, Court nach England zurückzubringen – er hatte auch dafür sorgen sollen, dass Court nicht auf den Gedanken kam, zu dieser Frau, wie Ethan sie nannte, zurückzukehren. Zu Annalía Llorente. »Ich habe mich in Frankreich von ihm getrennt. Court wird nicht zu ihr gehen. Weil er begriffen hat, was er ihr antut, wenn er sich nicht von ihr fernhält«, erklärte Hugh voller Vertrauen, obwohl er durchaus seine Zweifel hatte. Denn Court hatte sich so verzweifelt nach Annalía gesehnt, dass es nahezu mit Händen zu greifen gewesen war. Aber nachdem Hugh erfahren hatte, dass Jane in Gefahr schwebte, hatte er keine Wahl gehabt und seinen Bruder allein lassen müssen. »Was zum Teufel ist dran an den Gerüchten über Grey?«, wollte Hugh wissen. In den vergangenen Jahren hatte er den Mann eher für einen Freund gehalten.
»Weyland hatte ihn auf ein Himmelfahrtskommando geschickt. Es ist gescheitert.«
Unwillkürlich sah Hugh seinen Bruder an. »Bist du dabei gewesen?« Manchmal, nein, sehr oft sogar wünschte er, dass Ethan und er niemals von Weyland rekrutiert worden wären.
Ethan verzog die Lippen zu einem Lächeln, das von der blassen Narbe entstellt wurde, die quer über seinem Gesicht verlief. Mein lieber Bruder, schien es zu sagen, wäre ich dabei gewesen, wäre das Kommando nicht gescheitert. »Ich war nicht dabei«, sagte er schließlich, »obwohl ich mich freiwillig gemeldet hatte, um ihn außer Gefecht zu setzen. Aber Weyland war offenbar der Meinung, dass ich persönlich zu tief in die Sache involviert bin. Deshalb hat er abgelehnt.«
»Du hast dich freiwillig gemeldet?«, fragte Hugh angewidert.
»Lass gut sein.« Ethan zuckte ungerührt die Schultern. »Und lass dich von mir nicht daran hindern, den Damen zu folgen. Dabei kannst du dir dann Jane genauer ansehen.«
Hugh zog eine grimmige Miene, aber Ethan wusste genau, wie stark es seinen Bruder nach Jane verlangte. Leugnen war zwecklos. »Ich habe sie schließlich seit Jahren nicht gesehen«, sagte er entschuldigend und ging Ethan voraus zur Querstraße. »Ich bin neugierig auf sie.«
»Ich rieche es auf zehn Meilen gegen den Wind«, murmelte Ethan in sich hinein. »Zuerst Court mit seinem Mädchen. Und jetzt du mit Jane. Wieder einmal. Welch ein Glück, dass ich immun bleibe.«
Hugh überhörte den Kommentar und verbarg sich in einem dunklen Winkel ein Stück die Straße hinauf. »Warum ist Weyland so überzeugt, dass Jane in Greys Visier geraten ist?«
»Grey will sich rächen«, sagte Ethan. »Also will er das vernichten, was dem alten Mann am kostbarsten ist.«
Just in diesem Moment lachte Jane über eine Bemerkung einer ihrer Cousinen, und Hugh wandte ihr den Blick zu. Sie hatte schon immer gern und viel gelacht – eine Eigenschaft, die ihm völlig abging, ihn an ihr aber umso mehr faszinierte. Er erinnerte sich, dass sie ihm einst ihre zarte Hand auf die Wange gelegt, ihn ernst angeblickt und erklärt hatte, dass sie für ihn mitlachen würde, wenn es nötig wäre.
»Grey hat also vor, Jane zu töten«, murmelte Ethan über die Schulter. »Er will ihr die Kehle aufschlitzen. So, wie er es mit den anderen Frauen getan hat. Wie es scheint, ist er jetzt so richtig auf den Geschmack gekommen. Vermutlich wird er wohl nie wieder damit aufhören.«
»Es reicht«, zischte Hugh, der noch immer wie gebannt auf Janes lächelndes Gesicht schaute. Der Gedanke, dass Grey für immer aus dem Verkehr gezogen werden müsste, hatte Hugh nicht gefallen, obwohl er durchaus gesehen hatte, dass es keine andere Lösung geben würde. Doch jetzt würde er sich diesem Gedanken nicht länger widersetzen.
»Jede Wette, dass du dir jetzt wünschst, mein Angebot, Grey zu töten, wäre angenommen worden«, meinte Ethan, als könnte er Hughs Gedanken lesen. »Aber keine Sorge, kleiner Bruder, jetzt hat man es akzeptiert. Weyland wird alles tun, um sie zu schützen.«
Ethan deutete mit dem Kinn auf Jane, sah dann Hugh an und ließ sich zwei Schritte zurückfallen, wobei er die jungen Frauen eingehend musterte. In seinem Blick flammte eine beunruhigende Neugier auf, und Hugh war umso mehr alarmiert, da er seinen Bruder noch nie so erlebt hatte. Neugier? In Ethans sonst so ausdruckslosem Blick?
Sofort ballte Hugh die Hände zu Fäusten. Hatte Ethans hungriger Blick etwa Jane gegolten?
Hugh hatte seinen Bruder mit dem Gesicht voraus gegen die Mauer eines Hauses gedrückt und ihm den Unterarm in den Nacken gepresst, bevor er begriff, was er tat. Als sie noch jünger gewesen waren, hatten sie sich ständig bekämpft. Sie hatten schließlich einen Waffenstillstand vereinbart, nachdem ihnen klar geworden war, dass sie immer stärker und geschickter wurden und einander leicht etwas Ernstes antun könnten.
In diesem Augenblick war Hugh jedoch bereit, die alte Feindseligkeit wieder aufleben zu lassen.
Ethan schien Hughs Gewaltbereitschaft nicht zu beeindrucken. »Beruhige dich«, sagte er müde. »Ich habe nicht die Absicht, deine kostbare Jane zu begaffen.«
Es dauerte noch eine kleine Weile, bis Hugh ihm glaubte und ihn losließ, obwohl es ihm schwer verständlich war, dass ein Mann es nicht auf sie abgesehen haben könnte. »Wer dann hat dein Interesse geweckt?« Hugh folgte Ethans Blick. »Claudia? Die mit der roten Maske?« Sie würde zu Ethan passen. Hugh erinnerte sich, dass Jane erzählt hatte, wie...




