E-Book, Deutsch, Band 102021, 144 Seiten
Reihe: Julia
Colter Cinderella in New York
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7337-1875-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 102021, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-1875-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ausgerechnet New York! Buchhändlerin Jessica ist hin- und hergerissen, als man ihr einen Traumjob in der schillernden Metropole anbietet, denn sie liebt nichts so sehr wie ihr beschauliches Kleinstadtleben. Bis sie bei dem Vorstellungsgespräch den faszinierenden Jamie Gilbert-Cooper kennenlernt. Während ihr möglicher neuer Boss ihr die schönsten Seiten Manhattans zeigt, fühlt sie sich wie verzaubert und genießt seine zärtlichen Küsse. Doch das märchenhafte Glück endet so jäh wie es begann, als sie Jamies Geheimnis entdeckt ...
Cara Colter hat Journalismus studiert und lebt in Britisch Columbia, im Westen Kanadas. Sie und ihr Ehemann Rob teilen ihr ausgedehntes Grundstück mit elf Pferden. Sie haben drei erwachsene Kinder und einen Enkel. Cara Colter liest und gärtnert gern, aber am liebsten erkundet die begeisterte Reiterin auf ihrer gescheckten Stute Dakota die kilometerweiten Waldwege, die direkt an ihrem Haus vorbei- und in die freie Natur führen. Als Autorin von insgesamt 40 Büchern wurde Cara Colter mehrfach ausgezeichnet. 2006 erhielt sie von der Romantic Times einen Sonderpreis für ihre humorvollen Romane, 2007 kam sie erstmalig auf die Bestellerliste von Waldenbooks.
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PROLOG
Es ging alles so unglaublich schnell …
Aber das würden wohl die meisten Leute angesichts einer Katastrophe sagen. Es ist ja nicht so, dass man morgens aufsteht und eine Katastrophe plant. Nein, sie springt einen an, wenn man am wenigsten mit ihr rechnet. In meinem fortgeschrittenen Alter von vierundsiebzig Jahren dürften mich Dinge oder Ereignisse, die unerwartet schieflaufen, eigentlich nicht überraschen.
Aber das tun sie trotzdem, auch diesmal.
Ich spazierte durch Faelledparken und freute mich genauso darüber, meinem lästigen Sicherheitschef entronnen zu sein, wie an der Verwandlung des berühmten Kopenhagener Parks anlässlich des Ascot Music Festivals, das jeden Sommer in einem anderen Land stattfand.
Der gesamte Park war zu einer reizvollen bunten Zeltstadt mutiert, in der Essen und Getränke aus aller Welt angeboten wurden sowie Souvenirs und Tand sämtlicher Couleur. Außer der Hauptbühne gab es kleinere Podien für weniger bekannte Sänger und Bands. Überall ringsum tummelten sich Akrobaten, Jongleure, Zauberer.
Das diesjährige Festival trug den Titel Von Carlene zu Celine und alles dazwischen. Ich fand es eingängig und modern, obwohl einer der PR-Leute – die sich inzwischen Marketing Executives schimpfen – es tatsächlich gewagt hatte, die Augen zu verdrehen, als ich es vorschlug.
Dabei hätte mich das nicht wundern dürfen. Denn nachdem ich beschlossen hatte, mein Familienerbe in Richtung Erfolg zu pushen, begriff ich schnell, dass Frauen besser beraten waren, wenn sie klug und vorsichtig auftraten, damit niemand merkte, wie gerissen sie tatsächlich waren. Inzwischen war das Ascot-Logo zum Synonym für Produkte einer enormen Bandbreite avanciert, die von Pharmazeutika bis zu Küchenarmaturen reichte.
Die gefeierte Sängerin Carlene würde in einer Viertelstunde auftreten, und viele Besucher hatten sich bereits auf den Weg in Richtung Bühne gemacht. Zwischen all den bunten Vögeln fiel ich, eine liebenswürdige ältere Dame mit Sonnenbrille, buntem Kopftuch und einem Pullover, der … ähm … vielleicht etwas voluminös wirkte, kaum auf.
Alles um mich herum schien vor einer Energie zu vibrieren, die ebenso an- wie aufregend war. Ich dagegen verspürte zunehmend eine Beklemmung, die mich daran erinnerte, warum ich Menschenmassen für gewöhnlich aus dem Weg ging.
Der Mann dort bräuchte dringend Vitamin C …
Jene Frau würde am Ende des Sommers ein Kind zur Welt bringen …
Gedankenfetzen, die mich ungebeten befielen und meine Wahrnehmung unangenehm steigerten. Ich hatte das Gefühl, von der Menschenmasse zermalmt zu werden. Außerdem war es furchtbar heiß.
Mit dieser Hitze hatte ich nicht gerechnet, als ich an einen Sommerabend in Dänemark gedacht hatte. Und schon gar nicht, als ich Max unter meinen Pullover gestopft hatte.
Die Leute fällen immer so schnell ein Urteil. Bestimmt hätten die meisten von ihnen mir gesagt, dass es nur Ärger geben würde, wenn ich einen Dackel an so einen überfüllten Ort mitnehme.
Aber Max litt unter notorischer Trennungsangst, die der Jetlag und ein fremdes Hotelzimmer noch verschlimmert hatten. Der einzige Ort, der ihm ein gewisses Maß an Sicherheit verlieh, war das Innere meines Pullovers. Ich fühlte mich ein bisschen wie ein Mutterkänguru … ein schönes Gefühl, da ich selbst nie Kinder hatte.
Diese wundervolle Empfindung hielt so lange an, bis einer der Straßenmusiker exakt in dem Moment, als ich an ihm vorbeilief, auf eine übergroße Pauke haute.
Max stieß einen unartikulierten Laut aus, kraxelte in Richtung Pulloverausschnitt an mir hoch, wobei er rote Striemen auf meiner Haut hinterließ. Er zögerte nur einen Sekundenbruchteil, bevor er über meine Schulter hechtete. Ich wirbelte schnell genug herum, um ihn in seinem entzückenden Seemanns-Outfit auf dem Boden landen zu sehen. Blitzschnell rappelte er sich auf und peste los. Nur sein kleiner Hut blieb zurück.
„Max!“
Man sollte annehmen, dass die Verzweiflung in meiner Stimme den kleinen Rabauken gestoppt hätte – aber nein, der Blick, den er mir über die Schulter hinweg gönnte, war eher animiert als verängstigt. Und in der nächsten Sekunde war er auch schon im Meer der Beine abgetaucht.
Bei dem Versuch, ihm zu folgen, riskierte ich mein Leben. Ich kann die Panik nicht beschreiben, als ich sein zerknautschtes Hütchen an meine Brust drückte. Dieser kleine Hund war meine ganze Welt. In dieser Sekunde erkannte ich, dass ich mein gesamtes, nicht unbeträchtliches Vermögen gegen ihn eintauschen würde.
Ihn weiter zu verfolgen, war sinnlos. Es war wie in einem Albtraum, in dem man versucht zu laufen und nicht von der Stelle kommt.
Meine Unbeholfenheit war erschreckend. Ich erntete immer wieder verärgerte Blicke. Viele schienen zu glauben, ich hätte zu viel getrunken. Und um dieses Vorurteil noch zu bestätigen, stolperte ich plötzlich und spürte, wie sich mein Knöchel verdrehte. Ich erlaube mir nur selten einen schwachen Moment, aber der Schmerz war höllisch.
Und dann erschien sie … mein sprichwörtlich rettender Engel.
Inmitten der Menschenmassen, die zur Konzertbühne strömten, blieb sie stehen und sah mich an. Wir waren wie zwei Felsen in einem wild strömenden Fluss.
Auf den ersten Blick wusste ich, dass sie ein guter Mensch war. Ihre Augen waren riesig und goldbraun, ihr Blick sanft und mitfühlend.
„Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“ Sie sprach Englisch, allerdings ohne Akzent, weshalb ich sie für eine Nordamerikanerin hielt. Instinktiv klammerte ich mich an ihr fest. Und anstatt die durchgeknallte Alte abzuschütteln, legte sie einen Arm um meine Schulter und stützte mich. Sie war sehr schlank, groß und hatte enorme Kraft.
„Mein Hund!“, schluchzte ich. „Er ist weggelaufen … da lang.“
Weil ich mich meiner Schwäche und Hysterie schämte, wollte ich mich von ihr lösen, doch der sengende Schmerz in meinem Knöchel ließ mich zusammenzucken. Eine Sekunde später realisierte ich, dass ein Mann zu meiner Retterin gehörte. Einer dieser attraktiven, selbstverliebten Typen, die ernsthaft glaubten, der Frau, die sich ihrer Aufmerksamkeit erfreuen durfte, damit einen Gefallen zu tun.
Obwohl sie meine Retterin war, hatte ich das Gefühl, sie beschützen zu müssen.
„Ralph … diese arme Frau hat ihren Hund verloren. Kannst du ihn für sie finden?“
Ralph starrte sie an, als hätte sie den Verstand verloren, dann blickte er mit gerunzelter Stirn auf seine protzige Armbanduhr. Keine Frage, er wollte auf keinen Fall zu spät zum Konzert kommen. Wahrscheinlich hatte er eine Menge Geld für Plätze in der ersten Reihe ausgegeben.
Seine Begleiterin ließ ihn nicht aus den Augen, und ich bemerkte, dass sie ihn plötzlich in einem völlig anderen Licht sah. Auch ihm schien dieser Wandel nicht entgangen zu sein, denn nach einem kaum merklichen Zögern wandte er sich mir widerwillig zu.
„Welche Rasse?“
„Ein Dackel … im Matrosenanzug.“
Er hob maliziös eine dunkle Braue, und ich entschied, dass ich diesen Ralph nicht ausstehen konnte. Stellvertretend für sie hasste ich ihn sogar.
Endlich machte er sich offensichtlich widerwillig auf den Weg.
„Er heißt Max!“, rief ich ihm hinterher, wohl wissend, dass ein Typ wie er niemals inmitten all dieser Menschen nach einem entlaufenen Hund grölen würde. Plötzlich begann ich unkontrolliert zu zittern, teils weil mein Knöchel pochte, teils weil ich Max vor meinem inneren Auge sah … völlig verloren im Menschenmeer.
„Sind Sie verletzt?“, fragte mein Engel besorgt.
„Anscheinend habe ich mir den Knöchel verstaucht.“
Sofort schob sie ihren Arm unter meine Achsel und trug mich praktisch aus dem Gewimmel in Richtung eines improvisierten Cafés. Unter einem weißgelb gestreiften Sonnenschutz warteten nicht zusammenpassende Plastiktische und Stühle auf Gäste.
Eine junge Frau stand gerade von einem der Tische auf. Sie umklammerte ihr Carlene-Konzert-Ticket so fest, als hätte sie ihr Leben lang auf diesen Moment gewartet. Als sie sah, dass ich weinte, schaute zu meiner Begleiterin und zögerte. Dann traf sie eine Entscheidung.
„Ist alles in Ordnung? Oder kann ich helfen?“
Sie hatte kurzes dunkles Haar, war sehr zierlich und hätte ohne Weiteres als Tinker Bell in Peter Pan besetzt werden können. Über ihrer Schulter hing ein Instrumentenkoffer – vielleicht eine Geige oder Ukulele –, was mich vermuten ließ, dass sie nicht nur zu dem Carlene-Konzert gehen wollte, sondern vielleicht selbst eine weniger bekannte Musikerin war. Genau wie ich war sie Engländerin, was mich irgendwie irritierte.
„Nicht wirklich, meine Freundin hat ihren Hund verloren“, klärte mein Engel sie auf. „Außerdem hat sie sich am Knöchel verletzt.“
Ihre Freundin … nicht eine verrückte Alte, die sie von ihrem Konzertbesuch abhielt.
„Ach, Sie Ärmste!“
Plötzlich hatte ich zwei hilfreiche Engel, einen auf jeder Seite, die mich zu einem freien Tisch führten.
„Brauchen Sie einen Arzt?“, fragte das englische Mädchen.
„Nein, ich brauche meinen Hund!“ Peinlicherweise schwankte meine Stimme.
„Welche Rasse?“, erkundigte sie sich sanft.
Wie schön, dass sie nicht wissen wollte, warum ich einen Hund zu diesem Massen-Event...




